Name ab 1. Februar 1962, zuvor von 1873-1883 Chausseestraße, 1890 Saarstraße, bis 1962 Kirchstraße. Hans Schmiljan (1901-1961) trat nach dem Zweiten Weltkrieg in die CDU ein und war von 1949 bis 1959 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Schöneberg-Friedenau. Von 1950 bis 1955 war er Stadtrat in Schöneberg und stellvertretender Bezirksbürgermeister. Ab 1951 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Von 1955 an war er Senator für Gesundheitswesen unter den Regierenden Bürgermeistern Otto Suhr und Willy Brandt. Ein Herzschlag ereilte ihn am 7. März 1961 auf dem Weg zur Sitzung im Rathaus Schöneberg.

 

Die letzten Monate waren für Senator Dr. Hans Schmiljan nicht einfach gewesen. Er war in den Konkurrenzkampf der US-Virologen Albert Sabin und Harold R. Cox „geschlittert“. Während das Präparat von Sabin 1961 zur allgemeinen Verwendung zugelassen worden war, hatte das Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt am Main das Cox-Präparat noch nicht als unbedenklich freigegeben. Cox aber schickte Schmiljan kostenlos 18 Zentner seines Cocktails nach Westberlin, der ab 11. Mai 1960 in Schulen und Kindergärten „ausgeschenkt“ wurde. Selbstsicher verkündete der Senator, dass mit dieser „Schluckimpfung“ keine nachteiligen Folgen zu befürchten seien und die Kinder keinen Reisebeschränkungen unterlägen.

 

Der Oberkreisdirektor von Euskirchen Dr. Hans Verbeek sah das anders. Er weigerte sich, Berliner Ferienkinder in seinem Landkreis aufzunehmen, die an der Schluckimpfung teilgenommen hatten. Schmiljan beteuerte, es bestehe kein Anlass zur Beunruhigung. Als dann Kinder mit schwerem Polio-Verdacht in Krankenhäuser eingeliefert wurden, versicherte der Senator: „Wir nehmen die Dinge nicht auf die leichte Schulter und werden diese Vorfälle sehr genau untersuchen.“

 

Inzwischen prüfte ein Westberliner Mediziner-Gremium, ob die Gesundheitsverwaltung einen bislang in Deutschland nicht erprobten Impfstoff ohne genügende Sorgfalt angewendet hat und ob die 50 Fälle von spinaler Kinderlähmung, die in diesem Sommer in Westberlin registriert wurden, auf den leichtfertigen Einsatz des Impfstoffs zurückgeführt werden müssen. Eingeschaltet wurden auch das Robert-Koch-Institut sowie Institute in Marburg und Hamburg.

 

Nun war Schmiljan tot und im Abgeordnetenhaus von Berlin gab es am 16. März 1961 eine Gedenkstunde. Bürgermeister Franz Amrehn (CDU) würdigte Hans Schmiljan als Mensch, der in den ganzen nationalsozialistischen Jahren „die eigene Person hinter die Sache, hinter die Aufgabe, hinter den Befehl des Gewissens zurücktreten ließ. Ihn bedrückte, dass er mit seinen politischen Freunden die Weimarer Republik nicht hatte retten und das politische Unglück der Jahre von 1933 an nicht hatte abwenden können“. Schmiljan „war es hart angekommen“, dass seine „Anstrengungen vergebens blieben“. Amrehn verschwieg, dass Schmiljan während der Nazi-Zeit Leiter des Referats für Arbeitsbeschaffung, Arbeitslosenhilfe, Arbeitseinsatz und Landhilfe beim Deutschen Gemeindetag war, den die Alliierten als Teil der NSDAP betrachteten und 1945 aufgelöst hatten. „So war es selbstverständlich, dass er nach 1945 wieder seine Kräfte in den Dienst des zuschanden geschlagenen Staates gestellt hat. Schmiljan trat in die CDU ein, wurde 1949 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Schöneberg-Friedenau, 1950 Stadtrat und stellvertretender Bezirksbürgermeister von Schöneberg, 1951 Mitglied des Abgeordnetenhauses und 1955 Senator für Gesundheitswesen.

 

Bereits vier Jahre nach seinem Tod wurde seine Grabstelle auf dem Waldfriedhof Dahlem (Abt. 10F-3) am 26. Oktober 1965 auf Senatsbeschluss zur Ehrengrabstätte des Landes Berlin erhoben, die am 18. Dezember 1991 verlängert und 2014 aufgehoben wurde. Geblieben ist die Schmiljanstraße.

 

Schmiljan-Gedenkstunde im Abgeordnetenhaus, 16.03.1961

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Schmiljanstraße Nr. 1, 1988. Topographie Friedenau

Schmiljanstraße Nr. 1

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf R. Miethe

1892

 

Der Südosten der Platzrandbebauung zwischen Bundesallee und Schmiljanstraße wird von einer Gruppe von vier keilförmig angeordneten Mietshäusern eingenommen: dem Eckhaus Bundesallee Nr. 130/Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 9/Schmiljanstraße Nr. 1 und den drei Häusern Bundesallee Nr. 129, Schmiljanstraße Nr. 2 und Nr. 3. Alle vier Mehrfamilienhäuser wurden 1892 nach Plänen von R. Miethe errichtet und sind viergeschossig, wie dies durch die neue Bauordnung von 1892 ermöglicht worden war.

 

 

 

 

 

 

Das letzte Wohnhaus dieser Mietshausgruppe, Schmiljanstraße 3, wurde auf einer schmaleren Parzelle als Einspänner gebaut, es ist nur fünfachsig und besitzt einen Mittelerker mit Seitenbalkons. Es ist über dem Eingang inschriftlich „AD 1893“ datiert und offenbar das zuletzt fertiggestellte Haus der Gruppe von Miethe. Die Fassaden der Hausgruppe haben ein durchgängiges, rhythmisiertes Fenster-Erker-Kompositionsschema. Das Eckhaus hat eine durchlaufende zweigeschossige Sockelzone mit reicher Stuckdekoration, darüber sind die Wandflächen durchgehend mit roten Ziegeln verblendet, die Erkerpfeiler und Fenstergewände verputzt. Die anschließenden Häuser sind insgesamt verputzt. Kleine Dachpavillons betonen die Mittelachsen des Eckhauses, die Mittelachsen der anschließenden Häuser zeigen kleine Quergiebel. Topographie Friedenau, 2000

 

Schmiljanstraße Nr. 2. H&S 2018

Schmiljanstraße Nr. 2

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf R. Miethe

1892

 

Der Südosten der Platzrandbebauung zwischen Bundesallee und Schmiljanstraße wird von einer Gruppe von vier keilförmig angeordneten Mietshäusern eingenommen: dem Eckhaus Bundesallee Nr. 130/Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 9/Schmiljanstraße Nr. 1 und den drei Häusern Bundesallee Nr. 129, Schmiljanstraße Nr. 2 und Nr. 3. Alle vier Mehrfamilienhäuser wurden 1892 nach Plänen von R. Miethe errichtet und sind viergeschossig, wie dies durch die neue Bauordnung von 1892 ermöglicht worden war. Das letzte Wohnhaus dieser Mietshausgruppe, Schmiljanstraße 3, wurde auf einer schmaleren Parzelle als Einspänner gebaut, es ist nur fünfachsig und besitzt einen Mittelerker mit Seitenbalkons. Es ist über dem Eingang inschriftlich „AD 1893“ datiert und offenbar das zuletzt fertiggestellte Haus der Gruppe von Miethe. Die Fassaden der Hausgruppe haben ein durchgängiges, rhythmisiertes Fenster-Erker-Kompositionsschema. Das Eckhaus hat eine durchlaufende zweigeschossige Sockelzone mit reicher Stuckdekoration, darüber sind die Wandflächen durchgehend mit roten Ziegeln verblendet, die Erkerpfeiler und Fenstergewände verputzt. Die anschließenden Häuser sind insgesamt verputzt. Kleine Dachpavillons betonen die Mittelachsen des Eckhauses, die Mittelachsen der anschließenden Häuser zeigen kleine Quergiebel. Topographie Friedenau, 2000

 

Schmiljanstraße Nr. 3. H&S 2018

Schmiljanstraße Nr. 3

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf R. Miethe

1892

 

Der Südosten der Platzrandbebauung zwischen Bundesallee und Schmiljanstraße wird von einer Gruppe von vier keilförmig angeordneten Mietshäusern eingenommen: dem Eckhaus Bundesallee Nr. 130/Friedrich-Wilhelm-Platz Nr. 9/Schmiljanstraße Nr. 1 und den drei Häusern Bundesallee Nr. 129, Schmiljanstraße Nr. 2 und Nr. 3. Alle vier Mehrfamilienhäuser wurden 1892 nach Plänen von R. Miethe errichtet und sind viergeschossig, wie dies durch die neue Bauordnung von 1892 ermöglicht worden war.

Das letzte Wohnhaus dieser Mietshausgruppe, Schmiljanstraße 3, wurde auf einer schmaleren Parzelle als Einspänner gebaut, es ist nur fünfachsig und besitzt einen Mittelerker mit Seitenbalkons. Es ist über dem Eingang inschriftlich „AD 1893“ datiert und offenbar das zuletzt fertiggestellte Haus der Gruppe von Miethe. Die Fassaden der Hausgruppe haben ein durchgängiges, rhythmisiertes Fenster-Erker-Kompositionsschema. Das Eckhaus hat eine durchlaufende zweigeschossige Sockelzone mit reicher Stuckdekoration, darüber sind die Wandflächen durchgehend mit roten Ziegeln verblendet, die Erkerpfeiler und Fenstergewände verputzt. Die anschließenden Häuser sind insgesamt verputzt. Kleine Dachpavillons betonen die Mittelachsen des Eckhauses, die Mittelachsen der anschließenden Häuser zeigen kleine Quergiebel. Topographie Friedenau, 2000

 

Schmiljanstraße Nr. 5, 1999. Topographie Friedenau

Schmiljanstraße Nr. 5

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf W. Kind & P. Kind

Bauherr Georg Eichwald

1910-1911

 

In der Schmiljanstraße 5 (Abb. 74, Liste Nr. 140) steht ein viergeschossiges, zwölfachsiges Mietwohnhaus mit hohem Souterrain, das 1910-11 von den Architekten W. und P. Kind erbaut wurde. Das Haus hat - als seiner Entstehungszeit entsprechender Reformmietshausbau - eine asymmetrische, frei komponierte Straßenfassade. In der Südhälfte springt ein oben gerundeter Standerker mit spitzem Turmhelm vor, in der Nordhälfte ein Kragerker mit Quergiebelbekrönung. Außen sind Loggien angeordnet, über dem zweiten Obergeschoß läuft ein Fußwalm, darunter ein Akanthusrankenfries. Ansonsten ist das Haus glatt verputzt. Die Fensterformate wechseln von Geschoß zu Geschoß. Das Haus besitzt im Souterrain ein holzgetäfeltes Vestibül mit einer Marmortreppe und einem ausgemalten Tonnengewölbe. Topographie Friedenau, 2000

Schmiljanstraße Nr. 11. H&S 2019

Schmiljanstraße Nr. 11

Ecke Handjerystraße Nr. 44-45

Baudenkmal Verwaltungsgebäude

Entwurf Robert Schöffler

Bauherr AOK Berlin

1956-1958

 

Das dreigeschossige AOK-Gebäude mit Flachdach an der Ecke Schmiljanstraße Nr. 11 und Handjerystraße Nr. 44-45 wurde 1956-58 auf einem L-förmigen, zweibündigen Grundriss erbaut. Schöffler hat um diese Zeit eine Reihe von AOK-Bezirksstellen in Berlin (Spandau, Tiergarten, Wedding) errichtet. Es ist einer der wenigen Bauten der fünfziger Jahre in Friedenau. Das Gebäude hat eine dem Verlauf der Handjerystraße folgende, konvex gebogene Fassade mit eng gestellten vertikalen Pfeilern. Die zurückgesetzten Brüstungsfelder zwischen den Pfeilern sind mit rotbraunen Keramikfliesen verblendet, einige frei verteilte gelbe, blaugrüne, rote und grüne Einzelfliesen lockern die Brüstungsfelder auf. Der Eingang mit dem gerundeten Vordach ist asymmetrisch in der Fassade angeordnet. Die Fassade des Kopfbaus an der Ecke ist nicht durch Pfeiler gegliedert, sondern als glatte Wandfläche mit beigen und einzelnen andersfarbigen Keramikfliesen verkleidet. Die dreiläufige Treppe im Inneren wird durch ein dreigeschossiges Treppenhausfenster mit Glasbausteinen an der Hofseite erhellt. Der Bau wird durch ein weit überstehendes Flachdach abgeschlossen. Topographie Friedenau, 2000

 

Nach diesen blumigen Worten wird klar, dass auch die Denkmalexperten nicht so recht wussten, warum ausgerechnet dieses Gebäude auf die Liste der Kulturdenkmäler von Friedenau gesetzt wurde. Gebaut für die AOK als Verwaltungsgebäude, später genutzt von der WTG (Westfälische Telefongesellschaft) und schließlich, als es Denkmal war, wurde das Gebäude 2013 dem Bezirksamt Schöneberg „günschtig“ angeboten und dem vom Bezirk subventionierten Nachbarschaftsheim (NBHS) angetragen. „Nachdem (im Bezirksamt bzw. NBHS) diverse Nutzungskonzepte erörtert wurden, entschied sich das NBHS für die Einrichtung und Betreibung eines Wohnheimes für Frauen und Kinder, also keine Notunterkunft, sondern ein richtiges zu Hause, solange die Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind. Das wiederum veranlasste die auch vom Bezirksamt subventionierte Stadtteilzeitung sogleich zu einem Jubelartikel: Es ist ein Schmuckstück geworden und macht Friedenau alle Ehre. Von außen hat sich das Haus nicht verändert. Aber das Innenleben wurde komplett umgestaltet. Helligkeit und freundliche Farben dominieren. Auf drei Ebenen (Erdgeschoss, 1. und 2. Etage) sind wohnlich gestaltete Zimmer entstanden, je nach Personenzahl für 2, 3 oder 4 in unterschiedlicher Größe. Selbst für eine Familie bis zu 8 Personen gibt es ein Apartment. Die Einrichtung ist funktional, die blauen Teppichböden in den Zimmern und das gelbe Linoleum in den Fluren vermitteln eine wohnliche Atmosphäre. Ein Großteil der Möbel verdankt das Haus übrigens einer Spende von Ikea. Auf jeder Etage gibt es eine Teeküche mit Aufenthaltsraum und Toiletten, im 1. Stock einen geräumigen Sanitärbereich mit Duschen. In der Großküche mit Speiseraum im Untergeschoss wurden 6 Arbeitsbereiche eingerichtet, jede Bewohnerin erhält eine Komplettausstattung an Koch- und Essgeschirr. Weiterhin gibt es natürlich ein Büro, Spielzimmer für die Kinder, Lernzimmer mit Computern für Kurse und Hausaufgaben, ein Krankenzimmer.

 

Schmiljanstraße Nr. 12, 1999. Topographie Friedenau

Schmiljanstraße Nr. 12

 

 

 

 

In Vorbereitung

Schmiljanstraße 16, 1988. Topographie Friedenau

Schmiljanstraße Nr. 16,

 

 

 

 

In Vorbereitung

Schmiljanstraße 17, 1988. Topographie Friedenau

Schmiljanstraße Nr. 17

 

 

 

 

In Vorbereitung

Schmiljanstraße Nr. 21/Handjerystraße um 1906. Archiv Barasch

Schmiljanstraße Nr. 21

Ecke Handjerystraße Nr. 42-43

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Klitscher und Afdring

Ausführung Zimmermeister H. Sonntag

1908-1909

 

Das viergeschossige Mietwohnhaus an der Ecke Schmiljanstraße Nr. 21 und Handjerystraße Nr. 42-43 entstand als Reformmietshaus mit asymmetrischer Fassadengliederung. Das Haus hat zwei Treppenaufgänge, die jeweils als Zweispänner ausgelegt sind. Im Erdgeschoss war das vornehme Restaurant „Zum Prinzen Handjery“ eingerichtet, in dem der Haus- und Grundbesitzer-Verein Friedenau seine Vereinsabende abhielt. Das Restaurant war nach dem Landrat des Kreises Teltow, Nikolaus Prinz von Handjery, der seine schützende Hand über die Anfänge der Gemeinde Friedenau gehalten hatte, benannt. Auch heute befindet sich hier ein Restaurant. Das Haus weist durchweg eine asymmetrische Gliederung der beiden Straßenfassaden auf. Erker mit Loggien und Wintergärten, ein Jugendstilportal und durch Säulchen gegliederte Reihenfenster des Restaurants im Erdgeschoss an der Handjerystraße sind kompositorisch frei verteilt. Die Einfriedung an der Handjerystraße besteht aus einem floralen schmiedeeisernen Jugendstilgitter. Die Fassade an der Schmiljanstraße ist vereinfacht worden, während die an der Handjerystraße gut erhalten blieb. Topographie Friedenau, 2000

 

Soweit wir uns zurückbesinnen können, gab es in diesem Haus im Erdgeschoss immer ein Restaurant. Das war um 1910 das wohlfeile Etablissement „Zum Prinzen Handjery“, das war in den letzten Jahren eine gutbürgerliche Wirtschaft mit süddeutscher Küche. An lauen Abenden waren die Terrassenplätze hinter der Einfriedung an der Handjerystraße gefragt, aber wegen dem Autolärm auf der Schmiljanstraße etwas problematisch. Nun scheinen die Tage gezählt zu sein. Am Fenster prangt ein Schild: „Demnächst Neueröffnung Tagespflege.“