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Maybachplatz nach der Umgestaltung. Zeichnung Gartenamt Schöneberg, 1931

Der Platz wurde 1873 vom Koloniegründer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) und Stadtplaner Johannes Otzen (1839-1911) als einer von fünf Friedenauer Schmuckplätzen konzipiert und Berliner Platz genannt. 1884 wurde daraus der Maybachplatz, nach Minister Albert von Maybach (1822-1904), der die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preußen betrieb. Seit dem 1. Oktober 1961 heißt die Anlage Perelsplatz, benannt nach dem Juristen Friedrich Justus Perels (1910-1945).

 

1899 wurde bekannt, dass der Berliner Magistrat der Gemeinde Friedenau das Terrain zwischen Maybachplatz und Ringbahn zum Bau des Gymnasiums überlassen will – allerdings an die Bedingung geknüpft, das Areal nur für kommunale Zwecke zu verwerten. Einem Bericht des Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 30. November 1905 kann entnommen werden, dass die Stadt Berlin als damalige Eigentümerin nach der Eröffnung des Ringbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau 1877 zwischen Lauter- und Handjerystraße einen Turn- und Spielplatz“ hatte errichten lassen. Nach der Eröffnung von Gymnasium (1903) und Direktorenwohnhaus (1905) wurde die Neugestaltung des Maybachplatzes konkret.

 

 

 

Er sollte in seiner zukünftigen Gestalt eine hervorragende Schmuckanlage unseres Ortes werden. Vor allem wird eine große Anzahl der Birken, die jetzt dort so dicht stehen, daß sie sich nicht in ihrer Krone entwickeln können, gefällt werden. Auf der Seite der verlängerten Lauterstraße wird ein Spielplatz entstehen, der einen Durchmesser von 30 Metern erhalten wird. An Stelle der gefällten Birken werden Rasenplätze mit Koniferen angepflanzt. Der Platz wird durch einen direkt auf die Ecke des Gymnasiums zuführenden 6 Meter breiten Weg durchquert, kleinere Wege sind für Fußgänger bestimmt. An der westlichen Seite zur Handjerystraße ist die Anlage eines Springbrunnens mit Wasserbassin gedacht.

 

Die 1931 vom Schöneberger Gartenamt erstellte Zeichnung veranschaulicht die grundsätzliche Gestaltung, mit der 1907 der Steglitzer Gartendirektor Fritz Zahn (1872-1942) beauftragt wurde. Zahn setzte zusätzlich Buchen, Eichen, Eiben, Rotdornen und Magnolien. Als Reminiszenz an die ursprüngliche Bepflanzung mit Birken könnte jener Pavillon aus Birkenstämmen gedeutet werden, der den Weg zum Gymnasium säumte. Über eine lange Zeit hat sich für die Anlage der Begriff Birkenwäldchen gehalten. Dafür sorgte wohl auch Gastwirt Fritz Baumann, der an der Ecke Maybachplatz Handjerystraße das Restaurant Zum Birkenwäldchen (heute Medusa) betrieb.

 

Noch vor der Neugestaltung entstanden an der Südseite des Maybachplatzes die Land- und Mietshäuser der Baumeister Max Nagel (1886), H. Franzke (1888), H. Pählchen (1890) und Carl Sack (1893). Im Jahr 1909 kam die Bedürfnisanstalt nach einem Entwurf von Gemeindebaumeister Hans Altmann hinzu und 1923 auf der Fläche vor dem Gymnasium der Heldendenkstein, das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau. Mit dem Umbau des Südwestkorsos wurde der Sintflutbrunnen 1931 vom ehemaligen Hamburger Platz zur Lauterstraße als Point de vue für die Hähnelstraße gesetzt.

 

Gymnasium am Maybachplatz nach der Eröffnung. Archiv Barasch.

Perelsplatz Nr. 6-9

Baudenkmal Schule

Entwurf Paul Engelmann und Erich Blunck

Bauherr Gemeinde Friedenau

1901-1902

 

Am 13. März 1896 beschloss die Gemeindevertretung den Bau einer höheren Knabenschule. Die Grundsteinlegung am Maybachplatz erfolgte am 20. April 1901. Das neue Gymnasium mit Turnhalle und Sportplatz nach Plänen der Architekten Erich Blunck (1872-1950) und Paul Engelmann wurde am 18. April 1903 eingeweiht. Im Oktober 1905 erklärte Schuldirektor Dr. Busch, dass das Fußballspiel ein rohes Spiel ist. Es ist den Schülern streng verboten, der Jugendriege eines Fußballvereins anzugehören. Ein Schüler soll sogar vom Gymnasium verwiesen worden sein, weil der Direktor ihn gesehen hat, wie er in der Jugendmannschaft des Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia 1892 mittrainierte. Am 4. Juli 1907 folgte: Vor dem Besuch der sogenannten kinematographischen Theater ist zu warnen. Mitteilung an die Eltern: Die Schule hat die Pflicht, die Jugend gegen die von Lichtbildbühnen ausgehenden Schädigungen zu schützen.

 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gymnasium bei mehreren Fliegerangriffen beschädigt. Nach Beseitigung der Schäden zog 1946 zunächst eine Polizeidienststelle in das Gebäude ein, später die Kaufmännische Berufs- und Berufsfachschule Berlin-Schöneberg. 1958 wurde aus dem ehemaligen Gymnasium die Friedrich-Bergius-Oberschule, benannt nach dem Chemiker Friedrich Bergius (1884-1949). Nichts gegen den Nobelpreisträger von 1931, aber in Bezug auf die Friedenauer Geschichte wäre die Benennung in Friedrich-Justus-Perels-Schule sinnvoller gewesen. 1959/60 entstand die Turnhalle an der Lauterstraße. Der Abriss ist „angedacht“. Im Oktober 2011 kam unmittelbar am Bahndamm das neue Mehrzweckgebäude mit Turnhalle, Mensa sowie Freizeit- und Unterrichtsräumen hinzu. 2013 wurde bekannt, dass das alte Gymnasium von 1901/02 dringend eine Grundsanierung braucht.

 

Das neue Gymnasium in Friedenau, 1903

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Schuldirektorenwohnhaus. Foto H&S 2015

Perelsplatz Nr. 5

Baudenkmal Schuldirektorenwohnhaus

Entwurf Architekt Johannes Duntz

Bauherr Gemeinde Friedenau

1905-1906

 

Der Architekt Johannes Duntz hatte 1904 nach dem Tod des Gemeindearchitekten Max Nagel bis zur Berufung von Hans Altmann zum Gemeindebaurat im Jahr 1906 die Bauverwaltung kommissarisch geleitet. In diesen Jahren schuf er die Entwürfe für die II. Gemeindeschule (1904/06, heute Stechlinsee-Schule) und das Elektrizitätswerk an der Rheingaustraße Nr. 30/Kreuznacher Straße Nr. 2 (1905-1907).

Das zweigeschossige Schuldirektorenwohnhaus wurde auf einer Grundfläche von 13 x 14 Metern als Landhaus konzipert. Auffallend sind neben dem niedrigen Souterrain das Walmdach und der über zwei Geschosse angelegte Standerker. Hinter dem Eingang an der Westseite liegt eine Halle, von der direkt die Wohnräume im Erdgeschoss und über eine Treppe die Schlafräume im Obergeschoss zu erreichen waren. Das Anwesen wird heute vom Bezirksamt Schöneberg unter dem Namen „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ als Kindertagesstätte genutzt.

 

 

Kriegerdenkmal. Archiv Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau

Kriegerdenkmal

 

Für den halbkreisförmigen Platz vor dem Eingang zum Gymnasium war in den Plänen von 1907 ein Schmuckplatz mit Springbrunnen und Wasserbassin geplant. Es kam der Erste Weltkrieg und über 80 Friedenauer erlitten den „süßen und ehrenvollen Heldentod fürs Vaterland". Am 15. Juli 1923 hatte der Friedenauer Krieger- und Landwehrverein als größter Berliner Kriegerverein das erste Kriegerdenkmal auf dem Maybachplatz eingeweiht.

 

Die „Vossische Zeitung“ berichtete darüber: „Die Gedächtnisrede hielt Pfarrer Förtsch. Ihr schlossen sich zwei weitere Ansprachen von dem katholischen Geistlichen Menzel und dem Friedenauer Rabbiner Dr. Winter an. Darauf übergab der Vorsitzende des Kriegervereins, Geheimer Rechnungsrat Evers, das Denkmal dem Bezirksamt 11. Der anwesende Vertreter des Bezirksamts, Stadtrat Professor Dr. Lassen, übernahm es im Namen der Stadt. Die Feier verlief außerordentlich glänzend bei herrlichem Wetter unter Beteiligung von etwa 10.000 Personen. Verschiedene Kriegervereine der Umgebung und andere Korporationen hatten Abordnungen entsandt, u. a. auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der einen Kranz niederlegen ließ. Desgleichen waren Abordnungen verschiedener Regimenter, in denen die hiesigen Kriegervereinsgenossen früher gekämpft haben, erschienen.“

 

Im Zentrum der Anlage für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau steht ein Kalksteinobelisk mit den üblichen Symbolen, Kreuz, Schwert, Stahlhelm und „Lorbeer für die des Lorbeers würdigen Soldaten“. Die Rasenfläche mit dem sogenannten Tiergartengeländer war mit Blumenrabatten eingefasst. Eine Buchenhecke schirmte den Gedenkort vom alltäglichen Treiben auf dem Maybachplatz ab. Das alles ist heute in einem unwürdigen Zustand. Umso mehr sind die Aktivitäten des Schul- und Stadtteilmuseums der Friedrich-Bergius-Schule zu begrüßen. Die Website www.friedrich-bergius-schule.de erinnert unter anderem an jene namentlich genannten Schüler des Friedenauer Gymnasiums, die im Ersten Weltkrieg an den Fronten in Frankreich und Russland zwischen 24. August 1914 und 17. Oktober 1918 ums Leben gekommen sind. Keine erfreuliche Lektüre. Eine Mahnung.

 

Bedürfnisanstalt am Maybachplatz, 1910. Archiv Rüdiger Barasch

Bedürfnisanstalt

 

Friedenauer Lokal-Anzeiger, 01.04.1910: Die Bedürfnisanstalt auf dem Maybachplatz wird am 1 April der öffentlichen Benutzung übergeben. Das kleine Häuschen ist in der reizvollen Stilform der sogenannten Bergischen Bauweise errichtet worden, jenen Stil des 18. Jahrhundert, der noch heute in den Gegenden des Niederrheins und der Wupper in zahlreichen Fachwerkgebäuden zu finden ist. Es dürfte allerdings nicht lange mehr dauern, bis diese, den modernen feuerpolizeilichen Vorschriften allerdings nicht entsprechenden Gebäude von der Bildfläche verschwunden sind. Es ist bemerkenswert, daß in Friedenau ein neues unter Anlehnung an die Formen dieses reizvollen, dem Untergänge geweihten Baustiles, aufgeführtes, der modernen Zeit angepaßte Architekturwerk errichtet worden ist. Die Anstalt dient zwei Zwecken: 1. sie enthält eine öffentliche Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen und 2. eine solche für die Turner und Turnerinnen des Spielplatzes in der Lauterstr. Die Aufsicht über diese Anstalt führt eine Wartefrau, für die ein besonderer Raum in dem Gebäude vorgesehen ist.

 

 

Da es auf dem beliebten Platz mitunter dringende Bedürfnisse gab, ließ die Gemeinde Friedenau 1909 von ihrem Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) am östlichen Rand eine eingeschossige Bedürfnisanstalt errichten. Er entwarf einen Fachwerkpavillon mit geschwungenem und schiefergedecktem Bohlenbinderdach. Dieser bekam zwei Zugänge, zur Lauterstraße hin der wenig erhebende Eingang zum Pissoir für die Männer, zum Park hin eine halboffene Laube als Vorraum für die Damen-Toilette. Ende der 1980er Jahre wurde die Bedürfnisanstalt geschlossen und das Häuschen unter Denkmalschutz gestellt. Irgendwann danach fand sich ein Betreiber, dem es mit Engagement und Improvisation gelang, das Café Park-Oase zu einen Treffpunkt zu machen. Unübersehbar war, dass das Bezirksamt in sein Eigentum investieren musste. Dafür sollte aber kein Geld ausgegeben werden. Zurück blieb schließlich ein herrenloses Häuschen, das in den folgenden Jahren zum Schandfleck wurde.

Paul Aichele. Mutter mit Kind. Quelle VAN HAM

Sintflutbrunnen

 

Im Frühjahr 1908 berichtet Gemeindebaurat Hans Altmann über die Anlage des Platzes vor dem Friedhof. Herr Kommerzienrat Haberland habe der Gemeinde einen monumentalen Brunnen zum Geschenk gemacht, der auf diesen Platz aufgestellt werden solle. Die Ausführung des Brunnendenkmals ist dem hiesigen Bildhauer Herrn Aichele übertragen worden, der zu dem von Herrn Haberland bereitgestellten Preise von 10.000 M. der Gemeinde ein würdiges Kunstwerk hinstellen wird.

 

Gemeindevertreter Ruhemann fragt an, ob nicht die Ausführung auch anderen Künstlern übertragen werden könne oder ob es sich bestimmt um dieses Denkmal handeln muß. Gemeindebaurat Altmann erwidert, daß Herr Ruhemann sich in einem Irrtum befinde. Die Gemeinde bekommt ein Geschenk und hat nur darüber zu bestimmen, ob sie dieses Geschenk annimmt, alles andere ist Angelegenheit des Geschenkgebers. Gemeindevertreter Knaak will das Denkmal nicht gefallen, seiner Ansicht nach passt das Denkmal dort gar nicht hin, da der Kirchhof mit der Sündflut doch gar keinen Zusammenhang habe. Er frage nun, ob Herr Haberland gesagt hat, er wünscht dieses Denkmal zu schenken, oder aber, er gibt nur die Summe von 10.000 M. für ein Denkmal aus.

 

 

 

 

Gemeindebaurat Altmann hat derartige Ausführungen nicht erwartet. Das Modell war in der Kunstausstellung ausgestellt. Der Künstler fertigt es für den billigen Preis nur aus Liebe zu Friedenau, er begnügt sich mit dem geringen Verdienst, den er vielleicht noch an der Ausführung hat, nur um in Friedenau ein gutes Kunstwerk aufzustellen. Daß das Denkmal hier nicht hinpassen solle, kann er nicht finden. Im Gegenteil, die Sündflut ist doch aus dem Religionsunterricht jedem bekannt und ihre ernste Bedeutung verbindet sich doch würdig mit dem Gedanken an die Abgeschiedenen auf dem Friedhofe.

 

Nun war es ein herrliches Kunstwerk, das auf der Berliner Kunstausstellung vielfach bewundert wurde und eine Zierde für unseren Ort sein wird. Obendrein eine Schöpfung des allerdings im badischen Markdorf geborenen Friedenauer Künstlers Paul Aichele (1859-1924), der sich nach seinem Studium an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin in Friedenau mit Atelier und Wohnung Kaiserallee Nr. 97 und Hackerstraße Nr. 2/3 niedergelassen hatte. Schließlich erklärte sich die Gemeindevertretung mit der Annahme des Geschenks bereit. Die Geschichte ist nicht ohne. Der Bauunternehmer Georg Haberland und seine Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten hatten große Teile des damals noch unbebauten Areals am Südwestkorso erworben und bei der Gemeinde sowohl eine Änderung des Bebauungsplans als auch den Bau vierstöckiger Mietshäuser durchgesetzt. Zum Dank gabs den Sintflutbrunnen.

 

Der wurde am 4. Juli 1909 auf dem Hamburger Platz enthüllt, 4,50 m hoch mit Figuren aus Kalkstein und einem Natursteinbecken mit 7,00 m Durchmesser. Aus der Beckenmitte ragt ein Felsen heraus, an dessen Spitze eine unbekleidete Frau die Arme schützend über das nackte Kind ausgebreitet. Darunter ein nackter Mann, der eine leblose Frau im Arm hält und sich bemüht, dem wasserspeienden Felsen zu entkommen. Über dieses Kunstwerk kursieren diverse Geschichten. Fakt ist, dass Aicheles Schöpfung erstmals 1906 auf der Großen Berliner Kunstausstellung unter Aichele, Paul, Berlin, Fichtestraße 20, Nr. 1253 Mutter mit Kind, Marmor auftaucht. Zwei Jahre später präsentiert die Ausstellung im Saal 3 unter Nr. 65 Aichele, Paul: Sintflut. Fragment. Das Kunstwerk ist verkäuflich. Paul Aichele, Charlottenburg, Eosanderstraße Nr. 14. Bei diesem Fragment kann es sich nur um jene Skulptur gehandelt haben, die am 14. Mai 2010 unter Los 43, Paul Aichele: Mutter mit Kind. Alabaster. Bezeichnet rückseitig: Aichele. Höhe: 43 cm. Marmorsockel vom Kölner Auktionshaus Van Ham für 2.250 Euro versteigert wurde.

 

Als Ende der zwanziger Jahre deutlich wurde, dass Straßenbahn und Autoverkehr einen Umbau des Südwestkorsos und einen Verzicht auf den Hamburger Platz erforderlich machen, wurde der Sintflutbrunnen 1931 ab- und am Maybachplatz (heute Perelsplatz) wieder aufgebaut. Mehr als acht Jahrzehnte hat sich niemand um das Schmuckstück gekümmert. Felsen und Figuren aus Kalkstein haben Patina angelegt. Ganz schlimm ist es um das Becken aus Naturstein bestellt. Ringsherum tritt das Wasser aus Stein und Fugen. Eine Sanierung ist dringend geboten.

 

Perelsplatz Nr. 10, Restaurant Medusa. H&S 2008

Perelsplatz Nr. 10

Entwurf James Ruhemann

Bauherr & Ausführung Maurermeister Wilhelm Berg

1892

 

Eigentümer des Grundstücks war der Maurermeister Wilhelm Berg (1848-1943). Er war 1890 mit Ehefrau Bertha nach Friedenau gezogen. Die Familie mit den Söhnen Erich, Wilhelm und Bruno wohnte zuerst in einer Mietwohnung im Haus des Bäckermeisters Hugo Keller in der Rheinstraße Nr. 3. Im Jahr 1891 war Berg Eigentümer des Anwesens Handjerystraße Nr. 74. Seine Frau Bertha geborene Arloff starb am 30. März 1902 im 48. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße in der Abteilung 12, Grabstätten Nr. 5-8) in einem ungewöhnlichen Wandgrab aus roten Ziegelsteinen beerdigt. Wilhelm Berg gab mit 64 das Mauern auf und lebte fortan als Privatier bis zu seinem Tod im Jahr 1943 im eigenen Haus.

 

 

 

Nach sechs Jahrzehnten war das Familiengrab sich selbst und dem Verfall überlassen. Da das Land Berlin – anders als Wien und Paris – bisher nicht bereit ist, für kulturgeschichtlich bedeutende und handwerklich hochwertige Grabdenkmale eine Kategorie historische Grabstätten einzuführen, die durch die öffentliche Hand gerettet werden könnten, drohte der Abriss. Frau Hella Leuchert-Altena folgte Wilhelm von Humboldt, denn nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft. Sie suchte für sich nach einem Platz für das Danach und einen würdigen Ort für die allerletzte Ruhe ihres Onkels, den Bildhauer Otto Drengwitz (1906-1997). Die in Steglitz lebende Dame übernahm die (kostspielige) Grabpatenschaft und sorgte obendrein dafür, dass die Urne mit der Inschrift Familie Berg auf der Grabfläche aufgestellt wurde.

 

Die Geschichte:

 

09.10.1890 Baueingabe für das Anwesen Maybachplatz Nr. 10 und Handjerystraße Nr. 94. Die Bauinspektion verfügt am 31.10.1890, dass der Turmaufbau in der Höhe einzuschränken ist. Genehmigte Höhe 18.5 plus 1/5 = 18.5 plus 3.7 = 22.2 m.

09.04.1891 Baubeginn

21.07.1891 Rohbauabnahme

17.02.1892 Gebrauchsabnahme und Einzug der Mieter. Unter der Adresse existierte von Anbeginn eine Gaststätte. Häufige Wechsel der Pächter waren an der Tagesordnung. Laut Adressbuch suchten zwischen 1893 und 1943 mindestens elf Pächter ihr Glück – geblieben ist allerdings immer der Name Restaurant Zum Birkenwäldchen, benannt nach der ursprünglichen Bepflanzung des Maybachplatzes mit Birken.

 

07.12.1906 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Neue Lokalinhaber: Das bekannte Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ hat seit dem 1. d. Mts. neue Besitzer bekommen und zwar durch Herrn Karl Spannheimer und Gemahlin aus Berlin. Beide wollen das Lokal so behaglich als möglich gestalten und an einer zuvorkommenden Bedienung soll es durchaus nicht fehlen. Die Speisen werden zu kleineren Preisen abgegeben, und trotzdem wird streng darauf geachtet, dass sie tadellos schmackhaft sind. Gutgepflegte Biere, vortreffliche Weine und Liköre werden in großer Auswahl ebenfalls stets vorhanden sein. Um nun Gelegenheit zu geben, die neue Regie allgemein bekannt zu machen, findet morgen Sonnabend ein Eröffnungsessenstatt, welches nach dem ganzen Arrangement reichen Zuspruch verdient. Der neue Wirt bietet alles auf, den werten Gästen einen „genuß"-reichen und vergnügten Abend zu bereiten, weshalb ein Besuch genannten Restaurants sehr empfohlen werden kann.

29.12.1907 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Geschäftliches: Das seit vielen Jahren sich der Gunst unserer hiesigen Einwohner erfreuende Lokal „Zum Birkenwäldchen“ ist in den Besitz eines Restaurateurs übergegangen, der durch seine recht lange Tätigkeit als Leiter eines der besuchtesten Berliner Restaurants in reichlichem Maße die Fachkenntnis mitbringt, welche bei der heutigen großen Konkurrenz nötig ist, um ein Lokal auf die Höhe zu bringen und auf derselben zu halten. Herr Wilhelm Bieler hat, wie aus dem Inserat in dieser Nummer unseres Blattes ersichtlich, das am herrlichen Birkenwäldchen gelegene Lokal erworben. Die neu veränderten gemütlichen Räume bieten einen angenehmen Aufenthalt für Familien und der neue Wirt lässt durch Verabfolgung reichlicher guter Speisen und tadellos gepflegter Biere es an nichts fehlen. Zum Ausschank gelangen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu und neben hellem Böhmischen Lagerbier selbstverständlich auch Weine erster Firmen zu Originalpreisen. Am Silvester aber gibt es neben sonstiger großer Auswahl an Speisen, Silber-Spiegel-Karpfen, blau und in Bier zubereitet, die allen Besuchern bei musikalischer Unterhaltung sicherlich munden dürften.

09.11.1913 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Im Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ ist eine Erweiterung des Lokals erfolgt. Es sind ein Billardzimmer und ein Vereinszimmer neu eingerichtet worden. Wir möchten ferner auf den täglichen Mittagstisch von 12-4 Uhr aufmerksam machen zum Preise von 1 M. werktäglich, Sonntags 1,25 M. das Gedeck. Zum Ausschank kommen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu, Kulmbacher Sandlerbräu und Böhmisch Brauhaus. Versand auch außer dem Hause in Syphons und Kannen. Wir bitten, die Anzeige in dieser Nummer mit der morgigen Speisenfolge zu beachten.

 

1918 Die Besitzverhältnisse für das Anwesen sind verworren und nur teilweise eindeutig darstellbar. Nach dem Adressbuch war der Maurermeister Wilhelm Berg ursprünglicher Eigentümer. Es folgte Rentier Weißmann (1894). Badeanstaltsbesitzer J. Pfitzner (1897). Gastwirt F. Baumann (1998). Rentier R. Ordel (1904). Martha und Moritz Sturm (1908). J. Dembinski (Tilsit) 1923 und dazu Frau Hilde Herzberg (1925). Kaufmann A. Herzberg (1927). Frau Hilde Herzberg (1931). H. Stein Wilmersdorf (1933). H. Stein Administration G. Tarrach (1939). Frau H. Stein (Amerika, Verwalter O. Rehmann, Neukölln) 1943.

 

1943/1944 Während der Bombenangriffe auf Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau wurden 1.500 Sprengbomben, Luftminen sowie Brandbomben abgeworfen. Dabei wurden Häuser in der Eva-, Sarrazin- und Handjerystraße vollständig zerstört. Das Haus Maybachplatz Nr. 10 und Handjerystraße Nr. 94 verlor durch eine Brandbombe das Dach und zwei Wohnungen. Bergs Werk faulte mindestens fünf Jahre ohne Dach vor sich hin, erhielt später ein Notdach, wurde jährlich von den berüchtigten Perelsplatz-Überschwemmungen heimgesucht, die dem Gebäude zum sogenannten gemeinen Hausschwamm verhalfen. Abflussrohre der Balkone fehlen, daher durchnässt Wasser die Fassade.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte in den Wirtschaftswunderjahren der Name Michabelle auf, dessen Leistungen nach Jürgen Hoffmann jedoch überhaupt nicht französisch waren. Nach dem Kauf des Anwesens Handjerystraße Nr. 94 und Maybachplatz Nr. 10 durch die Projektinitiative Replaus im Jahr 1978 übernahm die Familie Karali noch während der von 1979 bis 1986 dauernden Sanierung 1982 als Pächter das Restaurant, führten in Friedenau die griechische Küche ein und gaben dem Restaurant den Namen Medusa –  seit nunmehr 38 Jahren. Viele Jahre verweigerte die Replaus-Eigentümergemeinschaft der Familie Karali eine teilweise Überdachung der Gartenterrasse, die für kühle und feuchte Zeiten aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich war. Nach dem Rauchverbotserlass in Gaststätten wurde dies gestattet.

 

1960 Pächterin des Restaurants Frau Ursula Katzschmann

1963 Gerichtlicher Zwangsverwalter Max Naumann, Motzstraße 24

1978 In Westberlin waren die späten siebziger Jahre eine Hochzeit der Gemeinschaftsprojekte und Hausbesetzungen. Im Wohnsektor der Stadt rumorte es: Es formierten sich basisdemokratische Selbsthilfegruppen, die mit dem Senat Modelle der Legalisierung von Hausbesetzungen und Finanzierungsmöglichkeiten aushandelten, darunter die Gruppe REPLAUS = REnovierung PLanung AUSbau – mit dem Ziel, als Wohngemeinschaft zusammenzuleben. Das Haus Handjerystraße Nr. 94/Maybachplatz Nr. 10 war mehr als desolat. Fachleute gaben rundweg vernichtende Prognosen zur Überlebensfähigkeit des Bauwerks ab.

 

Die Besitzer des Hauses hatten vor dem Nazi-Regime nach Amerika fliehen müssen. Zum Abschluss des Kaufvertrages reiste das Ehepaar Stein, beides alte Menschen, aus den USA an - erstmals seit 1938. Verständlicherweise hatten sie kein Interesse daran, das Haus dem Standard entsprechend zu gestalten. Ihr Augenmerk war darauf gerichtet, aus dem Hause Geld zu ziehen. Als diese Absicht wegen Baufälligkeit nicht weiter zu realisieren war, fanden sie sich zum Verkauf bereit. Es ist klar, dass, obwohl der Zustand des Objekts desolat war, irgendeine Neigung zu Zugeständnissen bei den Verkäufern nicht auftauchte. REPLAUS, eine Altersgruppe der zweiten Generation, kriegte also die Nachwirkungen von Nationalsozialismus und Krieg direkt zu spüren.

 

Der Architekt Erhard Böttcher und der Bildende Künstler Jürgen Hoffmann, Wohnungseigentümer auf den Grundstücken Handjerystraße Nr. 94 bzw. Perelsplatz Nr. 10 haben zum 100-jährigen Bestehen des Hauses im Jahr 1992 eine bemerkenswerte Hausgeschichte verfasst. Sie bildet die Grundlage für den nachfolgenden Bericht.

 

30.09.1982 Bauantrag der REPLAUS

20.10.1982 Baugenehmigung unter der Nr. 1567/82, Richtfest, Bauabnahme durch BSM

15.08.1992 Nachbarschaftsfest, Sommerfest, Straßenfest Jubiläum: 100 Jahre Maybachplatz (Perelsplatz), 10 Jahre griechisches Restaurant MEDUSA: Als wir uns seinerzeit Gedanken über die Ausgestaltung der Gasträume machten, erinnerten wir uns daran, dass künstlerisch gestaltete Ofenkacheln und Keramikfliesen einst auch der Dekoration dienten. Wir kamen auf die Idee, die Wände mit Fliesen und Kacheln aus der Sammlung von Tassos Tsiapkinis zu schmücken. An den Wänden sind vorrangig Einzelstücke aus der frühindustriellen Herstellung zu besichtigen. Die Sammlung zeigt in beiden Räumen eine stattliche Anzahl von Fliesen im Stile des Historismus, des Jugendstils und des Art Déco.

 

***

 

Am 21. März 2017 ließ die Stolperstein-Initiative Stierstraße vor dem Haus Perelsplatz Nr. 10 einen Stolperstein für Marie Rabinowicz verlegen. Versammelt wurden dazu Schüler der Klasse 7a der Friedrich-Bergius-Schule sowie Abgesandte der Bürgerinitiativen Breslauer Platz und Bundesplatz.

 

Verkündet wurde, dass Marie Rabinowicz am 15.06.1875 in Posen geboren wurde. Sie war Portraitmalerin, unverheiratet und lebte seit Oktober 1917 am Maybachplatz 10. In den Volkszählungsunterlagen vom Mai 1939 ist sie als Hauptmieterin eingetragen, in den Unterlagen des BLHA in Potsdam als Untermieterin bei Griep, vorne, 4. Geschoß. Die jüdischen Hauseigentümer Herbert und Hildegard Stein hatten sich in den 30 er Jahren in die USA retten können. Danach wurde das Haus „arisiert“. Es ist anzunehmen, dass Marie Rabinowicz als Jüdin nach 1939 ihren Mieterschutz verlor und nur noch als Untermieterin verbleiben konnte. Marie Rabinowicz wurde am 8.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 19.09.1942 in Treblinka wahrscheinlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet.

 

Schlimm ist das Schicksal von Marie Rabinowicz, nicht weniger schlimm ist aber auch, mit welcher Nonchalance die Stolperstei-Aktion betrieben wurde. Ansätze für eine gewissenhafte Recherche über die ermordete Frau hätte es gegeben: Herbert und Hildegard Stein aus Wilmersdorf hatten das Anwesen Handjerystraße Nr. 94 und Maybachplatz Nr. 10 im Jahr 1933 erworben und Herrn A. Tarrach als Administrator eingesetzt. Als ein Entkommen noch möglich war, flohen sie in die USA. Wann und wie?

 

Behauptet wird, dass das Haus „arisiert“ wurde. Belegt wird es nicht. Laut Adressbuch ist 1939 der Expedient Wilhelm Griep in das 4. Geschoss als Hauptmieter eingezogen. Wer war Wilhelm Griep?

 

1943 ist Frau Hildegard Stein als Eigentümerin und Herr O. Rehmann aus Neukölln als Verwalter eingetragen. Steins wurden von den Nazis nicht enteignet, sondern blieben im Besitz des Hauses. Herbert und Hildegard Stein hatten wohl zwischenzeitlich die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Warum wurden sie nicht enteignet? Wann wurden die Steins „Amerikaner“?

 

1978 will die Gruppe REPLAUS das Anwesen erwerben: „Zum Abschluss des Kaufvertrages reiste das Ehepaar Stein, beides alte Menschen, aus den USA an - erstmals seit 1938. Verständlicherweise hatten sie kein Interesse daran, das Haus dem Standard entsprechend zu gestalten. Ihr Augenmerk war darauf gerichtet, aus dem Hause Geld zu ziehen. Als diese Absicht wegen Baufälligkeit nicht weiter zu realisieren war, fanden sie sich zum Verkauf bereit. Es ist klar, dass, obwohl der Zustand des Objekts desolat war, irgendeine Neigung zu Zugeständnissen bei den Verkäufern nicht auftauchte. REPLAUS, eine Altersgruppe der zweiten Generation, kriegte also die Nachwirkungen von Nationalsozialismus und Krieg direkt zu spüren.

 

Nutzen wir die von der Stolperstein-Initiative so beliebten Formulierungen: Es ist anzunehmen und wahrscheinlich, dass die Aktionisten kein Gespräch mit den neuen Eigentümern von Perelsplatz Nr. 10 gesucht haben. So bleibt die Frage: Wer war Marie Rabinowicz?

 

Perelsplatz Nr. 12. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 12

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr G. Hasselbach

1886

 

Eingeschossiges Landhaus mit Quergiebel in rötlich-gelbem und rotem Sichtziegelmauerwerk auf einem Vierfelder-Grundriß erbaut. Im Westen ist eine fünfte Achse angefügt worden, die die Einfahrt zu den Werkstattgebäuden auf dem Hof bildet. An der Ostseite befindet sich im Bauwich der Hauseingang. Der Front ist zwischen Ecke und Mittelrisalit eine geschlossene Holzveranda auf Massivsockel vorgelagert. Topographie Friedenau, 2000

 

Perelsplatz Nr. 13. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 13

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt H. Franzke

Bauherr Emil Felkenheuer

1888

 

Zweigeschossiges Landhaus mit Vorgarten. Während das hohe Souterrain mit Putz belegt wurde, entschied sich Architekt Franzke bei Hochparterre und Obergeschoss für gelbes Sichtziegelmauerwerk. Topographie Friedenau, 2000

 

 

Perelsplatz Nr. 14-15. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 14-15

Gartendenkmal

Vorgarten, Gartenhof & Innenhof

Ausführung Carl Sack

Bauherr A. R. Neumann

1894

 

Die 1890-94 angelegten Vorgärten der beiden Mietshäuser Perelsplatz Nr. 14-15 und Nr. 16 zeichnen sich durch aufwendige Verkleidungen der Balkonbrüstungen mit Tuffstein aus. Die historisierende Gestaltung - Grottenmotive in Verbindung mit Brunnen und Wasserbecken in Berliner Höfen und Gärten zwischen 1895 und 1910 ein vielerorts noch ablesbares Gestaltungsmittel zeigt sich als Tuffsteinwand mit halbrunder Öffnung hier erstmalig in Vorgärten.

 

 

 

 

In den 1894 angelegten, 1916 und 1963 wiederhergestellten Vorgärten des entdekorierten Mietshauses Perelsplatz Nr. 14-15 ist östlich des Eingangs noch ein halbrundes, heute bepflanztes Wasserbecken vor der Tuffsteinwand erhalten. Diese unregelmäßige Wand ist um Mauer-Zimbelkraut bewachsen und wird von zwei Pflanzschalen aus Tuffstein bekrönt. Von den Erdgeschosswohnungen führen Treppen und schmale Wege in geschwungener Form zu den Toren der Seitengitter an den Hauseingängen. Diese seitlichen Einfriedungen sind wie die frontalen an der Straßenseite als schmiedeeiserne Gitter über einem Klinkersockel mit einer Natursteinabdeckung ausgebildet und mit wildem Wein berankt. Die Rasenflächen der Vorgärten werden durch einige Farne, Funkien sowie Immergrüne und Nadelgehölze aufgelockert. Der von zwei neu aufgemauerten Pfeilern und den Seitengittern gerahmte breite Zugangsweg ist noch mit Mettlacher Fliesen befestigt, die sich in der separaten Durchfahrt zum Hof fortsetzen. Der Hof zeugt von der ehemaligen Teilung in einen Wirtschaftshof und einen ursprünglich vollständig eingefriedeten Gartenteil, wovon in Friedenau nur noch wenige Beispiele existieren. Der dem Seitenflügel zugeordnete Wirtschaftshof, heute neu befestigt, dient als Zufahrt zur Remise und Garage an der Grundstücksgrenze. Den Garten von rechteckigem Grundriss umgibt nur noch der Klinkersockel der ehemaligen schmiedeeisernen Gittereinfriedung. Die von zahlreichen Obst- und Walnußbäumen beschattete Anlage wird durch eine geometrische Beetaufteilung geprägt. Ein ovales, von Funkien gesäumtes Mittelbeet wird von einem unbefestigten Weg eingefasst. An der südlichen Gartengrenze befindet sich ein erhöhter Sitzplatz vor einer Tuffsteinwand, der auf die Mitte des Ovals mit einem alten Obstbaum ausgerichtet ist.

Topographie Friedenau, 2000

Perelsplatz Nr. 16. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 16

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister Carl Sack

Bauherr W. Baillen

1893-1894

 

Die Fassade des viergeschossigen Mietswohnhauses wird beiderseits der Mittelachse durch zwei Standerker gegliedert, denen in den Außenachsen tiefe und breite Loggien zugeordnet sind. In der Mitte der Fassade kragen lange Balkons zwischen den Erkern aus. Die schmiedeeisernen Balkongitter zeigen historistisches Rankenwerk. Das Souterrain und das Erdgeschoss sind mit Rustika in Putz ausgeführt, die Obergeschosse darüber verklinkert und die Erker verputzt. Die Fenster sind mit Gewänden und Verdachungen aus Stuck versehen. In der Mittelachse des Erdgeschosses liegen Hauseingang und Durchfahrt nebeneinander, ein breiter Weg führt zum Haus durch den mit einem Gitter eingefriedeten Vorgarten. Topographie Friedenau, 2000

 

Perelsplatz Nr. 17, um 1920. Archiv Barasch

Perelsplatz Nr. 17

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister H. Pählchen

Bauherr Fleischwarenhändler August Striesche

1890

 

Wenn es sich bei dem Bauherrn des dreigeschossigen Mietshaues Perelsplatz Nr. 17 (damals Maybachplatz) tatsächlich um den Fleischwarenhändler August Striesche handelt, dann kann es sich eigentlich nur um jenen Fleischer handeln, der sich zur rechten Zeit in Friedenau niederließ und 1878 in der Illstraße Nr. 8 eine Fleischwarenhandlung eröffnete. Striesche hatte ein Gespür für die Entwicklung der Kolonie, verlegte 1885 den Laden in die Ringstraße Nr. 52 und war 1895 Eigentümer der Häuser Lauterstraße Nr. 1 und Lauterstraße Nr. 24. Dort betrieb er im Parterre bis 1896 die Fleischerei. Auf dem Anwesen mit einer Fläche von 15 x 13 Metern konnte er als Rentier gut leben. Es gab Vorgarten, Souterrain, Hochparterre und darüber zwei Etagen mit jeweils zwei 3-Zimmer-Wohnungen, selbstverständlich mit vorgelagerten Balkonen und Blick auf das Birkenwäldchen. Das Haus gehört zur Übergangsphase der Friedenauer Bebauung zwischen den Bauordnungen von 1887 und 1892. Maurermeister H. Pählchen, der den Entwurf lieferte, berücksichtigte beim Hausbau die Erfahrungen vergangener Jahre: Souterrain und Hochparterre mit Putz, die wetteranfälligeren Obergeschosse wurden verklinkert.