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Maybachplatz nach der Umgestaltung. Zeichnung Gartenamt Schöneberg, 1931

Der Platz wurde 1873 vom Koloniegründer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) und Stadtplaner Johannes Otzen (1839-1911) als einer von fünf Friedenauer Schmuckplätzen konzipiert und Berliner Platz genannt. 1884 wurde daraus der Maybachplatz, nach Minister Albert von Maybach (1822-1904), der die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preußen betrieb. Seit dem 1. Oktober 1961 heißt die Anlage Perelsplatz, benannt nach dem Juristen Friedrich Justus Perels (1910-1945).

 

1899 wurde bekannt, dass der Berliner Magistrat der Gemeinde Friedenau das Terrain zwischen Maybachplatz und Ringbahn zum Bau des Gymnasiums überlassen will – allerdings an die Bedingung geknüpft, das Areal nur für kommunale Zwecke zu verwerten. Einem Bericht des Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 30. November 1905 kann entnommen werden, dass die Stadt Berlin als damalige Eigentümerin nach der Eröffnung des Ringbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau 1877 zwischen Lauter- und Handjerystraße einen Turn- und Spielplatz“ hatte errichten lassen. Nach der Eröffnung von Gymnasium (1903) und Direktorenwohnhaus (1905) wurde die Neugestaltung des Maybachplatzes konkret.

 

 

 

Er sollte in seiner zukünftigen Gestalt eine hervorragende Schmuckanlage unseres Ortes werden. Vor allem wird eine große Anzahl der Birken, die jetzt dort so dicht stehen, daß sie sich nicht in ihrer Krone entwickeln können, gefällt werden. Auf der Seite der verlängerten Lauterstraße wird ein Spielplatz entstehen, der einen Durchmesser von 30 Metern erhalten wird. An Stelle der gefällten Birken werden Rasenplätze mit Koniferen angepflanzt. Der Platz wird durch einen direkt auf die Ecke des Gymnasiums zuführenden 6 Meter breiten Weg durchquert, kleinere Wege sind für Fußgänger bestimmt. An der westlichen Seite zur Handjerystraße ist die Anlage eines Springbrunnens mit Wasserbassin gedacht.

 

Die 1931 vom Schöneberger Gartenamt erstellte Zeichnung veranschaulicht die grundsätzliche Gestaltung, mit der 1907 der Steglitzer Gartendirektor Fritz Zahn (1872-1942) beauftragt wurde. Zahn setzte zusätzlich Buchen, Eichen, Eiben, Rotdornen und Magnolien. Als Reminiszenz an die ursprüngliche Bepflanzung mit Birken könnte jener Pavillon aus Birkenstämmen gedeutet werden, der den Weg zum Gymnasium säumte. Über eine lange Zeit hat sich für die Anlage der Begriff Birkenwäldchen gehalten. Dafür sorgte wohl auch Gastwirt Fritz Baumann, der an der Ecke Maybachplatz Handjerystraße das Restaurant Zum Birkenwäldchen (heute Medusa) betrieb.

 

Noch vor der Neugestaltung entstanden an der Südseite des Maybachplatzes die Land- und Mietshäuser der Baumeister Max Nagel (1886), H. Franzke (1888), H. Pählchen (1890) und Carl Sack (1893). Im Jahr 1909 kam die Bedürfnisanstalt nach einem Entwurf von Gemeindebaumeister Hans Altmann hinzu und 1923 auf der Fläche vor dem Gymnasium der Heldendenkstein, das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau. Mit dem Umbau des Südwestkorsos wurde der Sintflutbrunnen 1931 vom ehemaligen Hamburger Platz zur Lauterstraße als Point de vue für die Hähnelstraße gesetzt.

 

Restaurant Zum Birkenwäldchen

Perelsplatz Nr. 10

Entwurf James Ruhemann

Bauherr & Ausführung Maurermeister Wilhelm Berg

1892

 

Eigentümer des Grundstücks war der Maurermeister Wilhelm Berg (1848-1943). Er war 1890 mit Ehefrau Bertha nach Friedenau gezogen. Die Familie mit den Söhnen Erich, Wilhelm und Bruno wohnte zuerst in einer Mietwohnung im Haus des Bäckermeisters Hugo Keller in der Rheinstraße Nr. 3. Im Jahr 1891 war Berg Eigentümer des Anwesens Handjerystraße Nr. 74. Seine Frau Bertha geborene Arloff starb am 30. März 1902 im 48. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße in der Abteilung 12, Grabstätten Nr. 5-8) in einem ungewöhnlichen Wandgrab aus roten Ziegelsteinen beerdigt. Wilhelm Berg gab mit 64 das Mauern auf und lebte fortan als Privatier bis zu seinem Tod im Jahr 1943 im eigenen Haus.

 

 

 

09.10.1890 Baueingabe für das Anwesen Maybachplatz Nr. 10 und Handjerystraße Nr. 94. Die Bauinspektion verfügt am 31.10.1890, dass der Turmaufbau in der Höhe einzuschränken ist. Genehmigte Höhe 18.5 plus 1/5 = 18.5 plus 3.7 = 22.2 m.

09.04.1891 Baubeginn

21.07.1891 Rohbauabnahme

17.02.1892 Gebrauchsabnahme und Einzug der Mieter. Unter der Adresse existierte von Anbeginn eine Gaststätte. Häufige Wechsel der Pächter waren an der Tagesordnung. Laut Adressbuch suchten zwischen 1893 und 1943 mindestens elf Pächter ihr Glück – geblieben ist allerdings immer der Name Restaurant Zum Birkenwäldchen, benannt nach der ursprünglichen Bepflanzung des Maybachplatzes mit Birken.

 

07.12.1906 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Neue Lokalinhaber: Das bekannte Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ hat seit dem 1. d. Mts. neue Besitzer bekommen und zwar durch Herrn Karl Spannheimer und Gemahlin aus Berlin. Beide wollen das Lokal so behaglich als möglich gestalten und an einer zuvorkommenden Bedienung soll es durchaus nicht fehlen. Die Speisen werden zu kleineren Preisen abgegeben, und trotzdem wird streng darauf geachtet, dass sie tadellos schmackhaft sind. Gutgepflegte Biere, vortreffliche Weine und Liköre werden in großer Auswahl ebenfalls stets vorhanden sein. Um nun Gelegenheit zu geben, die neue Regie allgemein bekannt zu machen, findet morgen Sonnabend ein Eröffnungsessenstatt, welches nach dem ganzen Arrangement reichen Zuspruch verdient. Der neue Wirt bietet alles auf, den werten Gästen einen „genuß"-reichen und vergnügten Abend zu bereiten, weshalb ein Besuch genannten Restaurants sehr empfohlen werden kann.

 

29.12.1907 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Geschäftliches: Das seit vielen Jahren sich der Gunst unserer hiesigen Einwohner erfreuende Lokal „Zum Birkenwäldchen“ ist in den Besitz eines Restaurateurs übergegangen, der durch seine recht lange Tätigkeit als Leiter eines der besuchtesten Berliner Restaurants in reichlichem Maße die Fachkenntnis mitbringt, welche bei der heutigen großen Konkurrenz nötig ist, um ein Lokal auf die Höhe zu bringen und auf derselben zu halten. Herr Wilhelm Bieler hat, wie aus dem Inserat in dieser Nummer unseres Blattes ersichtlich, das am herrlichen Birkenwäldchen gelegene Lokal erworben. Die neu veränderten gemütlichen Räume bieten einen angenehmen Aufenthalt für Familien und der neue Wirt lässt durch Verabfolgung reichlicher guter Speisen und tadellos gepflegter Biere es an nichts fehlen. Zum Ausschank gelangen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu und neben hellem Böhmischen Lagerbier selbstverständlich auch Weine erster Firmen zu Originalpreisen. Am Silvester aber gibt es neben sonstiger großer Auswahl an Speisen, Silber-Spiegel-Karpfen, blau und in Bier zubereitet, die allen Besuchern bei musikalischer Unterhaltung sicherlich munden dürften.

 

09.11.1913 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Im Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ ist eine Erweiterung des Lokals erfolgt. Es sind ein Billardzimmer und ein Vereinszimmer neu eingerichtet worden. Wir möchten ferner auf den täglichen Mittagstisch von 12-4 Uhr aufmerksam machen zum Preise von 1 M. werktäglich, Sonntags 1,25 M. das Gedeck. Zum Ausschank kommen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu, Kulmbacher Sandlerbräu und Böhmisch Brauhaus. Versand auch außer dem Hause in Syphons und Kannen. Wir bitten, die Anzeige in dieser Nummer mit der morgigen Speisenfolge zu beachten.

 

1918 Die Besitzverhältnisse für das Anwesen sind verworren und nur teilweise eindeutig darstellbar. Nach dem Adressbuch war der Maurermeister Wilhelm Berg ursprünglicher Eigentümer. Es folgte Rentier Weißmann (1894). Badeanstaltsbesitzer J. Pfitzner (1897). Gastwirt F. Baumann (1998). Rentier R. Ordel (1904). Martha und Moritz Sturm (1908). J. Dembinski (Tilsit) 1923 und dazu Frau Hilde Herzberg (1925). Kaufmann A. Herzberg (1927). Frau Hilde Herzberg (1931). H. Stein Wilmersdorf (1933). H. Stein Administration G. Tarrach (1939). Frau H. Stein (Amerika, Verwalter O. Rehmann, Neukölln) 1943.

 

1943/1944 Während der Bombenangriffe auf Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau wurden 1.500 Sprengbomben, Luftminen sowie Brandbomben abgeworfen. Dabei wurden Häuser in der Eva-, Sarrazin- und Handjerystraße vollständig zerstört. Das Haus Maybachplatz Nr. 10 und Handjerystraße Nr. 94 verlor durch eine Brandbombe das Dach und zwei Wohnungen. Bergs Werk faulte mindestens fünf Jahre ohne Dach vor sich hin, erhielt später ein Notdach, wurde jährlich von den berüchtigten Perelsplatz-Überschwemmungen heimgesucht, die dem Gebäude zum sogenannten gemeinen Hausschwamm verhalfen. Abflussrohre der Balkone fehlen, daher durchnässt Wasser die Fassade.

 

1960 Pächterin des Restaurants mit dem Namen Michabelle Frau Ursula Katzschmann

1963 Gerichtlicher Zwangsverwalter Max Naumann, Motzstraße 24

1978 In Westberlin waren die späten siebziger Jahre eine Hochzeit der Gemeinschaftsprojekte und Hausbesetzungen. Im Wohnsektor der Stadt rumorte es: Es formierten sich basisdemokratische Selbsthilfegruppen, die mit dem Senat Modelle der Legalisierung von Hausbesetzungen und Finanzierungsmöglichkeiten aushandelten, darunter die Gruppe REPLAUS = REnovierung PLanung AUSbau – mit dem Ziel, als Wohngemeinschaft zusammenzuleben. Das Haus Handjerystraße Nr. 94/Maybachplatz Nr. 10 war mehr als desolat. Fachleute gaben rundweg vernichtende Prognosen zur Überlebensfähigkeit des Bauwerks ab.

 

Der Architekt Erhard Böttcher und der Bildende Künstler Jürgen Hoffmann, Wohnungseigentümer auf den Grundstücken Handjerystraße Nr. 94 bzw. Perelsplatz Nr. 10 haben zum 100-jährigen Bestehen des Hauses im Jahr 1992 eine bemerkenswerte Hausgeschichte verfasst. Sie bildet die Grundlage für den nachfolgenden Bericht:

 

Die Besitzer des Hauses hatten vor dem Nazi-Regime nach Amerika fliehen müssen. Zum Abschluss des Kaufvertrages reiste das Ehepaar Stein, beides alte Menschen, aus den USA an - erstmals seit 1938. Verständlicherweise hatten sie kein Interesse daran, das Haus dem Standard entsprechend zu gestalten. Ihr Augenmerk war darauf gerichtet, aus dem Hause Geld zu ziehen. Als diese Absicht wegen Baufälligkeit nicht weiter zu realisieren war, fanden sie sich zum Verkauf bereit. Es ist klar, dass, obwohl der Zustand des Objekts desolat war, irgendeine Neigung zu Zugeständnissen bei den Verkäufern nicht auftauchte. REPLAUS, eine Altersgruppe der zweiten Generation, kriegte also die Nachwirkungen von Nationalsozialismus und Krieg direkt zu spüren.

 

30.09.1982 Bauantrag der REPLAUS

20.10.1982 Baugenehmigung unter der Nr. 1567/82, Richtfest, Bauabnahme durch BSM

Nach dem Kauf des Anwesens Handjerystraße Nr. 94 und Maybachplatz Nr. 10 durch die Projektinitiative Replaus im Jahr 1978 übernahm die Familie Karali noch während der von 1979 bis 1986 dauernden Sanierung 1982 als Pächter das Restaurant, führten in Friedenau die griechische Küche ein und gaben dem Restaurant den Namen Medusa –  seit nunmehr 38 Jahren: Als wir uns seinerzeit Gedanken über die Ausgestaltung der Gasträume machten, erinnerten wir uns daran, dass künstlerisch gestaltete Ofenkacheln und Keramikfliesen einst auch der Dekoration dienten. Wir kamen auf die Idee, die Wände mit Fliesen und Kacheln aus der Sammlung von Tassos Tsiapkinis zu schmücken. An den Wänden sind vorrangig Einzelstücke aus der frühindustriellen Herstellung zu besichtigen. Die Sammlung zeigt in beiden Räumen eine stattliche Anzahl von Fliesen im Stile des Historismus, des Jugendstils und des Art Déco. Viele Jahre verweigerte die Eigentümergemeinschaft eine teilweise Überdachung der Gartenterrasse, die für kühle und feuchte Zeiten aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich war. Nach dem Rauchverbotserlass in Gaststätten wurde dies gestattet.

 

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Am 21. März 2017 ließ die Stolperstein-Initiative Stierstraße vor dem Haus Perelsplatz Nr. 10 einen Stolperstein für Marie Rabinowicz verlegen. Verkündet wurde, dass Marie Rabinowicz am 15.06.1875 in Posen geboren wurde. Sie war Portraitmalerin, unverheiratet und lebte seit Oktober 1917 am Maybachplatz 10. In den Volkszählungsunterlagen vom Mai 1939 ist sie als Hauptmieterin eingetragen, in den Unterlagen des BLHA in Potsdam als Untermieterin bei Griep, vorne, 4. Geschoß. Die jüdischen Hauseigentümer Herbert und Hildegard Stein hatten sich in den 30 er Jahren in die USA retten können. Danach wurde das Haus „arisiert“. Es ist anzunehmen, dass Marie Rabinowicz als Jüdin nach 1939 ihren Mieterschutz verlor und nur noch als Untermieterin verbleiben konnte. Marie Rabinowicz wurde am 8.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 19.09.1942 in Treblinka wahrscheinlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet.

 

Schlimm ist das Schicksal von Marie Rabinowicz, nicht weniger schlimm ist aber auch, mit welcher Nonchalance die Stolperstei-Aktion betrieben wurde. Ansätze für eine gewissenhafte Recherche über die ermordete Frau hätte es gegeben: Herbert und Hildegard Stein aus Wilmersdorf hatten das Anwesen Handjerystraße Nr. 94 und Maybachplatz Nr. 10 im Jahr 1933 erworben und Herrn A. Tarrach als Administrator eingesetzt. Als ein Entkommen noch möglich war, flohen sie in die USA. Wann und wie? Behauptet wird, dass das Haus „arisiert“ wurde. Belegt wird es nicht. Laut Adressbuch ist 1939 der Expedient Wilhelm Griep in das 4. Geschoss als Hauptmieter eingezogen. Wer war Wilhelm Griep? 1943 ist Frau Hildegard Stein als Eigentümerin und Herr O. Rehmann aus Neukölln als Verwalter eingetragen. Steins wurden von den Nazis nicht enteignet, sondern blieben im Besitz des Hauses. Herbert und Hildegard Stein hatten wohl zwischenzeitlich die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Warum wurden sie nicht enteignet? Wann wurden die Steins „Amerikaner“?

 

1978 will die Gruppe REPLAUS das Anwesen erwerben: „Zum Abschluss des Kaufvertrages reiste das Ehepaar Stein, beides alte Menschen, aus den USA an - erstmals seit 1938. Verständlicherweise hatten sie kein Interesse daran, das Haus dem Standard entsprechend zu gestalten. Ihr Augenmerk war darauf gerichtet, aus dem Hause Geld zu ziehen. Als diese Absicht wegen Baufälligkeit nicht weiter zu realisieren war, fanden sie sich zum Verkauf bereit. Es ist klar, dass, obwohl der Zustand des Objekts desolat war, irgendeine Neigung zu Zugeständnissen bei den Verkäufern nicht auftauchte. REPLAUS, eine Altersgruppe der zweiten Generation, kriegte also die Nachwirkungen von Nationalsozialismus und Krieg direkt zu spüren. Nutzen wir die von der Stolperstein-Initiative so beliebten Formulierungen: Es ist anzunehmen und wahrscheinlich, dass die Aktionisten kein Gespräch mit den neuen Eigentümern von Perelsplatz Nr. 10 gesucht haben. So bleibt die Frage: Wer war Marie Rabinowicz?

 

Perelsplatz Nr. 11

 

In Vorbereitung

Perelsplatz Nr. 12. Foto LDA

Perelsplatz Nr. 12

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr G. Hasselbach

1886

 

Das eingeschossige, vierachsige Landhaus Perelsplatz Nr. 12 mit Quergiebel wurde 1886 von Max Nagel in rötlich-gelbem und rotem Sichtziegelmauerwerk auf einem Vierfelder-Grundriss erbaut. Im Westen ist eine fünfte Achse angefügt worden, die die Einfahrt zu den Werkstattgebäuden auf dem Hof bildet. An der Ostseite befindet sich im Bauwich der Hauseingang. Der Front ist zwischen Ecke und Mittelrisalit eine geschlossene Holzveranda auf Massivsockel vorgelagert. Der Vorgarten ist erhalten, jedoch ohne Gitter. Topographie Friedenau, 2000

 

 

Perelsplatz 13, um 1905. Archiv Rüdiger Barasch

Perelsplatz Nr. 13

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt H. Franzke

Bauherr Emil Felkenheuer

1888

 

Das zweigeschossige, vierachsige Landhaus Perelsplatz Nr. 13 wurde 1888 von H. Franzke errichtet. Dieses Landhaus hat einen Vierfelder-Grundriss, dem eine fünfte Achse im östlichen Bauwich - weit zurückgesetzt - angefügt wurde, die den Hauseingang aufnimmt. Das hohe Souterrain zeigt Putznutung, das Hochparterre und das Obergeschoss dagegen gelbes Sichtziegelmauerwerk. Die Fenster sind mit Putzfaschen eingefasst. Das Drempelgeschoss mit einem Quergiebel weist Oeil-de-Boeuf-Fenster auf. Der Vorgarten ist mit dem originalen Lanzengitter eingefriedet.

Topographie Friedenau, 2000

 

 

Perelsplatz Nr. 14-15. Foto Hahn & Stich, 2018

Perelsplatz Nr. 14-15

Gartendenkmal

Vorgarten, Gartenhof & Innenhof

Ausführung Carl Sack

Bauherr A. R. Neumann

1894

 

Die 1890-94 angelegten Vorgärten der beiden Mietshäuser Perelsplatz 14-15 und 16 zeichnen sich durch aufwendige Verkleidungen der Balkonbrüstungen mit Tuffstein aus. Die historisierende Gestaltung - Grottenmotive in Verbindung mit Brunnen und Wasserbecken in Berliner Höfen und Gärten zwischen 1895 und 1910 ein vielerorts noch ablesbares Gestaltungsmittel - zeigt sich als Tuffsteinwand mit halbrunder Öffnung hier erstmalig in Vorgärten.

 

 

 

 

In den 1894 angelegten, 1916 und 1963 wiederhergestellten Vorgärten des entdekorierten Mietshauses Perelsplatz 14-15 ist östlich des Eingangs noch ein halbrundes, heute bepflanztes Wasserbecken vor der Tuffsteinwand erhalten. Diese unregelmäßige Wand ist mit Mauer-Zimbelkraut bewachsen und wird von zwei Pflanzschalen aus Tuffstein bekrönt. Von den Erdgeschoßwohnungen führen Treppen und schmale Wege in geschwungener Form zu den Toren der Seitengitter an den Hauseingängen. Diese seitlichen Einfriedungen sind wie die frontalen an der Straßenseite als schmiedeeiserne Gitter über einem Klinkersockel mit einer Natursteinabdeckung ausgebildet und mit Wildem Wein berankt. Die Rasenflächen der Vorgärten werden durch einige Farne, Funkien sowie Immergrüne und Nadelgehölze aufgelockert. Der von zwei neu aufgemauerten Pfeilern und den Seitengittern gerahmte breite Zugangsweg ist noch mit Mettlacher Fliesen befestigt, die sich in der separaten Durchfahrt zum Hof fortsetzen. Der Hof zeugt von der ehemaligen Teilung in einen Wirtschaftshof und einen ursprünglich vollständig eingefriedeten Gartenteil, wovon in Friedenau nur noch wenige Beispiele existieren.

Der dem Seitenflügel zugeordnete Wirtschaftshof, heute neu befestigt, dient als Zufahrt zur Remise und Garage an der Grundstücksgrenze. Den Garten von rechteckigem Grundriss umgibt nur noch der Klinkersockel der ehemaligen schmiedeeisernen Gittereinfriedung. Die von zahlreichen Obst- und Walnußbäumen beschattete Anlage wird durch eine geometrische Beetaufteilung geprägt. Ein ovales, von Funkien gesäumtes Mittelbeet wird von einem unbefestigten Weg eingefasst. An der südlichen Gartengrenze befindet sich ein erhöhter Sitzplatz vor einer Tuffsteinwand, der auf die Mitte des Ovals mit einem alten Obstbaum ausgerichtet ist. Topographie Friedenau, 2000

 

Perelsplatz 16, 1977. Foto Volker Kunze. Archiv Rüdiger Barasch

Perelsplatz Nr. 16

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister Carl Sack

Bauherr W. Baillen

1893-1894

 

Das viergeschossige, zwölfachsige Mietswohnhaus Perelsplatz 16 wurde 1893-94 nach Plänen des Maurermeisters Carl Sack errichtet, von dem auch das entdekorierte Nachbarhaus Nr. 14-15 stammt. Die Fassade wird beiderseits der Mittelachse durch zwei Standerker gegliedert, denen in den Außenachsen tiefe und breite Loggien zugeordnet sind. In der Mitte der Fassade kragen lange Balkons zwischen den Erkern aus. Die schmiedeeisernen Balkongitter zeigen historistisches Rankenwerk. Das Souterrain und das Erdgeschoss sind mit Rustika in Putz ausgeführt, die Obergeschosse darüber verklinkert und die Erker verputzt. Die Fenster sind mit Gewänden und Verdachungen aus Stuck versehen. In der Mittelachse des Erdgeschosses liegen Hauseingang und Durchfahrt nebeneinander, ein breiter Weg führt zum Haus durch den mit einem Gitter eingefriedeten Vorgarten. Topographie Friedenau, 2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Perelsplatz Nr. 17, um 1920. Archiv Rüdiger Barasch

Perelsplatz Nr. 17

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister Hermann Pählchen

Bauherr Fleischwarenhändler August Striesche

1890

 

Wenn es sich bei dem Bauherrn des dreigeschossigen Mietshaues Perelsplatz Nr. 17 (damals Maybachplatz) tatsächlich um den Fleischwarenhändler August Striesche handelt, dann kann es sich eigentlich nur um jenen Fleischer handeln, der sich zur rechten Zeit in Friedenau niederließ und 1878 in der Illstraße Nr. 8 eine Fleischwarenhandlung eröffnete. Striesche hatte ein Gespür für die Entwicklung der Kolonie, verlegte 1885 den Laden in die Ringstraße Nr. 52 und war 1895 Eigentümer der Häuser Lauterstraße Nr. 1 und Lauterstraße Nr. 24. Dort betrieb er im Parterre bis 1896 die Fleischerei.

Das dreigeschossige, sechsachsige Mietswohnhaus Perelsplatz 17 wurde 1890 nach Plänen des Maurermeisters Hermann Pählchen erbaut. Sein Grundriss mit einer Fläche von 15 x 13 Metern zeigt in der Mittelachse eine zweiläufige Geschosstreppe, die je zwei 3-Zimmer-Wohnungen pro Geschoss erschließt. Den Wohnzimmern ist jeweils ein Balkon vorgelagert. Die Straßenfassade zeigt im Souterrain und im Hochparterre Putznutung. In der Mittelachse ist der Hauseingang mit einem Säulenportal mit Segmentbogen angeordnet. Die Obergeschosse sind verklinkert. Die Fenster sind mit aufwendigen Ädikulen, Laibungen, Sohlbänken und Brüstungen geschmückt. Das Haus gehört zur Übergangsphase der Friedenauer Bebauung zwischen den Bauordnungen von 1887 und 1892. Topographie Friedenau, 2000