Name seit dem 19. August 1909, benannt nach Offenbach am Main. Nach der Einweihung des Friedhofs Stubenrauchstraße 1881 auf Teilen des Hamburger Platzes erhielt die Straße südlich der Begräbnisstätte vorerst den Namen „Am Friedhof“. Die Offenbacher Straße überquert die Laubacher Straße und damit die Gemarkungsgrenze zwischen den historischen Ortsteilen Friedenau und Wilmersdorf. So kommt es, dass die davon östlich gelegenen Grundstücke Nr. 1-5A und Nr. 25-31 zu Friedenau und der  westliche Straßenteil mit den Nr. 6-24 zu Wilmersdorf gehört.

 

Die Offenbacher Straße erscheint im Berliner Adressbuch unter dem Vorort Friedenau erstmals im Jahr 1911. Auf der Friedenauer Seite sind die Häuser Nr.1-3 sowie Nr. 30 und Nr. 31 bereits bezogen. Als Baustellen sind die Grundstücke Nr.4 (Eigentümer Architekt B Fedike, Berlin), Nr. 5 (Eigentümer Architekt H. Herfort, Bachestraße Nr. 8) sowie Nr. 25 bis 29 angegeben.

 

Im Ortsteil Wilmersdorf werden die Grundstücke Offenbacher Straße noch 1911 als „unbebaut“ angegeben. 1913 heißt es dann: Nr. 6 Neubau (Eigentümer Architekt C. Horst Friedenau), Nr. 7 Neubau (Zimmermeister H. Wagner Friedenau), Nr. 8 Neubau (Eigentümer Tapeziermeister E Köbsel Charlottenburg), Nr. 10-23 Baustellen, Nr. 24 Neubau (Eigentümer Architekten W. Fröhlich und A. Franke Charlottenburg).

 

III. Gemeindeschule Friedenau, 1913-1914. Foto von Emmy Klimsch aus ihrer Wohnung Fehlerstraße, 1919

Offenbacher Straße 5a

Ecke Laubacher Straße

III. Gemeindeschule Friedenau

(heute Ruppin-Grundschule)

Architekt Hans Altmann

1913-1914

 

Die Doppelschule auf dem Grundstück Offenbacher Straße 5A an der Ecke Laubacher Straße wurde 1913/14 als III. Gemeindeschule Friedenau für Knaben und Mädchen nach Plänen von Hans Altmann erbaut. Beide Gebäudeteile sind durch einen Übergang verbunden, auf dem sich eine Dachterrasse befindet. An der Ecke Laubacher und Fehlerstraße entstand das Turngerätehaus. Die Gebäude waren die letzten Schulbauten von Altmann für die Gemeinde Friedenau.

 

Unmittelbar nach der Fertigstellung begann der Erste Weltkrieg. Aus dem Haus wurde ab Dezember 1914 ein Reserve-Lazarett für verwundete Soldaten und Kriegsopfer. Erst ab Ostern 1919 konnte es als Schule genutzt werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude von der Wehrmacht und nach der Kapitulation im Frühjahr 1945 teilweise von der Roten Armee und ab Sommer vom US-Office of Military Govenment for Germany genutzt. Bereits im April 1947 konnte die Schule wieder eröffnet werden. Da das Gebäude keine gravierenden Kriegsschäden zu verzeichnen hatte und bis heute im Wesentlichen unverändert erhalten ist, hat sich die Schöneberger Schulverwaltung danach eigentlich nur mit Umorganisation und Namensänderungen beschäftigt.

 

 

 

Da in das Gymnasium am Maybachplatz zunächst eine Polizeidienststelle und einige Jahre später eine Kaufmännische Berufs- und Berufsfachschule untergebracht wird, muss die Realschule vom Maybachplatz 1951 in den hinteren Gebäudeteil am Friedhof Stubenrauchstraße einziehen – bis zum Rückzug 1958 an den angestammten Platz unter dem Namen Friedrich-Bergius-Schule..

 

1956 wurden die Schöneberger Schulen mit Namen nach Landschaften jenseits des „Eisernen Vorhangs“ bedacht. Die Doppelschule bekam gleich zwei Namen: Ruppin-Grundschule und Bobertal-Oberschule. Ruppin bezog sich auf die Mark Brandenburg und die Ruppiner Schweiz. Mit Bobertal wurde an den Fluss Bober (polnisch Bóbr) im ehemaligen Schlesien erinnert. Seit 2009 ist der Name Bobertal verschwunden. Beide Gebäudeteile firmieren nun unter Ruppin-Grundschule. Geblieben ist das Turngerätehaus, das von der TSC Friedenau als Vereinshaus und Casino genutzt wird: Der Sportplatz gehört der TSC und wird von Verein und Schule gemeinsam genutzt.

 

Nachdem das alles geschehen war, begriff auch Schöneberg, dass seit Jahrzehnten nichts für die Sanierung in die III. Gemeindeschule Friedenau getan worden war. 28 Millionen Euro sollen nun in das Ensemble aus dem Jahr 1913 fließen. Erst jetzt kam die Erkenntnis, dass hinter der „schönen“ Fassade verrostete Stahlträger lauern. Die Bauarbeiten sollen 2024 abgeschlossen sein. Da die Pläne auch eine Neugestaltung des Innern vorsehen nebst einer Nutzung von 1000 Quadratmeter neuer Nutzfläche, ist zu befürchten, dass dem wunderbaren Bau von Hans Altmann Schade zugefügt wird.

 

Die Anlage aus rotem Sichtziegelmauerwerk und reichlichem Terrakotta-Bauschmuck besteht aus zwei dreigeschossigen, winkelförmig zueinander angeordneten Baukörpern, die durch ein Brückenbauwerk miteinander verbunden sind. Der Südflügel an der Offenbacher Straße ist im Grundriss zweibündig; nach Süden orientiert sind die Klassenräume sowie die beiden Treppenhäuser an den Giebeln im Westen und im Osten, nach Norden die beiden Turnhallen sowie die Aula, die alle übereinander angeordnet sind. Eine Segmentbogentonne überwölbt die mit einer Bühne und einer Empore ausgestattete Aula. Diese ist weitgehend original erhalten, die Tonnendecke und die Emporenbrüstung sind reich dekoriert. Im ersten Obergeschoss schwingt sich das Brückenbauwerk auf einem Rundbogen vom Süd- zum Nordflügel und verbindet im ersten und zweiten Obergeschoss - sowie im dritten Obergeschoss als Terrasse - die beiden Flügel. Auch der Nordflügel ist im Grundriss zweibündig angelegt, die Klassenräume sind nach Westen zum Sportplatz und nach Osten zum Friedhof an der Stubenrauchstraße orientiert. Auch in diesem Flügel sind zwei Treppenhäuser an den Giebeln im Norden und im Süden angeordnet.

 

Im Nordflügel befindet sich im dritten Obergeschoss eine weitere, kleine Aula. Die beiden dreigeschossigen Bauten auf hohem Souterrain mit steilen Walmdächern sind als Pfeilerbauten ausgeführt. Je drei Fensterachsen belichten einen Klassenraum, je drei Achsen sind zu einem Risalit oder zu einer Rücklage zusammengefasst. Die Hauptfassaden des Nordflügels werden durch drei um ein Geschoss überhöhte Risalite gegliedert, die mit steilen Giebeln bekrönt sind, und die Schmalseiten durch einen überhöhten Risalit und Giebel betont.

 

Die Hauptfassaden des Südflügels werden ebenfalls durch Eckrisalite gegliedert. Die Nordfassade wird durch sechs Giebel, hinter denen die Aula liegt, rhythmisiert, die Südfassade jedoch nur durch zwei Giebel bekrönt und durch zwei Erker belebt. Im Erdgeschoss befinden sich neben den Treppen zwei rundbogige Eingangsportale mit Kindergruppen aus Terrakotta an den Portalgewänden sowie mit Kinderköpfen aus Terrakotta an den Archivolten. Die Terrakotten stammen von dem Bildhauer Bernhard Butzke. An der Ostseite des Südflügels ist eine halbrunde Terrakotta-Platte mit der Inschrift "Erbaut im Jahre 1913" eingelassen.

 

Das Charakteristische ist die Klinkerbauweise mit glasierter Keramik, wie sie in Berlin selten zu finden ist. Der angesehene Architekt und Baumeister hatte damals nur drei Bauten in dieser Weise verwirklicht. Eine Besonderheit ist der aus Keramik gefertigte Bogenpfeiler am Haupteingang. Zu dem gesamten Gebäudekomplex gehört auch die Urnenhalle des angrenzenden Friedhofes. Die an den Fassaden befindlichen Keramikarbeiten sind in Handarbeit von den Bildhauern Kuhl und Butzke angefertigt worden. Ein Gedenkstein befindet sich im Seiteneingang der Schule. An der Ecke Offenbacher/Laubacher Straße befindet sich ein Hofbereich der Schule, der von einer erhöhten, winkelförmigen Ziegelmauer eingefriedet ist.

 

Das Turngerätehaus an der Ecke Laubacher Straße/Fehlerstraße ist ein eingeschossiger, winkelförmiger Bau nach Plänen von Altmann. An der Ecke erhebt sich auf einem hohen Souterrain ein eingeschossiger Rundbau auf ovalem Grundriss aus rotem Sichtziegelmauerwerk, zu dem eine leicht gebogene Freitreppe hinaufführt und der mit einem Mansarddach gedeckt ist. Zur Ecke hin ist dem Mansarddach ein gebogener Quergiebel mit zwei Fenstern vorgesetzt. In beiden Straßen schließen sich walmdachgedeckte Holzbau-Seitenflügel mit vertikaler Holzverschalung an, die sich ursprünglich als Veranden zum Sportplatz hin öffneten und heute verglast sind. Quelle: Erwin Ehrenberg: Hans Altmann, Berlin 1927

 

 

Offenbacher Straße Nr. 5

 

Bereits Alfred Bürkner merkte in seinem wahrhaftigen Standardwerk „Friedenau-Straßen, Häuser, Menschen“ (Stapp Verlag Berlin, 1996) an, dass „dieses Haus immer wieder Maler und Bildhauer anzog“. In Anbetracht der vor zwei Jahrzehnten vorstellbaren mühevollen Recherchen, ist es heute einfach bewundernswert, was der Verfasser damals für die Nachwelt erarbeitet hat.

 

Hier lebten, wohnten und arbeiteten die Maler B. Richter (1916, 1943), H. Wilke (1916, 1943), H. Schäfer (1916, 1920), E Czekay (1943) und G. Dietrich (1943), die Bildhauer M. Schumacher (1916), W. Schwarzkopf (1916), E. Schmidt-Kestner (1925), H. Haffenrichter (1943), Gerhard Marcks (1916), Karl Möbius (1916, 1943), Hermann Feuerhahn (1936) und die Bildhauerin Ursula Hanke-Förster (1965). Zu den Hausbewohnern gehörten der Historiker Wilhelm Albert Ritter von Jenny (1936) sowie der Philologe Wilhelm Siegling (1939, 1943).

 

Es wäre beim Stand der Digitalisierung einfach, geradezu pingeling, zu beanstanden, dass Alfred Bürkner manchen Vornamen nicht nennt, manche Lebensdaten nicht herausfinden konnte oder manchen genauen Aufenthalt im Haus offen ließ. Mit seinen knapp gehaltenen Angaben macht es jedenfalls einfacher, Biographien und Werdegang dieser Menschen heute zu beleuchten. Das tut Not, damit Geschichte nicht ganz und gar vergessen wird.

 

Bruno Richter, Einzug der deutschen Gesandtschaft in Fes unter Graf von Tattenbach 1905

Bruno Richter (1872-1946)

 

Bruno Richter wird 1872 in Halle an der Saale geboren. Nach seinem Studium in Leipzig, Weimar und München arbeitet er als Illustrator, Architektur-, Landschafts- und Genremaler. Laut Adressbuch ist er in der Offenbacher Straße von 1916 bis zumindest 1943 gemeldet. Sein Werk ist zweifellos eng mit dem Verlauf der deutschen Geschichte verbunden. Bis zum Ende des Wilhelminischen Kaiserreichs dominieren Bilder aus Afrika. In diesen Jahren versuchte das Deutsche Reich außerhalb seiner eigenen Besitzungen die Destabilisierung der Entente-Mächte Frankreich, Großbritannien und Russland in den Kolonien, durch Materialbeschaffung und Militärberatung für aufständische Kolonialvölker. Eine besondere Rolle spielte dann während des Weltkriegs Nachrichtenstelle für den Orient, Propagandabehörde von Generalstab und Auswärtigem Amt – mit nachrichtendienstlichen Aufgaben.

 

 

 

 

Bereits 1889 hatte Wilhelm II. Christian Graf von Tattenbach (1846-1910) als seinen Botschafter in der Form eines Ministerresidenten zum Sultan der Alawiden Mulai al-Hassan I. nach Marokko entsandt. 1890 konnte der erste deutsch-marokkanische Handelsvertrag in Fès unterzeichnet werden. 1898 kam als Nachfolger Gustav Adolf Schenck zu Schweinsberg (1843-1909) – nun an die zur Gesandtschaft erhobene Vertretung in Tanger. Bruno Richter soll Explorationscorps nach Marokko begleitet haben, die nach Bauxit und anderen Mineralien suchten. In den Titeln der damals entstanden Bilder spiegeln sich Ereignisse dieser Zeit wider: Einzug der deutschen Gesandtschaft in Fes unter Graf von Tattenbach (1905), Aufstand der Perser gegen die englische Führung in den Maidan e shah-in Isfahan, Fes vom deutschen Konsulat mit Blick auf Berg Djebel Salagh, Der heilige Krieg gegen die Engländer, Gefecht vor einer Moschee (1915), Rebell Kaid Challak, Führer der deutschen Gesandtschaft von Tanger nach Fes. Mit diesen Bildern wurde Richter schließlich als „einer der letzten deutschen Maler des Orients“ bezeichnet. 1918 war damit Schluss.

 

Als eines der ersten Bilder nach dem Ende des Kaiserreichs entsteht 1919 Blick auf eine Kirche und umliegende Gebäude. Es folgen u. a. Winterliche Dorfstraße in Garmisch Partenkirchen, Blick über Torbole auf den Gardasee, Der Millstädter See in Kärnten. Das Aquarell auf Malkarton Der Großglockner wird im Internet besonders herausgestellt: Signiert und datiert unten rechts „B. Richter 38“, Gesamtmaße 100 x 80 cm, Schätzwert des Experten 800 EUR, aus dem Nachlass eines Berliner Sammlers, gerahmt, rückseitig handschriftlich „Original von Bruno Richter, Bln. Friedenau, Der Großglockner“, verbunden mit der Anmerkung, dass die Arbeiten des Berliner Architektur-, Landschafts- und Genremaler auf Auktionen bis zu 4.900 Euro.

 

Bilder zwischen 1890 und 1918

Bilder zwischen 1919 und 1935

Weiteres in Vorbereitung