Name seit 1895, benannt nach Bad Schwalbach im Rheingau-Taunus-Kreis. Das Schulgebäude auf dem Grundstück Schwalbacher Straße 3-4, Homuthstraße 1-5, Rheingaustraße 9 und Wiesbadener Straße 80-81 wurde am 11. Oktober 1910 eingeweiht. 1926 erhielt die Schule den Namen „Rheingau-Schule“, 2012 wurde daraus das Rheingau-Gymnasium.

 

 

 

Abb. 1 Ansicht von der Homuthstraße mit Haupteingang. Centralblatt 1911

Das neue Realgymnasium in Friedenau

Vom Gemeindebaurat Altmann in Friedenau

Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 96, 25. November 1911

 

Mit der schnellen Zunahme der Bevölkerungsziffer Friedenaus machte sich in den Jahren 1907/08 das Bedürfnis für die in der Entwiklung begriffene, vorläufig in anderen Schulen untergebrachte Realschule, ein eigenes Schulgebäude zu beschaffen, bald besonders lebhaft bemerkbar. Als Bauplatz wurde ein Grundstück an der Rheingau-, Schwalbacher und Homuthstraße gewählt; dasselbe schien seiner Lage zu den Himmelsrichtungen nach besonders hierfür geeignet. Das gesamte Grundstück, das eine Größe von 11535 qm umfaßte, wurde mit einer Fläche von 5932 qm für die Schule in Anspruch genommen. Der übrige Teil sollte für eine spätere Bebauung freibleiben. Von der Fläche des Schulgrundstückes sind 2483 qm bebaut. Die für den eigentlichen Schulhof freibleibende Fläche beträgt 2120 qm, so daß bei einer Schülerzahl von 800 Schülern 2,65 qm Schulhoffläche auf ein Schulkind entfallen.

 

 

Das Bauprogramm war recht umfangreich und schloß sich dem für die Groß-Berliner höheren Lehranstalten maßgebend gewordenen im großen und ganzen an. Außer 24 Klassenzimmern und 1 Aushilfsklasse sollten in dem Gebäude u. a. untergebracht werden: 1 Gesangsaal für etwa 90 Schüler, der auch als Doppelklasse benutzt werden könnte, 4 Räume für den physikalischen, 3 für den chemischen und 2 für den naturwissenschaftlichen Unterricht, 2 Räume für Büchereien, Lehrer- und Direktorzimmer nebst Vorzimmer, 2 Zeichensäle für 50 und 30 Schüler; 1 Turnhalle und 1 Aula mit Nebenräumen; ferner auf dem Dache 1 Plattform für astronomische Beobachtungen, darunter 1 verschließbarer Raum für Aufbewahrung von Instrumenten und 1 Werkstatt im Kellergeschoß; 1 Dienstwohnung von 7 Zimmern und Nebengelaß für den Direktor der Anstalt und kleine Wohnungen für Schuldiener und Heizer ...

 

 

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Wilhelm Haverkamp, Knabengruppe, 1891

Wilhelm Haverkamp (1864-1929)

Wohnung ab 1905 Schwalbacher Straße „Haverkamp’sche Haus“, später Nr. 9

Atelier Wilhelmstraße Nr. 7 (1900-1905, Bildhauerhof von Valentino Casal)

 

Das Aufsehen über Haverkamps „Arbeiterdenkmal“ am Schlesischen Bahnhof ist 1898 auch Kaiser Wilhelm II. nicht entgangen. Diese Darstellung, ein „Schmied mit seinem Sohn“, der energisch nach dem Hammer des Vaters greift, obendrein in Marmor ausgeführt, war im wilhelminischen Kaiserreich ungewöhnlich. Da musste etwas entgegengesetzt werden. Kurze Zeit später wurde (wohl auf Veranlassung des Hohenzoller) von der Stadt Minden „für die Ausführung eines Denkmals des Großen Kurfürsten ein Wettbewerb unter vier Bildhauern ausgeschrieben“. Im Mai 1899 hat „die LandeskunstKommission unter Mitwirkung von drei Herren aus Minden dem Entwurf des Herrn Wilhelm Haverkamp in Friedenau den Preis zuerkannt“.

 

Am 13. November 1900 trafen Kaiser und Kaiserin nachmittags 4 Uhr in Friedenau ein, um in der Wilhelmstraße Nr. 7 „die Ateliers der Herren Haverkamp und Casal zu besuchen. Der Besuch galt in erster Linie dem Atelier des Herrn Haverkamp zur Besichtigung der Statue des Großen Kurfürsten, die für die Stadt Minden bestimmt ist. Über die Ausführung der 3,16 m hohen Statue, die auf einem 3,84 m hohen Sockel zu stehen kommt, hat sich Seine Majestät sehr anerkennend ausgesprochen. Er gab den Auftrag, dasselbe Denkmal auch für Kiel herzustellen. Das Kaiserpaar traf um 4 Uhr im offenen Hofwagen, welchem drei Wagen mit der Gefolgschaft folgten, von Halensee kommend hier ein. Der Besuch dauerte eine halbe Stunde. Vor dem Atelier hatten sich nur wenige Einwohner unseres Ortes eingefunden. Der Kaiser trug Kürassierhelm und grauen Mantel, die Kaiserin war in tiefes Schwarz gekleidet. Auf der Rückfahrt fuhr das Kaiserpaar über den Friedrich-Wilhelm-Platz, durch die Kirchstraße und dann die Prachtstraße entlang nach Berlin zu.

 

Wilhelm Haverkamp, der seit 1900 in einem gemieteten Atelier im Casal’schen Bildhauerhof arbeitete, hatte damals bereits den Architekten Oskar Haustein „mit der Errichtung eines eigenen Ateliers nebst Wohnhaus an der Ecke der Rheingau- und Schwalbacher Straße betraut“. 1905 gab es jedenfalls das „Haverkamp’sche Haus“, ohne Hausnummer und ohne Entwässerung, obwohl „Herr Haverkamp auf Grund der Straßenordnung 2010 M. für Entwässerung hinterlegt hat“. Die Gemeinde musste eingestehen, dass „die dortige Gegend noch nicht kanalisiert ist“. Zwanzig Jahre lebte Wilhelm Haverkamp in der Schwalbacher Straße Nr. 9. Dort werden die Schwiegereltern Joseph und Katharina Ferlmann aufgenommen, dort kommen die Kinder Wilhelmine, Otto und Helmut zur Welt. Das Haus gegenüber der Rheingau-Schule hat den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt.

 

Haverkamp wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Senden bei Münster bei den Großeltern Ferlmann auf, besuchte die Volksschule und absolvierte eine Lehre als Stein- und Holzbildhauer. Mit 19 Jahren verließ er das Münsterland. An der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin lernte er bei Albert Wolff (1814-1892) und Fritz Schaper (1841-1919) die Kunst des Bildhauens. Es lag im Interesse der Akademie, dass sich ihre Studenten in Rom mit den Schöpfungen von Antike und Renaissance auseinandersetzten. Der Entsendung ging ein Wettbewerb voraus. Haverkamp gewann 1890 den Großen Staatspreis für Bildhauer – dotiert mit 6.000 RM und einem zweijährigen Rom-Aufenthalt.

 

Als er zusammen mit seinem Freund Georg Lund, Schüler des Malers Friedrich Schaper, „vom Monte Pincio zum ersten Male die Stadt, den St. Peter mit dem Vatikan sah, zog die Dämmerung herauf. Wie sich die wunderbaren Linien der Kuppel Michelangelos vor dem glutroten Abendhimmel als Silhouette abhoben, wie sie gewaltig zum Himmel strebte, alles ringsum beherrschend, das war das eigenartige Bild, das in meiner Seele nicht verblassen wird. Ich nahm es als ein Willkomm des Himmels und des Geistes Michelangelos, und staunend sah ich langsam Kuppel und Abendrot verschwinden im Grau der Nacht“.

 

Die Künstler kamen in Ateliers der Villa Strohl-Fern unter, die durch die Berliner Akademie der Künste seit 1883 angemietet wurden. Der Maler, Mäzen und Philantroph Alfred Strohl-Fern (1847-1927) hatte das Anwesen in der Nähe der Piazza del Popolo 1879 erworben, um dort Künstler aller Nationen und Kunstgattungen zu vereinen. Die Ateliers waren knapp und oft auch in miserablem Zustand. Es fügte sich, dass sich der Münsteraner Wilhelm Hüffer (1821-1895) in Rom eine neoklassizistische Villa hat bauen lassen. Hüffer, der sein Geld mit dem Import kubanischer Zigarren und der Pacht des französischen Tabakmonopols verdient hatte, nahm sich des Jungen aus dem Münsterland an. Er beauftragte Haverkamp mit der Herstellung der marmornen Skulptur „Knabengruppe auf korinthischem Kapitel“ (1891) für seine Empfangshalle. Seine Versuche, den jungen Bildhauer an Rom zu binden, scheiterten. Haverkamp reiste im März 1892 ab und heiratete Hals über Kopf bereits am 26. April Margarethe Ferlmann, die Adoptivtochter seines Onkels.

 

An Auftragsarbeiten mangelte es nicht: Bismarckdenkmal in Plauen (1896), Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Coesfeld (1899), Standbild Moltkes in Plauen (1900), Ausgestaltung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (1901), Denkmal des Großen Kurfürsten in Minden (1901), Krupp-Denkmal in Kiel (1904), Bronzestatue Fuchsjagd im Tiergarten (1904), Bronzestatue Wilhelms II. von Oranien für die Lustgartenterrasse des Berliner Schlosses (1907). Diese Aufträge befriedigten Wilhelm Haverkamp nicht wirklich: „Ich suchte mich zu befreien von all dem elenden Kram, der mich bedrückte und seit Jahren quälte.“ So entstand 1906 die „Ringergruppe“ mit zwei lebensgroßen nackten Ringern für den Volkspark Rehberge – geehrt mit der Großen goldenen Medaille, der höchsten Kunstauszeichnung der preußischen Akademie der Künste sowie die  Marienstatue für St. Elisabeth in Schöneberg (1922) und die Arbeiten für Haverkamps Friedenauer Pfarrkirche St. Marien:: Fassadenreliefs aus Formziegeln (1914) und Herz Jesu- Figur aus Holz (1928), die erhalten geblieben sind.

 

Seit Oktober 1901 lehrte er an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums figürliches Modellieren und dekorative Plastik. 1902 wurde er Nachfolger von Ludwig Manzel und zum Professor ernannt. Zu seinen Schülern gehörten Gustav Wallat (1905–08), Renée Sintenis (1907–10) und Wilhelm Kruse (1887-1960). 1916 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste berufen.

 

Wilhelm Haverkamp starb am 13. Januar 1929 zurückgezogen in seinem Haus an den Auswirkungen einer Staublunge und an Herzversagen. Seine letzte Ruhestätte fand er neben seiner 1918 verstorbenen Frau Margarethe auf dem St. Laurentius-Friedhof in Senden. 1931 vermerkt das Adressbuch: „Haverkamp’sche Erben, Eigentümer Kaufmann Otto Haverkamp“. Bereits 1933 ist das Anwesen im Besitz von M. Breska, Gurken und Zwiebelgroßhandlung.