Vorschlag von www.friedenau-aktuell.de von 2016 zur Bebauung auf dem Güterbahnhof Wilmersdorf

 

Unser Kommentar zur Aktion Rettet den Perelsplatz

 

Während der „Bürgerbeteiligung“ zur Bebauung auf dem Güterbahnhof Wilmersdorf haben wir 2016 dafür plädiert, die aus Klinker errichtete Lagerhalle zu erhalten und auf der Freifläche Sport- und Spielplätze vorzusehen, mit denen das Friedenauer Defizit einigermaßen abgedeckt werden könnte. Dieser Vorschlag wurde vom Bezirksamt ignoriert.

 

Was damals kein Friedenauer wusste und von Bürgermeisterin Schöttler (SPD), den Baustadträten Klotz, Oltmann (beide GRÜNE) und der rot-grünen Zählgemeinschaft während der Jahre dauernden „Bürgerbeteiligung“ geflissentlich verschwiegen wurde, kommt jetzt heraus.

 

Das Bezirksamt hatte bereits 2009 „aufgrund der im Konjunkturpaket II zur Verfügung stehenden Mittel“ entschieden, die „alte Sporthalle“ am Perelsplatz von 1960 „mittelfristig durch einen Neubau“ zu ersetzen. Diese „Zweifeldhalle“ wurde 2010 gebaut, getarnt als „Mehrzweckhalle mit Mensa, Freizeiträumen und einer Turnhalle im Obergeschoss“, die vormittags von der Friedrich-Bergius-Schule und danach vorwiegend von den Basketballern des TSC Friedenau genutzt wird.

 

In einem Schreiben als Antwort auf die Eingabe einer Petentin teilt Bürgermeisterin Angelika Schöttler am 09.08.2019 mit, dass „die wachsenden Bedarfe nunmehr die Errichtung einer Dreifeldsporthalle erfordern. Die geplante Typensporthalle (Typ TSH 60) beinhaltet keine Tribüne. Für Zuschauer ist eine Galerie vorgesehen“. Verschwiegen wird allerdings, dass es 60 Plätze geben wird.

 

Jetzt, wo die Lauterstraße unmittelbar betroffen ist, wurde die Bürgerinitiative „Friedenau spricht“ mit Webseite ins Leben gerufen, die sich für den „Erhalt des Sportplatzes am Perelsplatz“ einsetzt. Einer der Aktivisten hätte gewarnt werden müssen, da er sich als TSC-Vereinsmitglied gegen den TSC-Vereinsvorsitzenden Christian Wille stellt, der bekanntlich die Halle auf dem Perelsplatz durchsetzen will. Als wir Anfang August 2019 den Vorschlag öffentlich machten, auf den Neubau am Perelsplatz zu verzichten und mit dem TSC in einen der ungenutzten Hangars am Flughafen Tempelhof zu ziehen, griff er zum Telefon und erklärte uns, dass dies nicht in Betracht käme, da den Friedenauer Amateursportlern der Weg nach Tempelhof nicht zuzumuten ist.

 

Nun konstatiert „Friedenau spricht“, dass es „leider keinen Dialog zwischen Verantwortlichen und Anwohnern gibt“. Als es um das Kernproblem „Friedenauer Höhe“ ging, war von diesen Friedenauern nichts zu hören. Jetzt, wo es um den Bau vor der eigenen Haustür geht, ist der Perelssportplatz „eine der letzten Freiflächen in Friedenau“, jetzt werden die berechtigten Bürgereinwände von damals aus der Schublade geholt. Plötzlich ist Friedenau der am dichtesten besiedelte Ortsteil Berlins, der mit dem Bau von 1500 Wohnungen auf der Friedenauer Höhe noch weiter zugebaut wird, plötzlich braucht Friedenau kein weiteres großes Bauwerk und plötzlich geht es den Aktivisten auch um Klima und Luft.

 

Doppelzüngig kommen auch die vorgebrachten Argumente daher: „Mit den Kids auf der freien Fläche toben und Spaß haben, mitten im Kiez. Hier ist immer Platz für uns. Die wenigen anderen Bolzplätze in der Gegend sind entweder abgeschlossen oder besetzt. Wir treffen uns seit Jahrzehnten jeden Samstag um 10, bei Wind und Wetter. Wir verlieren einen Sportplatz, der von Jung & Alt intensiv für Freizeitsport genutzt wird, eine Freifläche im Kiez für Familien, die Drachensteigen, Picknicken oder einfach Toben möchten, eine Grünfläche zum Atmen."

 

Wir können uns nicht genug darüber wundern, wie so wichtig den andern ihre eigenen Angelegenheiten sind. (Marie von Ebner-Eschenbach)

 

PS

Auf ihre Eingabe vom 01.07.2019 zur „geplanten Mehrfeldhalle mit Tribünen auf dem Sport- und Bolzplatz der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau" erhielt Frau Dr. Dagmar Unverhau über den Petitionsauschuss des Abgeordnetenhauses und die Senatskanzlei schließlich mit Datum von 09.08.2019 eine von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler verfasste Antwort.

Mit Erlaubnis von Frau Dr. Unverhau machen wir dieses Schreiben auf der nachfolgenden PDF öffentlich.

 

Antwort auf die Eingabe einer Friedenauerin

ePaper
Teilen:

 

Das letzte Stück

 

Rund um den Perelsplatz zeigt sich die Planlosigkeit der Tempelhof-Schöneberger Stadtentwicklung unter Bezirksbaustadtrat Jörn Oltmann (DIE GRÜNEN) in erschreckender Weise. Der Perelsplatz selbst, Wege, Bäume, Sträucher und Spielplatz sind an sich schon mehr als beklagenswert, doch es kommt noch schlimmer:

 

Gegen den Willen der Friedenauer hatte Oltmann den Bau von 1500 Wohnungen auf dem Gelände des Wilmersdorfer Güterbahnhofs durchgesetzt. 6,5 Hektar Freifläche werden dafür geopfert. Als Entschädigung werden dort inmitten von sechsstöckigen Wohnblöcken zwei „Stadtplätze“ mit maximal 0,2 Hektar gleich 2000 Quadratmeter propagiert. Der zusätzliche Autoverkehr wird Friedenau mit seinen schmalen Straßen enorm belasten. Betroffen ist insbesondere die Handjerystraße, auf der schon jetzt teils chaotische Verhältnisse herrschen.

 

Fangen wir bei der Friedrich-Bergius-Schule an. Der Berliner Magistrat hatte der Gemeinde Friedenau 1898/99 das Terrain zwischen Maybachplatz (Perelsplatz) und Ringbahn „zum Bau des Gymnasiums“ angeboten – „zu einem Preis, wie er vorteilhafter wohl kaum zu erwarten war. Anscheinend zögern jedoch die Gemeindebehörden noch, die Offerte zu akzeptieren, und nur deshalb, weil das Terrain für das Gymnasium zu groß und an den Verkauf die Bedingung geknüpft ist, das Gelände nur für kommunale Zwecke zu verwerten“. Nach einigem Hin und Her wurde schließlich 1903 das Gymnasium nach Plänen der  Architekten Erich Blunck und Paul Engelmann 1903 eingeweiht. An der Handjerystraße entstand unmittelbar neben dem Schulgebäude eine Turnhalle, zum Platz hin die Schuldirektorenvilla und nebenan zwischen Bahndamm und Lauterstraße „ein Turn- und Spielplatz“. Die seinerzeit gleichzeitig mit der Schule errichtete Turnhalle an der Handjerystraße wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Hinter der 1909 vom Gemeindebaumeister und Architekten Hans Altmann geschaffenen Bedürfnisanstalt entstand 1960 an der Lauterstraße eine neue Schulturnhalle, die in der Folgezeit mehr und mehr vom „Friedenauer TSC 1886 e.V.“ in Anspruch genommen wurde.

 

2011 wurde auf den Schulhof entlang des Bahndamms für die Schule eine Mehrzweckhalle mit Mensa und Freizeiträumen im Erdgeschoss und eine Turnhalle im Obergeschoss gebaut, die heute wiederum auch vom „Friedenauer TSC 1886 e.V.“ genutzt wird. Mit diesem Bau begann als eine Art „Wiedergutmachung“ die (jahrelange) Sanierung des Gebäudes der Friedrich-Bergius-Schule. Saniert wurde allerdings nur der Gebäudeteil zum Perelsplatz – und auch dieser nur teilweise. Die begonnenen Arbeiten am Dachgeschoss, wo es einst ein astronomisches Observatorium gab, am Turm mit dem erhaltenen Uhrwerk der Firma F. L. Löbner aus dem Jahr 1902 und an der Aula ließ das Bezirksamt einstellen. Ganz unverständlich ist der Umgang mit der Aula. Sie wurde für 700 Personen gebaut, diente oft genug auch den Sitzungen der Gemeindevertreter und den Friedenauern als „Festsaal“. Beauftragt wurde vom Bezirksamt sogar die Diplom--Restauratorin für Wandmalerei, Architekturoberfläche und Steinobjekte Diana Walter. Sie findet „die momentane Situation für die Aula der Friedrich-Bergius-Schule mehr als unbefriedigend“. Tun kann sie nichts. Geblieben ist ihre Magisterarbeit für die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder mit dem Thema: „Der Umgang mit teilzerstörten, figürlichen Wandgemälden von 1903 der Aula Friedrich-Bergius-Oberschule in Berlin-Friedenau".

 

In mehreren aktuellen Dokumenten wird als Zuständiger immer wieder ein „Herr S. Müller aus der Hochbauabteilung des Stadtentwicklungsamtes“ genannt. Da er zuletzt mit dem „Modell Typensporthalle TSH 60“ befasst war, wird er kaum Auskunft darüber geben können, wann Dachgeschoss, Turm und Aula fertiggestellt werden oder wann mit der Sanierung des Gebäudetrakts der Friedrich-Bergius-Schule an der Handjerystraße begonnen wird.

 

Auskunft verweigert das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg auch über die 1909 von Gemeindebaurat und Architekt Hans Altmann geschaffene Bedürfnisanstalt auf dem Perelsplatz. Im September 2016 wurde verkündet: „Fachwerkpavillon am Perelsplatz. Denkmalgerechte Sanierung und Umbau. Bauzeit bis Oktober 2017. Eröffnung im Frühjahr 2018.“ Die Ausgaben für das gemeinsame Projekt der grünen Bezirksstadträte Christiane Heiß (Grünflächenamt) und Jörn Oltmann (Bauamt) wurden 2017 mit 500.000 € beziffert. Für den Pavillon wurde nach 1 ½ Jahren noch immer kein Betreiber gefunden, so dass die Kosten um einiges überschritten sein dürften. Zahlen gibt es nicht. Anfang Juli 2019 ließ Jörn Oltmann verkünden, dass „der geeignete Pächter gefunden ist“.

 

Für die Sanierung des Pavillons wurde dem Sintflutbrunnen fast zwei Jahre das Wasser abgedreht. Obwohl die zuständige Stadträtin Christiane Heiß mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass der Brunnen marode ist und restauriert werden müsste, hüllte sie sich in Schweigen. Auf den desolaten Zustand der wassergebundenen Wege ringsherum ging sie bis heute nicht ein. Der enorm frequentierte Spielplatz ist für Kinder und Eltern eigentlich eine Zumutung. Seit langem ist bekannt, dass die Zauneinfassung zu niedrig ist und es den Hunden mit einem leichten Hürdensprung ermöglicht, im Sand die Geschäfte zu erledigen. Die Eltern müssten vor der Benutzung gewarnt werden, zumal der Sand seit ewigen Zeiten nicht ausgetauscht wurde. Nicht entgangen kann dem Bezirksamt sein, dass die Anlage rund um das Kriegerdenkmal zum Drogenumschlagplatz avanciert ist, und der Hausmeister der Friedrich-Bergius-Schule angehalten ist, am frühen Morgen vor dem Eintreffen der Schüler die Reste der Nacht zu beseitigen. Nicht zu vergessen das wahnwitzige Wohnprojekt auf dem Bahndamm, was schön geredet „Friedenauer Höhe“ heißen soll, und doch nur auf einem Eisenbahndamm und parallel zur Stadtautobahn entsteht. Zu all dem soll auch noch die Überbauung des Sportplatzes mit einer Wettkampfhalle kommen – wo soll das enden?

 

Klaus Lelickens, Leiter Fachbereich Baumanagement im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, bestätigt schriftlich: „Für den Standort Perelsplatz ist das Modell TSH 60 mit einer Spielfeldfläche von 22x45m vorgesehen.“ Er schreibt „Spielfeldfläche“ und unterschlägt damit, dass die Halle noch einen Vorbau von 10x45m erhält. Konkret bedeutet dies, dass die Halle 2/3 des bestehenden unbebauten Sportplatzes „verschlucken“ wird. Da 60 Tribünenplätze geplant sind, nebst Fahrstuhl für den behindertengerechten Zugang, ist ein rund 12 Meter hohes Gebäude zu erwarten, dass den Bahndamm mit seinen 7m um 5m überragt. Modell TSH 60 bedeutet, dass die Halle für Sport-Events konzipiert wird. Dass die Zuschauer zu Fuß nach Friedenau kommen, glaubt kein Mensch. Also noch mehr Autos, verstopfte Straßen und Kampf um Parkplätze. Mit dem neuen Hallenbau verschwindet die letzte Freifläche im Kiez. Die Luftzirkulation, die bereits durch die Wohnblöcke auf dem Bahngelände beschnitten wird, soll vollends unmöglich gemacht werden.

 

Im Senatspapier vom 22.06.2018 zum Thema „Typenentwurf Sporthallen“ werden Bauprojekte bisher nur für die Stadtbezirke Spandau (3x) sowie je 1x für Steglitz, Lichtenberg, Mitte, Hohenschönhausen, Reinickendorf und Charlottenburg aufgeführt. Obwohl Tempelhof-Schöneberg bisher nicht genannt wird, plädiert das Bezirksamt samt der auf Linie gebrachten SPD-Fraktionsvorsitzenden Marijke Höppner für den Bau auf der bisherigen Sportfreifläche Perelsplatz.

 

Die vom Senat vorgegebenen Richtlinien „besondere Eilbedürftigkeit“ und „möglichst geringe Gebäudegrundfläche“ kommen den Schöneberger Stadtentwicklern gelegen. Dazu kommt die schwammige Formulierung „Amtsentwurf“ für alle Standorte. Dieser „Amtsentwurf“ kann „für das jeweilige Grundstück leicht angepasst werden“, braucht, einmal genehmigt, offensichtlich keine weitere Baugenehmigung. Er könnte vor allem dazu dienen, langwierige „Bürgerbeteiligungen“ zu verhindern.

 

Nutznießer der neuen Wettkampfhalle wird einzig der „Friedenauer TSC 1886 e.V.“ sein. Der Verein mit guten Kontakten des Vereinsvorsitzenden und Bezirkssportbundsprechers Christian Wille in die Kommunalpolitik hat bereits zahlreiche Schulturnhallen und Schulsportplätze im Kiez okkupiert. 133 Jahre nach der Gründung soll endlich mit „Modell TSH 60“ das „Sahnehäubchen“ kommen.

 

Erst jetzt, nachdem die Pläne für die Typensporthalle „TSH 60“ bekannt sind, wird bewusst, dass an der Ostfront der 2011 entstandenen Mehrzweckhalle in Höhe der im Obergeschoss liegenden Turnhalle eine dunkle Fläche eingearbeitet ist. Wurde damals schon an eine Brückenverbindung zwischen den beiden Hallen gedacht?

 

Die rücksichtslose Konzeptlosigkeit am Perelsplatz ist sagenhaft und wird diesen Teil Friedenaus dauerhaft beschädigen. SPD und Grüne, die Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung dominieren, suchen schon lange nicht mehr das Gespräch mit den Anwohnern. „Friedenau wird zugebaut – Anwohner zählen nichts!“ Es wächst indes der Unmut darüber, dass Immobilienlobbyisten und einzelne Interessengruppen die Kommunalpolitik auf Kurs gebracht haben. Passivität und Schweigen werden daran nichts ändern. Es ist vielmehr höchste Zeit, sich einzumischen. Dieser Appell gilt vor allem für die unmittelbar betroffenen Anwohner, die allzu lange nur Zuschauer waren und jetzt beginnen sollten, ihr Wohnumfeld vor dem Bauwahn zu schützen.

 

Turngerätehalle der Gemeindeschule, heute Vereinshaus und Casino des TSC

Friedenauer TSC 1886 e. V.

 

„Vereine fördern die Bestrebungen ihrer Mitglieder und stören die der Anderen.“

Robert Musil

 

Der „Friedenauer TSC 1886 e. V.“ wurde während des Kaiserreichs 1886 als „Männer-Turnverein“ gegründet. Am Anfang war Turnen, dann kamen Radsport und Fußball hinzu. 1914 schickte der Verein seine Jungs in „die schweren Kämpfe an Ostpeußens Grenzen, wo Felix Brücker, Hans Gadow und Willi Zahl aus der 1. und 3. Männer-Abteilung Wochen später den Heldentod für das Vaterland fanden“. Über die Jahre von 1933 bis 1945 als Mitglied im „Reichsbund für Leibesübungen“ wollen wir gar nicht erst reden. Heute besteht der „familienfreundliche Mehrspartenverein“ offiziell aus acht Sportabteilungen. Nennenswert sind Basketball und Handball. Es dominiert Fußball mit den Mannschaften „1. Herren, 2. Herren, 3. Herren, Senioren, Altliga Ü 40, Altliga Ü 50 und Altliga Ü 60“.

 

Vorsitzender ist Christian Wille, der zugleich Bezirkssportbundsprecher ist und als solcher wesentlichen Einfluss auf die Belegung von Sporthallen und Sportplätzen nimmt.

 

 

 

Gesteuert werden die Aktivitäten an der Ecke Fehler- und Laubacher Straße. Dort entstand nach Entwürfen von Gemeindebaurat und Architekt Hans Altmann 1913/14 als Doppelschule die „III. Gemeindeschule Friedenau“ (heute Ruppin-Grundschule) mit Schulsportplatz und Turngerätehaus, das heute dem TSC als Vereinshaus und Casino dient. 2003 „übernahm die TSC-Fußballabteilung die Platzwartpflichten“ für den Sportplatz, der eigentlich dem Schulsport vorbehalten war. Mit Billigung des Schöneberger Bezirksamts sind Schulsportplatz und Schulturnhalle ganz offiziell Trainings- und Spielstätte und der TSC „Alleinnutzer“.

 

Der „Friedenauer TSC“ ist nicht zimperlich. Der einnehmende Verein hat sich inzwischen die Schulsportplätze Wiesbadener Straße, Eisackstraße und Perelsplatz sowie die Turnhallen von Rheingau-Schule, Stechlinsee-Schule, Flämingschule, Alte Turnhalle Perelsplatz (1960) und Neue Turnhalle Friedrich-Bergius-Schule (2011) „gesichert“. Ohne TSC geht dort gar nichts.

 

Man fragt sich schon, warum der TSC seit 1886 nicht die Notwendigkeit erkannt hat, eigene Möglichkeiten für Training und Spiel zu schaffen – und bisher nur als Nutznießer aufgetreten ist. Gelegen kommt ihm nun, dass der Senat seit dem 22.06.2018 das Bauprojekt „Typenentwurf Sporthallen“ konzipiert. Aufgelistet werden bisher nur geplante Bauten für die Stadtbezirke Spandau (3x) sowie je 1x für Steglitz, Lichtenberg, Mitte, Hohenschönhausen, Reinickendorf und Charlottenburg. Obwohl Tempelhof-Schöneberg nicht genannt wird, plädieren die Schöneberger Stadtentwickler für den Bau der „Typensporthalle Modell TSH 60“ auf der bisherigen Sportfreifläche Perelsplatz. Gelegen kommt ihnen, dass der Senat auf eine „besondere Eilbedürftigkeit sowie auf eine möglichst geringe Gebäudegrundfläche“ orientiert. Dafür soll für alle Standorte ein „Amtsentwurf“ her, der nach dem Motto „einmal genehmigt, immer genehmigt“ vor allem dazu dienen soll, langwierige „Bürgerbeteiligungen“ zu verhindern.

 

Der Sportplatz Perelsplatz hat eine Größe von ca. 60x60m. Davon sind etwa 2/3 unbebaut und mit einem Kunstrasen belegt (60x40m). Auf dem restlichen Drittel befinden sich die Alte Sporthalle (25x21m), Basketballfeld, Weitsprunganlage und Wettkampflaufbahn.

 

Das Neubauprojekt „Modell TSH 60“ würde eine Fläche von 45x32m (inkl. Halle und Vorbau für Sanitäreinrichtungen) mit einer Höhe von 12m einnehmen und damit mindestens 5m über der Höhe des Bahndamms (Friedenauer Höhe) liegen. Friedenau würde weiter verdichtet und hätte 2000 Quadratmeter Frei- und Grünfläche weniger. Erstaunlich ist aber, dass es dabei nicht um eine Halle für Sport und Spiel geht, sondern um eine „Wettkampfhalle“ mit 60 Tribünensitzen inkl. Behindertenplätzen, wofür natürlich ein Fahrstuhl erforderlich wäre. Nutznießer dieser Halle wäre einzig der „Friedenauer TSC 1886 e.V.“. Alle anderen Freizeitsportler bleiben außen vor. Sie sollen sich nach dem Abriss der Alten Turnhalle mit dem Rest zufrieden geben. Das kann nicht sein!

 

Warum, so fragen sich nicht wenige Friedenauer, greift der Bezirk nicht auf die Hangars des Tempelhofer Flughafens zurück. Die Hangars stehen zum größten Teil leer. Ganz besonders bietet sich Hangar 2 an, dessen Dach ohnehin saniert werden muss: Länge 93m, Tiefe 44m, Höhe 12-16m. Toiletten sind dort vorhanden für Damen 5 Kabinen und für Herren 3 Kabinen plus 4 Urinal. Die anderen Hangars stehen dem nicht nach. Praktisch wäre es ohnehin, da das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg als Aufsichtsbehörde dafür zuständig ist.

 

Flughafen Tempelhof, Hangars. Foto Hahn & Stich, 2002

Die Alternative

 

Das Land Berlin ist seit 2009 alleiniger Eigentümer der denkmalgeschützten Gebäude und Freiflächen des ehemaligen Flughafens Tempelhof, die von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet werden. Bekannt ist, dass die BIM derzeit einen Antrag auf eine dauerhafte Nutzungsänderung bestimmter Bereiche vorbereitet. Dessen ungeachtet, ist das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg für Genehmigungen aller Art zuständig.

 

Zum Gebäudekomplex gehören sieben Hangars mit Flächen von 6350 m² (Hangar 6) bis 3670 m² (Hangar 5). Die Ausmaße betragen jeweils 139x44m (Hangar 6) bis 86x44m (Hangar 6) und eine Höhe zwischen 12 und 16m. In allen Hangars sind Toiletten für Damen und Herren vorhanden. Die leeren Hangars fassen 3800 (Hangar 6) bis 2000 (Hangar 3) Personen.

 

 

 

 

Unabhängig davon, dass für zwei bzw. drei Hangars bereits zukünftige Nutzungen angedacht sind, so z. B. für den Hangar 7 das Alliierten Museum, gibt es für die meisten Hangars noch keine zukunftsträchtige Verwendungsmöglichkeit – auch nicht für Hangar 2, der gegenwärtig noch nicht nutzbar ist und dessen Dach denkmalgerecht saniert werden muss.

 

Welcher Hangar auch immer, der ehemalige Tempelhofer Flughafen offeriert eine großzügige Gelegenheit, die Trainings-, Spiel- und Event-Bedürfnisse des „Friedenauer TSC 1886 e. V.“ auf lange Sicht zu befriedigen. Warum ein Vereinsvorsitzender und vier Kommunalpolitiker - im stillschweigendem Einvernehmen mit der CDU - das nicht wollen, müssen sie schon erklären.

 

Perelsplatz. Quelle BA TS. Bearbeitung www.friedenau-aktuell.de, 2019

Unwürdige Zustände

 

Wir fragen uns, ob wir Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD), zuständig für Jugend, Schule und Sport, die SPD-Fraktionsvorsitzende Marijke Höppner oder den sportpolitischen Sprecher der SPD Oliver Fey je am Perelsplatz gesichtet haben. Wir fragen uns, ob sie schon einmal gesehen haben, wie Halbwüchsige Trainingsmaterial herbeischleppen, vor dem abgeschlossenen Sportplatz stehen, über den Zaun klettern, sich bei Wind und Wetter im Freien umziehen, mit kegelförmigen Pylonen Tore markieren und sich für Pipi in die Büsche begeben. Das alles nur, weil sie mal kicken wollen.

 

Dabei verfügt die Freizeitanlage über eine akzeptable Infrastruktur. Es gibt einen Kunstrasenplatz, der allerdings 2011 mit dem Bau der neuen Mehrzweckhalle für die Friedrich-Bergius-Schule gestutzt wurde, so dass er nur noch „Kleinfeldplatz“ ist. Das hätte das Bezirksamt verhindern können, wenn die Halle näher an die Handjerystraße gesetzt worden wäre. War das mit Blick auf weitere Zubauten Absicht?

 

 

Es gibt mobile Tore, die – rechtzeitig vor der Ferienzeit – abgebaut und am Materialplatz gestapelt werden, zu dem nur der „Friedenauer TSC 1886 e. V“ Zugang hat, und damit verhindert, dass die Freizeitkicker richtige Tore haben. Und es gibt die alte Turnhalle an der Lauterstraße mit Umkleidekabinen, Sanitäranlagen und Toiletten, zu denen Bezirkssportstadtrat Oliver Schworck (SPD) den Zutritt verweigert.

 

Zu den herausragenden Fähigkeiten von Schworck gehört, sich immer einzumischen und immer auch wieder rauszuhalten. Das macht der Stadtrat seit 2006, damals zuständig für Bürgerdienste, Ordnungsaufgaben, Natur, Umwelt, ab 2011 für Jugend, Ordnung, Bürgerdienste und schließlich seit 2016 für Jugend, Umwelt, Gesundheit, Schule und Sport.

 

Bekannt müsste ihm sein, dass dieser Freizeitsportplatz beliebt und gefragt ist. Statt bei diesen Begehrlichkeiten zu vermitteln, weil es neben vereinsgebundenen Kickern auch ungebundene und spontan agierende Kinder, Jugendliche und Gruppen aus den umliegenden Wohnquartieren gibt, beruft sich der gelernte Finanzwirt auf die Berliner „Sportanlagen-Nutzungsvorschriften“ (SPAN). Der „Berliner Woche“ diktierte er am 26.06.2019 in den Notizblock: „Das Bezirksamt kann niemandem plötzlich Trainingsstunden wegnehmen.“ Das verlangt auch niemand.

 

Nach SPAN ist grundsätzlich geregelt, dass alte und neue Halle sowie der Sportplatz bis 16 Uhr von der Friedrich-Bergius-Schule genutzt werden. Danach stehen die Anlagen „montags bis freitags ab 16 Uhr, sonnabends ab 13 Uhr, sonn- und feiertags sowie während der Ferien ganztägig“ prinzipiell der Öffentlichkeit zur Verfügung – mit gewisser Gewichtung. Zu berücksichtigen sind „förderungswürdige Sportorganisationen“, was in Tempelhof-Schöneberg immer gleichzusetzen ist mit „Friedenauer TSC 1886 e. V“, sogenannte neue „Nutzende“ sowie „Kinder- und Jugendgruppen zu für sie vertretbaren Tageszeiten“. Damit die Angelegenheit im Sinne des Amtes „geordnet“ verläuft, erfolgt die Vergabe „auf Antrag“ über die Vergabestelle des Bezirksamts. „Die Rechte und Pflichten sind durch den Abschluss eines Vertrages zu regeln. Festgelegt ist auch, dass „die Nutzung in geeigneten Fällen mit Übertragung der Schlüsselverantwortung an die Sportorganisationen geregelt werden kann“. Nur Sportorganisationen? Das ist Zwang. Alle anderen bleiben außen vor. Ist das bei dem prekären Friedenauer Mangel an Freizeitflächen noch zeitgemäß?

 

Bezirksstadtrat Schworck „lehnt eine öffentliche Nutzung des Areals am Perelsplatz ab, da keine Betreuung auf der Anlage gewährleistet ist“. Genau das wird nun zum Problem. Das Bezirksamt hat seit Jahren versäumt, klare Verhältnisse zu schaffen. Statt einen „Platzwart“ einzustellen, der öffnet und schließt, Umkleidekabinen, Toiletten, Sportmateriallager, machten Bezirksamt und „Friedenauer TSC 1886 e. V“ aus den Sportanlagen am Perelsplatz einen „Hochsicherheitstrakt“ - damit ja kein Unbefugter bzw. „Ungeeigneter“ des anderen Reich betritt - Zugangstüren mit Sicherheitsschlüsseln en masse. Für „geeignete Fälle“ wie dem „Friedenauer TSC 1886 e. V“ wurde „Schlüsselgewalt“ für alte und neue Sporthalle sowie Platz erteilt, „ungeeignete Fälle“ wie der „SC Kiezmove Friedenau e.V.“ mit über 100 Mitgliedern, wovon auch die Freizeitkicker partizipieren, erhalten lediglich den Schlüssel zum Sportplatz – nachdem der TSC seine mobilen Tore abgebaut hat.

 

Diese Überlegungen werden sich bald erledigt haben, wenn sich die Seilschaft aus dem TSC-Sportfunktionär Christian Wille und den Bezirkspolitikern von SPD (genannt werden in den uns bisher bekannten Protestschreiben gegen dieses Projekt Oliver Fey, Marijke Höppner, Oliver Schworck), DIE GRÜNEN (Martina Zander-Rade) und CDU mit dem Bau der Wettkampfhalle Modell TSH 60 durchsetzt. Diese Halle mit Tribünenplätzen dient einzig dem Repräsentationsbedürfnis des „Friedenauer TSC 1886 e. V“. Sie vernichtet einen Freizeitplatz, von dem eine Restfläche für eine „Schulsportanlage“ übrigbleibt.

 

Ziel ist es, den Perelsplatz eines Tages in Gänze gartendenkmalpflegerisch wiederhergestellt zu haben. Bezirksstadträtin Christiane Heiß, 09.07.2019

ePaper
Teilen: