Name seit dem 25. Mai 1905, benannt nach Robert Lefèvre (1843-1905). Er war Geheimer Kanzleirat im „Ministerium der öffentlichen Arbeiten“ in Berlin und wohnte als Mitglied des Haus- und Grundbesitzervereins ab 1884 in Friedenau. Hier begleitete er mehrere Ehrenämter: Gemeindevertreter, Schöffe beim Ortsgericht, Verwalter von Armenwesen und Waisenrat und später auch Vorsitzender des am 21. Juni 1887 gegründeten Kirchbauvereins.

 

 

Empfang der Hugenotten durch den Kurfürsten, 1685

Robert Lefèvre (1843-1905)

 

Kaum hatte Martin Luther die 95 Thesen an das Tor der Schlosskirche in Wittenberg genagelt, fanden seine reformatorischen Ansichten auch in Frankreich Gehör. Sonnenkönig Ludwig sah es im Schulterschluss mit der katholischen Kirche als seine Pflicht an, die Seelen der Untertanen zu retten: Un roi, une loi, une foi, ein König, ein Gesetz, ein Glaube. Dieser Intoleranz setzte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm 1685 sein Chur-Brandenburgisches Edict entgegen. Es gewährte 20.000 verfolgten Hugenotten Aufnahme in Brandenburg – nicht ohne Eigennutz, da im kurbrandenburgischen Lande nach dem Dreißigjährigen Krieg einiges zu tun war. Über 5000 Réfugiés blieben in Berlin, darunter auch die aus Nordfrankreich stammende Familie Lefèvre. Ein Spross dieser Familie, Robert Lefèvre, wurde 1843 in Berlin geboren. 1876 trat er als „Bureau-Assistent im Handelsministerium“ in den preußischen Staatsdienst ein. 1878 wurde er Geheimer Registrator, 1885 Kanzleirat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, IV. Abteilung, Tarif- und Fahrplan-Büreau für die II. und IV. Abteilung (Eisenbahnen).

 

 

Hatten bisher Wohnungen in den dritten Etagen von Solmsstraße Nr. 13 (Kreuzberg) und Bülowstraße Nr. 9 (Schöneberg) ausreichen müssen, konnte er nun mit beamtenrechtlichem Rückhalt und Kredit der Landerwerb- und Bauvereins-Bank Berlin ein Grundstück in Friedenau erwerben. Nachbarn waren in Nr. 9 Kaufmann Christoph und in Nr. 11 Rechnungsrat Bauer. 1884 zog er mit Ehefrau Henriette geb. Eisemann und Tochter Else in sein eingeschossiges Landhaus Schmargendorfer Straße Nr. 10. Mit der neuen Nummerierung wurde daraus 1893 Schmargendorfer Straße Nr. 12. Im Adressbuch wurde 1904 für dieses Grundstück „Neubau Schmargendorfer Str. 12“ aufgeführt. Laut „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ ließ Robert Lefèvre 1903 „an Stelle der Villa ein modernes Wohnhaus ausführen“. Ab 1905 wohnten dort neben der Familie Lefèvre Gymnasialdirektor Dr. Busch, Regierungsdirektor Rubach, Witwe Schröder, Oberleutnant a. D. von Wilucki und als Schwiegersohn von Lefèvre Tierarzt Robert Schulz.

 

Robert Lefèvre war (mit Unterbrechungen) von 1885 bis 1902 Gemeindevertreter und Gemeindeschöffe beim Ortsgericht. Darüber hinaus verwaltete er die Geschäfte für das Armenwesen und den Waisenrat. Das war ihm noch nicht genug, und so übernahm der hauptberuflich im Berliner Ministerium beschäftigte Geheime Kanzleirat auch noch den ehrenamtlichen Vorsitz des bereits am 21. Juni 1887 gegründeten Kirchbauvereins. Die Zeit drängte. Friedenau hatte 1890 bereits 4211 Einwohner, aber keinen eigenen Kirchenbau – obwohl die Gemeinde schon 1883 grundsätzlich bereit war, dafür ein Grundstück zur Verfügung zu stellen. Nachdem geklärt war, dass der Wilmersdorfer Platz (Renée-Sintenis-Platz) für die Kirche zu klein war, und so der Friedrich-Wilhelm-Platz in Aussicht genommen wurde, war Robert Lefèvre eifrig bemüht, den Bau zu fördern und zu beschleunigen. Das war nicht einfach. Zu den Querelen über Bauplatz, Entwürfe und Finanzierung kamen die Interessen der Kommune. Der Grundbucheintrag vom 4. Dezember 1890 macht das deutlich: Der Kirchengemeinde Friedenau steht an diesem Grundstück am Friedrich-Wilhelm-Platz der ungestörte und unentgeltliche Besitz, Gebrauch und Genuss zu, und wird dasselbe erst dann wieder freies Eigentum der politischen Gemeinde Friedenau, wenn die darauf erbaute evangelische Kirche als solche eingeht.

 

Am 4. Februar 1890 erhob Lefèvre „Einspruch gegen den vom zuständigen Kreisbaubeamten erarbeiteten Entwurf, mit der Begründung, daß nach Ansicht seiner Mitglieder eine Kirche mit seitlich gestelltem Turm für die zur Verfügung stehende Baustelle nicht passe“. Gelegen kam, dass der Entwurf des Architekten Karl Doflein (1852-1944) für die geplante Gnadenkirche im Invalidenpark nicht ausgeführt wurde. Mit Zustimmung von Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921) konnte die Arbeit in städtebaulich wirkungsvollerer Lage auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz verwendet werden. Der Gemeinde-Kirchenrat entschied sich am 6. Juni 1890 für die Dofleinsche Langschiffkirche. Obwohl mit kaiserlichem Segen bedacht, ließ sich die zuständige Regierung in Potsdam mit der Genehmigung Zeit. Lefèvre, dem das alles zu lange dauerte, ging wohl davon aus, dass er über das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, dem die staatliche Bauverwaltung, das Eisenbahnwesen und die Wasserstraßen unterstanden, und als Geheimer Kanzleirat, den üblichen Verwaltungsweg umgehen konnte, musste einsehen, dass der „allerhöchste Weg“ nicht unbedingt eine Beschleunigung erfahren würde. Am 9. Dezember 1890 bekam er es schriftlich: Schließlich müssen wir das eigenmächtige Vorgehen des Gemeinde-Kirchenrats im vorliegenden Falle rügen, da dasselbe auch nicht dadurch gerechtfertigt ist, dass Allerhöchsten Orts ein baldiger Beginn des Baues gewünscht wurde. Wir erwarten daher mit Bestimmtheit, dass der Gemeinde-Kirchenrat für die Zukunft den vorgeschriebenen Instanzenweg einhalten wird und sich demgemäß an die zuständige Aufsichtsbehörde wendet.

 

Am 21. Oktober 1891 wurde der Grundstein gelegt, am 10. November 1893 erfolgte die Einweihung. Ihre Majestät Kaiserin Auguste Victoria hatte den Kirchenbau unter ihr Protektorat genommen. Die Baukosten – inklusive einem Allerhöchsten Gnadengeschenk des Kaisers von 68.000 Mark – konnten schließlich auch irgendwie gedeckelt werden. In der Chronik der Kirchgemeinde zum guten Hirten heißt es dann: Auch der Vorsitzende des Kirchbauvereins, Kanzleirat Lefèvre, gehört zu den Männer, denen die Kirchengemeinde zu unauslöschlichem Danke verpflichtet ist. Seiner Rührigkeit ist es in erster Linie zu danken, daß der Verein die stattliche Summe von 16635,91 M., meist in kleinen Beträgen, zusammenbrachte und der Kirchengemeinde übergeben konnte. Dafür wurde Lefèvre auch in den Kirchenrat gewählt.

 

Robert Lefèvre starb am 14. Mai 1905. Das Grab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße ist nicht mehr vorhanden. Das Haus Schmargendorfer Straße Nr. 12 blieb bis in die 1920er Jahre im Besitz der Familie. 1906 wurde als Eigentümerin Witwe Henriette Lefèvre eingetragen. 1908 übernahm das Anwesen Tierarzt und Schwiegersohn Robert Schulz mit Ehefrau Else geb. Lefèvre und den Kindern Herta, Ilse und Hans. Zwei Wochen nach dem Tod von Robert Lefèvre fasste die Gemeindevertretung von Friedenau am 25. Mai 1905 folgenden Beschluss: In dankbarer Anerkennung der hervorragenden Verdienste, die sich der verstorbene Schöffe Lefèvre um die Gemeinde erworben hat, beschließt die Gemeindevertretung einstimmig, den Herr Amtsvorsteher zu ersuchen, einer der neuen Straßen den Namen „Lefèvre-Straße“ zu verleihen. Gleichzeitig wird genehmigt, daß dieser Beschluss der Familie in entsprechender Form mitgeteilt wird.

 

 

Friedrich-Wilhelm-Platz mit der Kirche zum guten Hirten um 1898. Archiv Barasch
Lefèvrestraße 9. Foto Hahn & Stich, 2019

Lefèvrestraße Nr. 9

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf F. A. Domscheid

Bauherr Jakob Soar

1909-1910

 

Das Mietshaus Lefèvrestraße Nr. 9 wurde als viergeschossiger, achtachsiger Jugendstilbau auf einem hohen Souterrain erbaut. Die symmetrische, verputzte Straßenfassade wird durch einen breiten vorkragenden Block aus seitlichen Erkern mit einer Doppelloggia in der Mitte bestimmt. Im dritten Obergeschoss sind in die Doppelloggia fünf Säulen eingestellt. Beiderseits des Erker-Loggia-Blocks sind breite Fenster angeordnet. Die Fassade zeigt nur sparsamen Dekor mit kleinen Stuckmedaillons mit Putten, die die Brüstungen zieren. Topographie Friedenau, 2000

 

Lefèvrestraße 24. Aufnahme 1988. Topographie Friedenau

Lefèvrestraße Nr. 24

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Emil Gericke

1907-1908

 

Das Mietshaus Lefèvrestraße Nr. 24 ist ein fünfgeschossiger, fünfachsiger Bau, der einen Quergiebel in der Mittelachse aufweist, der ein reiches Jugendstil-Rankenwerk zeigt, das von flachen Lisenen überschnitten wird. Unter dem Quergiebel befindet sich in der Mitte ein Standerker, der auf einer Seite von Balkons begleitet wird und der im Erdgeschoss ein ionisches Säulenportal zeigt. Die Straßenfassade hat einen Sockel aus Ziegelmauerwerk, darüber ist sie verputzt. In den äußeren Achsen sind tiefe Loggien angeordnet, deren Öffnungen von je vier Pfeilern durchschnitten werden. Das vierte Obergeschoss zeigt beiderseits des Quergiebels Schieferbehang. Topographie Friedenau, 2000