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Maybachplatz nach der Umgestaltung. Zeichnung Gartenamt Schöneberg, 1931

Der Platz wurde 1873 vom Koloniegründer Johann Anton Wilhelm Carstenn (1822-1896) und Stadtplaner Johannes Otzen (1839-1911) als einer von fünf Friedenauer Schmuckplätzen konzipiert und Berliner Platz genannt. 1884 wurde daraus der Maybachplatz, nach Minister Albert von Maybach (1822-1904), der die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preußen betrieb. Seit dem 1. Oktober 1961 heißt die Anlage Perelsplatz, benannt nach dem Juristen Friedrich Justus Perels (1910-1945).

 

1899 wurde bekannt, dass der Berliner Magistrat der Gemeinde Friedenau „das Terrain zwischen Maybachplatz und Ringbahn zum Bau des Gymnasiums überlassen will“ – allerdings „an die Bedingung geknüpft, das Areal nur für kommunale Zwecke zu verwerten“. Einem Bericht des „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ vom 30. November 1905 kann entnommen werden, dass „die Stadt Berlin als damalige Eigentümerin“ nach der Eröffnung des Ringbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau 1877 zwischen Lauter- und Handjerystraße „einen Turn- und Spielplatz“ hatte errichten lassen. Nach der Eröffnung von Gymnasium (1903) und Direktorenwohnhaus (1905) wurde die Neugestaltung des Maybachplatzes konkret.

 

 

 

Er sollte „in seiner zukünftigen Gestalt eine hervorragende Schmuckanlage unseres Ortes werden. Vor allem wird eine große Anzahl der Birken, die jetzt dort so dicht stehen, daß sie sich nicht in ihrer Krone entwickeln können, gefällt werden. Auf der Seite der verlängerten Lauterstraße wird ein Spielplatz entstehen, der einen Durchmesser von 30 Metern erhalten wird. An Stelle der gefällten Birken werden Rasenplätze mit Koniferen angepflanzt. Der Platz wird durch einen direkt auf die Ecke des Gymnasiums zuführenden 6 Meter breiten Weg durchquert, kleinere Wege sind für Fußgänger bestimmt. An der westlichen Seite zur Handjerystraße ist die Anlage eines Springbrunnens mit Wasserbassin gedacht“.

 

Die 1931 vom Schöneberger Gartenamt erstellte Zeichnung veranschaulicht die grundsätzliche Gestaltung, mit der 1907 der Steglitzer Gartendirektor Fritz Zahn (1872-1942) beauftragt wurde. Zahn setzte zusätzlich Buchen, Eichen, Eiben, Rotdornen und Magnolien. Als Reminiszenz an die ursprüngliche Bepflanzung mit Birken könnte jener Pavillon aus Birkenstämmen gedeutet werden, der den Weg zum Gymnasium säumte. Über eine lange Zeit hat sich für die Anlage der Begriff „Birkenwäldchen“ gehalten. Dafür sorgte wohl auch Gastwirt Fritz Baumann, der an der Ecke Maybachplatz Handjerystraße das Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ betrieb.

 

Noch vor der Neugestaltung entstanden an der Südseite des Maybachplatzes die Land- und Mietshäuser der Baumeister Max Nagel (1886), H. Franzke (1888), H. Pählchen (1890) und Carl Sack (1893). Im Jahr 1909 kam die Bedürfnisanstalt nach einem Entwurf von Gemeindebaumeister Hans Altmann hinzu und 1923 auf der Fläche vor dem Gymnasium der „Heldendenkstein“, das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau. Mit dem Umbau des Südwestkorsos wurde der „Sintflutbrunnen“ 1931 vom ehemaligen Hamburger Platz zur Lauterstraße als Point de vue für die Hähnelstraße gesetzt.

 

Gymnasium am Maybachplatz nach der Eröffnung. Archiv Barasch.

Perelsplatz Nr. 6-9

Baudenkmal Schule

Entwurf Paul Engelmann und Erich Blunck

Bauherr Gemeinde Friedenau

1901-1902

 

Am 13. März 1896 beschloss die Gemeindevertretung den Bau einer höheren Knabenschule. Die Grundsteinlegung am Maybachplatz erfolgte am 20. April 1901. Das neue Gymnasium mit Turnhalle und Sportplatz nach Plänen der Architekten Erich Blunck (1872-1950) und Paul Engelmann wurde am 18. April 1903 eingeweiht. Im Oktober 1905 erklärte Schuldirektor Dr. Busch, dass „das Fußballspiel ein rohes Spiel ist. Es ist den Schülern streng verboten, der Jugendriege eines Fußballvereins anzugehören“. Ein Schüler soll sogar vom Gymnasium verwiesen worden sein, weil der Direktor ihn gesehen hat, wie er in der Jugendmannschaft des „Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia 1892“ mittrainierte. Am 4. Juli 1907 folgte: „Vor dem Besuch der sogenannten kinematographischen Theater ist zu warnen. Mitteilung an die Eltern: Die Schule hat die Pflicht, die Jugend gegen die von Lichtbildbühnen ausgehenden Schädigungen zu schützen.“

 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gymnasium bei mehreren Fliegerangriffen beschädigt. Nach Beseitigung der Schäden zog 1946 zunächst eine Polizeidienststelle in das Gebäude ein, später die Kaufmännische Berufs- und Berufsfachschule Berlin-Schöneberg. 1958 wurde aus dem ehemaligen Gymnasium die Friedrich-Bergius-Oberschule, benannt nach dem Chemiker Friedrich Bergius (1884-1949). Nichts gegen den Nobelpreisträger von 1931, aber in Bezug auf die Friedenauer Geschichte wäre die Benennung in Friedrich-Justus-Perels-Schule sinnvoller gewesen. 1959/60 entstand die Turnhalle an der Lauterstraße. Der Abriss ist „angedacht“. Im Oktober 2011 kam unmittelbar am Bahndamm das neue Mehrzweckgebäude mit Turnhalle, Mensa sowie Freizeit- und Unterrichtsräumen hinzu. 2013 wurde bekannt, dass das alte Gymnasium von 1901/02 dringend eine Grundsanierung braucht.

 

Die nachfolgenden Aufnahmen und den Bericht veröffentlichte das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ am 27. Juni 1903.

 

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Abschiedskonzert der Schüler-Combo des Gymnasiums am Maybachplatz

23. Januar 1942, Ratskeller Friedenau. Archiv Koch

 

 

Drei Tage vor Einberufung des 18-jährigen Heinz-Dieter Koch zur Wehrmacht gab die Schüler-Combo der Klasse U III des Gymnasiums am Maybachplatz am 23. Januar 1942 ein Abschiedskonzert im Friedenauer Ratskeller. Unter den Zuhörern im vollbesetzten Saal Lehrer, Eltern, Schüler und auch Schulkameraden in Wehrmachtsuniform. Auf dem Foto von links Heinz-Dieter Koch als Band-Leader, Akkordeonist und Sänger, Hans-Ernst Benckendorff (Klarinette), Rolf Rabald (Saxophon), Johann-Georg Kleist (Klavier), Wolfgang Mäder (Trompete), Wilfried Schultze (Bass), Wolfgang Arendt (Gitarre), Karl-Theodor Menzel (Gitarre) und Hans-Wilhelm Schröder (Schlagzeug).

 

Swing war ihr Leben, ein Stil, der im nationalsozialistischen Deutschland nicht in die Landschaft passte, auch nicht ins Friedenauer Gymnasium, wo der Oberlehrer Martin Iskraut (1886-1958) nach der Machtergreifung zum Oberstudienrat und Direktor gemacht wurde. Damit würdigte die NSDAP seine Verdienste als Mitherausgeber der Schriften des Führers Adolf Hitler und seiner Mitkämpfer, die ab 1933 unter dem Titel Die Grundgedanken der nationalsozialistischen Weltanschauung auf die einzelnen Lebensgebiete erschienen. Mit seinem Missfallen gegenüber den swing-begeisterten Gymnasiasten konnte sich Schuldirektor Iskraut nicht wirklich durchsetzen. Vielleicht kommt daher heute Kochs vages Mitgefühl für den strammen Nazi: Iskraut hatte dafür schwer büßen müssen: 1946 Hilfsarbeiter in einer Holzfabrik in Schwäbisch-Hall, 1947 Arbeiter in einer Mostfabrik in Walsrode, 1949 Lehrer an einer Walddorfschule, bis ein Schlaganfall seinem Berufsleben ein Ende machte.

 

Heinz-Dieter Koch war beim Swing ganz wesentlich auf das Hören angewiesen. Einige original-amerikanische Noten konnte man seinerzeit noch in der Berliner Filiale von Francis Day & Hunter kaufen, zum Beispiel den St. Louis Blues. Die übrigen Titel musste ich nach Gehör aufzeichnen, von amerikanischen Schalplatten, die gewitzte Händler über Schweden bezogen. Das arrangierte er dann für seine mühsam zusammengestoppelte Combo-Besetzung. Immer wieder betont Koch, dass er ein reiner Autodidakt war und keine Musikausbildung vorzuweisen hatte. Jener Studienrat, der ihm im Abiturzeugnis für das Fach Musik ein Befriedigend gegeben hat, im Jahr zuvor sogar nur eine Vier, hatte weder einen Draht zu Heinz-Dieter Koch noch zum amerikanischen Swing. Der Musiklehrer wollte mich wegen meiner nicht zu verheimlichenden Vorliebe für Jazz und Swing abstrafen, obwohl ich nach meinem Klassenkameraden Hans-Ernst Benckendorff wohl der Beste in Musik war (auch in der Klassik!).

 

Drei Tage später war er beim Flak-Lehr-Regiment im Seefliegerhorst Stralsund. Von dort ging es zur Rekrutenausbildung ins norwegische Eidsvoll und weiter zum Einsatz in Nordfinnland. Koch wurde krank und kam in ein Wehrmachtslazarett in Finnland. Dort erfuhr er, dass sein Gitarrist Karl-Theodor Menzel bei einem Übungsflug über Fürstenwalde abgestürzt und am 8. April 1942 im Feldlazarett Fürstenwalde verstorben ist. Was von dem 18-jährigen noch übriggeblieben ist, kam nicht in ein Grab in Wilmersdorf, wo seine Eltern lebten, sondern auf den Neuen Friedhof in Fürstenwalde. Ob Menzel wie Koch sein am 24. März 1942 vom Bezirksamt Schöneberg ausgestelltes Zeugnis der Reife noch vor seinem Tod in den Händen halten konnte, ist nicht bekannt.

 

Heinz-Dieter Koch in Uniform, 1942. Archiv Koch

Heinz-Dieter Koch wurde am 21. Dezember 1923 in Danzig-Langfuhr als Sohn des Bankvorstands Alexander Koch und seiner Frau Meta geb. Lungfiel geboren. Ab 1924 wechselte die Familie dreimal ihren Sitz, zunächst nach Johannisburg in Ostpreußen, dann 1932 nach Rostock, wo seine Mutter 1933 im Alter von 35 Jahren verstarb. 1936 heiratete der Vater wieder. Aus dieser Ehe kamen 1937 und 1939 die (Stief-)Brüder Joachim und Manfred zur Welt. 1937 kam der Vater zur Zentrale der Deutschen Industriebank in Berlin. Die Familie bezog eine große Vierzimmer-Wohnung in der Wilhelmshöher Straße Nr. 14. In Friedenau besuchte ich bis zum Abitur das städtische humanistische Gymnasium am Maybachplatz (heute Friedrich-Bergius-Schule). Was die Lehrerschaft, den Unterricht und die Mitschüler betraf ein Glücksgriff! Bis zum letzten Klassenkameraden, der im September 2018 verstarb, hatten wir engen Kontakt; unsere Klasse war die letzte dieses Gymnasiums mit Abiturabschluss. Im Zeugnis von 1942 wurde vermerkt: Heinz-Dieter Koch war 5 Jahre auf dem Friedenauer Gymnasium am Maybachplatz, davon zwar 1 Jahr in Prima. Sein körperliches Streben war sehr erfreulich, sein geistiges Streben war anerkennenswert, seine charakterliche Haltung war besonders anzuerkennen. Koch hat die Prüfung gut bestanden. Er will Schriftleiter werden.

 

Es kam ganz anders. Nach dem Lazarett war ich selbst ja auch nicht mehr kriegsverwendungsfähig. Als der „Feind“ Westdeutschland zu erobern begann, wurde meine ja kaum auf Erdkämpfe ausgerichtete Einheit dorthin zurückgezogen. Im Wesergebirge geriet Koch in Gefangenschaft der British Army, die deutsche Kriegsgefangene an Belgien übergaben. Nach einem Transport im offenen Güterwagen durch Holland wurde ich bis März 1946 in einem belgischen Kohlebergwerk in 735 m Tiefe als Arbeitskraft eingesetzt. Ein Jahr danach wurde ich im März 1946 nach Meppen/Ems entlassen. Nach seiner Rückkehr kam Heinz-Dieter Koch 1949 wieder nach Berlin – und heiratete. Die elterliche Wohnung in der Wilhelmshöher Straße Nr. 14 gab es nicht mehr. Seine Stiefmutter war bereits 1943 wegen der Luftangriffe mit den beiden Söhnen nach Mecklenburg gezogen und sein Vater war in russischer Gefangenschaft. Die Wohnung war „entmietet“ worden. So wohnte das junge Ehepaar anfangs bei den Schwiegereltern, wieder in Friedenau, dieses Mal in der Kaiserallee Nr. 137.

 

 

Koch erinnerte sich an seine Zeit als Band-Leader und Bearbeiter der musikalischen Arrangements für seine Friedenauer Schüler-Combo und wurde Arrangeur bei RIAS und NDR. Ich habe für das damals unter Werner Müller neu gegründete RIAS-Tanzorchester arrangiert. Müller kam vom Tanzorchester Kurt Widmann, das vormals im Haus Vaterland auftrat und regelmäßig Swingjazz spielte. Nachdem Müller 1967 die Leitung des WDR-Tanzorchesters in Köln übernommen hatte, wurde sozusagen in memoriam die RIAS Big Band unter dem ersten Leiter Jiggs Wigham gegründet – alles erstklassige Jazz- und Bigbandmusiker. Für diese Band kann man wirklich heute noch schwärmen, aber die sie tragenden Rundfunkgesellschaften wollten sie nicht mehr - eine Kulturschande in meinen Augen! Zum Glück besitze ich viele Mitschnitte.

 

1950 beschlossen mein Schwiegervater und ich, einen richtigen kaufmännischen Beruf zu ergreifen. Meine fehlende musikalische Ausbildung ließ es auch mir ratsam erscheinen. Ich wurde Handelsvertreter, von 1955 bis 1967 Filialleiter im Schuheinzelhandel und nach einem als Betriebswirt abgeschlossenen Abendstudium an der Wirtschaftsakademie Berlin Unternehmensberater.

 

Als solcher hatte Koch ein Gutachten für das Europa-Center am Breitscheidplatz gefertigt. Das Wahrzeichen West-Berlins war 1965 eröffnet worden und inzwischen „in die Jahre gekommen“. Eigentümer Karl Heinz Pepper musste investieren und sagte: Na dann kommen Sie zu mir und machen alles besser. 1973 wurde er kaufmännischer Leiter und das Europa-Center zur Großbaustelle mit zeitweise bis zu hundert Handwerkern, bereits im zweiten Monat meiner Zeit gab es einen Großbrand. Tag und Nacht technische Pannen. Unzumutbare Verhältnisse für die Mieter und Besucher. Ein einziges Chaos. Die Innenhöfe erhielten Überdachungen, die Kunsteisbahn wurde aufgegeben und durch Terrassencafé und Brunnen ersetzt. Nach fünf Jahren, ich zwischendurch total fertig und für einige Zeit sogar im Krankenhaus, gab es ein neues Europa-Center. Ich sah meine Aufgabe als erfüllt und kündigte Ende des fünften Jahres. Herr Pepper: Bei mir hat noch nie jemand gekündigt! Koch musste die einjährige Kündigungsfrist einhalten.

 

Im Privatleben gab es einige Veränderungen. 1951 wurde seine Tochter Susanne geboren. Die geschlossene Ehe hatte keinen Bestand. 1972 kam es zur Scheidung. 1979 machte sich Koch im Alter von 55 Jahren als Unternehmensberater selbstständig. Er traf Gisela Schalge, die er während des Krieges als Freundin und spätere Ehefrau eines bereits 1963 verstorbenen Kameraden kennen gelernt hatte. 1980 zogen sie in eine der 1500 DEGEWO-Wohnungen der Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße. Dort fühlen sie sich wohl, genießen die Ruhe und das Grün drum herum. Jetzt, im hohen Alter, freuen sie sich über die barrierefreien Wege von der Wohnung zu Supermarkt, Apotheke, Textilreinigung, Blumenladen.

 

Mit 73 Jahren hängte Heinz-Dieter Koch den Unternehmensberater an den Nagel. Seit 40 Jahren lebt er mit Gisela Schalge in einer Partnerschaft. Inzwischen ist er 95 Jahre und wundert sich, dass er vor kurzem mit seiner Tochter deren 68. Geburtstag feiern konnte. Der einstige Band-Leader der Schüler-Combo vom Friedenauer Gymnasium am Maybachplatz blickt auf ein langes und bewegtes Leben zurück.

 

Michael Rudolph. Foto Thilo Rückeis, Der Tagesspiegel

Nun doch: Dienstzeitverlängerung für Michael Rudolph

Kontraproduktiv oder hilfreich?

08.05.2019

 

Der Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule Michael Rudolph hatte der Schulverwaltung angeboten, seine Arbeit über die Altersgrenze hinaus fortzusetzen, und stellte daher den Antrag „einer Dienstzeitverlängerung bis zum 31.07.2020“. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) ließ ihm allerdings mitteilen, dass seinem Antrag „nicht entsprochen werden kann, da kein dienstliches Interesse an einer Weiterbeschäftigung“ besteht.

 

Gegen diese Entscheidung protestierten Kollegium, Eltern und Öffentlichkeit, nicht aber Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Schulbezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD), obwohl beide um die Qualität der Friedenauer Schule und ihres Leiters wussten. Ihr Nichtstun ist wohl mit „Parteidisziplin“ zu erklären.

 

 

Am 8. Mai 2019 erfuhren wir von der CDU-Fraktion von Tempelhof-Schöneberg vom „Umdenken der Senatsverwaltung“ und „der nun doch noch erfolgten Dienstzeitverlängerung von Herrn Rudolph“. Aus den Büros von Angelika Schöttler und Oliver Schworck war nichts zu vernehmen. Eine Presseerklärung des Bezirksamts gab es auch nicht, obwohl die Nachricht nicht nur für die CDU „ein gutes und richtiges Signal insbesondere an das Kollegium der Friedrich-Bergius-Schule“ bedeutet.

 

Es passt zusammen, eine erfolglose Schulsenatorin, eine überforderte Bezirksbürgermeisterin und ein geschwätziger Bezirksschulstadtrat, der wohl besser Finanzbeamter geblieben wäre.

 

All jene, die sich für den Schulleiter eingesetzt und sich auch auf unserer Seite über den Fall informierten, haben ein Anrecht darauf, die offizielle Entscheidung der Senatsschulverwaltung zu kennen. Wir haben den Pressesprecher Thorsten Metter per Mail gebeten, www.friedenau-aktuell.de „die offizielle Mitteilung an Herrn Rudolph“ zur Verfügung zu stellen, aus der hervorgeht, dass „sein Antrag auf Dienstzeitverlängerung“ von Senatorin Sandra Scheeres genehmigt worden ist.

 

Die Antwort des Pressesprechers: „Ein offizielles Dokument kann ich Ihnen nicht zur Verfügung stellen, aber ich kann es offiziell bestätigen. Nachdem in die öffentliche Debatte wieder Ruhe eingekehrt war und beide Seiten Luft geholt haben, wurden jetzt noch einmal die Möglichkeiten für eine Verlängerung geprüft. Herr Rudolph hatte noch einmal die Senatorin angeschrieben und sein Interesse verdeutlicht, weiter die Schule leiten zu können. Auch hat Herr Rudolph bestimmte Punkte klargestellt (Schulinspektion, Partizipation Schüler). Ein gemeinsamer Punkt ist darüber hinaus die Umsetzung des Qualitätspaketes der Senatorin. Letztendlich ging es dann für Senatorin Scheeres und Staatsekretärin Stoffers um die pragmatische Entscheidung, was ist für die Schule und die Schülerinnen und Schüler jetzt die beste Lösung. Denn das ist ja für uns alle das Entscheidende. Also ist das jetzt eine gute Lösung. Die öffentliche Debatte war also teilweise eher kontraproduktiv.“

 

Wieso „die öffentliche Debatte also teilweise eher kontraproduktiv war“, zu Deutsch also demnach „nicht hilfreich" oder gar schädlich und abträglich war, müsste der Pressesprecher doch noch mal erklären. Ohne die öffentliche Debatte hätten Scheeres und Stoffers wohl nicht eingelenkt.

 

Friedrich-Bergius-Schule. Foto H&S 2017

SPD-Skandal Friedrich-Bergius-Schule

27.08.2018

 

In Deutschland ist Schule bekanntlich 16 mal anders. So kommt es, dass Thüringen andere Vorstellungen als Berlin hat und Thüringen im bundesdeutschen Schul-Ranking den ersten und Berlin den letzten Platz belegt. Verantwortlich ist dafür eine Senatsverwaltung, die seit 1996 von der SPD beherrscht wird. Damit alles besser wird, leistet sie sich seit einiger Zeit die mehr oder weniger hausinterne Arbeitsgruppe „Schulinspektion“.

 

Diese präsentierte – unter Verzicht auf neutrale Gutachter – vor den Sommerferien 2018 auch eine Bilanz zur Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule. Obwohl bescheinigt wird, dass die Leistung der Schüler sehr gut sei, die Arbeits- und Lernatmosphäre stimme, eine hohe Zustimmung von Eltern und Schülern erreiche, sich mit dem Schulmuseum eng mit Friedenau und dessen Geschichte identifiziert, wird sie in der Gesamtbewertung als Schule mit einem „erheblichen Entwicklungsbedarf“ eingestuft. Sie erhält den Stempel „Problemschule“, die Hilfe von außen bekommen müsse.

 

 

Im Kern geht es wohl darum, dass sich die Friedrich-Bergius-Schule für einen „Frontalunterricht“ entschieden hat, bei dem Schülern Wissen vermittelt und durch Wiederholungen vertieft wird, statt sich wie in Schulen mit vergleichbarer Schülerzusammensetzung – zwei Drittel ohne deutsche Herkunftssprache, die Hälfte aus Hartz-IV-Familien – wegen unzureichender „Ressourcen“ in freier Gruppenarbeit zu verlieren. In der Friedrich-Bergius-Schule führt das zu überdurchschnittlichen Lernerfolgen, zu gemeinschaftsverträgliche Verhalten, zu geringen Schwänzerraten, zu wenig Unterrichtsausfall und zu kaum nennenswerten Gewalttätigkeiten.

 

Die „Schulinspektion“ sucht das Haar in der Suppe und kritisiert Vernachlässigung des Schulprogramms, der Unterrichtsentwicklung und der Kompetenzorientierung, zudem verstoße Schulleiter Michael Rudolph gegen rechtliche Vorgaben bei der Schulorganisation. Für die Friedrich-Bergius-Schule ist allgemein bekannt, dass es in Berlin kaum vergleichbare Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe gibt, die von Eltern und Schülern dermaßen nachgefragt sind, und bei der 50 Prozent der Zehntklässler einen guten Mittleren Schulabschluss erreichen.

 

Bis 2016 war die gelernte Lehrerin Jutta Kaddatz (CDU) als Stadträtin verantwortlich. Inzwischen leitet der vom Stadtrat für Bürgerdienste und Ordnungsaufgaben zum Schulstadtrat ernannte fachfremde Finanzwirt Oliver Schworck (SPD) das Amt. Er hat mit den klaren und kritischen Positionen der Schulleiter und ihrer Vorgehensweise Probleme. Wie sonst ist es zu erklären, dass nun die Schulleiterin Doris Unzeitig der Schöneberger Spreewald-Grundschule „um Auflösung ihres Vertrages zum 7. September 2018“ gebeten hatte. Dem Wunsch der „Unruhestifterin“ von Tempelhof-Schöneberg wurde umgehend entsprochen. Nicht noch einmal möchte Oliver Schworck den März 2018 erleben, als die Schulleiterin einen privaten Wachdienst beauftragte, „um renitente Eltern und schwierige Schüler in die Schranken zu weisen und Schulfremde am Betreten des weitläufigen Areals zu hindern“.

 

Obwohl die Spreewald-Schule unmittelbar neben dem Schönberger „Sozialpalast“ an der Pallasstraße als „Brennpunkt“ eingestuft ist, spielt es für Oliver Schworck keine Rolle, dass er der Schule zum Schuljahr 2018/19 nicht das benötigte ausgebildete Personal zur Verfügung stellen kann. Schulleiterin Doris Unzeitig wurde angehalten, pädagogische Unterrichtshilfen statt Lehrer einzusetzen.

 

Unterstützung für „Brennpunkt-Schulen“ sieht anders aus.

 

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Die Medien zur Friedrich-Bergius-Schule

Schulleiter Michael Rudolph. Foto Friedrich-Bergius-Schule

SPD-Bildungspolitik

Direktor der Friedenauer Bergius-Schule kaltgestellt

24.02.2019

 

Der Direktor der Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule soll endgültig kaltgestellt werden. Nach der umstrittenen Schulinspektion im Sommer 2018, die Lehrerkollegium und Direktor Michael Rudolph bereits in unverantwortlicher Weise diskreditierte, folgt nun der zweite Schlag gegen eine der erfolgreichsten Sekundarschulen in Berlin. Michael Rudolph hatte angeboten, seine Arbeit über die Altersgrenze hinaus fortzusetzen, doch die Senatsbildungsverwaltung unter SPD-Senatorin Sandra Scheeres lehnt das ab.

 

„Mit Schreiben vom 28.5.2018 beantragten Sie eine Dienstzeitverlängerung bis 31.7.2020. Ihrem Antrag kann leider nicht entsprochen werden. Die Schulaufsicht legte dar, kein dienstliche s Interesse an einer Weiterbeschäftigung zu haben.“

 

 

 

 

Mit diesem lapidaren Schreiben an Michael Rudolph setzt die bislang erfolglose Senatorin wieder einmal „dienstliches Interesse“ über das Interesse von Schülerinnen und Schülern. Scheeres, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg unter „Rot-Grün“ mit seinem schlicht überforderten Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD), der wohl besser Finanzbeamter geblieben wäre, und die Schreibtisch-Pädagogen des Schulamts betreiben eine ideologische Bildungspolitik, die auf praktische Erfahrungen keine Rücksicht nimmt. Der schulische Erfolg der Kinder und Jugendlichen spielt dabei keine Rolle. Weil Michael Rudolph sich weigerte, den Hirngespinsten einer sich modern gebenden Bildungspolitik blind zu folgen, wurde seine hochanerkannte Arbeit zunächst von der Schulinspektion in Frage gestellt, jetzt soll sie ganz beendet werden.

 

Auf diesen Skandal hat am 21. Februar 2019 zuerst die CDU-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg aufmerksam gemacht. „Die Ablehnung der Verlängerung der Dienstzeit des Schulleiters der Friedrich-Bergius-Schule, Michael Rudolph, ist ein weiterer Fall eines unwürdigen Vorgehens der Senatsbildungsverwaltung mit erfolgreichen und verdienten Lehrkräften und Schulleitungen“, so der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Zander.

 

„Schulleitungen, die Defizite des Berliner Bildungssystems nicht einfach hinnehmen sondern hinterfragen, werden entweder strafversetzt oder bei der erstbesten Gelegenheit aufs Abstellgleis geschoben. Dass nach der berechtigten Kritik an der Ausrichtung der Schulinspektion der Ankündigung der Senatorin Scheeres, künftig die Schülerleistungen und Lernfortschritte bei den Schulinspektionen mehr zu berücksichtigen, auch bald Taten folgen, darf insofern bezweifelt werden.“

 

Zander geht davon aus, dass „die Schulleitungen offenbar auf Linie gebracht werden“ sollen, „damit Kritik verstummt. Vermutlich wird der Fokus der Senatsbildungsverwaltung damit weiter darauf liegen, dass der Weg das Ziel ist – also die dem Senat genehme Unterrichtsmethode - und nicht der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler“.

 

Es sei paradox, „wenn sich der Senat einerseits darum bemüht, pensionierte Lehrkräfte wieder für den Schuldienst zu aktivieren, um den Lehrkräftemangel zu beheben, andererseits aber verhindert, dass bestimmte Lehrerinnen und Lehrer länger arbeiten dürfen“. Michael Rudolph sei „kein Einzelfall“, so der CDU-Politiker.

 

SPD und Grüne – verantwortlich für die Attacken gegen die Friedenauer Schule – hüllen sich in Schweigen. Umso erstaunlicher ist es, dass die SPD-nahe Publikation „paperpress“ des Autors Ed Koch am 23. Februar 2019 mit einer scharfen Kritik des Vorgehens gegen Michael Rudolph aufwartet. Hier Auszüge des Textes:

 

„Die Friedrich-Bergius-Schule hat einen guten Ruf, was die Nachfrage belegt. Mehr Kinder als die Schule Plätze hat, wollen täglich zum Perelsplatz, auf dem das Gebäude unweit des Rathauses Friedenau steht. In den Schlagzeilen ist die Schule geraten, weil die Schulinspektion der Senatsbildungsverwaltung zu einem ganz anderen Ergebnis als erfolgreich kam. Höchst umstritten sind die Bewertungskriterien der Schulinspektoren. Weil Michael Rudolph mit dem für seine Schule inakzeptablen Ergebnis an die Öffentlichkeit ging, findet nun offenbar in der Bildungsverwaltung ein Umdenken statt. Es bedarf immer wieder Anstöße, um nicht nachvollziehbares Verwaltungshandeln zu verändern. Natürlich hat sich Rudolph als guter Beamter seinem Dienstherren gegenüber loyal zu verhalten, was aber nicht heißt, dass ein guter Beamter alles hinnehmen muss, was von oben kommt.

 

Der Senatsbildungsverwaltung wollen wir nicht unterstellen, dass sie sich gefreut hätte, den aufmüpfigen Schulleiter aus Friedenau schon früher loszuwerden. Nun aber ist es möglich, sich von ihm zu befreien. Michael Rudolph wird 65 und müsste in den Ruhestand gehen, obwohl eine Dienstzeitverlängerung bis 68 möglich wäre. Bis Schuljahresende 2020 wollte Rudolph erst einmal weitermachen.“ Doch das habe die Bildungsverwaltung abgelehnt, so Ed Koch. „Einer Bitte von paperpress an die Senatsbildungsverwaltung zu dem Vorgang Stellung zu nehmen, wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass es sich um eine Personalangelegenheit handele.“

 

„Natürlich ist es sinnvoll, wenn Menschen, die die Altersgrenze erreicht haben, ihren Platz an Jüngere übergeben. Kann es sich Berlin aber beim derzeitigen Lehrermangel leisten, auf Pädagogen, die weitermachen wollen, zu verzichten? Wohl kaum.“

 

„Der Verdacht liegt nahe“, so zitiert Ed Koch die Berliner Morgenpost, „dass Michael Rudolph zu unbequem geworden ist. Und dass die zuständigen Schulbehörden unter Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen – in ihren Augen – Störenfried loswerden wollen.“ Frau Scheeres hätte, Personalangelegenheit hin oder her, schon längst einmal öffentlich für Michael Rudolph eine Lanze brechen können“, resümiert paperpress.

 

Schuldirektorenwohnhaus. Foto H&S 2015

Perelsplatz Nr. 5

Baudenkmal Schuldirektorenwohnhaus

Entwurf Architekt Johannes Duntz

Bauherr Gemeinde Friedenau

1905-1906

 

Der Architekt Johannes Duntz hatte 1904 nach dem Tod des Gemeindearchitekten Max Nagel bis zur Berufung von Hans Altmann zum Gemeindebaurat im Jahr 1906 die Bauverwaltung kommissarisch geleitet. In diesen Jahren schuf er die Entwürfe für die II. Gemeindeschule (1904/06, heute Stechlinsee-Schule) und das Elektrizitätswerk an der Rheingaustraße Nr. 30/Kreuznacher Straße Nr. 2 (1905-1907).

Das zweigeschossige Schuldirektorenwohnhaus wurde auf einer Grundfläche von 13 x 14 Metern als Landhaus konzipert. Auffallend sind neben dem niedrigen Souterrain das Walmdach und der über zwei Geschosse angelegte Standerker. Hinter dem Eingang an der Westseite liegt eine Halle, von der direkt die Wohnräume im Erdgeschoss und über eine Treppe die Schlafräume im Obergeschoss zu erreichen waren. Das Anwesen wird heute vom Bezirksamt Schöneberg unter dem Namen „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ als Kindertagesstätte genutzt.

 

 

Friedrich Justus Perels (1910-1945)

Friedrich Justus Perels (1910-1945)

 

Zu den bekannten Schülern des Friedenauer Gymnasiusm gehören der Jurist Friedrich Justus Leopold Perels (1910-1945) und der Theaterkritiker Friedrich Luft (1911-1990). Perels wohnte in der Stubenrauchstraße Nr. 3, Luft in der Kaiserallee Nr. 74. Der eine begann 1922, der andere ein Jahr später. Täglich der Blick auf die Stele mit den Bildnissen und Sprüchen von Luther, „Eine feste Burg ist unser Gott“, und Bismarck, „In Trinitate Robur“ (In der Dreiheit liegt die Kraft), täglich die Ecke, auf der noch heute „Handjerystraße“ und „Maybachplatz“ eingemeißelt sind, täglich auch das Portal mit dem Cicero-Spruch „Wie die Saat, so die Ernte“.

 

Nach dem Abitur trennten sich die Wege. Perels studierte Jura und wurde 1936 Justitiar der oppositionellen „Bekennenden Kirche“. Dort traf er auf den Juristen Friedrich Weißler (1891-1937), der wegen eines Urteils gegen einen SA-Mann – und seiner jüdischen Herkunft – 1933 als Landgerichtsdirektor in Magdeburg entlassen worden und nun als Kirchenkanzleichef tätig war. Weißler war Mitverfasser einer an Adolf Hitler gerichteten Denkschrift der „Bekennenden Kirche“, in welcher die nationalsozialistische Rassenideologie und der Terror gegen Andersdenkende kritisiert wurden. 1936 wurde er verhaftet und gefoltert, bis er am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen seinen schweren Verletzungen erlag.

 

 

 

Bischof Wolfgang Huber bekannte jedenfalls erst im Jahr 2005, dass die Evangelische Kirche Friedrich Weißlers „in Scham und Dankbarkeit gedenkt“. Verlassen war er nicht nur von der „nationalsozialistischen“ Reichskirche, sondern auch von der „Bekennenden Kirche“, die ihm nicht zur Seite stand.

 

Auch Perels warnte vor der Reichskirche, deren „theologische Ausführungen schlechterdings untragbar sind. Wir haben die Aufgabe, auch formell Distanz zu dieser Glaubenslehre zu halten und den neutestamentlichen Angriff seinem Wesen gemäß vorzutragen“. Jahre später wurde auch er „von seiner Kirche verlassen“. Am 5. Oktober 1944 wurde er „wegen Nichtanzeige ihm bekannter Umsturzpläne und wegen illegaler Tätigkeit für die Bekennende Kirche“ verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22. zum 23. April am Lehrter Bahnhof von einem SS-Kommando ohne Vollstreckungsbefehl erschossen und verscharrt.

 

Der Platz vor seinem Gymnasiums heißt seit 1. Oktober 1961 „Perelsplatz“. Am Gebäude wurde eine Gedenktafel angebracht: „Friedrich Justus Perels, geb. 13.1.1910, Jurist.Von 1922 bis 1929 Schüler des 1. Friedenauer Gymnasiums (jetzt Friedrich-Bergius-Schule). Mitglied der Bekennenden Kirche. Er half vielen Juden, Verfolgten und Angehörigen von KZ-Gefangenen. Am 23.4.1945 wurde er von der SS erschossen.“

 

 

Kriegerdenkmal. Archiv Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau

Kriegerdenkmal

 

Für den halbkreisförmigen Platz vor dem Eingang zum Gymnasium war in den Plänen von 1907 ein Schmuckplatz mit Springbrunnen und Wasserbassin geplant. Es kam der Erste Weltkrieg und über 80 Friedenauer erlitten den „süßen und ehrenvollen Heldentod fürs Vaterland". Am 15. Juli 1923 hatte der Friedenauer Krieger- und Landwehrverein als größter Berliner Kriegerverein das erste Kriegerdenkmal auf dem Maybachplatz eingeweiht.

 

Die „Vossische Zeitung“ berichtete darüber: „Die Gedächtnisrede hielt Pfarrer Förtsch. Ihr schlossen sich zwei weitere Ansprachen von dem katholischen Geistlichen Menzel und dem Friedenauer Rabbiner Dr. Winter an. Darauf übergab der Vorsitzende des Kriegervereins, Geheimer Rechnungsrat Evers, das Denkmal dem Bezirksamt 11. Der anwesende Vertreter des Bezirksamts, Stadtrat Professor Dr. Lassen, übernahm es im Namen der Stadt. Die Feier verlief außerordentlich glänzend bei herrlichem Wetter unter Beteiligung von etwa 10.000 Personen. Verschiedene Kriegervereine der Umgebung und andere Korporationen hatten Abordnungen entsandt, u. a. auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der einen Kranz niederlegen ließ. Desgleichen waren Abordnungen verschiedener Regimenter, in denen die hiesigen Kriegervereinsgenossen früher gekämpft haben, erschienen.“

 

Im Zentrum der Anlage für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen von Friedenau steht ein Kalksteinobelisk mit den üblichen Symbolen, Kreuz, Schwert, Stahlhelm und „Lorbeer für die des Lorbeers würdigen Soldaten“. Die Rasenfläche mit dem sogenannten Tiergartengeländer war mit Blumenrabatten eingefasst. Eine Buchenhecke schirmte den Gedenkort vom alltäglichen Treiben auf dem Maybachplatz ab. Das alles ist heute in einem unwürdigen Zustand. Umso mehr sind die Aktivitäten des Schul- und Stadtteilmuseums der Friedrich-Bergius-Schule zu begrüßen. Die Website www.friedrich-bergius-schule.de erinnert unter anderem an jene namentlich genannten Schüler des Friedenauer Gymnasiums, die im Ersten Weltkrieg an den Fronten in Frankreich und Russland zwischen 24. August 1914 und 17. Oktober 1918 ums Leben gekommen sind. Keine erfreuliche Lektüre. Eine Mahnung.

 

Bedürfnisanstalt am Maybachplatz, 1910. Archiv Barasch

Bedürfnisanstalt

 

Friedenauer Lokal-Anzeiger, 01.04.1910: Die Bedürfnisanstalt auf dem Maybachplatz wird am 1 April der öffentlichen Benutzung übergeben. Das kleine Häuschen ist in der reizvollen Stilform der sogenannten Bergischen Bauweise errichtet worden, jenen Stil des 18. Jahrhundert, der noch heute in den Gegenden des Niederrheins und der Wupper in zahlreichen Fachwerkgebäuden zu finden ist. Es dürfte allerdings nicht lange mehr dauern, bis diese, den modernen feuerpolizeilichen Vorschriften allerdings nicht entsprechenden Gebäude von der Bildfläche verschwunden sind. Es ist bemerkenswert, daß in Friedenau ein neues unter Anlehnung an die Formen dieses reizvollen, dem Untergänge geweihten Baustiles, aufgeführtes, der modernen Zeit angepaßte Architekturwerk errichtet worden ist. Die Anstalt dient zwei Zwecken: 1. sie enthält eine öffentliche Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen und 2. eine solche für die Turner und Turnerinnen des Spielplatzes in der Lauterstr. Die Aufsicht über diese Anstalt führt eine Wartefrau, für die ein besonderer Raum in dem Gebäude vorgesehen ist.

 

 

„Erwecken Sie ein denkmalgeschütztes Kleinod aus dem Dornröschenschlaf und verhelfen Sie dieser Ecke Friedenaus zu noch mehr Attraktivität.“ Das Angebot der grünen Bezirksstadträte Jörn Oltmann (Bauen) und Christiane Heiß (Grünflächen) klang gut. Ab September 2016 wurde saniert, im Januar 2018 war das Häuschen fertig – und blieb geschlossen. Die jüngste Geschichte der ehemaligen Bedürfnisanstalt haben wir in 5 Akten nachgezeichnet.

 

1. Akt Da es auf dem beliebten Platz mitunter dringende Bedürfnisse gab, ließ die Gemeinde Friedenau 1909 von ihrem Gemeindebaurat Hans Altmann (1871-1965) am östlichen Rand eine eingeschossige Bedürfnisanstalt errichten. Er entwarf einen Fachwerkpavillon mit geschwungenem und schiefergedecktem Bohlenbinderdach. Dieser bekam zwei Zugänge, zur Lauterstraße hin der wenig erhebende Eingang zum Pissoir für die Männer, zum Park hin eine halboffene Laube als Vorraum für die Damen-Toilette.

Ende der 1980er Jahre wurde die „Bedürfnisanstalt“ geschlossen, das Häuschen aber unter Denkmalschutz gestellt. Irgendwann danach fand sich ein Betreiber, dem es mit Engagement und Improvisation gelang, das Café „Park-Oase“ zu einen Treffpunkt zu machen. Unübersehbar war, dass das Bezirksamt in sein Eigentum investieren musste. Dafür sollte aber kein Geld ausgegeben werden. So kam es nach dem Frost im März 2011 zu einem Rohrbruch. Er legte die Park-Oase lahm.

Pächter Werner gab die Hoffnung auf eine Einigung mit dem Bezirksamt nicht auf: „Bald ist es hoffentlich soweit und der Frühling kommt! Sobald die Tagestemperaturen über +12 Grad erreichen und es keinen Nachtfrost mehr gibt, wird erstmal wieder an den Wochenenden für Sie geöffnet sein. Spätestens bei Tagestemperaturen über +15 Grad und freundlichem Wetter wird auch der tägliche Betrieb wieder aufgenommen. Die Öffnungszeiten sind wie gewohnt samstags und sonntags ab 11 h bis voraussichtlich gegen 17 h, montags bis freitags ab 11 h mit Schluss gegen 18 h. Hoffentlich bis bald und auf Wiedersehen in der Park-Oase. Werner, Anfang März 2011.“

Zurück blieb ein herrenloses Häuschen, das in den folgenden Jahren zum Schandfleck wurde. Das Bezirksamt hätte begreifen müssen, dass Pächter Werner ein „Glücksfall“ war, der unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen ein Kleinod am Leben erhielt, und dass Bezirksamt hätte auch erkennen müssen, dass mit geringfügigen Investitionen ein Weiterbetrieb der Park-Oase möglich gewesen wäre. Eine Einigung kam nicht zustande. Im Mai 2013 gab Werner auf.

 

 

2. Akt Im September 2016 wurde ein Bauschild installiert: „Fachwerkpavillon am Perelsplatz. Denkmalgerechte Sanierung und Umbau. Bauzeit: September 2016 bis Oktober 2017. Bauherr Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Planung und Bauleitung Hagemann+Liss Architekten. Außenanlagenplanung Dr. Ing. Anke Werner.“ So weit, so gut. Aber, und damit begann das Dilemma, es konnte nicht nur um das „Häuschen“, sondern um ein eng verzahntes historisches Areal gehen, zu dem neben dem Fachwerkpavillon auch der stillgelegte Sintflutbrunnen, arg vernachlässigte Grünanlagen, marode Wege und ein Spielplatz gehören, dessen zu niedrige Einzäunung Hunde dazu animieren, ihre Geschäfte im Sand zu erledigen.

Dies haben weder die Abteilung Stadtentwicklung, zuständig Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Bündnis `90/Grüne), Dienstsitz Rathaus Schöneberg, noch die Abteilung Straßen- und Grünflächenamt, zuständig Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis `90/Grüne), Dienstsitz Rathaus Tempelhof, geschweige denn das mit der „Projektsteuerung“ betraute „Facilitymanagement“ des Bezirksamts bedacht. Das Projekt wurde nach Schema F betrieben. Die einen saßen im Rathaus Schöneberg, die anderen im Rathaus Tempelhof. Wirklich zusammen kamen sie nicht, offensichtlich auch nicht zu einer Ortsbesichtigung, die ohne Zweifel zu einer Änderung der Planung geführt hätte. Nach über zwei Jahren Bauzeit ist der gegenwärtige Zustand nicht anders zu erklären.

Im und am Häuschen wurde eifrig „gewerkelt“: Fundament, Versorgungsrohre, Mauerwerk, Fachwerk, Dach, Fenster, Türen – eine dem Denkmal würdige akribische Arbeit. Der Gehweg von der Lauterstraße wurde gepflastert, eine Terrasse mit Kleinpflaster bedacht und Pflanzrabatten mit festen Beetkanten eingefasst – alles nur im Umkreis des Häuschens von zehn Metern. Dem Bezirksamt hätte allerdings bekannt sein müssen, dass der Weg zwischen den Bushaltestellen M48 und M85 an der Hähnelstraße über Sintflutbrunnen, Spielplatz und Friedrich-Bergius-Schule zum Bahnhof Bundesplatz zu den stark frequentierten Fußgängerrouten gehört und seit langem sanierungsbedürftig ist. Seit Monaten ist Stillstand. Dem Bezirksamt ist wohl klargeworden, das es so nicht gehen wird und weitere Mittel für die gesamte Sanierung des Areals ausgegeben werden müssen. Während am Häuschen fein gestylt genossen werden kann, waten einige Meter nach Regentagen tagtäglich viele Menschen durch Löcher und Pfützen oder schieben die Kinderwagen durch den Schlamm.

 

 

3. Akt Für den 31.08.2017 lud die Abteilung Stadtentwicklung zu einer „Objektbesichtigung“ ein – offiziell genannt „Interessenbekundungsverfahren zur Nutzung des denkmalgeschützten Fachwerkpavillons als gastronomische Einrichtung“. Dazu gab es auch eine Anzeige: „Pavillon auf dem Perelsplatz soll vermietet werden. Das Straßen- und Grünflächenamt sucht mit einem Interessenbekundungsverfahren zum 1. Januar 2018 einen engagierten und zuverlässigen Mieter für den denkmaigeschützten Fachwerkpavillon auf dem Perelsplatz. Erwecken Sie ein denkmalgeschütztes Kleinod aus dem Dornröschenschlaf und verhelfen Sie dieser Ecke Friedenaus zu noch mehr Attraktivität. Die erforderlichen Unterlagen können Bewerber ab sofort bei der Serviceeinheit Facility Management unter Tel. (030) 90277-4237 oder -4236 abfordern. Die Nutzungskonzepte sind bis zum 30.09.2017 einzureichen. Die nicht öffentliche Öffnung und zunächst interne Auswertung der Konzepte erfolgt am 08.10.2017.“

Es kamen nicht nur jene, die dort als Pächter ein Geschäft witterten, sondern auch die Nachbarschaft, denen das Kleinod am Herzen liegt. Bei offiziell angekündigten jährlichen Betriebskosten von 2.300 €, erforderlichen privaten Investitionen von ca. 10.000 Euro und einer in der Höhe noch nicht definierten monatlichen Miete hielt sich das Interesse in Grenzen. Einige erinnerten sich daran, dass das Bezirksamt zuvor mit enormem Aufwand Altmanns zweite Bedürfnisanstalt mit Kiosk und Gärtchen aus dem Jahre 1920 am Südwestkorso rekonstruiert hatte, in dem dann eine „Kaiserdiele“ die Gastronomie übernahm. Drinnen 20, draußen 40 Plätze. Nach kurzer Pachtzeit musste der Wirt wohl erkennen, dass „die Winter wirtschaftlich schwierig sind“. Das Etablissement hat längst wieder dicht gemacht.

Eher skeptisch waren denn auch die Kommentare während der Besichtigung auf dem Perelsplatz. Die Auflagen und Beschränkungen für Häuschen und Anlagen seien „sehr gravierend“. Einige Beispiele zu den Pächterpflichten seien genannt:

„Fachgerechte Pflege und Unterhaltung der zur Pachtfläche gehörenden Außenflächen einschließlich definierter Teilflächen des öffentlichen Straßenlandes sowie der öffentlichen Grünanlage

Übernahme sämtlicher Genehmigungs-, Anschaffungs- sowie Rückbaukosten

Fachgerechte Instandhaltung/Instandsetzung des Gebäudes, der Außenflächen und technischen Anlagen

Bereitstellung des Gäste-WC's für die Allgemeinheit während der Öffnungszeiten, angemessene Benutzungsentgelte dürfen erhoben werden, die Reinigung der WC's obliegt dem Pächter

Übernahme aller laufenden und einmaligen Betriebskosten, z.B. Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Telefon, Einbruchmeldeanlage, Wartungskosten für Heizung, Schornsteinfeger etc. Übernahme sonstiger Betriebskosten die im Zusammenhang mit der Pachtfläche regelmäßig anfallen (Gebühren und Steuern), z.B. Straßenreinigung, Grundsteuer, Feuerversicherung,

Abschluss aller mit dem Betrieb des Objektes erforderlicher Versicherungen, z.B. Gebäude- und Haftpflichtversicherung einschl. Vandalismus- und Einbruchschäden

Und: Die Räume sind ganzjährig zu beheizen, auch bei Abwesenheit.“ –  Da ticken die GRÜNEN wohl nicht richtig!

 

Wir formulierten wir unsere Bedenken: „Wer auch immer den Versuch startet, Altmanns Bedürfnisanstalt mit Leben zu erfüllen – das Risiko des Scheiterns dürfte sehr hoch sein. Bei diesen gewaltigen Investitionen für Häuschen und Anlagen wird sich das Bezirksamt über einen noch so ausgeklügelten Pachtvertrag nicht aus der Verantwortung ziehen können. Ein aufwändig sanierter Leerstand ist das Letzte, was am bislang arg vernachlässigten Perelsplatz gebraucht wird.“

 

Auf der nachfolgenden PDF finden Sie den kompletten Text des Interessenbekundungsverfahrens, veröffentlicht vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, 2017..

 

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4. Akt Am 19.09.2017 teilte das Bezirksamt mit, „dass die Frist zur Abgabe eines Angebotes bzw. Konzeptes bis zum 31.12.2017 verlängert worden und ein neuer Besichtigungstermin für den 05.12.2017 angesetzt ist“.

Was war inzwischen geschehen? Bisher war nur die unmittelbar am Häuschen liegende Grünfläche „beackert“ worden. Nun wurde das Projekt „erweitert“ und der gesamte Grünstreifen bis hin zum „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ in der ehemaligen Schuldirektorenvilla des Friedenauer Gymnasiums „bearbeitet“. Plötzlich wurden vier Birken gesetzt, weil sich im Rathaus Schöneberg jemand daran erinnerte, dass die Anlage doch einst „Birkenwäldchen“ genannt wurde. Rasen wurde gesät, massive Zäune mit Eingangstoren parallel zur Turnhalle gesetzt, und wo einst ein luftiger Pavillon stand, gabs nun einen mit Brettern verschlagenen Geräteschuppen.

Wieder war ein Dutzend Bewerber gekommen. Ihnen wurde schnell klar, dass es mit der geplanten Eröffnung im Frühjahr 2018 nichts werden und die Fertigstellung dauern würde. Dazu kamen weitere Hiobsbotschaften. Obwohl das Bezirksamt von Anfang an eine Nutzung als „Café oder kleine Gastronomie mit kulturellen Nebenangeboten“ propagierte, der Einbau eines „Fettabscheiders“ für den Bauherrn also ziemlich nahelag, sollen dem zukünftigen Pächter neben den Verhandlungen mit den Berliner Wasserbetrieben auch noch die Einbaukosten in Höhe bis zu 3.800 € überlassen werden.

Wir hatten bereits befürchtet, dass es bei den vom Bezirksamt errechneten Kosten von jährlich 5.590 Euro zuzüglich der Ausgaben für die Möblierung der Terrasse, des Innenraums, Küche und Grünflächenpflege – sowie der Verpflichtung, das Kleinod ganzjährig zu heizen – einem Pächter wohl kaum möglich sein wird, bei einem (wetterabhängigen) maximal halbjährigen Betrieb halbwegs wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Im Innern war inzwischen einiges geschehen. Deutlich wurde aber, dass auf den 22 Quadratmetern Innenraum keine 15 Sitzplätze unterzubringen sind. Zu berücksichtigen ist nämlich, dass auf dieser Fläche noch Platz für eine Theke und obendrein für die Einstiegsluke in den Keller von 0,80m x 1,80m freigehalten werden muss. Und da war auch noch das Dachgeschoss, einzige Möglichkeit für ein Warenlager. Da die Deckenluke nur über eine angelegte Leiter im Innern zugänglich ist, müssten dort jeweils Tische, Stühle und Gäste „beiseite geräumt“ werden.

 

 

5. Akt Im August 2017 wurden die Ausgaben für das Projekt Perelsplatz mit über 500.000 € beziffert. Diese Summe dürfte im April 2018 um einiges überschritten sein. Genaue Zahlen sind vom Bezirksamt nicht zu erhalten, auch nicht über die „Opposition“ in der BVV, die sich darum bemüht haben soll.

In den Monaten Januar bis April 2018 ist auf der Baustelle nicht viel passiert. Der berühmte Abzug auf dem Dach bekam eine kupferne Haube, die nichts mehr mit der „Eleganz“ von 1909 zu tun hat, eine Rabatte bekam eine Stromverteilersäule für Außen, die nicht ungünstiger platziert werden konnte, die Laterne für die Wegbeleuchtung, im Herbst 2017 gesetzt, hat noch immer keine Lampe bekommen. Nach wie vor schirmen die Bauzäune das Areal von der Lauterstraße bis zur Kita „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ ab. Was auf diesem Grünstreifen abgeholzt wurde, lagert seit Monaten in den Anlagen des Perelsplatzes. Stillstand ringsherum.

Gutes Zeichen, schlechtes Zeichen? Könnte es sein, dass im Bezirksamt darüber nachgedacht wird, wenigstens den angrenzenden Anlagenteil nebst Spazierwegen auch zu sanieren?

Das Projekt „Fachwerkpavillon am Perelsplatz“ wurde ideologisch „überfrachtet“. Er sollte alles sein, Café, kultureller Treffpunkt, öffentliches WC, Parkanlage – eine Idylle, von Privat betreut, mit der sich das Bezirksamt im Grunde genommen aus der Verantwortung stehlen wollte. Das kann nicht funktionieren. Wer für diese Sanierung über eine halbe Million Euro ausgibt, bei denen es nicht bleiben wird, hätte auch über „Subventionen“ nachdenken müssen – ohne die ein zukunftsträchtiger Erhalt nicht möglich ist. Das Häuschen auf dem Perelsplatz ist ein „Schön-Wetter-Projekt“. Bei 36,5 Sonnen- und 46,2 Regenstunden von Mai bis Oktober sind das keine guten Aussichten für ein Terrassengeschäft.

Das Bezirksamt Zehlendorf war klüger. Man übergab den Kiosk an der alten Dorfaue dem Verein „Kultur in Steglitz-Zehlendorf“, der sich seit 1996 erfolgreich um die Belebung kümmert. Eine Möglichkeit, aber immerhin eine Idee. Das Scheitern am Perelsplatz ist vorprogrammiert – für den Pächter und das Bezirksamt.

 

Am 23.07.2018 erhielten wir von Frau Bezirksstadträtin Christiane Heiß folgende Antwort: Das Bezirksamt beabsichtigt weiterhin eine Vermietung des Objekts. Die für alle etwaigen Mieter gleichen Bedingungen sind schon frühzeitig ausführlich dargestellt worden, damit sich sämtliche Interessenten bereits vorab ein realistisches Bild machen können. Die Rahmenbedingungen resultieren u.a. aus Denkmalschutz für Gebäude und Fläche und auch aus der Verantwortung für den mit erheblichem Mitteleinsatz sanierten Fachwerkpavillon. Diese Rahmenbedingungen für die Vermietung stehen daher nicht zur Diskussion. Trotz der bekannten Pflichten haben sich einige Interessenten mit realistischen Nutzungskonzepten gefunden, die eine Bereicherung für diese Ecke Friedenaus sein könnten. Die Phase der Auswertung der im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens eingegangenen Bewerbungen ist so weit gediehen, dass mit einer Entscheidung im Herbst gerechnet wird. Ein genauer Zeitpunkt kann aktuell leider noch nicht benannt werden.

 

Am 8. Oktober 2018 wurde uns auf telefonische Nachfrage mitgeteilt, „dass eine Entscheidung zur Vergabe der Betreiberkonzession gefallen ist“. Warten wir also auf das, was uns das Bezirksamt in der Saison 2019 bieten wird.

 

Paul Aichele. Mutter mit Kind. Quelle VAN HAM

Sintflutbrunnen

 

Im Frühjahr 1908 berichtet Gemeindebaurat Hans Altmann über die Anlage des Platzes vor dem Friedhof. Herr Kommerzienrat Haberland habe der Gemeinde einen monumentalen Brunnen zum Geschenk gemacht, der auf diesen Platz aufgestellt werden solle. Die Ausführung des Brunnendenkmals ist dem hiesigen Bildhauer Herrn Aichele übertragen worden, der zu dem von Herrn Haberland bereitgestellten Preise von 10.000 M. der Gemeinde ein würdiges Kunstwerk hinstellen wird.

 

Gemeindevertreter Ruhemann fragt an, ob nicht die Ausführung auch anderen Künstlern übertragen werden könne oder ob es sich bestimmt um dieses Denkmal handeln muß. Gemeindebaurat Altmann erwidert, daß Herr Ruhemann sich in einem Irrtum befinde. Die Gemeinde bekommt ein Geschenk und hat nur darüber zu bestimmen, ob sie dieses Geschenk annimmt, alles andere ist Angelegenheit des Geschenkgebers. Gemeindevertreter Knaak will das Denkmal nicht gefallen, seiner Ansicht nach passt das Denkmal dort gar nicht hin, da der Kirchhof mit der Sündflut doch gar keinen Zusammenhang habe. Er frage nun, ob Herr Haberland gesagt hat, er wünscht dieses Denkmal zu schenken, oder aber, er gibt nur die Summe von 10.000 M. für ein Denkmal aus.

 

 

 

 

Gemeindebaurat Altmann hat derartige Ausführungen nicht erwartet. Das Modell war in der Kunstausstellung ausgestellt. Der Künstler fertigt es für den billigen Preis nur aus Liebe zu Friedenau, er begnügt sich mit dem geringen Verdienst, den er vielleicht noch an der Ausführung hat, nur um in Friedenau ein gutes Kunstwerk aufzustellen. Daß das Denkmal hier nicht hinpassen solle, kann er nicht finden. Im Gegenteil, die Sündflut ist doch aus dem Religionsunterricht jedem bekannt und ihre ernste Bedeutung verbindet sich doch würdig mit dem Gedanken an die Abgeschiedenen auf dem Friedhofe.

 

Nun war es „ein herrliches Kunstwerk, das auf der Berliner Kunstausstellung vielfach bewundert wurde und eine Zierde für unseren Ort sein wird“. Obendrein eine Schöpfung des allerdings im badischen Markdorf geborenen Friedenauer Künstlers Paul Aichele (1859-1924), der sich nach seinem Studium an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin in Friedenau mit Atelier und Wohnung Kaiserallee Nr. 97 und Hackerstraße Nr. 2/3 niedergelassen hatte. Schließlich erklärte sich die Gemeindevertretung mit der Annahme des Geschenks bereit.

 

Die Geschichte ist nicht ohne. Der Bauunternehmer Georg Haberland und seine „Terrain-Gesellschaft Berlin-Südwesten“ hatten große Teile des damals noch unbebauten Areals am Südwestkorso erworben und bei der Gemeinde sowohl eine Änderung des Bebauungsplans als auch den Bau vierstöckiger Mietshäuser durchgesetzt. Zum Dank gabs den „Sintflutbrunnen“.

 

Der wurde am 4. Juli 1909 auf dem Hamburger Platz enthüllt, 4,50 m hoch mit Figuren aus Kalkstein und einem Natursteinbecken mit 7,00 m Durchmesser. Aus der Beckenmitte ragt ein Felsen heraus, an dessen Spitze eine unbekleidete Frau die Arme schützend über das nackte Kind ausgebreitet. Darunter ein nackter Mann, der eine leblose Frau im Arm hält und sich bemüht, dem wasserspeienden Felsen zu entkommen.

 

Über dieses Kunstwerk kursieren diverse Geschichten. Fakt ist, dass Aicheles Schöpfung erstmals 1906 auf der Großen Berliner Kunstausstellung unter „: Aichele, Paul, Berlin, Fichtestraße 20, Nr. 1253 Mutter mit Kind, Marmor“ auftaucht. Zwei Jahre später präsentiert die Ausstellung im Saal 3 unter Nr. 65 „Aichele, Paul: Sintflut. Fragment. Das Kunstwerk ist verkäuflich. Paul Aichele, Charlottenburg, Eosanderstraße Nr. 14.“ Bei diesem Fragment kann es sich nur um jene Skulptur gehandelt haben, die am 14. Mai 2010 unter „Los 43, Paul Aichele: Mutter mit Kind. Alabaster. Bezeichnet rückseitig: Aichele. Höhe: 43 cm. Marmorsockel“ vom Kölner „Auktionshaus Van Ham“ für 2.250 Euro versteigert wurde.

 

Als Ende der zwanziger Jahre deutlich wurde, dass Straßenbahn und Autoverkehr einen Umbau des Südwestkorsos und einen Verzicht auf den Hamburger Platz erforderlich machen, wurde der Sintflutbrunnen 1931 ab- und am Maybachplatz (heute Perelsplatz) wieder aufgebaut. Mehr als acht Jahrzehnte hat sich niemand um das „Schmuckstück“ gekümmert. Felsen und Figuren aus Kalkstein haben Patina angelegt. Ganz schlimm ist es um das Becken aus Naturstein bestellt. Ringsherum tritt das Wasser aus Stein und Fugen. Eine Sanierung ist dringend geboten.

 

Perelsplatz Nr. 10, Restaurant Medusa. H&S 2008

Perelsplatz Nr. 10

Entwurf James Ruhemann

Bauherr & Ausführung Maurermeister Wilhelm Berg

1892

 

Der Architekt Erhard Böttcher und der Bildende Künstler Jürgen Hoffmann, Wohnungseigentümer auf den Grundstücken Handjerystraße Nr. 94 bzw. Perelsplatz Nr. 10 haben zum 100-jährigen Bestehen des Hauses im Jahr 1992 eine bemerkenswerte Hausgeschichte verfasst. Sie bildet die Grundlage für den nachfolgenden Bericht.

 

 

 

 

 

 

 

 

09.10.1890 Baueingabe für das Anwesen Maybachplatz Nr. 10 und Handjerystraße Nr. 94

Die Bauinspektion verfügt am 31.10.1890, dass „der Turmaufbau in der Höhe einzuschränken ist. Genehmigte Höhe 18.5 plus 1/5 = 18.5 plus 3.7 = 22.2 m“.

 

Anmerkung: Eigentümer des Grundstücks war der Maurermeister Wilhelm Berg (1848-1943). Er war 1890 mit Ehefrau Bertha nach Friedenau gezogen. Die Familie mit den Söhnen Erich, Wilhelm und Bruno wohnte zuerst in einer Mietwohnung im Haus des Bäckermeisters Hugo Keller in der Rheinstraße Nr. 3. Im Jahr 1891 war Berg Eigentümer des Anwesens Handjerystraße Nr. 74. Seine Frau Bertha geborene Arloff starb am 30. März 1902 im 48. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße beerdigt. Wilhelm Berg gab mit 64 „das Mauern auf“ und lebte fortan als „Privatier“ bis zu seinem Tod im Jahr 1943 im eigenen Haus Handjerystraße Nr. 74. Das ungewöhnliche Wandgrab aus roten Ziegelsteinen (Abt. 12/5-8, Grabstätte Drengwitz) ist erhalten – sogar die Urne mit der Inschrift „Familie Berg“.

 

09.04.1891 Baubeginn

 

Anmerkung: Nach Entwürfen des Architekten James Ruhemann sind zwischen 1892 und 1904 einige bemerkenswerte und längst unter Denkmalschutz stehende Mietswohnhäuser entstanden, darunter in Albe-, Gill-, Handjery-, Muthesius-, Rhein- und Roennebergstraße, die derzeit in den Blickpunkt der Immobilienhändler geraten.

 

21.07.1891 Rohbauabnahme

 

17.02.1892 Gebrauchsabnahme und Einzug der Mieter

 

Anmerkung: Unter der Adresse Maybachplatz Nr. 10 existierte von Anbeginn eine Gaststätte. Häufige Wechsel der Pächter waren an der Tagesordnung. Laut Adressbuch suchten zwischen 1893 und 1943 mindestens elf Pächter ihr Glück – geblieben ist allerdings immer der Name Restaurant „ZUM BIKENWÄLDCHEN“, benannt nach der ursprünglichen Bepflanzung des Maybachplatzes mit Birken. Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte in den Wirtschaftswunderjahren der Name „MICHABELLE“ auf, dessen Leistungen nach Jürgen Hoffmann jedoch überhaupt nicht französisch waren. Nach dem Kauf des Anwesens Handjerystraße Nr. 94 und Maybachplatz Nr. 10 durch die Projektinitiative REPLAUS im Jahr 1978 übernahm die Familie Karali noch während der von 1979 bis 1986 dauernden Sanierung 1982 als Pächter das Restaurant, führten in Friedenau die griechische Küche ein und gaben dem Restaurant den Namen  MEDUSA –  seit nunmehr 38 Jahren. Viele Jahre verweigerte die REPLAUS-Eigentümergemeinschaft der Familie Karali eine teilweise Überdachung der Gartenterrasse, die für kühle und feuchte Zeiten aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich war. Nach dem Rauchverbotserlass in Gaststätten wurde dies „gestattet. Die „Dachkonstruktion“ steht allerdings im Gegensatz zu den ästhetischen Ansprüchen der Eigentümergemeinschaft. Sie ist heute zwar mehr denn je auch angewiesen auf Pachteinnahmen, sollte allerdings mit dem Pächter dann auch nach einer dem Haus angemessenen Lösung suchen.

 

07.12.1906 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Neue Lokalinhaber: Das bekannte Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ hat seit dem 1. d. Mts. neue Besitzer bekommen und zwar durch Herrn Karl Spannheimer und Gemahlin aus Berlin. Beide wollen das Lokal so behaglich als möglich gestalten und an einer zuvorkommenden Bedienung soll es durchaus nicht fehlen. Die Speisen werden zu kleineren Preisen abgegeben, und trotzdem wird streng darauf geachtet, dass sie tadellos schmackhaft sind. Gutgepflegte Biere, vortreffliche Weine und Liköre werden in großer Auswahl ebenfalls stets vorhanden sein. Um nun Gelegenheit zu geben, die neue Regie allgemein bekannt zu machen, findet morgen Sonnabend ein Eröffnungsessenstatt, welches nach dem ganzen Arrangement reichen Zuspruch verdient. Der neue Wirt bietet alles auf, den werten Gästen einen „genuß"-reichen und vergnügten Abend zu bereiten, weshalb ein Besuch genannten Restaurants sehr empfohlen werden kann.

 

29.12.1907 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Geschäftliches: Das seit vielen Jahren sich der Gunst unserer hiesigen Einwohner erfreuende Lokal „Zum Birkenwäldchen“ ist in den Besitz eines Restaurateurs übergegangen, der durch seine recht lange Tätigkeit als Leiter eines der besuchtesten Berliner Restaurants in reichlichem Maße die Fachkenntnis mitbringt, welche bei der heutigen großen Konkurrenz nötig ist, um ein Lokal auf die Höhe zu bringen und auf derselben zu halten. Herr Wilhelm Bieler hat, wie aus dem Inserat in dieser Nummer unseres Blattes ersichtlich, das am herrlichen Birkenwäldchen gelegene Lokal erworben. Die neu veränderten gemütlichen Räume bieten einen angenehmen Aufenthalt für Familien und der neue Wirt lässt durch Verabfolgung reichlicher guter Speisen und tadellos gepflegter Biere es an nichts fehlen. Zum Ausschank gelangen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu und neben hellem Böhmischen Lagerbier selbstverständlich auch Weine erster Firmen zu Originalpreisen. Am Silvester aber gibt es neben sonstiger großer Auswahl an Speisen, Silber-Spiegel-Karpfen, blau und in Bier zubereitet, die allen Besuchern bei musikalischer Unterhaltung sicherlich munden dürften.

 

09.11.1913 Friedenauer Lokal-Anzeiger: Im Restaurant „Zum Birkenwäldchen“ ist eine Erweiterung des Lokals erfolgt. Es sind ein Billardzimmer und ein Vereinszimmer neu eingerichtet worden. Wir möchten ferner auf den täglichen Mittagstisch von 12-4 Uhr aufmerksam machen zum Preise von 1 M. werktäglich, Sonntags 1,25 M. das Gedeck. Zum Ausschank kommen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu, Kulmbacher Sandlerbräu und Böhmisch Brauhaus. Versand auch außer dem Hause in Syphons und Kannen. Wir bitten, die Anzeige in dieser Nummer mit der morgigen Speisenfolge zu beachten.

 

1918 Die Besitzverhältnisse für das Anwesen Handjerystraße Nr. 94/Maybachplatz Nr. 10 sind von Anbeginn verworren und nur teilweise eindeutig darstellbar. Nach dem Berliner Adressbuch war der Maurermeister Wilhelm Berg ursprünglicher Eigentümer. Es folgte Rentier Weißmann (1894). Badeanstaltsbesitzer J. Pfitzner (1897). Gastwirt F. Baumann (1998). Rentier R. Ordel (1904). Martha und Moritz Sturm (1908). J. Dembinski (Tilsit) 1923 und dazu Frau Hilde Herzberg (1925). Kaufmann A. Herzberg (1927). Frau Hilde Herzberg (1931). H. Stein Wilmersdorf (1933). H. Stein Administration G. Tarrach (1939). Frau H. Stein (Amerika, Verwalter O. Rehmann, Neukölln) 1943.

 

1943/1944 Während der Bombenangriffe auf Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau wurden 1.500 Sprengbomben, Luftminen sowie Brandbomben abgeworfen. Dabei wurden am Maybachplatz Häuser in der Evastraße, Sarrazinstraße Handjerystraße vollständig zerstört. Das Haus Maybachplatz Nr. 10 und Handjerystraße Nr. 94 verlor „durch eine Brandbombe das Dach und zwei Wohnungen. Bergs Werk faulte mindestens fünf Jahre ohne Dach vor sich hin, erhielt später ein Notdach, wurde jährlich von den berüchtigten Perelsplatz-Überschwemmungen heimgesucht, die dem Gebäude zum sogenannten gemeinen Hausschwamm verhalfen. Abflussrohre der Balkone fehlen, daher durchnässt Wasser die Fassade

 

1960 Pächterin des Restaurants Frau Ursula Katzschmann

 

1963 Gerichtlicher Zwangsverwalter Max Naumann, Motzstraße 24

 

1978 In Westberlin waren die späten siebziger Jahre eine Hochzeit der Gemeinschaftsprojekte und Hausbesetzungen. Im Wohnsektor der Stadt rumorte es: Es formierten sich basisdemokratische Selbsthilfegruppen, die mit dem Senat Modelle der Legalisierung von Hausbesetzungen und Finanzierungsmöglichkeiten aushandelten, darunter die Gruppe REPLAUS = REnovierung PLanung AUSbau – mit dem Ziel, als Wohngemeinschaft zusammenzuleben. Das Haus Handjerystraße Nr. 94/Maybachplatz Nr. 10 war mehr als desolat. Fachleute gaben rundweg vernichtende Prognosen zur Überlebensfähigkeit des Bauwerks ab.

 

Die Besitzer des Hauses hatten vor dem Nazi-Regime nach Amerika fliehen müssen. Zum Abschluss des Kaufvertrages reiste das Ehepaar Stein, beides alte Menschen, aus den USA an - erstmals seit 1938. Verständlicherweise hatten sie kein Interesse daran, das Haus dem Standard entsprechend zu gestalten. Ihr Augenmerk war darauf gerichtet, aus dem Hause Geld zu ziehen. Als diese Absicht wegen Baufälligkeit nicht weiter zu realisieren war, fanden sie sich zum Verkauf bereit. Es ist klar, dass, obwohl der Zustand des Objekts desolat war, irgendeine Neigung zu Zugeständnissen bei den Verkäufern nicht auftauchte. REPLAUS, eine Altersgruppe der zweiten Generation, kriegte also die Nachwirkungen von Nationalsozialismus und Krieg direkt zu spüren.

 

30.09.1982 Bauantrag der REPLAUS

 

20.10.1982 Baugenehmigung unter der Nr. 1567/82, Richtfest, Bauabnahme durch BSM

 

15.08.1992 Nachbarschaftsfest, Sommerfest, Straßenfest Jubiläum: 100 Jahre Maybachplatz (Perelsplatz), 10 Jahre griechisches Restaurant MEDUSA: Als wir uns seinerzeit Gedanken über die Ausgestaltung der Gasträume machten, erinnerten wir uns daran, dass künstlerisch gestaltete Ofenkacheln und Keramikfliesen einst auch der Dekoration dienten. Wir kamen auf die Idee, die Wände mit Fliesen und Kacheln aus der Sammlung von Tassos Tsiapkinis zu schmücken. An den Wänden sind vorrangig Einzelstücke aus der frühindustriellen Herstellung zu besichtigen. Die Sammlung zeigt in beiden Räumen eine stattliche Anzahl von Fliesen im Stile des Historismus, des Jugendstils und des Art Déco.

 

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Am 21. März 2017 ließ die Stolperstein-Initiative Stierstraße vor dem Haus Perelsplatz Nr. 10 einen Stolperstein für Marie Rabinowicz verlegen. Versammelt wurden dazu Schüler der Klasse 7a der Friedrich-Bergius-Schule sowie Abgesandte der Bürgerinitiativen Breslauer Platz und Bundesplatz.

 

Verkündet wurde, dass Marie Rabinowicz am 15.06.1875 in Posen geboren wurde. Sie war Portraitmalerin, unverheiratet und lebte seit Oktober 1917 am Maybachplatz 10. In den Volkszählungsunterlagen vom Mai 1939 ist sie als Hauptmieterin eingetragen, in den Unterlagen des BLHA in Potsdam als Untermieterin bei Griep, vorne, 4. Geschoß. Die jüdischen Hauseigentümer Herbert und Hildegard Stein hatten sich in den 30 er Jahren in die USA retten können. Danach wurde das Haus „arisiert“. Es ist anzunehmen, dass Marie Rabinowicz als Jüdin nach 1939 ihren Mieterschutz verlor und nur noch als Untermieterin verbleiben konnte. Marie Rabinowicz wurde am 8.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 19.09.1942 in Treblinka wahrscheinlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet.

 

Schlimm ist das Schicksal von Marie Rabinowicz, nicht weniger schlimm ist aber auch, mit welcher Nonchalance die Stolperstei-Aktion betrieben wurde. Ansätze für eine gewissenhafte Recherche über die ermordete Frau hätte es gegeben:

 

Herbert und Hildegard Stein aus Wilmersdorf hatten das Anwesen Handjerystraße Nr. 94 und Maybachplatz Nr. 10 im Jahr 1933 erworben und Herrn A. Tarrach als Administrator eingesetzt. Als ein Entkommen noch möglich war, flohen sie in die USA. Wann und wie?

 

Behauptet wird, dass das Haus „arisiert“ wurde. Belegt wird es nicht. Laut Adressbuch ist 1939 der Expedient Wilhelm Griep in das 4. Geschoss als Hauptmieter eingezogen. Wer war Wilhelm Griep?

 

1943 ist Frau Hildegard Stein als Eigentümerin und Herr O. Rehmann aus Neukölln als Verwalter eingetragen. Steins wurden von den Nazis nicht enteignet, sondern blieben im Besitz des Hauses. Herbert und Hildegard Stein hatten wohl zwischenzeitlich die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Warum wurden sie nicht enteignet? Wann wurden die Steins „Amerikaner“?

 

1978 will die Gruppe REPLAUS das Anwesen erwerben: „Zum Abschluss des Kaufvertrages reiste das Ehepaar Stein, beides alte Menschen, aus den USA an - erstmals seit 1938. Verständlicherweise hatten sie kein Interesse daran, das Haus dem Standard entsprechend zu gestalten. Ihr Augenmerk war darauf gerichtet, aus dem Hause Geld zu ziehen. Als diese Absicht wegen Baufälligkeit nicht weiter zu realisieren war, fanden sie sich zum Verkauf bereit. Es ist klar, dass, obwohl der Zustand des Objekts desolat war, irgendeine Neigung zu Zugeständnissen bei den Verkäufern nicht auftauchte. REPLAUS, eine Altersgruppe der zweiten Generation, kriegte also die Nachwirkungen von Nationalsozialismus und Krieg direkt zu spüren.

 

Nutzen wir die von der Stolperstein-Initiative so beliebten Formulierungen: Es ist anzunehmen und wahrscheinlich, dass die Aktionisten kein Gespräch mit den neuen Eigentümern von Perelsplatz Nr. 10 gesucht haben. So bleibt die Frage: Wer war Marie Rabinowicz?

 

Perelsplatz Nr. 12. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 12

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr G. Hasselbach

1886

 

Eingeschossiges Landhaus mit Quergiebel in rötlich-gelbem und rotem Sichtziegelmauerwerk auf einem Vierfelder-Grundriß erbaut. Im Westen ist eine fünfte Achse angefügt worden, die die Einfahrt zu den Werkstattgebäuden auf dem Hof bildet. An der Ostseite befindet sich im Bauwich der Hauseingang. Der Front ist zwischen Ecke und Mittelrisalit eine geschlossene Holzveranda auf Massivsockel vorgelagert.

 

Perelsplatz Nr. 13. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 13

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt H. Franzke

Bauherr Emil Felkenheuer

1888

 

Zweigeschossiges Landhaus mit Vorgarten. Während das hohe Souterrain mit Putz belegt wurde, entschied sich Architekt Franzke bei Hochparterre und Obergeschoss für gelbes Sichtziegelmauerwerk.

 

 

Perelsplatz Nr. 14-15. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 14-15

Gartendenkmal

Vorgarten, Gartenhof & Innenhof

Ausführung Carl Sack

Bauherr A. R. Neumann

1894

 

Die 1890-94 angelegten Vorgärten der beiden Mietshäuser Perelsplatz 14-15 und 16 zeichnen sich durch aufwendige Verkleidungen der Balkonbrüstungen mit Tuffstein aus. Die historisierende Gestaltung - Grottenmotive in Verbindung mit Brunnen und Wasserbecken in Berliner Höfen und Gärten zwischen 1895 und 1910 ein vielerorts noch ablesbares Gestaltungsmittel zeigt sich als Tuffsteinwand mit halbrunder Öffnung hier erstmalig in Vorgärten.

 

 

 

 

In den 1894 angelegten, 1916 und 1963 wiederhergestellten Vorgärten des entdekorierten Mietshauses Perelsplatz Nr. 14-15 ist östlich des Eingangs noch ein halbrundes, heute bepflanztes Wasserbecken vor der Tuffsteinwand erhalten. Diese unregelmäßige Wand ist um Mauer-Zimbelkraut bewachsen und wird von zwei Pflanzschalen aus Tuffstein bekrönt. Von den Erdgeschosswohnungen führen Treppen und schmale Wege in geschwungener Form zu den Toren der Seitengitter an den Hauseingängen. Diese seitlichen Einfriedungen sind wie die frontalen an der Straßenseite als schmiedeeiserne Gitter über einem Klinkersockel mit einer Natursteinabdeckung ausgebildet und mit wildem Wein berankt. Die Rasenflächen der Vorgärten werden durch einige Farne, Funkien sowie Immergrüne und Nadelgehölze aufgelockert. Der von zwei neu aufgemauerten Pfeilern und den Seitengittern gerahmte breite Zugangsweg ist noch mit Mettlacher Fliesen befestigt, die sich in der separaten Durchfahrt zum Hof fortsetzen. Der Hof zeugt von der ehemaligen Teilung in einen Wirtschaftshof und einen ursprünglich vollständig eingefriedeten Gartenteil, wovon in Friedenau nur noch wenige Beispiele existieren. Der dem Seitenflügel zugeordnete Wirtschaftshof, heute neu befestigt, dient als Zufahrt zur Remise und Garage an der Grundstücksgrenze. Den Garten von rechteckigem Grundriss umgibt nur noch der Klinkersockel der ehemaligen schmiedeeisernen Gittereinfriedung. Die von zahlreichen Obst- und Walnußbäumen beschattete Anlage wird durch eine geometrische Beetaufteilung geprägt. Ein ovales, von Funkien gesäumtes Mittelbeet wird von einem unbefestigten Weg eingefasst. An der südlichen Gartengrenze befindet sich ein erhöhter Sitzplatz vor einer Tuffsteinwand, der auf die Mitte des Ovals mit einem alten Obstbaum ausgerichtet ist.

 

Quelle Topographie Schöneberg/Friedenau, 2000

Perelsplatz Nr. 16. H&S 2018

Perelsplatz Nr. 16

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister Carl Sack

Bauherr W. Baillen

1893-1894

 

Die Fassade des viergeschossigen Mietswohnhauses wird beiderseits der Mittelachse durch zwei Standerker gegliedert, denen in den Außenachsen tiefe und breite Loggien zugeordnet sind. In der Mitte der Fassade kragen lange Balkons zwischen den Erkern aus. Die schmiedeeisernen Balkongitter zeigen historistisches Rankenwerk. Das Souterrain und das Erdgeschoss sind mit Rustika in Putz ausgeführt, die Obergeschosse darüber verklinkert und die Erker verputzt. Die Fenster sind mit Gewänden und Verdachungen aus Stuck versehen. In der Mittelachse des Erdgeschosses liegen Hauseingang und Durchfahrt nebeneinander, ein breiter Weg führt zum Haus durch den mit einem Gitter eingefriedeten Vorgarten.

 

Perelsplatz Nr. 17, um 1920. Archiv Barasch

Perelsplatz Nr. 17

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister H. Pählchen

Bauherr Fleischwarenhändler August Striesche

1890

 

Wenn es sich bei dem Bauherrn des dreigeschossigen Mietshaues Perelsplatz Nr. 17 (damals Maybachplatz) tatsächlich um den Fleischwarenhändler August Striesche handelt, dann kann es sich eigentlich nur um jenen Fleischer handeln, der sich zur rechten Zeit in Friedenau niederließ und 1878 in der Illstraße Nr. 8 eine Fleischwarenhandlung eröffnete. Striesche hatte ein Gespür für die Entwicklung der Kolonie, verlegte 1885 den Laden in die Ringstraße Nr. 52 und war 1895 Eigentümer der Häuser Lauterstraße Nr. 1 und Lauterstraße Nr. 24. Dort betrieb er im Parterre bis 1896 die Fleischerei. Auf dem Anwesen mit einer Fläche von 15 x 13 Metern konnte er als Rentier gut leben. Es gab Vorgarten, Souterrain, Hochparterre und darüber zwei Etagen mit jeweils zwei 3-Zimmer-Wohnungen, selbstverständlich mit vorgelagerten Balkonen und Blick auf das Birkenwäldchen. Das Haus gehört zur Übergangsphase der Friedenauer Bebauung zwischen den Bauordnungen von 1887 und 1892. Maurermeister H. Pählchen, der den Entwurf lieferte, berücksichtigte beim Hausbau die Erfahrungen vergangener Jahre: Souterrain und Hochparterre mit Putz, die wetteranfälligeren Obergeschosse wurden verklinkert.