Perelsplatz 09.10.2019. Foto Hahn & Stich

Kahlschlag am Perelsplatz – Was steckt dahinter?

Offener Brief an Bezirksstadträtin Christiane Heiß

Friedenau, 10. Oktober 2919

 

Sehr geehrte Frau Heiß,

 

Fassungslos haben die Friedenauer in den vergangenen Tagen die massiven Baumfällungen auf dem Perelsplatz registriert. Zahlreiche Menschen haben uns vor Ort angesprochen und ihrer Empörung Ausdruck gegeben.

 

Über die Motive dieses Kahlschlags wird spekuliert. Da helfen auch die paar Hinweisschildchen an den Bauzäunen nicht, aus denen wenig Verständliches hervorgeht. Wenn es dort heißt: Wir hoffen, dass Ihnen die vorgesehenen Neugestaltungen Freude bereiten, dann fühlen sich die Menschen schlicht auf den Arm genommen.

 

 

 

 

 

Im Vorfeld dieser Fällaktion gab es weder Informationen aus Ihrem Fachbereich noch aus dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Dabei werden von dort täglich Presseinformationen herausgeschickt, zuletzt 1a Kiezspaziergang mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler oder Aufgrund von internen Fortbildungsmaßnahmen bleibt das Bürgeramt Schöneberg am Mittwoch, den 30. Oktober 2019 sowie am Freitag, den 29. November 2019 ganztägig geschlossen. Dokumente können an diesem Tag nicht abgeholt werden.

 

Diese Informationspolitik zum Perelsplatz ist nicht tragbar und ignoriert die mündigen Bürger. Weder wurden sie rechtzeitig unterrichtet, noch an der Entscheidung, die zu diesem Kahlschlag führte, beteiligt. Eine Politik des Faktenschaffens, ausgerechnet unter bündnisgrüner Führung, ist nicht mehr zeitgemäß und wird von den Menschen auch nicht mehr akzeptiert. Es bleibt für uns unverständlich, warum Sie durch diese Handlungsweise das Vertrauen der Menschen in die kommunale Politik und zu den politischen Entscheidungsträgern weiter schwächen. Die Gestaltung des Perelsplatz kann nicht Sache eines offenbar von Ihnen engagierten Büros Landschaftsarchitektur Werner sein, sie ist Sache der Menschen, die in Friedenau leben und den Park täglich nutzen. Doch sie wurden nicht gefragt!

 

Ist Ihnen die Gefühlslage der unmittelbaren Anwohner Lauter-, Handjerystraße/Perelsplatz überhaupt klar? Lauter- und Handjerystraße wurden im Bereich des Parks vor Wochen ohne Vorwarnung abgesperrt und aufgerissen, weil unmittelbar daneben ein Mega-Bauprojekt auf dem Bahndamm trotz Bürgerwiederstand durchgezogen wird. Der von Kindern und Jugendlichen reichlich genutzte Sportplatz an der Lauterstraße soll verschwinden und die Anwohner wurden unlängst damit konfrontiert, dass an seiner Stelle eine riesige Wettkampfhalle gebaut werden soll. Und jetzt der Kahlschlag im Park vor der Haustür. Wie erklären Sie den Bürgern diesen „Irrsinn“?

 

Wir fordern Sie deshalb in diesem offenen Brief im Namen zahlreicher Friedenauer auf, die Motive für diese gravierenden Fällungen offenzulegen. Auch wenn es bereits zu spät ist, darf ein solcher massiver Eingriff in das Lebensumfeld der Bewohner nicht ohne öffentliche Erklärung der zuständigen Bezirksstadträtin durchgeführt werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

Peter Hahn & Jürgen Stich

www.friedenau-aktuell.de

 

Hat die Intransparenz Methode?

 

Nur sechs Stunden hat Bezirksstadträtin Christiane Heiß für eine Antwort auf unseren Offenen Brief zur Fällaktion auf dem Perelsplatz gebraucht, um letztendlich triumphierend mitzuteilen, dass der Tagesspiegel schneller war und bereits am 1.10.2019 diese Meldung in Absprache mit uns veröffentlicht hat. Damit tut sie so, als ob eine Meldung im Tagesspiegel eine rechtzeitige Information der Bevölkerung ersetzen würde. Aber genau darum geht es: Die Fällaktion ist ohne Absprache mit den Bürgern durchgezogen worden, eine Beteiligung der Anwohner zur Gestaltung des Parks hat nie stattgefunden. Der Verweis auf eine Tagesspiegel-Meldung kann nicht im Ernst die Antwort auf diese nun wiederholt geübte Intransparenz des Bezirksamts sein.

 

Immerhin erfahren wir jetzt, dass derzeit ein dritter Bauabschnitt der gartendenkmalpflegerischen Wiederherstellung der Grünanlage realisiert wird. Laut Heiß stammt die Gestaltung des Platzes aus dem frühen 20. Jahrhundert, wesentlicher Bestandteil des Platzes war unter anderem ein lichtes Birkenwäldchen, das jetzt überarbeitet werde. Nach den Vorgaben des Denkmalschutzes sind Rückschnitte und Fällungen an Eiben notwendig, die sich zumeist selbst ausgesät haben. Sechs stark geschädigte Bäume, fünf Birken und ein Zierapfel, die alle in schlechtem Zustand seien, sowie 28 Eiben werden gefällt. 25 weitere Eiben werden stark zurückgeschnitten. Die Birken sollen ersetzt werden. Auch andere Strauchgruppen werden beschnitten. Ziel sei eine mehrstufige Vegetationsschicht mit entsprechend höherer ästhetischer und ökologischer Wertigkeit und die Wiederherstellung des denkmalpflegerischen Zustands. Klingt erst einmal vernünftig. Den Unmut der Bürger hätte sich die GRÜNE ersparen können, wenn sie vorher informiert hätte. So aber bleibt der Eindruck von einer überforderten Bezirksstadträtin. 07.12.2019

 

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Ziel ist es, den Perelsplatz eines Tages in Gänze gartendenkmalpflegerisch wiederhergestellt zu haben. Bezirksstadträtin Christiane Heiß, 09.07.2019

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