Name seit 22.10.1875, benannt nach der Lauter, einem Nebenfluss des Rheins.

 

 

Lauterstraße Nr. 12-13

Leo und Clara Bry


Das Biographische Handbuch des Auswärtigen Amtes enthält mitunter verkürzte Einträge. So auch für Ministerialrat Dr. jur. Walter Stahlecker (1900-1942), Mitglied der NSDAP seit 1. Mai 1932, der nach einer informatorischen Beschäftigung im Büro von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop im Juni 1941 Beauftragter des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes beim Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes Nord und Führer der Einsatzgruppe A (Baltikum) wurde.

 

Nicht erwähnt wird, dass Stahlecker im Herbst 1941 nahe der Bahnstation Skirotava das Konzentrationslager Riga-Jungfernhof einrichten ließ. Auf seinen Befehl hin wurden im November und Dezember 1941 Transportzüge mit 1053 Berliner Juden und weiteren mit 3984 Juden aus Stuttgart, Hamburg, Lübeck, Nürnberg und Wien nach Jungfernhof umgeleitet. Kommandant war SS-Oberscharführer Rudolf Seck (1908-1974). Ihm zur Seite stand SS-Sturmbannführer Dr. jur. Rudolf Lange (1910-1945), der neben Heydrich, Eichmann und Unterstaatssekretär Martin Luther vom Auswärtigen Amt in Vertretung seines Befehlshabers an der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 teilgenommen hatte. Nach Langes Rückkehr fanden im Februar, aber vor allem am 26. März 1942, sowohl in Jungfernhof als auch im Rigaer Ghetto Selektionen statt. Die deportierten Juden wurden in den Wald von Bikernieki transportiert. Nach Recherchen des lettischen Historikers Margers Vestermanis (geboren 1925) wurden im südlichen Teil des Waldes 42 Gruben mit einer Fläche von 2.338 Quadratmetern ausgehoben. Hier erfolgten die Massenerschießungen von 1942 bis 1944 – darunter Leo und Clara Bry.

 

Leo und Clara Bry lebten über drei Jahrzehnte in Friedenau, sie waren ganz und gar Friedenauer, obwohl Leo am 20. Januar 1881 in Schrimm (Provinz Posen) und seine Frau Clara geb. Rosendorff am 31. Januar 1887 in Usch (Provinz Pommern) geboren wurden. Es muss im Jahr 1907 gewesen sein, so genau lässt sich das nicht mehr herausfinden, als das frischvermählte Ehepaar die Mietwohnung in der Niedstraße Nr. 7 bezog. Dort wurde am 10. Januar 1908 Sohn Bruno geboren. An der Ecke Lauter- und Niedstraße wurde ein Ladengeschäft angemietet. Kurz zuvor hatte sich Leo Bry in das Handelsregister eintragen lassen: Kaufhaus Leo Bry. Manufaktur- und Modewaren. Lauterstrasse Nr. 12/13. Angeboten wurden Kurz-, Weiß- und Wollwaren, Gardinen, Teppiche, Damen- und Kinder-Konfektion und Herren-Artikel. Anfang März 1908 war die Eröffnung: Für Friedenau ein wahrer Schatz ist Kaufhaus Bry am Lauterplatz. Johannes Löbner von Löbner‘schen Erben, Eigentümer der Anwesen Niedstraße Nr. 4 und Lauterstraße Nr. 12/13 bekundete 1955, dass die Geschäfte sehr gut gingen und ca. 80 Angestellte beschäftigt waren.

 

Den Gewinn legten die Bry‘s in Immobilien an: Gritznerstaße Nr. 37/39 in Steglitz, Cranachstraße Nr. 12 in Friedenau, Jagowstraße Nr. 39 in Moabit sowie ein ca. 1.500 bis 2.000 qm großes Grundstück am See, bebaut mit einem Einfamilienhaus mit großer Terrasse, Bootssteg und Bootshaus in der Uferstraße Nr. 14 in Bad Saarow, das Leo Bry laut Schreiben vom 11. Oktober 1930 an den Gemeindevorstand von Bad Saarow am 14. Januar 1930 von Herrn Alfons Bernstein lt. Vertrag erworben habe, während mir der Besitztitel erst am 28. Mai 1930 vom Amtsgericht Beeskow zuging. Vorab hatte er bereits Grundstückszubehör-, Grunderwerbs- und Gemeindesteuern für ein ganzes Jahr bezahlt. Noch am 23. September 1938 erschien in der Jüdischen Rundschau eine Annonce des Kaufhauses Bry. Geworben wurde für Betten, Wäsche, Aussteuern, Gardinen und die Aufarbeitung für Daunendecken. Zwei Wochen später feierten die Nationalsozialisten die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938. Hauseigentümer Johannes Löbner und seine Frau bestätigten 1955, dass in der Kristallnacht das Geschäft völlig demoliert wurde und die Waren geplündert wurden. Das Geschäft wurde nach der Kristallnacht nicht mehr geöffnet. Im Handelsregister des Jahres 1939 stehen für das Kaufhaus Bry nur drei Buchstaben Liq.– die Liquidation, das Ende.

 

Mit der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 wurde Juden auch auferlegt, ihren Grundbesitz zu veräußern. Dementsprechend genehmigte der Landrat des Kreises Beeskow-Storkow mit Schreiben vom 3. August 1939 den am 2. Februar 1939 vor dem Notar Dr. Walther Ulrich in Berlin-Friedenau, Rheinstraße Nr. 5, unter Nr. 60 Jahr 1939 der Urkundenrolle zwischen dem Juden Kaufmann Leo Israel Bry in Berlin-Wilmersdorf, Rüdesheimer Platz Nr. 7, und der Ehefrau Martha Schulze geborene Jäger in Berlin-Friedenau, Taunusstraße Nr. 15, abgeschlossenen Grundstückskaufvertrag. Gegenstand des Kaufvertrages ist das in Saarow, an der Uferstraße Nr. 14, belegene, im Grundbuche des Amtsgerichts Beeskow vor Saarow im Band 8 Blatt 199 verzeichnete Grundstück. Die Genehmigung wird mit der Maßgabe erteilt, dass der etwa noch bar zu entrichtende Teil des Kaufpreises auf ein Sperrkonto bei einer Devisenbank einzuzahlen ist, über das nur mit Genehmigung des für den Veräußerer zuständigen Oberfinanzpräsidenten verfügt werden darf.

 

Für den Aufenthalt von Leo und Clara Bry werden zwischen 1939 und 1942 die Anschriften Rüdesheimer Platz Nr. 7, Konstanzer Straße Nr. 7 und eine Pension in der Schlüterstraße genannt. Sohn Bruno Barton Bry (1908-1985) emigrierte 1939 mit seiner Frau Irina geb. Wiebering (1913-1991) in die USA – letzte Adresse 53 West 73 rd Street, New York 23 N. Y. Leo und Clara Bry wurden für den 19. Januar 1942 in die Große Hamburger Straße Nr. 27 bestellt. Im Gebäude der Jüdischen Oberschule erhielten sie das Dokument zur richterlichen Verfügung über den Einzug ihres Vermögens durch den Fiskus. Die Gedenkstätte von Yad Vashem vermerkt: Deported from Berlin on 19.1.1942. Die Initiative Jüdische Spuren in Bad Saarow verlegte am 22. Oktober 2010 vor dem Haus Uferstraße 14 zwei Stolpersteine.

 

Entschädigungssache Bry, 1954

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Ermittlungsbericht Bry, 1955

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Wiedergutmachungsverfahren Bry, Landhaus Bad Saarow

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1888 Straube's Droschken-Wegemesser für die Umgebung von Berlin

Lauterstraße Nr. 5-6

Julius Straube (1832-1913)

 

Vom Kartographen Julius Straube ist nicht viel geblieben. Über sein Geographisches Institut und Landkartenverlag wurde am 18. Oktober 1913 das Konkursverfahren eröffnet. Sechs Tage später starb er am 24. Oktober. Das Haus in der Lauterstraße Nr. 5-6, in dem er seit 1905 wohnte, wurde durch einen Neubau ersetzt. Sein Grab auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße ist eingeebnet. Geblieben sind einige seiner Publikationen, für die Antiquariate heute stolze Preise fordern. Selbst für Straubes Übersichtsplan von Berlin in 44 Blättern aus dem Jahre 1910 im Maßstab 1:4000, als Reprint 2003 herausgegeben vom Landesarchiv Berlin, müssen schon 107 Euro berappt werden.

 

Zwischen Gründerzeit und Weltkrieg war Straubes Verlag Marktführer unter den Kartographischen Anstalten Berlins. Noch vor der Jahrhundertwende tauchte Karl Baedeker mit seinen Reiseführern auf. In Berlin bekam Straube Konkurrenz durch die Verlage von Pharus, Kiessling und Grieben, die sich über Lithographische Anstalten mit der Herstellung von Karten und Plänen betätigten.

 

 

 

Angefangen hat die preußische Kartographie mit Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau (1743-1806). Der Feldherr hatte in einer privaten Initiative zum ersten Mal ein einheitliches kartographisches Werk geschaffen: Dem Tableau aller durch den königlich preußischen Obersten Grafen von Schmettau von 1767 bis 1787 aufgenommenen und zusammengetragenen Länder ist in Andeutungen ein Gitternetz als Grundlage geographischer Koordinaten unterlegt. Das handgezeichnete Kartenwerk umfasst 270 Blätter. Die Originale besitzt die Staatsbibliothek. Vorzügliche Nachdrucke sind im Handel. Diese Tuschzeichnungen geben eine Vorstellung von der wirklichen Beschaffenheit des Landes. Hügel, Wälder, Felder, Wiesen, Bäche, Flüsse, Seen tun sich auf, Dörfer liegen da, Wege verbinden sie. Der Verlauf von Alleen wird durch üppig gezeichnete Bäume kenntlich gemacht, ein Luch ist als Luch auszumachen, ebenso Sumpf, Heide oder Forst.

 

Das Werk ist erstaunlich, zumal die Entfernungsmessung zwischen zwei Punkten, mehr noch die Winkelberechnung der Geraden zueinander, sich schwierig gestaltete. Dafür mussten herausragende Orte in der Landschaft herhalten, Berge, Hügel, Kirchen. Für diese Landesaufnahme wurden Offizierskorps und Armee rekrutiert. Ein enormer Personalbedarf war vonnöten. Mit der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung kamen Trigonometrie und Triangulation. Es kamen die Preußische Uraufnahme (1830-1865), der Geographische Specialatlas von Deutschland und den Nachbarländern im Maßstabe von 1 : 200.000 (1806–1837) von Daniel Gottlob Reymann (1759-1837) sowie die Preußischen Generalstabskarten. Sie wurden ab 1868 zur besseren Planung für den Straßen- und Eisenbahnbau veröffentlicht.

 

Damit hatte Straube seine Geschäftsgrundlage. Er soll das fünfte von zehn Kindern des Schlachtermeisters J. G. Straube gewesen sein, soll mit 15 Jahren eine kartographische Ausbildung begonnen haben, die eigentlich nur bei der Königlich Preußischen Landesaufnahme möglich war. Im Berliner Adressbuch von 1861 erscheint erstmals Straube, J. Lithograph, Schönhauser Allee 157, Atelier Schönhauser Allee 179. Vier Jahre später ist er Inhaber des Geographisch-lithographischen Instituts in der Neuen Friedrichstraße 81b. Unter der nächsten Firmenadresse Blumenstraße 82, III. Stock, erscheint 1874 Straubes Neuester Plan von Berlin mit den Königl. Preuss. Standes- und Amtsbezirks-Superintendentur- und Parochie-Grenzen – im Auftrage des Magistrats nach amtlichen Materialien bearbeitet und herausgegeben von Julius Straube. 1876 folgt Straubes Plan von Berlin mit nächster Umgebung. 1878 erschien Straubes Neuester Plan und Führer von Berlin, Charlottenburg und Westend nebst einem Verzeichnis der Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude, Bade-Anstalten, Ball-Locale, Concerthäuser und Gärten, Skating-Rink, Consulate, Gasthöfe, Gesandtschaften, Polizei-Revier-Bureaux, Post- und Telegraphen-Aemter, Rohrpostämter, Sehenswürdigkeiten, Theater u. ein gefalteter Plan. Der Plan zeigt das Gebiet von der Jungfernheide (Reh-Berge) im Nordwesten und dem Weissensee im Nordosten, über Wilmersdorf hinaus im Südwesten bis zum Bahnhof Treptow im Südosten und zeigt die einzelnen Straßen mit Hausnummern. Am Kartenrand mit 2 Extrakarten (Charlottenburg von der Spree bis zum Lietzensee und Siedlung Westend). Auf dem hinteren Broschurdeckel der Tarif für die Droschken I. und II. Klasse, resp. Gepäckdroschken etc. sowie der Sehenswürdigkeiten Berlins.

 

Nach einigen Adressenwechseln, Friedrichstraße 39, Gitschiner Straße 109, findet das Geographische Institut und Landkarten-Verlag Inhaber Julius Straube ab 1904 unter Berlin SW 13, Neuenburger Straße 15, jene Anschrift, die fortan in allen Straube’schen Ausgaben zu finden ist. Ein Jahr später ist Sohn Benno Inhaber. Vater Julius zieht in den II. Stock des von den Architekten H. Klitsche & H. Afdring errichteten Neubaus in der Lauterstraße 5-6 ein. 1913 ist die Firma pleite.

 

Über einhundert Jahre später wird klar: Es war zu erwarten. Wie einst Straube setzten auch die Verlage von Alexius Kiessling, Pharus und Grieben auf die Generalstabskarten, produzierten farbige Landkarten, denen dann ausführliche Beschreibungen zugeordnet wurden. Grieben ging noch mehr ins Detail, lieferte Zeitgeistiges mit Plänen von der Siegesallee (1902) sowie den Ministergärten (1904) und erreichte mit Berlin und Umgebung 40 Auflagen. Julius Straube, inzwischen 76, fehlte die Kraft und Sohn Benno brachte keine Impulse. Auffallend ist, dass in den Jahren von 1908 bis 1909 vornehmlich neue berichtigte Auflagen und überarbeitete Ausgaben erschienen, zu denen Kommunen wie Potsdam, Oranienburg, Strausberg und Wilmersdorf wohl Zuschüsse gewährten. Das konnte die Firma ebensowenig retten wie 1908 die Co-Produktion mit dem vom Städtischen Vermessungsamt des Magistrat der Stadt Wilmersdorf bearbeiteten Übersichtsplan des Stadtgebietes von Wilmersdorf im Maßstab 1:2000 in 16 Blättern, in dem auch angrenzende Gebietsteile von Grunewald, Schmargendorf, Steglitz, Dahlem, Friedenau, Schöneberg, Charlottenburg berücksichtigt wurden, die ebenso eingehend behandelt wie das Wilmersdorfer Gebiet. Der Plan stellt zunächst jedes einzelne Grundstück in seinen richtigen Größenverhältnissen dar und lässt erkennen, ob es bebaut oder unbebaut ist; für die unbebauten Grundstücke, die nicht nach Straße und Hausnummer unzweifelhaft bezeichnet werden können, enthält er auch die Grundbuchbezeichnung. Alle öffentlichen Gebäude sind besonders gekennzeichnet. Des weiteren sind die Straßen, Plätze, Parkanlagen usw. in ihren richtigen Abmessungen und ihre Höhenanlage angegeben; insbesondere ist auch ersichtlich, ob das Straßen- und Platzland noch zu den Privatgrundstücken gehört oder sich bereits im öffentlichen Besitze befindet und ob in einer Straße Vorgärten vorhanden sind, und zwar definitive oder provisorische, oder nicht. Ferner ist zu erkennen, ob eine Straße mit vorschriftsmäßigen oder unvorschriftsmäßigen Pflaster versehen ist.

 

1909 holte Sohn Benno Straube für die 25. Auflage von Straube‘s Märkisches Wanderbuch noch einmal den Bibliothekar und Schriftsteller Dr. phil. Gustav Albrecht (1865-1912) heran, der 1898/1900 in zwei Bänden Die Denkmäler in der Siegesallee zu Berlin in ihrer Bedeutung für die vaterländische Geschichte publiziert hatte und für Julius Straube seit 1904 immer wieder die100 Nachmittags-Ausflüge in die Umgegend von Berlinvon Aloys Hennes (1827-1889) aus dem Jahr 1879 neu bearbeitet und vermehrt hatte. Nun also der erste Teil mit dem Gebiet der Ring-und Vorortbahnen von Berlin, den Grunewald, die Wannsee- und Potsdamer Stammbahn mit allen seinen schönen Wanderungen im Gebiete der Havel. Die nächsten Vororte von Berlin sowie Potsdam, Werder, Brandenburg mit ihren Umgebungen finden hier eine eingehende Würdigung und eine von so großer Heimatliebe diktierte Schilderung, dass manchen die Wanderlust packen wird und ihn an Hand dieses Führers manches Vorurteil gegen unsere Mark aufgeben lassen wird. Der zweite Teil umfasst das Gebiet der Wetzlarer, Anhalter, Dresdener, und Görlitzer Bahn. Das von Wannsee nach Wiesenburg reichende Gebiet der Wetzlarer Bahn ermöglicht eine reiche Angabe von Ausflügen, bei denen namentlich die historischen Angaben vieles Interessante bieten. Die im Gebiete der Anhalter und Dresdener Bahn behandelten Schilderungen führen wieder mehr in das Vorortgebiet der Hauptstadt, während in dem Gebiet der Görlitzer Bahn uns der Autor den eigenartigen Teil unserer Mark zeigt. So das Gebiet des Wusterhausener Forstes, der Duberow, der Teupitzer Waldungen, dann das ganze Gebiet des Spreewaldes.

 

Straube‘s Karte der Umgegend von Potsdam, Werder, Lehnin (1909), eine der schönsten Gegenden der Mark, welche von den Ausflüglern besonders gern aufgesucht wird, bietet in ihrer vielfarbigen ansprechenden Lithographie ein klares Bild dieses mit Wald und Seen reich bedachten Gebiets und ist auch technisch als hervorragende mustergültige Arbeit zu empfehlen. Jeder Liebhaber kartographischer Leistungen wird die Karte mit Wohlgefallen betrachten und auch kaufen. Die durch besondere Genauigkeit ausgezeichnete, alle Veränderungen berücksichtigende Karte gibt alle Wege, Gestellwege, Jagenbezeichnungen in den ausgedehnten Forsten bei Wannsee, Potsdam, Wildpark, Ferch, Lehnin wieder und bietet dem Touristen einen recht brauchbaren Behelf für seine Wanderungen. Auch die Dampferstationen und Dampferlinien, welche regelmäßigen Verkehr aufzuweisen haben, sind entsprechend bezeichnet.

 

Straubes Karten sind auch nach über einhundert Jahren ein kartographischer Genuss, aber mit den Schmettauschen poesievollen Kunstwerken nicht zu vergleichen. Sie dokumentieren eine Etappe, die mit freizügigen Skizzieren und Malen ihren Anfang nahm und über das genauere Kartographieren inzwischen beim Digitalisieren angelangt ist. Bei Schmettau sah man darüber hinweg, dass der eine oder andere Ort hundert Meter weiter liegt. Straube war mit Existenz der Preußischen Generalstabskarte zu präzisen Angaben gezwungen. Mehr und mehr wurden Zeichensysteme entwickelt, mehr und mehr dominieren abstrakte Symbole, Linien in diversen Stärken und Farben, standardisierte Schraffuren, aneinandergereihte Höhenlinien, ausgedachte Flächenfarben. Wir leben haute mit GPS, Google Maps und den sehr empfehlenswerten präzis erarbeiteten frei nutzbaren Geodaten von OpenStreetMap, aus denen jedermann sowohl freie als auch kommerzielle Landkarten erstellen kann. So isses, würde Fontane kommentieren. Von schönen Karten darf man dennoch träumen.