Name seit dem 30. September 1927, vorher Straße 38, benannt nach dem Architekten und Stadtplaner Johannes Otzen (1834-1911), der für den Koloniegründer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) den Bebauungsplan für Friedenau entwickelte. Die Otzenstraße liegt nach den festgelegten Grenzen von 1874 nicht in Friedenau, sondern auf dem Gebiet des Ortsteils Schöneberg. Die Gegend wird mitunter auch als Gefühltes Friedenau bzw. Neu-Friedenau bezeichnet.

 

Johannes Otzen, um 1900

Johannes Otzen (1834-1911)

 

76 Jahre nach seinem Tod erkannte die damals regierende CDU 1987, dass der Architekt Johannes Otzen zu Lebzeiten hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin erbracht hat. Die Erkenntnis kam spät und war eigentlich nur der 750-Jahr-Feier geschuldet. Der Senat gewährte ihm eine Ehrengrabstätte – für vorerst zwanzig Jahre. Als diese 2007 um waren, amtierten SPD und DIE LINKE und befanden, dass es mit der Ehre für Johannes Otzen genug sei.

 

Das Grab von Johannes Otzen (1834-1911) befindet sich auf dem von ihm selbst 1887/88 konzipierten Friedhof Wannsee an der Lindenstraße. Die Anlage ist unverändert erhalten. Viele Grabstätten zeigen sich in ihren originären Ausstattungen. Dazu gehört das vom Bildhauer Curt Stoeving (1863-1939) gestaltete Wandgrab der Familie Otzen in der Abteilung AT 22. In das Zentrum dieser prächtigen, neugotischen Kalksteinarchitektur setzte Stoeving einen hohen Giebel mit gotischen Ornamenten, der zu beiden Seiten von Engeln flankiert ist. An einem der seitlichen Pfeiler ist ein Reliefbildnis von Johannes Otzen zu sehen. Für dieses filigrane Grab, längst zum Denkmal erhoben, fühlt sich Berlin nicht mehr verantwortlich.

 

In Erinnerung sei daher gerufen, dass Johannes Otzen am 8. Oktober 1839 in Sieseby (Schleswig-Holstein) als Sohn eines Dorfschullehrers geboren wurde. Er wurde nicht Kaufmann, wie es der Vater wollte, sondern Zimmermann. Es folgten Baugewerkschule Eckernförde und Polytechnikum Hannover. 1864 trat er in das Atelier von Kirchenbaumeisters Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) ein und führte für ihn den Bau der Stiftskirche St. Georg-Marien in Ilfeld aus – Otzens erstes eigenes Werk.

 

 

 

Als nach dem Deutsch-Dänischen Krieg Schleswig-Holstein 1866 an Preußen fiel, wurde Otzen als Königlicher Baumeister in die Verwaltung aufgenommen. 1869 schied er aus und wurde in Hamburg Generalbevollmächtigter des Unternehmers Johann Anton Wilhelm von Carstenn (1822-1896). Der Hamburger Kaufmann hatte 1865 die bei Berlin gelegenen hoch verschuldeten Güter Lichterfelde, Giesensdorf und Wilmersdorf erworben, um dort Villenkolonien zu gründen. In dieser Zusammenarbeit plante Johannes Otzen die Anlage von Lichterfelde (1865), Wilmersdorf (1870) und Friedenau (1874).

 

Schaut man sich die wohl überlegten Bauwerke von Otzen an, vor allem auch seine protestantischen Gotteshäuser, darunter die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg (1884-1888) und die Lutherkirche am Dennewitzplatz in Schöneberg (1891-1894), wird deutlich, dass die sogenannte Friedenauer Carstenn-Figur mit ihrer regelmäßigen Anordnung von Straßen und Plätzen eigentlich Johannes Otzen zugeschrieben werden müsste. 1878 wurde er Professor an der neu gegründeten Technischen Hochschule Charlottenburg, 1885 wechselte er an die Akademie der Künste in Berlin, der er von 1904-1907 als Präsident vorstand. Am 8. Juni 1911 starb Johannes Otzen in seinem Grunewalder Haus in der Hagenstraße 39. Erst am 30. September 1927 kam der Berliner Verwaltungsbezirk Schöneberg auf die Idee, die Straße 48 außerhalb des von ihm geplanten Friedenau in Otzenstraße umzubenennen.

 

Situationsplan Wilmersdorfer Oberfeld von Johannes Otzen, 1874

Nachruf Johannes Otzen. Berliner Architekturwelt, 1912

ePaper
Teilen:

Nachruf Johannes Otzen. Zentralblatt der Bauverwaltung, 1911

ePaper
Teilen: