Gemarkungsgrenze Lauterstraße, 1876

Mit dem Friede von Frankfurt wurden Elsass und Lothringen 1871 dem deutschen Kaiserreich angegliedert. Ein Jahr nach Gründung von Friedenau würdigte der Gemeindevorstand dieses Ereignis am 22. Oktober 1875 mit einer Umbenennung der bisherigen Grenzstraße in Lauterstraße, benannt nach der Lauter, einem Nebenfluss des Rheins. Vorausgegangen war eine (vorläufige) Einigung zwischen dem Friedenauer Landerwerb- und Bauverein und den Schöneberger Terrainbesitzern über den Verlauf der Gemarkungsgrenze. Waren bisher nur 16 Grundstücke im Besitz der Friedenauer Landerwerb- und Bauverein-Actien-Gesellschaft, so hatte die Lauterstraße danach 33 Grundstücke mit diversen Eigentümern. Nachdem 1903 die Fregestraße als Grenze zwischen den Gemarkungen Friedenau und Schöneberg amtlich festgelegt wurde, bestand die Lauterstraße aus 40 Grundstücken.

 

Die 570 Meter lange Lauterstraße beginnt an der Bennigsenstraße am Bahndamm der Ringbahn und führt am Lauterplatz (Breslauer Platz) vorbei bis zur Kreuzung mit der Schmargendorfer Straße. Sie gehört zu den ersten angelegten Straßen von Friedenau und wurde von Anfang bis Ende beidseitig mit Linden bepflanzt. Nachdem in der Nachkriegszeit die Bäume auf dem Platz aufgrund des Kohlemangels abgeholzt und verheizt worden waren, wurde schon während des Wiederaufbaus des Rathauses ab 1950 für eine Neubepflanzung gesorgt.

 

Mit der Neugestaltung des Breslauer Platzes wurde auf die Anplanzung von Bäumen verzichtet - gegen die Geschichte der Lauterstraße. Zu besichtigen ist nun ein steinerner Aufmarschplatz, der mit dem grünen Friedenau nichts gemein hat.

 

1888 Straube's Droschken-Wegemesser für die Umgebung von Berlin

Lauterstraße Nr. 5-6

Julius Straube (1832-1913)

 

Vom Kartographen Julius Straube ist nicht viel geblieben. Über sein Geographisches Institut und Landkartenverlag wurde am 18. Oktober 1913 das Konkursverfahren eröffnet. Sechs Tage später starb er am 24. Oktober. Das Haus in der Lauterstraße Nr. 5-6, in dem er seit 1905 wohnte, wurde durch einen Neubau ersetzt. Sein Grab auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße ist eingeebnet. Geblieben sind einige seiner Publikationen, für die Antiquariate heute stolze Preise fordern. Selbst für Straubes Übersichtsplan von Berlin in 44 Blättern aus dem Jahre 1910 im Maßstab 1:4000, als Reprint 2003 herausgegeben vom Landesarchiv Berlin, müssen schon 107 Euro berappt werden.

 

Zwischen Gründerzeit und Weltkrieg war Straubes Verlag Marktführer unter den Kartographischen Anstalten Berlins. Noch vor der Jahrhundertwende tauchte Karl Baedeker mit seinen Reiseführern auf. In Berlin bekam Straube Konkurrenz durch die Verlage von Pharus, Kiessling und Grieben, die sich über Lithographische Anstalten mit der Herstellung von Karten und Plänen betätigten.

 

 

 

Angefangen hat die preußische Kartographie mit Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau (1743-1806). Der Feldherr hatte in einer privaten Initiative zum ersten Mal ein einheitliches kartographisches Werk geschaffen: Dem Tableau aller durch den königlich preußischen Obersten Grafen von Schmettau von 1767 bis 1787 aufgenommenen und zusammengetragenen Länder ist in Andeutungen ein Gitternetz als Grundlage geographischer Koordinaten unterlegt. Das handgezeichnete Kartenwerk umfasst 270 Blätter. Die Originale besitzt die Staatsbibliothek. Vorzügliche Nachdrucke sind im Handel. Diese Tuschzeichnungen geben eine Vorstellung von der wirklichen Beschaffenheit des Landes. Hügel, Wälder, Felder, Wiesen, Bäche, Flüsse, Seen tun sich auf, Dörfer liegen da, Wege verbinden sie. Der Verlauf von Alleen wird durch üppig gezeichnete Bäume kenntlich gemacht, ein Luch ist als Luch auszumachen, ebenso Sumpf, Heide oder Forst.

 

Das Werk ist erstaunlich, zumal die Entfernungsmessung zwischen zwei Punkten, mehr noch die Winkelberechnung der Geraden zueinander, sich schwierig gestaltete. Dafür mussten herausragende Orte in der Landschaft herhalten, Berge, Hügel, Kirchen. Für diese Landesaufnahme wurden Offizierskorps und Armee rekrutiert. Ein enormer Personalbedarf war vonnöten. Mit der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung kamen Trigonometrie und Triangulation. Es kamen die Preußische Uraufnahme (1830-1865), der Geographische Specialatlas von Deutschland und den Nachbarländern im Maßstabe von 1 : 200.000 (1806–1837) von Daniel Gottlob Reymann (1759-1837) sowie die Preußischen Generalstabskarten. Sie wurden ab 1868 zur besseren Planung für den Straßen- und Eisenbahnbau veröffentlicht.

 

Damit hatte Straube seine Geschäftsgrundlage. Er soll das fünfte von zehn Kindern des Schlachtermeisters J. G. Straube gewesen sein, soll mit 15 Jahren eine kartographische Ausbildung begonnen haben, die eigentlich nur bei der Königlich Preußischen Landesaufnahme möglich war. Im Berliner Adressbuch von 1861 erscheint erstmals Straube, J. Lithograph, Schönhauser Allee 157, Atelier Schönhauser Allee 179. Vier Jahre später ist er Inhaber des Geographisch-lithographischen Instituts in der Neuen Friedrichstraße 81b. Unter der nächsten Firmenadresse Blumenstraße 82, III. Stock, erscheint 1874 Straubes Neuester Plan von Berlin mit den Königl. Preuss. Standes- und Amtsbezirks-Superintendentur- und Parochie-Grenzen – im Auftrage des Magistrats nach amtlichen Materialien bearbeitet und herausgegeben von Julius Straube. 1876 folgt Straubes Plan von Berlin mit nächster Umgebung. 1878 erschien Straubes Neuester Plan und Führer von Berlin, Charlottenburg und Westend nebst einem Verzeichnis der Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude, Bade-Anstalten, Ball-Locale, Concerthäuser und Gärten, Skating-Rink, Consulate, Gasthöfe, Gesandtschaften, Polizei-Revier-Bureaux, Post- und Telegraphen-Aemter, Rohrpostämter, Sehenswürdigkeiten, Theater u. ein gefalteter Plan. Der Plan zeigt das Gebiet von der Jungfernheide (Reh-Berge) im Nordwesten und dem Weissensee im Nordosten, über Wilmersdorf hinaus im Südwesten bis zum Bahnhof Treptow im Südosten und zeigt die einzelnen Straßen mit Hausnummern. Am Kartenrand mit 2 Extrakarten (Charlottenburg von der Spree bis zum Lietzensee und Siedlung Westend). Auf dem hinteren Broschurdeckel der Tarif für die Droschken I. und II. Klasse, resp. Gepäckdroschken etc. sowie der Sehenswürdigkeiten Berlins.

 

Nach einigen Adressenwechseln, Friedrichstraße 39, Gitschiner Straße 109, findet das Geographische Institut und Landkarten-Verlag Inhaber Julius Straube ab 1904 unter Berlin SW 13, Neuenburger Straße 15, jene Anschrift, die fortan in allen Straube’schen Ausgaben zu finden ist. Ein Jahr später ist Sohn Benno Inhaber. Vater Julius zieht in den II. Stock des von den Architekten H. Klitsche & H. Afdring errichteten Neubaus in der Lauterstraße 5-6 ein. 1913 ist die Firma pleite.

 

Über einhundert Jahre später wird klar: Es war zu erwarten. Wie einst Straube setzten auch die Verlage von Alexius Kiessling, Pharus und Grieben auf die Generalstabskarten, produzierten farbige Landkarten, denen dann ausführliche Beschreibungen zugeordnet wurden. Grieben ging noch mehr ins Detail, lieferte Zeitgeistiges mit Plänen von der Siegesallee (1902) sowie den Ministergärten (1904) und erreichte mit Berlin und Umgebung 40 Auflagen. Julius Straube, inzwischen 76, fehlte die Kraft und Sohn Benno brachte keine Impulse. Auffallend ist, dass in den Jahren von 1908 bis 1909 vornehmlich neue berichtigte Auflagen und überarbeitete Ausgaben erschienen, zu denen Kommunen wie Potsdam, Oranienburg, Strausberg und Wilmersdorf wohl Zuschüsse gewährten. Das konnte die Firma ebensowenig retten wie 1908 die Co-Produktion mit dem vom Städtischen Vermessungsamt des Magistrat der Stadt Wilmersdorf bearbeiteten Übersichtsplan des Stadtgebietes von Wilmersdorf im Maßstab 1:2000 in 16 Blättern, in dem auch angrenzende Gebietsteile von Grunewald, Schmargendorf, Steglitz, Dahlem, Friedenau, Schöneberg, Charlottenburg berücksichtigt wurden, die ebenso eingehend behandelt wie das Wilmersdorfer Gebiet. Der Plan stellt zunächst jedes einzelne Grundstück in seinen richtigen Größenverhältnissen dar und lässt erkennen, ob es bebaut oder unbebaut ist; für die unbebauten Grundstücke, die nicht nach Straße und Hausnummer unzweifelhaft bezeichnet werden können, enthält er auch die Grundbuchbezeichnung. Alle öffentlichen Gebäude sind besonders gekennzeichnet. Des weiteren sind die Straßen, Plätze, Parkanlagen usw. in ihren richtigen Abmessungen und ihre Höhenanlage angegeben; insbesondere ist auch ersichtlich, ob das Straßen- und Platzland noch zu den Privatgrundstücken gehört oder sich bereits im öffentlichen Besitze befindet und ob in einer Straße Vorgärten vorhanden sind, und zwar definitive oder provisorische, oder nicht. Ferner ist zu erkennen, ob eine Straße mit vorschriftsmäßigen oder unvorschriftsmäßigen Pflaster versehen ist.

 

1909 holte Sohn Benno Straube für die 25. Auflage von Straube‘s Märkisches Wanderbuch noch einmal den Bibliothekar und Schriftsteller Dr. phil. Gustav Albrecht (1865-1912) heran, der 1898/1900 in zwei Bänden Die Denkmäler in der Siegesallee zu Berlin in ihrer Bedeutung für die vaterländische Geschichte publiziert hatte und für Julius Straube seit 1904 immer wieder die100 Nachmittags-Ausflüge in die Umgegend von Berlinvon Aloys Hennes (1827-1889) aus dem Jahr 1879 neu bearbeitet und vermehrt hatte. Nun also der erste Teil mit dem Gebiet der Ring-und Vorortbahnen von Berlin, den Grunewald, die Wannsee- und Potsdamer Stammbahn mit allen seinen schönen Wanderungen im Gebiete der Havel. Die nächsten Vororte von Berlin sowie Potsdam, Werder, Brandenburg mit ihren Umgebungen finden hier eine eingehende Würdigung und eine von so großer Heimatliebe diktierte Schilderung, dass manchen die Wanderlust packen wird und ihn an Hand dieses Führers manches Vorurteil gegen unsere Mark aufgeben lassen wird. Der zweite Teil umfasst das Gebiet der Wetzlarer, Anhalter, Dresdener, und Görlitzer Bahn. Das von Wannsee nach Wiesenburg reichende Gebiet der Wetzlarer Bahn ermöglicht eine reiche Angabe von Ausflügen, bei denen namentlich die historischen Angaben vieles Interessante bieten. Die im Gebiete der Anhalter und Dresdener Bahn behandelten Schilderungen führen wieder mehr in das Vorortgebiet der Hauptstadt, während in dem Gebiet der Görlitzer Bahn uns der Autor den eigenartigen Teil unserer Mark zeigt. So das Gebiet des Wusterhausener Forstes, der Duberow, der Teupitzer Waldungen, dann das ganze Gebiet des Spreewaldes.

 

Straube‘s Karte der Umgegend von Potsdam, Werder, Lehnin (1909), eine der schönsten Gegenden der Mark, welche von den Ausflüglern besonders gern aufgesucht wird, bietet in ihrer vielfarbigen ansprechenden Lithographie ein klares Bild dieses mit Wald und Seen reich bedachten Gebiets und ist auch technisch als hervorragende mustergültige Arbeit zu empfehlen. Jeder Liebhaber kartographischer Leistungen wird die Karte mit Wohlgefallen betrachten und auch kaufen. Die durch besondere Genauigkeit ausgezeichnete, alle Veränderungen berücksichtigende Karte gibt alle Wege, Gestellwege, Jagenbezeichnungen in den ausgedehnten Forsten bei Wannsee, Potsdam, Wildpark, Ferch, Lehnin wieder und bietet dem Touristen einen recht brauchbaren Behelf für seine Wanderungen. Auch die Dampferstationen und Dampferlinien, welche regelmäßigen Verkehr aufzuweisen haben, sind entsprechend bezeichnet.

 

Straubes Karten sind auch nach über einhundert Jahren ein kartographischer Genuss, aber mit den Schmettauschen poesievollen Kunstwerken nicht zu vergleichen. Sie dokumentieren eine Etappe, die mit freizügigen Skizzieren und Malen ihren Anfang nahm und über das genauere Kartographieren inzwischen beim Digitalisieren angelangt ist. Bei Schmettau sah man darüber hinweg, dass der eine oder andere Ort hundert Meter weiter liegt. Straube war mit Existenz der Preußischen Generalstabskarte zu präzisen Angaben gezwungen. Mehr und mehr wurden Zeichensysteme entwickelt, mehr und mehr dominieren abstrakte Symbole, Linien in diversen Stärken und Farben, standardisierte Schraffuren, aneinandergereihte Höhenlinien, ausgedachte Flächenfarben. Wir leben haute mit GPS, Google Maps und den sehr empfehlenswerten präzis erarbeiteten frei nutzbaren Geodaten von OpenStreetMap, aus denen jedermann sowohl freie als auch kommerzielle Landkarten erstellen kann. So isses, würde Fontane kommentieren. Von schönen Karten darf man dennoch träumen.

 

Uhrwerk der Fa. F. L. Löbner von 1909 im Gymnasium am Maybachplatz. Foto Hahn & Stich, 2019

Lauterstraße Nr. 7

Franz Ludwig Löbner (1836-1921)

 

Weltweit stoßen Uhrensammler immer wieder auf die Firmenbezeichnung F. L. Löbner Berlin. Hinter dem Namen verbirgt sich Franz Ludwig Löbner, der am 26. September 1836 in Torgau geboren wurde, dort das Uhrmacherhandwerk erlernte und 1857 nach Berlin kam. Fünf Jahre später legte er die Meisterprüfung ab. Am 1. Oktober 1862 eröffnete er seinen eigenen Laden: Löbner, F. L., Uhrmacher, Potsdamerstraße 11. Es folgten diverse Umzüge: Löbner, L., Uhrmacher, Fabrik u. Lager aller Arten Uhren, Musikwerke etc. Potsdamerstr. 1a (1870), Potsdamerstraße 135, Parterre, Wohnung Friedenau, Lauterstraße 29 (1890) und schließlich 1895 der endgültige Firmensitz F. L. Löbner, Uhrenfabrik, Spez. f. astronomische u. elektr. Uhren, Patent Grau-Wagner, Chronographen, W. Potsdamerstr. 23. Inh. F. L. Löbner (Friedenau).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F. L. Löbner verstand sich als Uhrenfabrik und weniger als Uhrengeschäft. Sammler fanden allerdings heraus, dass mehr als 90 Prozent der angebotenen Uhren von anderen Herstellern stammten: Neben Damen- und Herrenuhren ab 8 Mark in Stahl, Nickel, Silber und Gold gab es Präzisionsuhren von Patek Philippe aus Genf und Chronometer von A. Lange & Söhne aus Glashütte. Angeboten wurden Taschenwecker, Stopp-, Reise-, Schreibtisch-, Wohnzimmeruhren, auch Sekundenpendeluhren, die mit F. L. Löbner signiert sind, aber anhand der Nummerierung als Werke der Firma Strasser & Rohde in Glashütte zu identifizieren sind.

 

Löbners ziemlich gesunder Geschäftsgeist führte auch dazu, dass er noch vor Gründung der Landhauskolonie am 23. Oktober 1872 in der Querstraße III, der späteren Niedstraße, das Grundstück Nr. 3 erworben hatte, und damit zu den ersten Kolonisten von Friedenau gehörte. Schon ab 1876 führt ihn das Adressbuch als Eigentümer von Niedstraße Nr. 3 und Lauterstraße Nr. 33 auf.

 

Über Verkauf und Reparaturen von Uhren finanzierte F. L. Löbner sein Hobby, die Konstruktion von Kurzzeit-Meßgeräten für Fünftel-, Zehntel-, Hundertstel und Tausendstelsekundenmessung, Uhren für Beobachtungszwecke, astronomische Pendeluhren und mechanische Zeitzünder für die Artillerie: Für den Lesesaal des Deutschen Reichstags entwickelte er 1894 den Ewigen Kalender, eine Uhr, ausgestattet mit einem Kalender für die nächsten 2000 Jahre, die neben Tag, Datum und Monat auch Jahreswechsel und Mondphase anzeigte. Die Deutsche Uhrenzeitung schrieb: So lange aber der Prachtbau, dessen mächtige Quadern für Jahrhunderte zusammengefügt zu sein scheinen, besteht, lässt sich nach menschlichem Ermessen annehmen, dass auch das interessante Meisterwerk Zeugnis ablegen wird von dem Schaffensgeist seines Erbauers F. L. Löbner. Das war zu optimistisch. Mit dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde der Ewige Kalender zerstört.

 

Zur Weihnachtsausstellung der Löbnerschen Uhrenfabrik präsentierte er 1898 eine Musiktaschenuhr. Sie schlägt selbsttätig die Viertel- und die vollen Stunden und auf Wunsch zeigt das Schlagwerk auch die Minuten an, die nach den Viertelstunden verflossen sind. Das Eigentümliche an dem Werke, wodurch es sich von anderen Repetieruhren unterscheidet, liegt darin, dass sie alle Stunden durch das Anschlagen von Hämmern auf abgestimmte Federn die englische Nationalhymne spielt. Dieses Musikstück ertönt auch in der Zwischenzeit, wenn auf einen Repetierknopf gedrückt wird. Das ganze Schlagwerk der Uhr kann abgestellt werden. Das Zifferblatt der Uhr ist mit einem ewigen Kalender versehen und zeigt auch die Mondphasen.

 

1899 konstruierte Löbner eine Normaluhr für die Uhrenprüfungsstelle auf der Sternwarte der Urania in der Invalidenstraße. Die Aufmerksamkeit von Kaiser Wilhelm II. erreichte er allerdings erst mit der Erfindung eines photographischen Apparats zur Feststellung des Fluges von Artillerie-Geschossen. Bei Proben, welche mit dem Apparat in Kunersdorf gemacht wurden, wobei der Kaiser zugegen war, hat der Apparat so gut funktioniert, dass der hohe Herr nur Worte des Lobes aussprach. Der Kaiser bestimmte, dass die Verleihung des Kronen-Ordens 4. Klasse Herrn Löbner sogleich telegraphisch mitgeteilt werde. 1905 wurde die Firma Löbner Hoflieferant der Kaiserlichen Marine und Löbner 1913 auch Königlicher Hofuhrmacher.

 

Zurück nach Friedenau. 1897 übergab Löbner seine Firma an den Uhrmacher Otto Fritz. Zwei Jahre später meldete der Friedenauer Lokal-Anzeiger am 21.4.1899: Ein großer Neubau soll auf dem Grundstück Ecke Nied- und Lauterstraße, dem Herrn Löbner in Friedenau gehörig, ausgeführt werden. Mit dem Abriss der Villa wird schon im Mai begonnen werden. Im März 1906 eröffnete in dem Eckbau das Kaufhaus Leo Bry. Franz Ludwig Löbner starb am 16. Juni 1921 im Alter von 85 Jahren und wurde auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße beigesetzt. Das Grab existiert nicht mehr. Geblieben ist das bis heute funktionierende Löbnersche Uhrwerk im Turm der Schule am Perelsplatz.

 

Löbners Nachfahren, Eigentümer des Grundstücks Lauterstraße Nr. 12-13, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wiedergutmachungsantrag Bry gehört: Im Ermittlungsbericht vom 26. September 1955 heißt es u.a.: Herr Löbner kannte den Verfolgten sehr gut, da er ja viele Jahre in seinem Hause das Geschäft hatte und später das Geschäft im gegenüberliegenden Hause weiterführte. Herr Löbner erklärt, dass die Geschäfte des Verfolgten sehr gut gingen. Er führte Wolle, Wäsche, Gardinen, Kurzwaren, Bettfedern. Herr Löbner schätzt, dass dort ca. 80 Angestellte beschäftigt wurden. Herr Löbner bestätigt, dass in der Kristallnacht das Geschäft völlig demoliert wurde und die Waren geplündert wurden. Das Geschäft wurde nach der Kristallnacht nicht mehr geöffnet. Diese Angaben wurden von Frau Löbner bestätigt.

 

Kaufhaus Leo Bry am Lauterplatz, 1908

Lauterstraße Nr. 12-13

Kaufhaus Leo Bry

 

Das Biographische Handbuch des Auswärtigen Amtes enthält mitunter verkürzte Einträge. So auch für Ministerialrat Dr. jur. Walter Stahlecker (1900-1942), Mitglied der NSDAP seit 1. Mai 1932, der nach einer informatorischen Beschäftigung im Büro von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop im Juni 1941 Beauftragter des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes beim Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes Nord und Führer der Einsatzgruppe A (Baltikum) wurde.

 

Nicht erwähnt wird, dass Stahlecker im Herbst 1941 nahe der Bahnstation Skirotava das Konzentrationslager Riga-Jungfernhof einrichten ließ. Auf seinen Befehl hin wurden im November und Dezember 1941 Transportzüge mit 1053 Berliner Juden und weiteren mit 3984 Juden aus Stuttgart, Hamburg, Lübeck, Nürnberg und Wien nach Jungfernhof umgeleitet. Kommandant war SS-Oberscharführer Rudolf Seck (1908-1974). Ihm zur Seite stand SS-Sturmbannführer Dr. jur. Rudolf Lange (1910-1945), der neben Heydrich, Eichmann und Unterstaatssekretär Martin Luther vom Auswärtigen Amt in Vertretung seines Befehlshabers an der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 teilgenommen hatte. Nach Langes Rückkehr fanden im Februar, aber vor allem am 26. März 1942, sowohl in Jungfernhof als auch im Rigaer Ghetto Selektionen statt. Die deportierten Juden wurden in den Wald von Bikernieki transportiert. Nach Recherchen des lettischen Historikers Margers Vestermanis (geboren 1925) wurden im südlichen Teil des Waldes 42 Gruben mit einer Fläche von 2.338 Quadratmetern ausgehoben. Hier erfolgten die Massenerschießungen von 1942 bis 1944 – darunter Leo und Clara Bry.

 

 

Leo und Clara Bry lebten über drei Jahrzehnte in Friedenau, sie waren ganz und gar Friedenauer, obwohl Leo am 20. Januar 1881 in Schrimm (Provinz Posen) und seine Frau Clara geb. Rosendorff am 31. Januar 1887 in Usch (Provinz Pommern) geboren wurden. Es muss im Jahr 1907 gewesen sein, so genau lässt sich das nicht mehr herausfinden, als das frischvermählte Ehepaar die Mietwohnung in der Niedstraße Nr. 7 bezog. Dort wurde am 10. Januar 1908 Sohn Bruno geboren. An der Ecke Lauter- und Niedstraße wurde ein Ladengeschäft angemietet. Kurz zuvor hatte sich Leo Bry in das Handelsregister eintragen lassen: Kaufhaus Leo Bry. Manufaktur- und Modewaren. Lauterstrasse Nr. 12/13. Angeboten wurden Kurz-, Weiß- und Wollwaren, Gardinen, Teppiche, Damen- und Kinder-Konfektion und Herren-Artikel. Anfang März 1908 war die Eröffnung: Für Friedenau ein wahrer Schatz ist Kaufhaus Bry am Lauterplatz. Johannes Löbner von Löbner‘schen Erben, Eigentümer der Anwesen Niedstraße Nr. 4 und Lauterstraße Nr. 12/13 bekundete 1955, dass die Geschäfte sehr gut gingen und ca. 80 Angestellte beschäftigt waren.

 

Den Gewinn legten die Bry‘s in Immobilien an: Gritznerstaße Nr. 37/39 in Steglitz, Cranachstraße Nr. 12 in Friedenau, Jagowstraße Nr. 39 in Moabit sowie ein ca. 1.500 bis 2.000 qm großes Grundstück am See, bebaut mit einem Einfamilienhaus mit großer Terrasse, Bootssteg und Bootshaus in der Uferstraße Nr. 14 in Bad Saarow, das Leo Bry laut Schreiben vom 11. Oktober 1930 an den Gemeindevorstand von Bad Saarow am 14. Januar 1930 von Herrn Alfons Bernstein lt. Vertrag erworben habe, während mir der Besitztitel erst am 28. Mai 1930 vom Amtsgericht Beeskow zuging. Vorab hatte er bereits Grundstückszubehör-, Grunderwerbs- und Gemeindesteuern für ein ganzes Jahr bezahlt. Noch am 23. September 1938 erschien in der Jüdischen Rundschau eine Annonce des Kaufhauses Bry. Geworben wurde für Betten, Wäsche, Aussteuern, Gardinen und die Aufarbeitung für Daunendecken. Zwei Wochen später feierten die Nationalsozialisten die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938. Hauseigentümer Johannes Löbner und seine Frau bestätigten 1955, dass in der Kristallnacht das Geschäft völlig demoliert wurde und die Waren geplündert wurden. Das Geschäft wurde nach der Kristallnacht nicht mehr geöffnet. Im Handelsregister des Jahres 1939 stehen für das Kaufhaus Bry nur drei Buchstaben Liq.– die Liquidation, das Ende.

 

Mit der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 wurde Juden auch auferlegt, ihren Grundbesitz zu veräußern. Dementsprechend genehmigte der Landrat des Kreises Beeskow-Storkow mit Schreiben vom 3. August 1939 den am 2. Februar 1939 vor dem Notar Dr. Walther Ulrich in Berlin-Friedenau, Rheinstraße Nr. 5, unter Nr. 60 Jahr 1939 der Urkundenrolle zwischen dem Juden Kaufmann Leo Israel Bry in Berlin-Wilmersdorf, Rüdesheimer Platz Nr. 7, und der Ehefrau Martha Schulze geborene Jäger in Berlin-Friedenau, Taunusstraße Nr. 15, abgeschlossenen Grundstückskaufvertrag. Gegenstand des Kaufvertrages ist das in Saarow, an der Uferstraße Nr. 14, belegene, im Grundbuche des Amtsgerichts Beeskow vor Saarow im Band 8 Blatt 199 verzeichnete Grundstück. Die Genehmigung wird mit der Maßgabe erteilt, dass der etwa noch bar zu entrichtende Teil des Kaufpreises auf ein Sperrkonto bei einer Devisenbank einzuzahlen ist, über das nur mit Genehmigung des für den Veräußerer zuständigen Oberfinanzpräsidenten verfügt werden darf.

 

Für den Aufenthalt von Leo und Clara Bry werden zwischen 1939 und 1942 die Anschriften Rüdesheimer Platz Nr. 7, Konstanzer Straße Nr. 7 und eine Pension in der Schlüterstraße genannt. Sohn Bruno Barton Bry (1908-1985) emigrierte 1939 mit seiner Frau Irina geb. Wiebering (1913-1991) in die USA – letzte Adresse 53 West 73 rd Street, New York 23 N. Y. Leo und Clara Bry wurden für den 19. Januar 1942 in die Große Hamburger Straße Nr. 27 bestellt. Im Gebäude der Jüdischen Oberschule erhielten sie das Dokument zur richterlichen Verfügung über den Einzug ihres Vermögens durch den Fiskus. Die Gedenkstätte von Yad Vashem vermerkt: Deported from Berlin on 19.1.1942. Die Initiative Jüdische Spuren in Bad Saarow verlegte am 22. Oktober 2010 vor dem Haus Uferstraße 14 zwei Stolpersteine.

 

Entschädigungssache Bry, 1954

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Ermittlungsbericht Bry, 1955

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Wiedergutmachungsverfahren Bry, Landhaus Bad Saarow

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Lauterstraße Nr. 34 & 33. Foto Hahn & Stich, 2020

Lauterstraße Nr. 33 & 34

Von der Molkerei zum Fuhrgeschäft

 

Es kommt selten vor, dass man in Friedenau ein Haus findet, das sich seit mehr als 125 Jahren ununterbrochen im Besitz von zwei Familien befindet. Angefangen hat es mit Ernst Hewald, Spross von Schöneberger Ackerbauern, die einst Kartoffeln und Getreide anbauten und Molkereien betrieben, und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ihre Felder in begehrtes Bauland umwandelten, um mit dem Geld weiter entfernt liegende Grundstücke günstig kauften. Dazu gehörte auch das Anwesen Albestraße Nr. 31.

 

Im Frühjahr 1895 wechselten mehrere Grundstücke ihren Besitzer, darunter das Grundstück der Frau Dr. van Muyden in der Niedstraße Nr. 13 an einen Maler, gemeint war der Marinemaler Hans Bordt, und das Grundstück des Herrn Fuchs in der Niedstraße Nr. 35 an Herrn Molkereibesitzer Hewald. Das stand am 29. Mai 1895 auf der Tagesordnung der Friedenauer Gemeindevertretersitzung: Antrag des Gemeindevorstandes auf Genehmigung des mit dem Molkereibesitzer Hewald abgeschlossenen Kaufvertrages. Es ging um den Ankauf des Grundstücks, um dort den Bau von Schule sowie Amts- und Gemeindeverwaltung zu ermöglichen. Dagegen erhob sich Widerspruch: Das Grundstück sei auch unter Hinzunahme des Hewald‘schen für ein neues Schulhaus zu klein. Auch sei es nicht zweckmäßig, mindestens nicht schön, dass sich das Amtsgefängnis dicht bei den Schulklassen befände. Nicht im Interesse des Ortes sei es, Gemeinde-, Amts- und Schulverwaltung in einem Gebäudekomplex zu vereinigen. Wesentlich aber war, dass der Preis für das Hewald‘sche Grundstück zu hoch erscheine, für das Geld werde man ein unbebautes Grundstück von viel bedeutenderer Größe erhalten. Der Kauf-Vertrag wurde dennoch angenommen.

 

Ende September 1895 verlegte Ernst Hewald seine Molkerei von der Albestraße Nr. 31 nach der Niedstraße Nr. 35. Am 5. Oktober 1895 verkündete der Friedenauer Lokal-Anzeiger: Herr Molkereibesitzer Hewald hat den Bau seiner neuen Molkerei vollendet und sein neues Heim bereits bezogen. Man sieht, dass die Einrichtungen von praktischer Hand ausgeführt sind. Die Ställe für die Kühe sind luftig und gesund gebaut, mit vortrefflichen Ventilationsanlagen und es ist gleichzeitig Sorge getragen, dass das Vieh stets trocken und warm liegen kann. Ein Tierarzt wacht über die Gesundheit der Tiere, und ist es daher begreiflich, dass die zwei besten Kühe täglich bis 35 Liter Milch geben. Namentlich ist dafür gesorgt, dass stets gute Kindermilch zu haben ist, wozu auch viel die Trockenfütterung beiträgt. Jedenfalls hat Herr Hewald alles getan, um mit seiner Molkerei allen Ansprüchen der Neuzeit zu genügen.

 

Der nächste Umzug erfolgt 1903 von der Niedstraße Nr. 35 in das erworbene Anwesen Lauterstraße Nr. 34 – immer noch als Molkerei. Am 26. Mai 1906 heißt es dann: Im Hause Lauterstr. 34 hat Herr Ernst Hewald ein Fuhrgeschäft eröffnet. Wenn also die Friedenauer von hier aus Fuhrwerk gebrauchen, mögen sie sich vertrauensvoll an Genannten wenden. Da in der Zwischenzeit die Abfuhrgelder bedeutend gestiegen sind, Frau Pählchen verlange jetzt statt der 2600 M. 7750 M, hat die Gemeinde von verschiedenen Fuhrunternehmern Offerten eingeholt. Für alle Leistungen hat Herr Ernst Hewald (Fuhrgeschäft Lauterstraße 34) den Mindestpreis von 12760 M. geboten, dem dann auch die Arbeiten übertragen wurden. Herr Hewald gibt das Milchgeschäft auf und wird sich ausschließlich jetzt dem Fuhrwesen widmen, so dass er zu jeder Zeit, wenn nötig, ein Fuhrwerk stellen kann.

 

Am 18. März 1916 verstarb Ernst Hewald. Der seit vielen Jahren in Friedenau ansässige Fuhrunternehmer Ernst Hewald ist am Sonnabendnachmittag plötzlich einem Herzschlage erlegen. Er hatte zu Hause seinen Kaffee getrunken und war gutgelaunt, wie immer, nach seinem Ackerland an der Rubensstraße gefahren. Gegen 6 Uhr wurde er hier zwischen seinen Pferden liegend tot aufgefunden. Der ärztliche Befund stellte fest, dass Herr Hewald einen Herzschlag erlitten hatte, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Der nunmehr Verstorbene erfreute sich in unserer Gemeinde allgemeiner Beliebtheit. Seit vielen Jahren hat Herr Hewald die Gespanne für unsere Gemeinde und die Feuerwehr gestellt. Auch das Beerdigungsfuhrwesen nach unserm Waldfriedhof war ihm übertragen.

 

Nachfolger wurde Paul Hewald. Mitten im Weltkrieg hatte er mehr und mehr Schwierigkeiten, die erforderliche Anzahl von Pferdegespannen für die Beförderung von Leichen zum Waldfriedhof nach Gütergotz bereitzustellen. Am 30. Mai 1917 beantragte er bei der Gemeinde Friedenau die Änderung des Vertrags vom 27. 6. 1914. Er begründete sein Verlangen mit den außerordentlich hohen Löhnen, den Futtermittelpreisen, dem Mangel an Pferden und den im Fuhrwerksgewerbe bestehenden großen mit dem Kriege zusammenhängenden Schwierigkeiten sowie mit der großen Entfernung nach Gütergotz. Das alles mache es ihm unmöglich, mit den Vertragspreisen die Unkosten zu decken. Hinzuträte, dass er bei richtiger wirtschaftlicher Ausnutzung seiner Pferde für andere Zwecke jetzt bedeutend höhere Entschädigungen erhalten könne. Die Gemeinde erkannte die die Berechtigung der Hewaldschen Forderung an und beschloss: Dem Fuhrunternehmer Hewald wird unter Ausschluss aller anderen Unternehmer die Beförderung sämtlicher Leichen und Personen nach dem Waldfriedhof in Gütergotz übertragen. Für die Überführung von Kinderleichen ohne Benutzung des Kinderleichenwagens wird die Gebühr von 5 auf 12 M. einschließlich eines 20prozentigen Kriegszuschlages erhöht. Für alle anderen Vertragsleistungen in der Leichen- und Personenbeförderung einschl. der Verkehrsverbindung zwischen dem Bahnhof Stahnsdorf und dem Waldfriedhof tritt eine Erhöhung des Kriegszuschlages von 20 auf 40 Prozent unter Beibehaltung der Grundpreise ein. Die neuen Vereinbarungen treten am 1. Juni 1917 in Kraft.

 

Nach dem Ende des Kaiserreichs und mit der Weimarer Republik stand es wohl nicht gut um die Firma, obwohl Paul Ewald das Angebot um Braut-Equipagen, Monats- und Beerdigungsfuhrwesen, Fahrgeschäft erweitert hatte. Bereits 1919 wurde in der Lauterstraße Nr. 34 eine Pferdedroschke (mit Berlin Nr.) zum Verkauf angeboten. Irgendwann war Schluss. Es kam Ernst Eschke. Die weiteren Angaben zur Familie Eschke entnehmen wir der Firmenwebseite.

 

1. Generation Ernst Eschke

1910 Ernst Eschke erwirbt das „Lastfuhrwesen“ von Paul Hewald in der Lauterstraße 34 in Berlin-Friedenau. Kurt Eschke wird am 25. Februar geboren. 1928 Kurt Eschke wird als gelernter Bankkaufmann in der Firma angestellt. Das „Luxus-, Braut- und Beerdigungsfuhrwesen“ entsteht. Mitgliedschaft in der Fuhrgewerbeinnung zu Berlin. 1929 Die ersten Kutscher werden beschäftigt. 1940 Kurt Eschke und Erika Kallnbach heiraten am 6. April. 1945 Ein Maybach Bestattungswagen wird aus russischer Kriegsgefangenschaft requiriert. 1948 Helmut Eschke wird am 5. Juni geboren. 1957 Mitgliedschaft in der Bestatterinnung Berlin.

 

2. Generation Erika und Kurt Eschke

1970 Ernst Eschke verstirbt am 5. September. Erika und Kurt führen die Firma gemeinsam weiter. 1975 Robert Stolz (1880-1975) wird von Helmut Eschke nach Wien überführt. (Der Komponist und Dirigent starb im Alter von 94 Jahren bei Plattenaufnahmen in Berlin). 1982 Die „Kurt Eschke KG“ entsteht. 1983 Der Fuhrpark wird auf „Mercedes-Benz“ umgestellt. 1985 Kurt Eschke verstirbt am 13. Dezember. Erika Eschke führt die Geschäfte alleine weiter.

 

3. Generation Marion und Helmut Eschke

1989 Die ersten Überführungen im östlichen Berlin. 1992 Erweiterung der Klimaräume. 1994 Helmut Eschke und Marion Richter heiraten am 14. Juli. Marion Eschke tritt in die Geschäftsführung ein. 1995 Trägerdienste und Grabmachertechnik werden aufgenommen. 1996 Das Grundstück Lauterstraße 33 kann erworben werden. 1997 Erika Eschke verstirbt am 30. September. 1998 Ein Callcenter wird eingerichtet. 1999 Die renovierten „Büro- und Sozialräume“ werden bezogen. 2002 Janina Eschke wird Mitglied im Juniorenkreis der Bestatterinnung. 2004 Einweihung der „Feierhalle Frieden‘au“. 2005 Mitwirkung an der Beisetzung von Harald Juhnke. 2006 Mitwirkung am Staatsakt für den Bundespräsidenten a. D. Dr. Dr. h.c. Johannes Rau. 2007 Mitwirkung an den Beisetzungen von Klaus Jürgen Wussow und Prinz Wilhelm Karl von Preußen. 2008 Grabmachertechnik für das Grab der Familie Rathenau. Der Trägerdienst erhält Kleinbusse. 2009 Mitwirkung an den Beisetzungen von Otto Graf Lambsdorff und Erich Böhme.

 

4. Generation Patrik und Janina Eschke

2010 Jubiläumsfeier 100 Jahre. Janina Eschke tritt in die Geschäftsführung ein. 2011 Mitwirkung an den Beisetzungen von: Dietrich Stobbe, Curth Flatow, Erzbischof Georg Sterzinsky in der Hedwigskathedrale. 2012 Die „Kurt Eschke KG“ wird zu: „Eschke Bestattungsfuhrwesen GmbH & Co. KG“. Janina Eschke und Berthold Scholz heiraten am 5. Mai. Der Empfangsraum wird neu gestaltet. 2013 Der Fuhrpark wird erneuert.

 

Bauprojekt ehem. Güterbahnhof Wilmersdorf-Friedenau. Quelle BA TS

Die städtische Verlängerung der Lauterstraße

 

Joachim W. Glässel, Sprecher der Bürgerinitiative Breslauer Platz, redet von einer städtischen Verlängerung der Lauterstraße, und meint damit wohl eine Verbindung von der Lauterstraße auf den Bahndamm. Als großer Trommler für das irrsinnige Wohnbauprojekt auf dem ehemaligen Güterbahnhof Bahndamm kritisiert er den Entwurf für eine Treppe vom westlichen Quartiersplatz auf dem Damm hinunter zur Lauterstraße. Er fordert eine gestaltete Geländeanlage des Straßenzugs. Selbstverständlich müsse diese Verbindung behindertengerecht gestaltet werden sowie für Kinderwagen, Einkaufswagen und Radfahrer nutzbar sein. Was Glässel auch immer dort entstehen lassen will, Treppe, Rampe, Fahrstuhl oder gar eine angedachte Nachbildung der Kaskade vom Lietzensee, zwischen oben und unten werden Welten bleiben.