Kaum war Berlin 1871 Hauptstadt des Deutschen Reichs, breitete sich die Bebauung auf dem Terrain der Gemeinde Schöneberg aus. Erst Anfang April 1895 kam die Gemeindeverwaltung auf die Idee, einen besonderen Hochbaumeister einzustellen. Die Baukommission sprach sich einstimmig gegen die Anstellung aus, weil gegenwärtig, wie auch in der nächsten Zukunft, die Bauthätigkeit in Schöneberg sowohl an Gemeinde- wie Privatbauten eine ungewöhnlich geringe sei. Es sei jetzt sehr wenig zu thun und sonach ein neuer Hochbaumeister gar nicht werde beschäftigt werden könne. Intern war wohl schon beschlossen, den mit dem Schinkelpreis dekorierten Architekten Paul Egeling (1856-1937) im Mai 1895 zum Bauinspektor von Schöneberg zu wählen, so dass Neubauten in seine Zuständigkeit fallen würden.

 

1898 wurde aus der Gemeinde die Stadt Schöneberg. Der Berliner Stadtrat Rudolph Wilde (1857-1910) hatte sich um die Bürgermeisterstelle beworben. Nachdem ihm bekannt wurde, dass er im Falle der Einverleibung Schönebergs nach Berlin sich verpflichten sollte, in der Berliner Gemeindeverwaltung jede seiner Befähigung entsprechende Stelle zu übernehmen, zog er seine Bewerbung zurück. In die engere Wahl kamen nun Magistratsassessor Hermann Blankenstein und Nordhausens Bürgermeister Kurt Schustehrus. Da die Bedingung auch für sie unannehmbar war, zogen sie sich zurück. Nachher haben sich Schöneberger Abgeordnete nach dem Berliner Rathaus begeben und Herrn Stadtrat Wilde annehmbare Bedingungen gestellt. Am 1. April 1898 wurde Rudolph Wilde zum Ersten Bürgermeister von Schöneberg gewählt. Am 10. April 1899 präsentierte er den Stadtverordneten Friedrich Gerlach (1856-1938) als Stadtbaurat, der sich mit den beiden umfangreichsten Arbeiten der nächsten Zukunft beschäftigen wird: Die Revision des Schöneberger Bebauungsplanes und die Ausführung der Entwässerung.

 

Gerlach hatte von 1875 bis 1879 an der Berliner Bauakademie studiert 1886 erhielt er den Schinkelpreis für den Entwurf einer Kanal- und Hafenanlage im Norden von Berlin. Danach war er als Regierungsbaumeister in Ostpreußen, im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin und als Stadtbauinspektor in Köln tätig. Für Schöneberg schuf er den Bebauungsplan für das Bayerische Viertel und setzte den Bau der kommunalen Untergrundbahn vom Nollendorfplatz über Viktoria-Luise-Platz, Bayerischer Platz und Rathaus Schöneberg zum Innsbrucker Platz durch, die nach Süden fortgesetzt werden soll, und zwar zunächst als Tunnelbahn unter der Potsdamer und Wannseebahn hindurch, um sodann – als offene Einschnittbahn in einer 50 m breiten Straße das noch unbebaute Südgelände durchquerend und erschließend – entweder zwischen Potsdamer und Anhalter Bahn nach Steglitz-Lichterfelde-Teltow-Stahnsdorf oder zwischen Anhalter und Dresdener Bahn nach Südende-Lankwitz-Marienfelde fortgesetzt zu werden soll.

 

Bereits vier Wochen nach seinem Amtsantritt kam es im Juni 1899 über die Anlegung einer Promenadenstraße längs der Steglitzer Grenze zu einer Machtprobe. Der Bauausschuss war der Ansicht, dass dieses Projekt der Gemeinde Steglitz größeren Vorteil bringe als Schöneberg, und daher nicht weitere Opfer gebracht werden dürften. Gerlach setzte sich durch: Die Straße habe vielmehr Zweck für beide Seiten und werde eine Verkehrsstraße werden.

 

1909 veröffentlichte Friedrich Gerlach seinen Übersichtsplan der Stadt Schöneberg nach dem Zustande vom 1. Mai 1909 unter Berücksichtigung der an diesem Tage geltenden förmlich festgestellten und im Feststellungsverfahren begriffenen Bebauungspläne. Darin eingezeichnet waren das bereits vorhandene Wohngebiet im Friedenauer Teil von Schöneberg rund um den Wannseebahnhof, das von der Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft entwickelte Malerviertel sowie jene nach Entwürfen von Bauinspektor Paul Egeling entstandenen und von Gerlach genehmigten Bauten entlang der Rubensstraße: 8. Gemeindeschule (1901), Auguste-Viktoria-Krankenhaus (1906), Helmholtz-Realgymnasium (1909) und Kinder-Pflege- und Erziehungsanstalt Zionshülfe. Detailliert und namentlich aufgeführt waren auch die zahlreichen Grundstücke, die sich damals im Besitz der Rittergutsbesitzer Max Willmann, Gustav Mette, Friedrich Wilhelm Hewald usw. befanden. Gerlach machte deutlich, dass der im Jahre 1891 für das Südgelände festgestellte Bebauungsplan einer durchgreifenden Neubearbeitung unterzogen wird. Das wars dann auch. 1911 wurde Friedrich Gerlach Professor für Städtebau an der Technischen Hochschule Danzig.

 

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat uns Gerlachs Plan von 1909 für die Veröffentlichung auf dieser Website zur Verfügung gestellt. Dafür bedanken wir uns. Auf der nachfolgenden PDF ist der Plan in hoher Auflösung veröffentlicht, so dass interessierte Leser detaillierten Einblick nehmen können.

 

1838 Bahnbrücken

 

Gerlachs Plan macht deutlich, wie schwierig es werden würde, dem weit vom Schöneberger Zentrum gelegenen Südgelände – immerhin ein Drittel des gesamten Stadtgebiets – ein Gesicht zu geben. Mit Stammbahn (1838), Anhalter Bahn (1840), Ringbahn (1877) und Wannseebahn (1874) war die Rubensstraße als direkter Zugang durch Bahntrassen und Brückenbauwerke halbiert.

 

Die ersten zwei Bahnbrücken waren 1838 mit der Inbetriebnahme der zweigleisigen Stammbahn entstanden – zuerst als hölzerne, später eiserne Brücken. Die Widerlager sind auf beiden Seiten bis heute erhalten, nicht umsonst, da die Deutsche Bahn damit zu erkennen gab, dass die Strecke zwar stillgelegt, aber die Bahntrasse weiterhin besteht. 1891 kamen mit der Wannseebahn an der Rubensstraße zwei weitere Brücken für Gleise hinzu. Nach dem Weltkrieg wurde die Stammbahn stillgelegt. Geblieben sind die Brücken der Wannseebahn sowie eine eingleisige Brücke der Stammbahn, über die noch Güterverkehr abgewickelt wird.

 

Auf Structurae ist eine ausführliche Beschreibung publiziert: Die bestehenden stählernen Überbauten waren stark beschädigt. Ein Ersatzneubau der S-Bahn-Brücke über die Rubensstraße war unumgänglich. Die Möglichkeit einer großzügigen Voutenausbildung infolge beidseitiger breiter Geh- und Radwege an der Rubensstraße gestattete die Konstruktion eines schiefwinkligen Stahlbetonrahmen-Bauwerkes als wirtschaftlichste Lösung. Außerdem war die zusätzlich erforderliche Gleisanhebung für die neue Konstruktionshöhe in der bestehenden Gleisgradiente möglich. Das Bauwerk wurde parallel zum Bestandsbauwerk in überhöhter Lage und unter Aufrechterhaltung des nur in der Breite eingeschränkten Straßen- und Fußgängerverkehrs hergestellt. Dabei waren die neuen Brücken zunächst parallel zu den S-Bahngleisen montiert und dann während einer neuntätigen Sperrung in ihre endgültige Position eingeschoben worden. Baubeginn März 2012. Fertigstellung Februar 2013. Bauherr DB Netz AG. Entwurf SSF Ingenieure AG. Abmessungen: Gesamtlänge 20.50 m, Stützweite 19.00 m, Überbaubreite 10.19 m, Horizontaler Krümmungsradius 4000 m, Brückenfläche 209 m², Höhe 4.50 m. Als letzte Maßnahme fand im April 2013 die Demontage einer alten Stammbahnbrücke für den Güterverkehr statt.

 

Die Stammbahn wird wieder kommen. Mit dem Tiergartentunnel der Nord-Süd-Bahn wurden Vorleistungen getroffen, um Züge der Stammbahn hinter der Großgörschenstraße auf die Trasse der Anhalter Bahn und in den Tunnel zum Hauptbahnhof leiten zu können. Dafür müsste der Abschnitt zwischen Zehlendorf und Großgörschenstraße für den zweigleisigen Zugverkehr ausgebaut werden. Erforderlich wären eine Verbreiterung der Trasse, um den heute gebotenen Gleisabstand zu realisieren, Erneuerung und Anhebung der Straßenbrücken, da die Durchfahrtshöhen für den elektrischen Betrieb nicht mehr ausreichen, Veränderung der Straßenzufahrten sowie Neubau diverser Brücken aufgrund Überalterung. Obwohl diese Pläne bekannt sind, haben SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg 2019 beschlossen, die parallel zur Stammbahntrasse verlaufende A 103 vom Steglitzer Kreisel zum Sachsendamm auf eine vierspurige Stadtstraße zurückzubauen. Stadtentwicklung sieht anders aus.

 

1889 Malerviertel

 

1889 hatte die Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft hinter dem Wannseebahnhof Friedenau ein Terrain von über 26 ha eingebracht, begrenzt durch die Bahntrasse im Westen, die Gemarkung Steglitz im Süden und die Straße Nr. 12. Aus dieser wurde 1892 die Rubensstraße. Sie markiert die östliche Begrenzung des sogenannten Malerviertel mit Beckerstraße (vorher Straße Nr. 7), Begasstraße (6), Canovastraße (9), Cranachstraße (9), Dürerplatz (5), Knausstraße (46), Menzelstraße (3), Rembrandtstraße (5) und Peter Vischer Straße (8). 1901 kamen Thorwaldsenstraße (72) und 1914 Semperstraße hinzu. Die Bauherren holten sich Architekten, die zuvor ihr Können in Friedenau unter Beweis gestellt hatten. So kam es, dass sich die Bebauung mit Mietshäusern östlich und westlich vom Wannseebahnhof Friedenau kaum unterscheidet. Das Areal wurde mitunter Neu-Friedenau genannt, obwohl es zur Gemarkung Schöneberg gehört. Der östliche Abschluss des Malerviertels wird durch die Häuser Rubensstraße Nr. 52 Ecke Rembrandtstraße bis Rubensstraße Nr. 132 Ecke Thorwaldsenstraße markiert.

 

Gemeindeschule mit Turnhalle am Platz F, 1904

1901 Gemeindeschule

 

Mit der wachsenden Zahl von Bewohnern im Malerviertel war die Stadt Schöneberg gezwungen, für Schulbauten zu sorgen. Zu diesem Zeitpunkt waren für die Kinder des Friedenauer Ortsteils vier Räume in dem der Schöneberg-Friedenauer Terrain-Gesellschaft gehörenden Gebäude Cranachstraße Nr. 49 gemietet, in denen die drei untersten Stufen untergebracht waren. Unterm 29. März 1898 fasste die Stadtverordneten-Versammlung den Beschluss, bis spätestens zum 1. April 1899 eine Vorlage zwecks Erbauung einer Schule auf dem der Gemeinde gehörenden an der Rubensstraße belegenen Grundstücke zu machen.

 

Der Architekt Paul Egeling (1856-1937), seit 1895 Stadtbauinspektor von Schöneberg, lieferte die Entwürfe. Die Grundstücksgröße beträgt rd. 5400 qm. Von dem freistehenden, mit seiner Hauptfront am Platz F (von 1930-1939 Nathanaelplatz, danach Grazer Platz) gelegenen Schulgebäude ist dem einstweiligen Bedürfnis des nur teilweise ausgebauten Stadtteiles entsprechend zunächst der mittlere Teil errichtet, welchem der westliche und östliche Flügel je nach Bedarf angefügt werden können.

 

 

An die Straße 10 auf der östlichen Seite des Grundstücks ist die Turnhalle gelegt. , welcher sich nach der Hofseite eine Vorhalle und das Abortgebäude für Knaben angliedert. Das letztere ist einstweilen durch Einziehung einer Rabitzwand in zwei Abteilungen zur Benutzung für Knaben und Mädchen zerlegt. Als Gegenstück zur Stellung der Turnhalle und des Aborts für Knaben soll späterhin an der westlich belegenen Rubensstraße ein kleineres Feuerwachgebäude und das Abortgebäude für Mädchen erbaut werden. Durch diese Anordnung wird ein ungeteilter, großer, für Jugendspiele verwendbarer Schulhof geschaffen.

 

Der zunächst erbaute Mittelteil des Schulgebäudes hat eine bebaute Grundfläche von 538,83 qm und besteht aus dem Kellergeschoß, vier oberen Geschossen und dem Dachgeschoß. Die Geschoßhöhen betragen, von Oberkante zu Oberkante Fußboden gemessen, im Keller 3,40, in den oberen Geschossen 4,30 m. Die Mehrzahl der Klassenräume (12) sowie der Zeichensaal sind an der Hoffront nach Norden, 3 Klassen im Mittelbau zwischen den Haupttreppen nach Süden belegen.

 

Die Schulklassen haben einen Flächenraum von rd. 50-56 qm. Die Aula bzw. der Zeichensaal ist 17,02 m lang und 10,46 m tief bei einer lichten Höhe von 6,00 m. Die mit Kreuzgewölben überdeckten Korridore sind 3,20 m breit, sie werden durch große Fenster erhellt und dienen den Schülern gleichzeitig zur Unterbringung ihrer Überkleider. Die 15 Schulklassen gewähren 750 Schülern Platz. Die Verteilung der Räume ist die folgende. Es befinden sich im Kellergeschoß 2 Heizräume, 1 Kohlenkeller, die Frischluftkammer, Lehrer- und 1 Lehrerinnenabort, im Erdgeschoß 2 Amtszimmer der Rektoren, 2 Lehrerzimmer und Schulklassen, im ersten Obergeschoß: 5 Schulklassen, im zweiten Obergeschoß: gleichfalls 5 Schulklassen, im dritten Obergeschoß: neben 3 Schulklassen die Aula bzw. der Zeichensaal.

 

Kurze Zeit nach Fertigstellung des Mittelbaues der Schule machte sich das Bedürfnis nach Erweiterung geltend. Es wurde zunächst der östliche Flügel und nach dessen Vollendung und Ingebrauchnahme im April 1904 der westliche Flügel und das Abortgebäude für Mädchen in der nordwestlichen Grundstücksecke hart an der Baustelle des später zu erbauenden Feuerwachgebäudes errichtet. Die Fertigstellung dieses zweiten Flügels erfolgte am 1. April 1907.

 

Jeder der beiden Seitenflügel hat eine bebaute Grundfläche von rund 285 qm mit gleicher Anzahl von Geschossen und mit gleichen Geschoßhöhen wie der Mittelbau. Jeder Flügelanbau enthält 12 Klassenräume, von denen 8 nach Norden und 4 nach Süden belegen sind. Die Schulklassen haben einen Flächenraum von je rund 50 qm. In den 24 neuen Schulklassen ist für 1200 Schüler bzw. Schülerinnen Platz geschaffen.

 

Nach dem Mauerbau wurden die Schulen in Uckermark-Schule und Barnim-Schule umbenannt – um die Erinnerung an die im Osten liegenden brandenburgischen Landschaften wach zu halten. 2008 wurde daraus die Peter-Paul-Rubens-Schule. 2012 die 1. Gemeinschaftsschule Schöneberg und schließlich 2015 die Friedenauer Gemeinschaftsschule mit Haus Peter und Haus Paul. Unter diesen Gegebenheiten wundert es nicht, dass das Schulgebäude am Grazer Platz vom Landesdenkmalamt bisher nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 

1903 Nathanael-Kirche

 

Begünstigt durch die Schöneberg-Friedenauer Terraingesellschaft und die Erschließung des Malerviertels wuchs auch die Landhauskolonie Friedenau bis zum Jahr 1885 auf über 2.000 Einwohner. Friedenau gehörte zur Pfarrei der Friedrichswerderschen Kirche. Um dem Mangel an Seelsorge abzuhelfen, wurde mit Unterstützung von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) als Tochtergemeinde die Evangelische Nathanael-Kirche gegründet, die 1899 in einer Ladenwohnung in der Cranachstraße einen ersten Gottesdienst abhielt. Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) hatte das Patronat übernommen und sorgte mit ihrem Oberhofmeister Ernst von Mirbach (1844-1925) als Mitglied des Evangelischen Kirchenbauvereins für den Bau der Nathanael-Kirche nach einem Entwurf des Kaiserlichen Baurats Jürgen Kröger (1856-1928).

 

 

Die Baukommission hatte sich bei der Nathanael-Kirche für den Entwurf einer roten Backsteinkirche im gotischen Stil entschieden. Sie entsprach damit den Empfehlungen des 1861 verabschiedeten Eisenacher Regulativs, das die Gemeinden verpflichtete, sich um der Würde des Kirchbaues willen vorzugsweise an den romanischen oder gotischen Stil zu halten. Die Kirche wurde nach Osten gen Jerusalem ausgerichtet. Der Zentralbau ist ein Längsbau mit breitem einschiffigen Langhaus, kurzem hochgiebligen Querschiff und polygonalem Chor. Das Dach über der Vierung wurde durch einen spitzen, hochragenden Dachreiter bekrönt. Der Mauerwerksbau ist mit hellroten Ziegeln und einzelnen grünen Glasursteinen verblendet, der Sockel mit braunroten Klinkern. Die Wandflächen werden durch Putzblenden aufgelockert. Die Giebel des Querschiffs haben breite Spitzbogenfenster. Der Chor hat Anbauten in der Art eines Kapellenkranzes, die unter anderem die Sakristei beherbergen. Der Westfront des querrechteckigen Turms, flankiert von Anbauten für die Treppenhäuser und zu den Emporen, ist ein Portal vorgelagert, dessen Wimperg zinnengekrönt ist und an der Spitze ein Kreuz trägt. Das Bogenfeld über dem Eingangsportal zierte ursprünglich ein buntes Christus-Gemälde. Über den großen Schallöffnungen des Glockengeschosses mit einem Dreiecksgiebel, erhob sich ein achtseitiger, spitzer Helm, der auf halber Höhe von spitzbogigen Öffnungen durchbrochen wurde.

 

Am 22. Mai des Jahres 1902 erfolgte der erste Spatenstich. Im November des Jahres 1902 wurde Richtfest gefeiert. Im Juli 1903 wurden die drei Gussstahlglocken hochgezogen, gegossen vom Bochumer Verein. Am 31. Oktober 1903 fand die Weihe für einen Kirchenbau mit 1.050 Plätzen statt, der am Rand von Friedenau und Schöneberg lag.

 

Bei Luftangriffen vernichteten Brandbomben am 15. Februar 1944 das Dach über dem Kirchenschiff, am 20. März 1944 die Turmspitze. Im Januar 1954 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Da die Kirche im An- und Abflugbereich des Zentralflughafens Tempelhof lag und für den Flugverkehr neue Bestimmungen galten, durfte der Turm nicht wieder in der ursprünglichen Gestalt errichtet werden. Die spitze Turmhaube über dem Glockengeschoss wurde durch ein Walmdach ersetzt. Das Kircheninnere wurde nach Plänen des Architekten Gerhard A. Wolschke vereinfacht ausgestattet: Weiß gestrichene Wände, fabriges Altarfresko von Klaus Müller-Raabe, Glasfenster von Florian Breuer und Schuke-Orgel auf der Empore.

 

Erstaunlich ist, dass die Glocken in beiden Weltkriegen nicht für die Herstellung von Geschossen eingeschmolzen wurden: Glocke 1: Schlagton c, Gewicht 1953 kg, Durchmesser 167 cm, Höhe 130 cm, Inschrift FREUDE DIESER STADT BEDEUTE, FRIEDE SEI IHR ERST GELÄUTE! Glocke 2: Schlagton es, Gewicht 1285 kg, Durchmesser 143 cm, Höhe 125 cm, Inschrift: ZUR EINTRACHT, ZU HERZINNIGEM VEREINE, VERSAMMLE SIE DIE LIEBENDE GEMEINDE! EIN HERR EIN GLAUBE, EINE TAUFE, EIN GOTT UND VATER UNSER ALLER. EPHESER 4,5. Glocke 3: Schlagton ges, Gewicht 829 kg, Durchmesser 126 cm, Höhe 109 cm, Inschrift: NOCH KÖSTLICHEREN SAMEN BERGEN, WIR TRAUERND IN DER ERDE SCHOSS, UND HOFFEN, DASS ER AUS DEN SÄRGEN, ERBLÜHEN SOLL ZU SCHÖNEREM LOS. ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN. EV. JOH. 11,25. Die Wiedereinweihung der Nathanael-Kirche mit nunmehr 700 Sitzplätzen fand am 23. Oktober 1955 statt.

 

Auguste-Viktoria-Krankenhaus, Plan von 1902

1906 Auguste-Viktoria-Krankenhaus

 

Die fortschreitende Entwicklung veranlaßte die Stadt im Jahre 1900, die Errichtung eines städtischen Krankenhauses ins Auge zu fassen. Nachdem der Grunderwerb gesichert war, wurde mit der Aufstellung des Bauprogramms begonnen. Nach vielen Vorverhandlungen und bedeutenden Abänderungen gelang es im Dezember 1902, die Zustimmung der städtischen Körperschaften zu erlangen.

 

Der Entwurf bemißt die Anlage auf eine Gesamtzahl von 600 Krankenbetten, von der in der ersten Bauperiode eine Teilanlage mit 312 Betten zur Ausführung gelangen soll. Als Bauplatz wurde ein in dem für Landhausbau bestimmten und an die Steglitzer Gemarkung anstoßenden Stadtteil gelegenes Terrain, welches rings von Straßenzügen umgeben ist, erworben. Von der das Gebiet im Norden abschließenden Canovastraße erstreckt sich dasselbe zwischen Rubens- und Thorwaldsenstraße und der östlich gelegenen Straße 11.

 

Als Bausystem ist nach eingehenden Beratungen das Pavillonsystem gewählt worden, ein System, welches als das bewährteste und vollkommenste anerkannt ist. Hinsichtlich der allgemeinen Gliederung der Anlage ist zu bemerken, daß das eigentliche Krankenhaus mit der inneren und chirurgischen Abteilung und den zur ärztlichen Behandlung nötigen Gebäuden auf dem nördlichen Gelände an der Canovastraße errichtet wird, während die Isolierabteilung in wirksamer Weise gegen diesen Teil der Anstalt durch Verlegung auf den südöstlichen an der Straße 11 sich hinziehenden Streifen abgesondert ist. Eine gleichfalls strenge Scheidung von dem inneren Betriebe der Krankenabteilungen hat die auf den südwestlichen Teil des Grundstücks verwiesene Wirtschaftsabteilung erfahren, indem der gesamte äußere Verkehr zu derselben sich nur auf die Zufahrt von der Thorwaldsenstraße beschränkt.

 

 

 

 

 

 

Der Hauptzugang zur eigentlichen Krankenhausanlage erfolgt von der Canovastraße in der Plan Mittelachse der in dieselbe einmündenden Straße 10. Dort ist 24 m hinter der Vorgartenflucht das Verwaltungsgebäude — mit seinen drei Geschossen der höchste Bau der Anlage — geplant, welchem sich eingeschossige Anbauten zu beiden Seiten angliedern. Hinter dem Verwaltungsgebäude erstreckt sich ein mit Gartenanlagen geschmückter, 91 m breiter Platz.

 

Das Städtische Krankenhaus entstand nach Plänen des Architekten und Schöneberger Bauinspektors Paul Egeling (1856-1937), der den Neubauplan am 1. November 1902 mit Stadtbaurat unterzeichnete. Das kommunale Krankenhaus wurde am 3. November 1906 eröffnet und nach Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) benannt. Bereits 1905 war Prof. Dr. Walter Kausch (1867-1928) zum Ärztlichen Direktor und Chef der Chirurgischen Klinik des Auguste Viktoria Krankenhauses gewählt worden. Nach dem Tod des Spezialisten für Darm-, Magen- und Hirnoperationen 1928 wurde die bisherige Straße Nr. 134 in Kauschstraße umbenannt. Mit der Eingemeindung von Schöneberg nach Groß-Berlin wurde das AVK Eigentum der Stadt Berlin. Über die NS-Zeit vermerkt die AVK-Geschichte: Auf Anordnung der NSDAP wird ab 1933 ‚unzuverlässiges und nichtarisches‘ Personal entlassen. Mit dem ‚Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses‘ werden Beschäftigte mit der ‚Durchführung von Unfruchtbarmachungen‘ vertraut gemacht. Da in zunehmendem Maß Erb- und Rasseforschung betrieben wird, entsteht ein Archiv für rund 250.000 Krankengeschichten.

 

Durch einen Bombenangriff am 23./24. August 1943 wurden die meisten Gebäude stark beschädigt und die Häuser 8, 15 und 17 zerstört. Nach dem Mauerbau beschloss der Senat 1961 den Ausbau des AVK auf 1125 Normalbetten. Überregional bekannt wurde das AVK ab 1987 mit dem Modellprojekt für AIDS-Kranke nach dem Vorbild des General Hospital in San Francisco. 2001 geht das AVK in den Verbund der städtischen Krankenhäuser Berlins über und nennt sich nun Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum der NET-GE Kliniken für Berlin GmbH. Das Land Berlin wird alleiniger Gesellschafter. Das Unternehmen soll einen Jahresumsatz von rund 1,8 Milliarden Mark erwirtschaften, rund 17 000 Mitarbeiter beschäftigen und über eine Kapazität von 6500 Betten verfügen.

 

Plan der Armee-, Militär- und Kolonial-Ausstellung von 1907

1907 Kolonial-Ausstellung Berlin

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Deutschland Kolonien zugelegt, laut Bismarck Schutzgebiete“ für den deutschen Handel, in denen deutsche Kolonisten rücksichtslos gegen Einheimische vorgingen. Es folgten Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika (Namibia) und Deutsch-Ostafrika (Tansania, Burundi und Ruanda). Dem in die Kritik geratenen Auswärtigen Amt wurde die Kolonialverwaltung entzogen: 1907 gab es dafür das Reichskolonialamt. Zeitgleich wurde in Berlin vom 15. Mai bis 15. September die Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung abgehalten, die Zeugnis von der Bedeutung unseres Heer- und Kolonialwesens für die Nationalwirtschaft ablegen sollte.

 

 

 

 

Der Standort zwischen Rubensstraße, Vorarlberger Damm und dem Grazer Platz wurde mit Bedacht gewählt – unweit der Kasernen an der General-Pape-Straße und des Exerzierplatzes Tempelhofer Feld. Das Gelände war – bis auf die 1903 eingeweihte Nathanael-Kirche – unbebaut. Der märkisch-gotische Backsteinbau passte zur kolonialen Gewerbeschau. Die Firma William Wahrburg mit Filialbüro in der Begasstraße Nr. 9 hatte sich das Monopol für das gesamte Reklamewesen der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung gesichert und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Deutsche Kolonial-Handbuch nebst Ergänzungsband 1906/07 für jeden Kolonialfreund unentbehrlich ist.

 

Die Besucher wurden vom Wannseebahnhof Friedenau über Dürerplatz und Begasstraße zum Haupteingang geleitet, hinter dem dann in Haupt-, Maschinen-, Kolonial- und Marinehalle Produkte präsentiert wurden: Dolberg Militärfahrzeuge, Treuers Armee-Feldstecher, August Loh Söhne AG für Militärausrüstungen, Mix & Genest AG Telefonstationen für Armee und Marine, L. Bernhard & Co Schießstands-Einrichtungen, Sauce & Kloss Kolonialhäuser, Reiniger, Gebbert & Schall Spezial-Röntgen-Einrichtungen für militärische Zwecke zum Gebrauch im Frieden und im Kriege. Eine Verkostung von Heermann’s Armee- und Marine-Kokos-Butter gab es auch.

 

Nicht genug damit. Auf dem späteren Dreieck zwischen Begas-, Rembrandt- und Rubensstraße war ein See angelegt worden, auf den Freiflächen gab es Amerikanische Kriegsspiele, Präsentationen von Wild Afrika mit Menschen und Tieren aus den deutschen Kolonien Südwest-Afrika, Ost-Afrika, Kamerun, Togo und Neu-Guinea. In der Kolonialhalle wurden Biere von Patzenhofer ausgeschenkt, Helle Marke, Marine Bräu (Münchener Farbe), Dunkel (tief dunkel) und Crystall (ganz licht). Die Deutsche Grammophon AG offerierte in der Haupthalle sehenswerte Szenen aus unseren Kolonien. Friedenauer Firmen waren selbstverständlich auch präsent: Das Foto-Kaufhaus von Ottomar Anschütz hielt Ausrüstungen für Forschungs- und Tropenreisen bereit, .C.P. Goerz glänzte mit der breiten Produktpalette: Prismen-Doppel-Fernrohre, Monocles und Handfernrohre, Beobachtungsfernrohre, Terrestrische und Prismen-Gewehr-Zielfernrohre, Geschütz-Zielfernrohre, Panoramafernrohre, Periskop als Unterseeboot-Fernrohr.

 

Überlegenheit wurde vorgeführt. Die Zielrichtung war eindeutig. Soweit man in der Geschichte des Deutschen Reiches zurückblättert, hat die überwältigende Mehrheit seiner Bewohner immer, wenn die Frage auf der Tagesordnung stand, ob dem Reiche neuer Schutz gewährt werden solle, ob eine Verstärkung der Wehrkraft zu Lande und zu Wasser nötig sei, ob die Weltmachtstellung Deutschlands durch Erwerbung von Kolonien, durch ihren Ausbau oder durch energische Niederwerfung von den deutschen Namen schädigenden Aufständen gefestigt werden müsse, ihrem kaiserlichen Herrn begeistert und in Treue Gefolgschaft geleistet. (Katalogtext vom 1. Mai 1907)

 

Die Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung wurde ein Publikumserfolg. Nach ihrem Ende wurden die Gebäude abgerissen und die Flächen links und rechts vom Grazer Platz bebaut.

 

Helmholtz-Realgymnasium

1909 Helmholtz-Realgymnasium

 

Das imposante Eckgebäude des Helmholtz-Realgymnasiums mit dem charakteristischen Turmaufsatz ist ein typisches Beispiel für höhere Lehranstalten, wie sie in der kurzen Phase der Selbstständigkeit der Stadt Schöneberg zwischen 1898 und 1920 entstanden sind. Bemerkenswert ist hier, wie geschickt der Architekt Paul Egeling das komplexe Raumprogramm eines Gymnasiums in einem vergleichsweise kompakten Schulgebäude anordnete, das mit seiner repräsentativen architektonischen Gestaltung dennoch in den Stadtraum hineinwirkt. Das L-förmige Gebäude besteht aus dem Haupttrakt an der Rubensstraße mit reich dekoriertem Eingangsportal, einem nördlich anschließenden Bauteil mit Giebelaufsatz in neobarocken Formen - hier waren übereinander Turnhalle, Aula und Zeichensaal angeordnet - sowie einem Seitenflügel an der Begasstraße. Die Gebäudeecke ist durch einen hohen quadratischen Turm mit einem runden, als offener Säulenpavillon gestalteten Aufsatz besonders betont; er wurde ursprünglich für den Astronomieunterricht genutzt.

 

 

Der viergeschossige Putzbau mit einem hohen geböschten Sockelgeschoss, das von Streifenputz bedeckt ist, und einem Walmdach, das durch große Dachgauben gegliedert ist, erhält durch die enge Reihung der Fenster eine lebhafte Gliederung. Im Inneren war das Helmholtz-Realgymnasium mit 24 Klassenräumen und den entsprechenden Nebenräumen für ehemals 960 Schüler ausgelegt. Ein weiträumiges Vestibül mit dreiläufiger Haupttreppe erschließt das Gebäude vom Eingang an der Rubensstraße, ein zweites Treppenhaus befindet sich im Flügel an der Begasstraße. Neben den üblichen Klassen-, Direktions- und Lehrerzimmern sowie Aula und Turnhalle wurden mehrere Hörsäle für naturwissenschaftliche Fächer, zwei Bibliotheken, Kartenraum, Zeichen- und Gesangsaal in das Schulgebäude integriert. Landesdenkmalamt Berlin

 

Zu den Schülern gehörten Otto Graf Lambsdorff (1926-2009), der spätere  Bundesminister für Wirtschaft und Bundesvorsitzender der FDP, Hans Richard Gerhardt Günther (1898-1981), der sich ab 1938 im Reichskriegsministerium mit Sippenforschung beschäftigte, sowie Fritz Brummer (1899-1943), der in der Goßlerstraße Nr. 25 eine Praxis für Allgemeinmedizin betrieb,  deportiert und am 21. Mai 1943 in Auschwitz ermordet wurde.

 

Nach dem Mauerbau wurden die Schulen der Rubensstraße in Uckermark-Schule und Barnim-Schule umbenannt – um die Erinnerung an die im Osten liegenden brandenburgischen Landschaften wach zu halten. 2008 wurde daraus die Peter-Paul-Rubens-Schule. 2010 schloss die Berliner Schulverwaltung Luise-und-Wilhelm-Teske-Realschule (Tempelhofer Weg) & Waldenburg-Hauptschule (Otzenstraße) zusammen und nannte es Integrierte Sekundarschule Tempelhof-Schöneberg. 2012 wurde daraus die 1. Gemeinschaftsschule Schöneberg mit drei Klassen des produktiven Lernens und vier Klassen für Schüler ohne deutsche Sprachkenntnisse am dritten Standort in der Otzenstraße Nr.16. In einem demokratischen Beteiligungsprozess wurde schließlich nach einem neuen Namen gesucht. Seit 2015 hat die Schule ihren endgültigen Namen Friedenauer Gemeinschaftsschule mit Haus Peter und Haus Paul, in der es laut Website viele Dinge gibt, die nicht direkt mit Unterricht zu tun haben. Wir feiern Feste, machen Projekte, organisieren unseren Alltag. Die Berufsvorbereitung nimmt eine wichtige Position ein. Die Elternabende wurden durch Bilanz- und Zielgespräche abgelöst.

 

Nachzutragen ist, dass 1910-11 auf dem Grundstück Rubensstraße Nr. 65-73 eine höhere Mädchenschule errichtet wurde. Hier entstand um 1970 der Neubau für die Prignitz-Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Dort muss für einen Berufsorientierender Abschluss ein Notendurchschnitt von 4,0 erreicht werden. Schwieriger ist es mit der Berufsbildungsreife, weil da für den Abschluss ein Notendurchschnitt von 3,0 gefordert wird. Die Kiez-Zeitung Berliner Woche meldete im Januar 2018: An der Prignitz-Schule gab es im Schulhalbjahr 2016/2017 die meisten Schulschwänzer in Berlin.

 

Die Berliner Schulverwaltung wird seit 1996 von der SPD geführt. Sie firmierte als Schule, Jugend und Sport (1996), Bildung, Jugend und Sport (2002), Bildung, Wissenschaft und Forschung (2006) und aktuell unter Bildung, Jugend und Familie. Besser wurde es nicht. Es ist Zeit für einen Wechsel.

 

Die Hochbauverwaltung konnte Neubauten nicht ausführen. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Instandhaltung der städtischen Gebäude, die durch Mangel an Arbeitskräften und Material sehr erschwert war. Die Tiefbauverwaltung war mit den Vorarbeiten für die Herstellung einer Unterführung der verlängerten Innsbrucker Straße unter der Potsdamer- und Wannseebahn beschäftigt. Es wurden ferner die ersten Pläne für eine große Unterführung unter der Anhalter und Dresdner Eisenbahn im Süden des Südgeländes ausgearbeitet.

 

Die Hochbauverwaltung konnte Neubauten nicht ausführen. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Instandhaltung der städtischen Gebäude, die durch Mangel an Arbeitskräften und Material sehr erschwert war. Die Bauarbeiten am Gemeinschaftsbahnhof Nollendorfplatz wurden zunächst durch die Fortdauer des Krieges weiter verzögert. Durch den inzwischen eingetretenen Waffenstillstand wurde es aber möglich, mehr Arbeitskräfte freizubekommen, so daß nunmehr die Arbeiten entsprechend gefördert werden können.

 

Die Hochbauverwaltung konnte Neubauten nicht ausführen. Die Verhandlungen der Tiefbauverwaltung wegen Herstellung einer Unterführung der verlängerten Innsbrucker Straße unter der Potsdamer und Wannseebahn wurden zunächst nicht weiter gefördert, weil bei der jetzigen Knappheit an Zement und Eisen die Ausführung des Bauwerks sich kaum und dann auch nur unter Aufwendung ganz außerordentlich hoher Kosten ermöglichen ließe, und weil ein dringendes Bedürfnis zur Herstellung dieser Unterführung zunächst nicht vorliegt.

 

Linie 66 in der Rubensstraße. Verlag Eisenbahn, 1986

1921 Linie 66

 

1921 erfolgte die Inbetriebnahme der bereits 1914 fertiggestellten Trasse in der Rubensstraße zwischen Hauptstraße und Beckerstraße, die aber wegen des Krieges nicht in Betrieb genommen wurde. Nach dem Weltkrieg wurde ab Juni 1946 eine Linie 66 von der Belziger Straße über den Innsbrucker Platz in die Rubensstraße zur Thorwaldsenstraße geführt und bis Mai 1963 betrieben.

 

Am 1. September 1905 wurde die Straßenbahnlinie 60 von Weißensee nach Schöneberg über Martin-Luther-Straße, Mühlenstraße, Coburger Straße, Hauptstraße, Rheinstraße, Saarstraße und Friedenauer Brücke bis zur Endstation Rubens- Ecke Canovastraße eingerichtet. Die Direktion der Westlichen Berliner Vorortbahn bemerkte damals, dass beabsichtigt sei, bis auf weiteres die beiden Linien Nr. 61 und Nr. 88 in Abständen von 15 Minuten bei einem 10 Pfennig-Tarif über die Rheinstraße, Saarstraße und Friedenauer Brücke bis zum Städtischen Krankenhaus durchzuführen.

 

 

Lageplan Siedlung Ceciliengärten, Heinrich Lassen, 1927

 

1928 Ceciliengärten

 

Von 1911 bis 1914 gab der Architekt Paul Wolf (1879-1957) als Stadtbauinspektor ein kurzes Gastspiel. Er präsentierte am 24. Juli 1912 in der Deutschen Bauzeitung einen Bebauungsplan für das ‚Willmann’sche Gelände‘ zwischen Hauptstraße, Südring und Stammbahn, der allerdings wesentlich durch die Boden AG Berlin-Nord erarbeitet worden war. Es kam der Weltkrieg. Wolf wurde Stadtbaurat in Hannover. Das Projekt verschwand in der Schublade.

 

Mit Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 verlor Schöneberg seine Selbstständigkeit und bildete mit Friedenau den 11. Berliner Verwaltungsbezirk. 1921 wurde der Architekt Heinrich Lassen (1864-1953) Stadtbaurat von Schöneberg. Er griff sich die alten Akten. Mit der Immobilienkrise waren die Aktien der Boden AG Berlin-Nord von der Breslauer Baubank übernommen worden. Eigentümer des etwa 42 qm großen Geländes waren danach die Gemeinnützige Heimstättengesellschaft der Berliner Straßenbahn und die Wohnstättengesellschaft mbH. Das Wolf'sche Projekt wurde von Lassen überarbeitet und den neuen Wohnbedürfnissen angepasst. Die Wohnhäuser der Siedlung Ceciliengärten entstanden zwischen 1924 und 1928. Der Block nordöstlich der zentralen Grünanlage an Träger- und Rubensstraße wurde 1924/25 für die Gemeinnützige Heimstättenbau-Gesellschaft der Berliner Straßenbahn errichtet; die restlichen Häuser an der Westseite der Ceciliengärten und der südöstliche Block an Semper- und Rubensstraße wurden 1926/28 im Auftrag der Wohnstätten GmbH ausgeführt. Trotz unterschiedlicher Auftraggeber sind die Wohnhäuser weitgehend einheitlich gestaltet.

 

Den Mittelpunkt der ganzen Siedlung bildet eine etwa 14.000 qm große parkartig hergestellte Freifläche. Die Anlage wird von einer großen Längsachse ans entwickelt, an der die Baukörper der Häuser in wechselndem Abstand errichtet sind. Die einzelnen Baublöcke sind ausschließlich mit Randbebauung versehen und umschließen große Wohnhöfe mit Spiel- und Erholungsplätzen.

 

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Paul Wolf, Bebauungsplan für das Willmann’sche Gelände, 1914

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Heinz Lassen, Siedlung Ceciliengärten, 1928

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1928 Wohnanlage Eisackstraße

 

Die Hauszeilen auf beiden Seiten der Eisackstraße gehören zur Wohnanlage Eisackstraße 3-14, 29-40, Traegerstraße 5-8, die 1924-28 nach Entwurf von Heinrich Lassen ausgeführt wurde. Bauherr war die Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Heerstraße.

 

Ursprünglich erstreckten sich die viergeschossigen Zeilen in beinahe doppelter Länge entlang der gesamten Eisackstraße bis zur Baumeisterstraße. Hier waren sie torartig, wie heute noch an der Traegerstraße, von sechsgeschossigen Kopfbauten eingefasst. Nach dem Zweiten Weltkrieg, dem auch - wie oben erwähnt - Betriebsbahnhof und Umformerwerk südwestlich der Wohnanlage zum Opfer gefallen waren, wurden die Häuser auf der östlichen Seite der Eisackstraße mit fünf Geschossen und Balkonen neu errichtet und die Häuser auf der westlichen Straßenseite wiederhergestellt; an ihrem südlichen Ende wurden die beiden verkürzten Hauszeilen durch neue fünfgeschossige Kopfbauten mit Walmdächern ergänzt. Somit stellt die Wohnbebauung an der Eisackstraße zum einen ein interessantes Zeugnis für die Baupolitik in der Weimarer Republik dar, als der Bezirk Schöneberg seine Baulandreserven aktivierte und mit Hilfe staatlicher Fördermittel und gemeinnütziger Baugesellschaften eine umfangreiche Bautätigkeit im Siedlungsbau mit hoher Wohnqualität entwickelte; zugleich dokumentiert die heutige Anlage anschaulich die Wiederaufbaumaßnahmen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

Bei der städtebaulichen Gestaltung der Wohnanlage stellte Heinrich Lassen vor allem durch die platzartig erweiterte und als Baumallee angelegte Eisackstraße eine deutliche Verbindung zur benachbarten Siedlung Ceciliengärten her. Zwar korrespondierten die flach gedeckten, streng gegliederten Kuben der Kopfbauten im Norden einst auch mit der Bebauung am Innsbrucker Platz (3), aber die langen, mit Satteldächern gedeckten Zeilen, die durch die dichte Reihung dreieckiger Erkervorbauten eine lebhafte Wirkung erhielten, setzten in Verbindung mit der zentralen Grünfläche die Ceciliengärten in einer moderneren Form fort. Die Hauseingänge, die, um die Höhenunterschiede des Geländes auszugleichen, in einem hohen Sockelgeschoss angeordnet sind, werden durch Klinkerverkleidungen ebenfalls besonders hervorgehoben. Allerdings verleihen sparsam eingesetzte Gestaltungsdetails an den sonst schmucklosen Fassaden - Konsolen unter den Erkerachsen, Fensterrahmungen und Gesimse in scharriertem Betonstein - den Bauten hier eine eher dezent-elegante Wirkung. Die Wohnungsgrößen variierten zwischen Ein- und Dreieinhalb-Zimmerwohnungen; alle waren wie in den Ceciliengärten mit Diele, Küche, Kammer und Badezimmer sowie Erker oder Loggia ausgestattet. Landesdenkmalamt Berlin

Wohnanlage Mebes & Emmerich. LDA 2007

1928 Wohnanlage Mebes & Emmerich

Rubensstraße 3-47

Baumeisterstraße 9-16

Otzenstraße 1-15

Traegerstraße 4-11

Entwurf: Architekturbüro Mebes & Emmerich

 

Die Bebauung erfolgte zwischen zwischen 1926 und 1928 in Zusammenarbeit der Architekten Paul Mebes (1872-1938) und Paul Emmerich (1876-1958) mit dem Schöneberger Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864-1953). Als Bauherr traten drei Wohnungsbaugesellschaften gemeinsam auf: Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Heerstraße, Wohnstättengesellschaft und Gemeinnützige Heimstättengesellschaft der Berliner Straßenbahn.

 

 

 

 

Lang gestreckte Hauszeilen, die als Blockrandbebauung große gärtnerisch gestaltete Innenhöfe umschließen, die aufgeweitete, mit doppelter Baumreihe angelegte Eisackstraße als platzartiges Zentrum sowie die rhythmisierte Fassadengestaltung mit Erkern und Loggien gehören zu den Elementen, die diese Siedlungen charakterisieren. Trotz der beiden unterschiedlichen Bauabschnitte mit eigenen Entwurfsverfassern zeigen die Wohnanlagen an der Rubensstraße auch in sich eine gewisse Geschlossenheit: Nicht nur weil die Bauten durch Straßenüberbauungen an Traeger- und Otzenstraße direkt aneinandergefügt sind, sondern auch weil Gliederung und architektonische Gestaltung der Hauszeilen eine gemeinsame Sprache sprechen. Anfang der 1950er Jahre wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigte Bauten wiederaufgebaut und instand gesetzt sowie an der Eisackstraße durch Neubauten ergänzt.

 

Die Hauszeilen auf beiden Seiten der Eisackstraße gehören zur Wohnanlage Eisackstraße 3-14 & 29-40, Traegerstraße 5-8, die 1924-28 nach Entwurf von Heinrich Lassen ausgeführt wurde. Ursprünglich erstreckten sich die viergeschossigen Zeilen in beinahe doppelter Länge entlang der gesamten Eisackstraße bis zur Baumeisterstraße. Hier waren sie torartig, wie heute noch an der Traegerstraße, von sechsgeschossigen Kopfbauten eingefasst. Nach dem Zweiten Weltkrieg, dem auch - wie oben erwähnt - Betriebsbahnhof und Umformerwerk südwestlich der Wohnanlage zum Opfer gefallen waren, wurden die Häuser auf der östlichen Seite der Eisackstraße mit fünf Geschossen und Balkonen neu errichtet und die Häuser auf der westlichen Straßenseite wiederhergestellt; an ihrem südlichen Ende wurden die beiden verkürzten Hauszeilen durch neue fünfgeschossige Kopfbauten mit Walmdächern ergänzt. Somit stellt die Wohnbebauung an der Eisackstraße ein interessantes Zeugnis für die Baupolitik in der Weimarer Republik dar, als der Bezirk Schöneberg seine Baulandreserven aktivierte und mit Hilfe staatlicher Fördermittel und gemeinnütziger Baugesellschaften eine umfangreiche Bautätigkeit im Siedlungsbau mit hoher Wohnqualität entwickelte; zugleich dokumentiert die Anlage anschaulich die Wiederaufbaumaßnahmen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

Die Hauseingänge, die, um die Höhenunterschiede des Geländes auszugleichen, in einem hohen Sockelgeschoss angeordnet sind, werden durch Klinkerverkleidungen ebenfalls besonders hervorgehoben. Allerdings verleihen sparsam eingesetzte Gestaltungsdetails an den sonst schmucklosen Fassaden - Konsolen unter den Erkerachsen, Fensterrahmungen und Gesimse in scharriertem Betonstein - den Bauten hier eine eher dezent-elegante Wirkung. Die Wohnungsgrößen variierten zwischen Ein- und Dreieinhalb-Zimmerwohnungen; alle waren wie in den Ceciliengärten mit Diele, Küche, Kammer und Badezimmer sowie Erker oder Loggia ausgestattet.

 

Die weitgehend erhaltenen Zeilenbauten, die an ihrer Straßenseite ursprünglich dunkelrot verputzt waren, sind an Rubens-, Traeger- und Otzenstraße viergeschossig, an der Baumeisterstraße fünfge­schossig, und mit flachen Walmdächern gedeckt; nur der Kopfbau Rubensstraße 3 überragt mit Flachdach und sechs Wohngeschossen die übrigen. Die zweispännigen Wohnhäuser verfügen über Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen mit Diele, Küche, Kammer, Badezimmer und Loggia. Auch in diesem Teil der Siedlung überbrücken hohe Sockelgeschosse die Geländeunterschiede zwischen Straße und Hof; die Eingänge erhalten so ein großzügiges Vestibül und das unterste Wohngeschoss liegt zur Straße hoch über dem Straßenniveau. Die Gliederung der Straßenfassaden beschränkt sich auf die vorspringenden Standerker, zwischen denen jeweils ein schmaler, ursprünglich von einer Pergola überdeckter Vorgarten angeordnet ist; Haustüren und Loggien sind mit schlichten Rahmungen aus scharriertem Betonstein eingefasst und unterstreichen die zurückhaltende Wirkung der Fassadengestaltung.

 

Die drei Wohnblöcke für knapp 500 Wohnungen umschließen große begrünte Innenhöfe, die vier- bis fünfgeschossigen Zeilenbauten sind rhythmisch durch vertikale Elemente - in diesem Fall paarweise angeordnete verglaste Loggien - gegliedert. Während die Bauten Heinrich Lassens durch die Reihung spitzwinkliger Formen und Bauglieder einen expressionistischen Charakter erhielten, gestalteten Mebes & Emmerich ihre Gebäude im Sinne der Neuen Sachlichkeit reduzierter. Landesdenkmalamt Berlin

Wohnanlage Grazer Platz. LDA Berlin

1929 Wohnanlage Rubensstraße & Grazer Platz

 

Nach Einweihung des Gemeindehauses der Nathanael-Gemeinde an der Ecke Rubensstraße Nr. 87, das 1927-28 nach Entwürfen von Heinrich Seidel (1842-1906) und Peter Jürgensen (1873-1954) auf dem Eckgrundstück südwestlich der Nathanael-Kirche ausgeführt worden war, erhielt der Schmuckplatz rund um die Nathanael-Kirche 1928 den Namen Nathanaelplatz. Nach der Annexion Österreichs durch den NS-Staat im Jahr 1938 und im Zusammenhang mit dem Bau des Grazer Damms und der gleichnamigen Großsiedlung wurde 1939 die Platzfläche nach Osten deutlich erweitert und in Grazer Platz umbenannt.

 

Der viergeschossige winkelförmige Putzbau mit hohem Walmdach rahmt mit seinem Haupttrakt den Kirchplatz an der Südseite und nimmt in seiner Gestaltung mit Klinkersockel und Terrakotta-Schmuck an Fenstern und Eingangsportalen Bezug auf den Backsteinbau der Kirche. Mit einfachsten Mitteln gelang es den Architekten, an dem eigentlich schlichten Gebäude interessante und zeitgemäße Elemente einzusetzen: Rahmen und Laibungen der Fenster bestehen aus unglasiertem Ton, im Erdgeschoss sind sie mit spitzwinkligen Bekrönungen versehen; die Seitenwände und Rahmungen der Eingangsbereiche wurden mit demselben Material ausgekleidet und das Doppelportal des Haupteingangs mit großen Terrakotta-Figuren, die Christus sowie vier bedeutende Persönlichkeiten der evangelischen Kirche darstellen, geschmückt. Dekorative Eisengitter schließen die tiefen Nischen ab. ln Verbindung mit den schmalen waagerechten Terrakotta-Streifen an den Gebäudeecken und dem violettroten Klinkersockel verleiht der Baudekor dem Gemeindehaus eine dezent-expressionistische Wirkung. Im Inneren waren ursprünglich Wohnungen für Pfarrer, Küster und andere Gemeinde-Bedienstete sowie Räume für Büros und soziale Einrichtungen untergebracht. Ein großer Versammlungssaal, der an der Hauptfassade zum Platz durch die über zwei Obergeschosse reichenden hochrechteckigen Fenster gekennzeichnet ist, diente der Gemeinde für Veranstaltungen und zeitweise für Gottesdienste. Landesdenkmalamt Berlin

 

Nach einem Entwurf von Architekt Peter Jürgensen entstand 1928-29 die Wohnanlage Rubensstraße  Nr. 89-109, Kauschstraße Nr. 6-22 und Peter-Vischer-Straße Nr. 23-27, die von der Gemeinnützigen Baugesellschaft Berlin-Heerstraße ausgeführt wurde. Die viergeschossige Blockrandbebauung schließt unmittelbar an das Gemeindehaus an und verrät in ihrer Gestaltung eine enge Verwandtschaft mit dem Nachbarbau. Den Zweiten Weltkrieg hat die Wohnanlage ebenfalls weitgehend unbeschadet überstanden; sie ist ein weiteres Zeugnis für die Bebauung der 1920er Jahre in diesem Teil Schönebergs, die vor allem aus Siedlungen mit kleineren und mittelgroßen Wohnungen für Arbeiter und Angestellte bestand. Die aus Mitteln der Hauszinssteuer finanzierten Wohnanlagen zeichneten sich durch geringe Kosten, einen hohen Gebrauchswert und eine qualitätsvolle Gestaltung aus. Der U-förmigen Anlage an der Rubensstraße mit insgesamt 23 Häusern und etwa 180 Wohnungen verlieh der Architekt sowohl mit konservativen als auch mit dezent-expressionistischen Elementen eine ansprechende Gestaltung. Die hell verputzte Straßenrandbebauung, die im Blockinneren eine große gemeinsame Grünfläche umschließt; ist von Vorgärten, Ladenlokalen an der Rubensstraße sowie von Sprossenfenstern und traditionellen Walmdächern geprägt; die Staffelungen und Rücksprünge der Bauteile an Längsseiten und Straßenecken, die Terrakotta gerahmten Hauseingänge, die im gleichen Material gefertigten Rahmungen an Loggien und den anschließenden Fenstern, die die Öffnungen bandartig zusammenfassen, sowie die - wie am Gemeindehaus - mit waagerechten Terrakotta-Streifen betonten Gebäudeecken lockern die Bauten auf und verleihen den Häusern ein zeitgemäßes Erscheinungsbild. Landesdenkmalamt Berlin

 

1958 Atomhochhaus

 

Auf dem dreieckigen Grundstück zwischen Haupt-, Rubens- und Traegerstraße wurde die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bebauung durch einen Neubau ersetzt. Das Wohn- und Geschäftshaus Hauptstraße Nr. 92-93, eine elfgeschossige Wohnhochhausscheibe über einem zweigeschossigen Sockelbau für Büros und Ladenlokale, entstand 1956-58 das Atomhochhaus nach einem Entwurf des Architekten Hans Schoszberger. Er hattean sein Studium an der Technischen Hochschule Berlin 1932 mit einer Dissertation über den baulichen Luftschutz abgeschlossen. In einer Zeit, da im geteilten Berlin die Gefahr eines Krieges groß war, sollte das Hochhaus atombombensicher errichtet werden. Nachdem Bundesinnenminister Schröder 1956 dargelegt hatte, dass unser Volk mit seinem dicht besiedelten Staatsgebiet im Atomzeitalter ohne ausreichenden Luftschutz einen Krieg nicht überleben würde, Schutzmaßnahmen gegenüber Atomwaffen aber möglich sind, wenn sie ausreichend vorbereitet würden, wurde Schoszbergers Bautechnischer Luftschutz wieder aktuell.

 

In einem Bauwelt-Artikel beteuerte Schoszberger jedoch, dass spezielle Einrichtungen nicht geplant seien, sondern dass die moderne Bauweise seines Gebäudes bereits an sich luftschutzgeeignet sei: Die Konstruktion als Stahlbetonskelettbau mit versteifenden Stahlbetondecken sowie mit zwei separaten, möglichst weit voneinander entfernt liegenden Stahlbetontürmen für Treppen und Aufzüge, zwischen denen die Wohnungen über Laubengänge erschlossen wurden, böte den größtmöglichen Schutz. Dies musste das Haus nie unter Beweis stellen.

 

Die 121 Wohnungen, die aus 77 Einzimmer-Apartments und 44 Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen bestehen, sind in Größe und Ausstattung typisch für die 1950er Jahre gestaltet. Mit der großen Zahl an Kleinwohnungen sollte die Wohnungsnot im Bezirk Schöneberg nach dem Krieg bekämpft werden. In Konstruktion und Gestaltung ist das Gebäude zudem Beleg für das Bemühen Schoszbergers, internationale Konzepte im modernen Wohnhausbau in seinem Gebäude aufzunehmen. Der Sockelbau, der an der Südseite bis zur Traegerstraße reicht und im Norden zwischen Haupt- und Rubensstraße abgerundet ausschwingt, hat im Erdgeschoss eine großflächige Schaufenster-Verglasung und im Obergeschoss ein durchgehendes Fensterband für die Büros. Der Hochhausteil wird durch die beiden Treppenhaustürme vertikal in drei Abschnitte geteilt; die westliche Fassade des Hauses gestaltete der Architekt als ein unregelmäßiges Muster aus zu Gruppen zusammengefassten Fenstern und einzelnen Fenstertüren mit Brüstungsgittern, an der Rückseite lockerte er das gleichmäßige Raster der geschlossenen Brüstungen vor den Laubengängen durch einzelne Kompartimente mit Gitterbrüstung auf, während er die Stirnseiten des Gebäudes geschlossen ließ. Auf diese Weise erscheint der mächtige Baukörper vielfältig gegliedert und von einer lebhaften Textur überzogen. Landesdenkmalamt Berlin

St. Konrad Kirche, LDA 2005

1961 St. Konrad-Kirche

 

Auf den Ruinengrundstücken zwischen Begas- und Beckerstraße wurde 1957-61 die Katholische St. Konrad-Kirche mit Gemeindezentrum nach einem Entwurf von Hans Schaefers (1907-1991) errichtet. Der Architekt ordnete die einzelnen Bauten für Kirche, Glockenturm, Wohnhaus, Kindertagesstätte, Pfarr- und Gemeindehaus so geschickt an, dass sich der Gebäudekomplex in die Blockrandbebauung einfügt und zugleich die Kirche als frei stehenden Bau mit kleinem Vorplatz inszeniert. An der Straßenseite besitzt die schlicht-modern gestaltete St. Konrad-Kirche einen Eingangsbau, den eine eigenwillige Form, die Inschrift ‚Gottes Haus und Pforte des Himmels‘ und eine großflächige, geometrisch gerasterte Fensterfläche über den drei Türen charakterisieren. Im Inneren ist der helle Kirchensaal in Raumform, Lichtführung und Ausstattung ganz auf das Wesentliche - den erhöhten Altarraum mit massivem Marmortisch und schlichtem Holzkreuz - konzentriert.

 

 

 

 

 

Die Anlage zeugt von der zeitlosen Gestaltungskraft des Architekten Hans Schaefers, der innerhalb der Entwicklung des modernen Kirchenbaus in West-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg einen wichtigen Platz einnimmt. Während das viergeschossige Wohngebäude des Gemeindezentrums unmittelbar an das südliche Nachbarhaus anschließt, tritt der Glockenturm, der zugleich als Treppenhaus für die Wohnungen dient, leicht aus der Bauflucht vor. Pfarrhaus mit Gemeindesaal und das Gebäude für die Kindertagesstätte sind an die hintere Grundstücksgrenze gerückt und nehmen dort die Flucht der be­nachbarten Hinterhäuser auf; so rahmen die Gebäude die Kirche, lassen ihr an der Straße aber Raum. Der Kirchenbau ist als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt und besteht aus dem einschiffigen Saal mit Altarraum und Sakristei sowie einem schmalen Eingangsbau mit Orgelempore - die beiden flach gedeckten kubischen Bauteile verjüngen sich konisch und treffen an ihrer engsten Stelle aufeinander. Dadurch wirkt der Eingangsbau, der die Form eines auf die Seite gelegten Pyramidenstumpfes hat, wie ein Trichter, der die Gläubigen ins Innere zieht, wo sie durch das sich aufweitende Kirchenschiff zum Altarbereich geleitet werden. Diese Sogwirkung wird verstärkt durch die nach hinten zunehmende Helligkeit in der Kirche - der Saal wird seitlich von schmalen Fensterstreifen belichtet, der Altarraum erhält zusätzlich Licht von oben – und die schlichten Ausstattungsstücke:  Kreuzweg-Reliefs an den Seitenwänden begleiten den Weg, im Altarbereich ergänzen Seitenaltäre, Tabernakel, Taubecken, Leuchter und Holzskulpturen den Altartisch mit Kreuz. Außen sind Kirchenbau und Glockenturm geprägt durch Sichtbeton und rot gestrichenen Putz sowie durch die einheitlich gerasterten Glasflächen, die durch kräftige Betonrahmen in hoch- und querrechteckige Felder mit Drahtglasscheiben unterteilt sind. Landesdenkmalamt Berlin

 

Paul Löbe, 1924. Bundesarchiv

Rubensstraße Nr. 118

Paul Löbe (1875-1967)

 

Zum 100. Geburtstag von Paul Löbe wurde 14. Dezember 1975 am Haus Rubensstraße Nr. 118 rechts neben dem Eingang am seitlichen Balkonvorbau eine Gedenktafel enthüllt. Nach Mitteilung der Hausverwaltung ist diese bei Bauarbeiten 2014 abhanden gekommen. Am 25. September 2018 beschloss die SPD Friedenau, dass die Gedenktafel wieder angebracht werden soll. Bei Ablehnung durch die Hauseigentümerin sollte vor dem Haus im Straßenland eine Stele oder Ähnliches erstellt werden. Es ist, wie so oft, bei der Ankündigung geblieben.

 

Paul Löbe war 1895 in die SPD eingetreten. 1919 wurde der Abgeordnete des Provinziallandtags von Schlesien Vizepräsident der Weimarer Nationalversammlung. Von 1920 bis 1933 war er Mitglied des Reichstags, von 1920 bis 1924 und 1925 bis 1932 auch Reichstagspräsident, wo er den Störungen von NSDAP und KPD mit Geduld begegnete: Wollen wir vor der deutschen Geschichte bestehen, dann müssen wir uns, ob in Koalition oder Opposition, so weit zusammenfinden, dass Ersprießliches für unser Volk daraus erwächst.

 

Die Wahl vom 5. März 1933 brachte der NSDAP die Mehrheit mit 288 Sitzen. Am 23. März 1933 folgte Hitlers Ermächtigungsgesetz, mit dem die Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten durch die gewählten Vertreter des Volkes ausgeschaltet wurde. Hatte die SPD bei dieser Abstimmung mit ihrem Nein noch Haltung gezeigt, entschlossen sich Löbe und Genossen am 16. Mai 1933 Hitlers Friedensresolution zuzustimmen – und billigten die Täuschung der Öffentlichkeit über seine wahren politischen Pläne. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten.

 

 

Im August 1933 wurde Paul Löbe von einem SA-Kommando entführt. Dahinter verbargen sich wohl persönliche Rachegelüste des Breslauer Polizeipräsidenten und SA-Obergruppenführers Edmund Heines. Den schlesischen Reichstagsabgeordneten der NSDAP hatte Reichstagspräsident Löbe 1932 wegen Tätlichkeiten im Parlament aus dem Reichstag ausgeschlossen. Nun wurde Löbe in das KZ Breslau-Dürrgoy gebracht, wo er in einer von der Lagerleitung inszenierten ‚festlichen Begrüßung‘ empfangen wurde. Eine aus kommunistischen Häftlingen gebildete Schalmeienkapelle spielte und ein Häftling überreichte ihm einen ‚Blumenstrauß‘ aus Brennnesseln und Kartoffelkraut. In seinen ‚Erinnerungen‘ heißt es: In der Nacht kamen uniformierte Verbrecher, stießen einzelne Gefangene mit ihren Stiefeln wach und trieben sie hinaus. Man hörte diese in der ‚Sanitätsbaracke’ unter Schlägen schreien und wimmern, bis sie ohnmächtig herausgeschleppt und mit dem Kopf in die Regentonne gesteckt wurden, damit sie wieder zu sich kamen.

 

Nach einem halben Jahr wurde er freigelassen. Er bezog seine Abgeordnetenrente und der Verlag Walter de Gruyter beschäftigte ihn – wie den demissionierten SPD-Politiker Adolf Grimme – als  Korrektor. Grimme (1898-1863) warf Löbe später vor, sich vor Göring erniedrigt und die lukrative Rente eines Reichstagspräsidenten erbettelt zu haben. 1936 zog Paul Löbe mit seiner Frau Clara geb. Schaller (1879–1964) in die Rubensstraße Nr. 48. Das Haus erhielt später die Nr. 118.

 

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Löbe verhaftet und für mehrere Wochen im KZ Groß-Rosen gefangen gehalten. Nach Kriegsende kam er nach Berlin zurück, war wieder in der SPD aktiv und von 1949 bis 1953 Mitglied des Deutschen Bundestages. Paul Löbe starb am 3. August 1967 in Bonn. Am 9. August 1967 gab es einen Staatsakt im Rathaus Schöneberg und ein satirisches Begräbnis der Kommune I auf dem John F. Kennedy-Platz.

 

Jahrzehnte später erinnerte sich Ulrich Enzensberger in Die Jahre der Kommune I an diese Aktion: In unserer Wohnung am Stuttgarter Platz bauten wir einen Pappsarg. Der muskulöse Manfred Henkel zwängte sich in ein Rüschenkleid. Rainer Langhans stülpte sich einen Bauarbeiterhelm über, steckte ein US-Fähnchen drauf und stieg in einen Petticoat. Volker Gebbert ging als Westernheld Django. Ulrich Enzensberger schmückte eine Melone. Dieter Kunzelmann begnügte sich mit Unterhosen und einem Nachthemd. Hans Magnus Enzensberger kam mit, unkostümiert.

 

Ausgerüstet mit Kochlöffeln und Topfdeckeln fuhren wir in einem gemieteten Lieferwagen vor. Wir sprangen ab, schulterten den Sarg, in den sich Dieter Kunzelmann gelegt hatte, und eilten damit auf das Rathaus zu. Dann öffnete sich der Deckel des Sarges. Dieter erhob sich aus dem Sarg und warf ein Bündel Flugblätter in die Luft: Ihr wollt heute Paul Löbe durch den Schornstein feiern. Euch wird ein großes Fest beschert, ein großes, ernstes, wo einer vom Staat begraben wird. Wir nehmen die Feste, wie sie fallen, wir nehmen uns dies Fest mit den Ehrenmännern in Uniformen, den Leuten mit den reinen Westen, den aus Film und Fernsehen bekannten Darstellern von Charakterrollen und wir machen mit, denn wir wollen auch was feiern: Wir wollen ein paar smarte Leichen verscharren, die langsam schon zum Himmel stinken.

 

Es war ein Himmelfahrtskommando. Gudrun Enslin, Andreas Baader, Hans Magnus Enzensberger und Walter Urbach entkamen. 24 Personen wurden festgenommen. Wir wurden zum Flughafen Tempelhof zur Politischen Polizei gebracht. Ein Verfahren wegen ‚Störung der Totenruhe‘ wurde in Gang gesetzt.

 

Jahrzehnte später gesteht Ulrich Enzensberger: Sicher, der schwächliche Legalismus, mit dem der Sozialdemokrat einst die Macht an die Nationalsozialisten übergeben hatte, verdiente Verachtung, doch die brutale Selbstherrlichkeit, mit der wir Löbes Konzentrationslagerhaft abtaten, verhieß nichts Gutes.

 

 

Fundstücke zur Rubensstraße

 

Sammlung Staudt, Museum Schöneberg

Rubensstraße Nr. 56

Ruine, 1953. Sammlung Staudt, Museum Schöneberg

 

 

In Vorbereitung

Rubensstraße Nr. 58. LDA 2005

Rubensstraße Nr. 58

Baudenkmal Mietshaus

Datierung 1902-1903

 

Das viergeschossige Mietshaus Rubensstraße 58 fällt durch seine ungewöhnliche Form auf, die an den Ehrenhof eines Palastes denken lässt. Die Seitenflügel sind an der Straßenseite vorgezogen, die Vorgarteneinfriedung rahmt den gepflasterten Weg zum Hausein­gang. Die Straßenfassade des dreiflügeligen Hauses ist symmetrisch gegliedert. In der Mittelachse sind über dem von Pilastern flankierten Eingangsportal mit Segmentbogenabschluss Balkone und im Dachgeschoss eine spitz übergiebelte Schleppgaube angeordnet; die in den Schnittpunkten von Haupttrakt und Seitenflügeln liegenden „Berliner Zimmer“ sind mit Balkonen und die Stirnseiten der Seitenflügel mit zweigeschossigen Erkern ausgezeichnet. Während das Erdgeschoss mit kräftigen Putzfugen dekoriert ist, sind an den glatt verputzten oberen Geschossen die Fenster mit schlichten Rahmen betont. Nur an den Balkonen wurde mit schmiedeeisernen Brüstungen und feinem Stuckdekor ein größerer Gestaltungsaufwand betrieben. Landesdenkmalamt Berlin

 

Rubensstraße 60- 64, 1982

Rubensstraße Nr. 60-64

 

In Vorbereitung

Rubensstraße 70. Baudenkmal

Rubensstraße Nr. 70

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Architekt & Maurermeister James Ruhemann

Bauherr Ingenieur Georg Gallandi

Datierung 1907-1908

 

Mit dem Mietshaus näherte sich der Architekt James Ruhemann, der sich zuvor in Friedenau durch auffallend prächtige Stuckbauten hervorgetan hatte, einer moderneren Auffassung. Zwar zeigt das Gebäude mit asymmetrischer Vorderfront, Standerker und Loggien immer noch den traditionellen Fassadenaufbau, aber in Materialien und Dekor deuten sich neue Tendenzen an. Über dem rot verklinkerten Erdgeschoss sind die durchgängig glatt ge­putzten Obergeschosse mit originellen figürlichen Stuckreliefs in Formen des Jugendstils geschmückt; im Bereich des Erdgeschosses ist die polychrome Rahmung des Eingangsportals besonders betont. Auch an den Hoffassaden finden sich Reliefs in interessanter Ausformung. Die Hofdurchfahrt, von der das Treppenhaus mit seinen zur Straßen sichtbaren Fenstern aufsteigt, ist elegant mit tiefblauen Fliesen und Spiegeln verkleidet. Landesdenkmalamt Berlin

 

Sammlung Staudt. Museum Schöneberg

Rubensstraße Nr. 80

Wiederaufbau des Hauses, 1954

Foto Sammlung Staudt, Museum Schöneberg

 

 

In Vorbereitung

Sammlung Staudt. Museum Schöneberg

Rubensstraße Nr. 82

Ruine, 195

Sammlung Staudt, Museum Schöneberg

 

 

In Vorbereitung

Rubensstraße 92 Ecke Beckerstraße, 1980
Rubensstraße Nr. 92
Ecke Beckerstraße
 
 
In Vorbereitung
Rubensstraße 96 Ecke Beckerstraße, 1980

Rubensstraße Nr. 96

Ecke Beckerstraße, 1980

 

 

In Vorbereitung

 

 

Sammlung Staudt, Museum Schöneberg

Rubensstraße Nr. 132

Ruine, 1951

 

 

In Vorbereitung