Aus historischer Sicht gehört die Sponholzstraße zur Gemarkung Schöneberg – also zum gefühlten Friedenau. Der Name besteht offiziell seit dem 29. April 1884, war aber seit 1873 gebräuchlich. Benannt nach dem Kaufmann Johann Christian August Sponholz (1827-1907). Er ließ das Land ab 1873 parzellieren und sorgte zusammen mit weiteren Terraingesellschaften und Banken für den Bau der auf Schöneberger Terrain liegenden Wannseebahnstation Friedenau, auf der ab 1874 die zwischen Berlin (Potsdamer Bahnhof) und Potsdam (Stadtbahnhof) verkehrenden Lokalzüge hielten.

 

Liegenschaftsbuch von 1875. Archiv Lutz Sponholz

Sponholzstraße zwischen 1875 und 2006

Johann Christian August Sponholz. Archiv Lutz Sponholz

Johann Christian August Sponholz (1827-1907)

 

Namensgeber der Straße ist Johann Christian August Sponholz (1827-1907). Nachdem Johann Anton Wilhelm Carstenn 1871 mit Genehmigung des damals zuständigen Kreises Teltow dem Rittergut Deutsch-Wilmersdorf einige Hundert Morgen abgekauft hatte und über den „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ einen Bebauungsplan für eine Siedlung Friedenau hatte erstellen lassen, kam auch der August Sponholz auf die Idee, am östlichen Rand und schon auf der Gemarkung Schöneberg Grundstücke zu erwerben.

 

Auf dem Plan von 1876 ist „seine“ Straße bereits eingezeichnet – namenlos. Bereits ab 1873 ließ er das Land parzellieren. Für beide Straßenseiten wurden Mietshäuser mit zwei und drei Geschossen konzipiert, großzügige Wohnungen zwischen 130 und 230 Quadratmetern, Parkett, Flügeltüren, Balkone, Vorgärten und immer mit einem Stückchen Grün hinter den Häusern. Die Entwürfe stammen durchweg von Maurermeistern, die zugleich als Bauherrn fungierten. Dafür stehen die unter Denkmalschutz stehenden Häuser mit den Nummern 4a, 4b, 8, 23, 24, 31 und 49 aus den Jahren 1885 bis 1891. Eine Ausnahme bildet das aus gelb-roten Sichtziegeln erstellte Landhaus Sponholzstraße 33 Ecke Semperstraße 1, das der Architekt Max Nagel 1885 für die Besitzer der Tapetenfabrik, Glasmalerei und Kunstglaserei Gebrüder Hildebrandt geschaffen hatte. Am 29. April 1884 erhielt die etwa einen Kilometer lange Straße den amtlichen Namen Sponholzstraße.

 

In der Nähe fuhren auf den Gleisen der Stammbahn seit 1838 die Züge zwischen Berlin und Zehlendorf – ohne Halt in dieser Gegend. August Sponholz verbündete sich mit den Friedenauer Terraingesellschaften. Sie sammelten Geld für den Bau eines Stationsgebäudes und Sponholz schenkte der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahngesellschaft obendrein noch 200 Quadratmeter Land für die Station. Am 1. November 1874 wurde ein erster Bahnhof „Friedenau“ in Betrieb genommen..

 

 

 

Der Borstenviehhändler

 

Der Name Sponholz taucht erstmals 1403 in einer Urkunde des Klosters Broda am Tollensesee auf. Im Laufe der Jahrhunderte gerät der Stammbaum aus den Fugen. Für das „gefühlte Friedenau“ ist die Linie des Hofmeisters und Holzwärters Christian Friedrich Sponholz (1791-1864) von Bedeutung. Aus seiner Ehe mit Henriette Charlotte geborene Liebenow gingen drei Söhne hervor: Friedrich Wilhelm (1817-1899), Carl Ludwig (1839-1910) und eben jener Johann Christian August, Sponholz, nach dem 1884 die Straße benannt wurde.

Er wurde am 25. Dezember 1827 in Zadtkow geboren. Der Ort im Kreis Belgard in der Provinz Pommern war einst im Besitz der Familie von Kleist. Es gab ein Gut, vier Vorwerke, eine Mühle, ein Dutzend Wohnhäuser und etwa 100 Einwohner. Mehr als Ackerbau und Viehzucht war da nicht. Das änderte sich nach 1843 mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecken Berlin-Stettin und Neustettin-Belgard-Kolberg. Bis nach Pommern hatte es sich herumgesprochen, dass das ständig wachsende Berlin immer mehr Schlachtvieh brauchte. Damit kannten sich die Sponholz-Brüder aus. Als dann die preußische Gemeindeordnung im Jahre 1850 allen über 24 Jahre alten männlichen Einwohnern, „die Steuern zahlen, ein Gewerbe betreiben oder über Einkünfte verfügen“, das „Berliner Bürgerrecht“ garantierte, zog es Friedrich Wilhelm und Johann Christian August an die Spree. Sie wurden Viehhändler, „die“ Einkäufer für den Berliner Fleischhandel überhaupt und beherrschten zwischen 1855 und 1900 den Viehhandelsmarkt weit über die Grenzen von Preußen hinaus bis in das Land der Ungarn.

Mit den Viehmärkten und Schlachthäusern gab es in Berlin allzeit Probleme. Bereits 1591 wurde angeordnet, dass alles Vieh nur noch in öffentlichen Schlachthäusern gekillt werden dürfe. Der älteste Viehhof lag an der Jägerstraße – in der Mitte von Berlin. Da der Ort mit „Gerüchen“ verbunden war, wurde der Viehhandel an den Wollplatz verlegt, dem späteren Alexanderplatz. Nach 1661 kamen weitere Schlachthäuser hinzu. 1827 wurde der Klägersche Viehhof am Büschingplatz in der Nähe des Landsberger Tores als Sehenswürdigkeit gefeiert. Er wurde 1871 geschlossen, nachdem die Rinderpest ausgebrochen war.

1868 erwarb der Eisenbahnkönig Bethel Henry Strousberg (1823-1884) ein 30 Hektar großes Areal zwischen der Brunnen- und Ackerstraße in Gesundbrunnen, um einen privaten Viehhof mit Schlachthaus zu errichten. Dafür gründete er eine Viehmarkt-Kommandit-Gesellschaft auf Aktien, in die er die Konzession für einen Gleisanschluss an die Berliner Verbindungsbahn und damit den Anschluss an die Fernbahngleise einbrachte. Nach Plänen des Architekten August Friedrich Wilhelm Orth (1828-1901) entstand ab 1869 auf einem 30 Hektar großen Areal zwischen der Brunnen- und Ackerstraße in Gesundbrunnen der „Neue Berliner Viehmarkt“ (später AEG-Areal).

Am 19. Juli 1870 erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen – der Beginn des Deutsch-Französische Krieges. Eine Woche später saß Sponholz am 27. Juli im Zug nach Koblenz. Dort traf er General Albrecht von Stosch (1818-1896), den Besitzer des Weinguts von Stosch in Mittelheim und Generalintendanten der Armee. Diese militärische Verwaltungsbehörde hatte die Truppe vor allem mit Essen und Trinken zu versorgen. Die Sponholz-Brüder waren im Geschäft.

1872 ging die Strousbergsche „Viehmarkt-Kommandit-Gesellschaft auf Aktien“ an die „Sponholz & Co. Viehmarkts-Aktiengesellschaft“ über. 1884 schuf Sponholz mit dem „Kreditinstitut Sponholz, Ehestädt & Schröder, Bank Kommandit Gesellschaft“ die einflussreiche Vieh- und Fleischmarktbank der Reichshauptstadt. Dazu kam das Verlagshaus „Sponholz GmbH Berlin-Schöneberg“ für den Vertrieb von Fachliteratur für Fleischereien, in dem auch die „Allgemeine Fleischer Zeitung“ erschien. Zwei Jahre später verhandelte Sponholz mit dem Berliner Magistrat über einen Verkauf. Die hohen Preisforderungen veranlassten den Magistrat, den „Zentralvieh- und Schlachthof“ an der Landsberger Allee zu errichten. Das war das Ende des Viehhofs an der Brunnenstraße.

 

Neuer Berliner Viehmark. Entwurf August Orth
Neuer Berliner Viehmarkt. Quelle Baedeker's, 1878

 

August und Auguste Sponholz

 

Der 29jährige Johann Christian August Sponholz hatte 1856 zwischen Januar und März in Berlin die 24jährige Caroline Auguste Louise Herrmann (01.08.1832 - 16.04.1908) kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Doch er musste im April nach Ungarn zum Viehkauf. Während der monatelangen Trennung entstanden mehr als ein Dutzend Briefe, die uns Urenkel Lutz Sponholz aus Bad Münder für diese Website zur Veröffentlichung stellte.

 

Am 4. September 1856 fand die Trauung in der St. Matthäus Kirche im Tiergarten statt. Schon Mitte September 1956 zogen die Eheleute nach Pesth. Dort wurde 1858 Sohn August Junior geboren. Nach drei Jahren ging es nach Berlin zurück. Dort kamen die ihre Kinder Paul (1862), Alfred (1864), Gertrud (1865) und Walter (1867) zur Welt.

 

 

Der Briefwechsel

 

August und Auguste Sponholz. Archiv Lutz Sponholz

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Das Ende

 

Johann Christian August Sponholz starb am 16. Januar 1907 um 19.15 Uhr in seiner Wohnung Mariendorf-Südende, Wilhelmstraße 10 (heute Briesingstraße). Beerdigt wurde er am 20. Januar auf dem St. Matthäus Friedhof. Seine Auguste folgte ihm am 16. September 1908. Die letzte Ruhe haben beide dort nicht gefunden.

„Auf Grund der Dritten Verordnung über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin vom 23. April 1938 wurde im Einvernehmen mit dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt die Zweckbestimmung des aus anliegendem Plan ersichtlichen, rund 15.000 qm großen Teiles des alten Friedhofs der St. Matthäus Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg, Großgörschenstraße, mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Die Umbettungen haben nach dem Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode in Stahnsdorf zu erfolgen.“

Albert Speer brauchte Platz für die „Reichshauptstadt Germania“ mit der 40 Kilometer langen und 100 Meter breiten Nord-Süd-Achse. Die Mausoleen, Wandgräber und Grabmale wurden vermessen und kartiert, abgetragen und nach Stahnsdorf gebracht – rund 15.000 Särge und Urnen. Auf der Nordseite des Südwestkirchhofs fand ein Drittel der Gräber des „Alten St.-Matthäus-Kirchhof“ unter dem Namen „Alte Umbettung“ einen neuen Platz – mitten in der Landschaft. Das Stahnsdorfer Arrangement auf der etwa einen Kilometer langen „Grabstraße“ hat keinerlei Bezug zum ehemaligen Standort in Schöneberg. Das monumentale Wandgrab von August und Auguste Sponholz hat heute die Bezeichnung „Alte Umbettung, Abteilung A, Erbbegräbnis 15“.

 

Sponholzstraße 1. Foto Hahn & Stich, 2019

Sponholzstraße Nr. 1

 

Im Vergleich mit den anderen Grundstücken der Sponholzstraße, die ab etwa 1885 mit Landhäusern und Mietswohnhäusern bebaut wurden, wurde auf den Grundstücken Sponholzstraße Nr. 1-3 erst ab 1893 gebaut. 1897 waren die Gemarkungsgrenzen endgültig geklärt: „Gehört postalisch zu Friedenau, politisch zu Schöneberg.“ 1899 erscheint für Sponholzstraße Nr. 1 dennoch die Anmerkung „Siehe auch Friedenauer Straße Nr. 64“. Aktuell ist zu vermuten, dass die zweigeschossigen verwinkelten Bauten zwischen zwei Brandmauern nicht mehr lange bleiben werden.

 

1910 bekam das Haus eine „intellektuelle“ Note mit dem Einzug des Redakteurs Graßnick, den Illustratoren Kuntze und Schmitt, der Malerin Schmitt-Wehl, dem Komponisten Waldemar Wendland (1873-1947) und der Schriftstellerin Olga Wohlbrück-Wendland (1867-1933), die sich zu dieser Zeit bereits in einer dritten Ehe versuchte.

 

 

Olga Wohlbrück 1887 heiratete 1887 in Paris den Schriftsteller Maximilian Bern (1849-1923), der für Arthur Schnitzler „als Dichter verstummte und sich in der Folge auf die Herausgabe von Anthologien und Deklamatorien beschränkte“. Mit Bern übersiedelte sie 1888 nach Berlin. 1897 wurde die Ehe geschieden. 1900 folgte die Heirat mit dem Schriftsteller Leo Hirschfeld (1869-1924). Auch das ging nicht gut. Vier Jahre später heiratete sie den Komponisten Waldemar Wendland (1873-1947). Zugeschrieben wird ihr der Spruch: Es gibt Menschen, die Ablenkung brauchen für ihre Gedankenlosigkeit.“

 

In Berlin war Olga Wohlbrück als Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin tätig. An Ernst von Wolzogens Kabarett „Überbrettl“ lernte sie Waldemar Wendland kennen, der das Etablissement mit Kompositionen für Lieder und Chansons versorgte. 1910 gründete sie das „Figaro-Theater“ in der Motzstraße. 1913 schrieb sie ihr erstes Drehbuch, das sie in eigener Regie noch im selben Jahr verfilmte: „Ein Mädchen zum Verschenken“ ist der erste nachweisbare deutsche Film, bei dem eine Frau Regie geführt hat. Es blieb ihre einzige Regiearbeit. Fortan widmete sie sich ganz der Schriftstellerei, schreibt Romane, die von Rezensenten mit dem Prädikat „neuer Frauenroman“ versehen werden. Zahlreiche Romane werden verfilmt. Die offizielle Filmografie nennt „Das goldene Bett“ (1913), „Die Goldene Krone“, „Künstlerlaunen“, „Berlin W“ (alle 1920) sowie „Athleten“ (1924/25). Olga Wohlbrück-Wendland starb am 20. Juli 1933 in Berlin. Sie wurde auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof beigesetzt. Der Grabstein in der Abteilung N/S ist nicht mehr auffindbar. Ihren literarischen Nachlass verwaltet heute das Deutsche Literaturarchiv in Marbach.

 

 

Sponholzstraße Nr. 1A

 

Die Idylle von Kohlen-Meinecke in der Sponholzstraße Nr. 1A ist nicht mehr. Es war zu befürchten, dass Flachbau und Vorgarten dem Druck des Immobilienmarktes nicht standhalten würden. 2016 kamen die Abrissbagger. Ein halbes Jahrhundert war die Firma H.- G. Meinecke GmbH & Co. KG in Familienbesitz und das in der zweiten Generation. Es begann mit dem Kohlenhandel und ging mit der Zeit über zum Mineralöllieferanten, beständig und zuverlässig für Friedenauer Privathaushalte, Hausverwaltungen, Firmen und auch Laubenbesitzer, die ihr Heizöl in 10 Liter Kanistern abholten.

 

Nun sind auf dem Grundstück vis-a-vis des Eingangs zu den Ceciliengärten zehn exklusive, lichte Eigentumswohnungen mit Stellplätzen im Untergeschoss und Aufzug bis hinauf zum Penthouse mit 360°-Berlin-Panorama-Blick entstanden. Längst ist alles verkauft und bezogen. Das war bei dieser Werbung sicher nicht schwer: Die Sponholzstraße liegt verkehrsgünstig zwischen dem S-Bahnhof Friedenau und der Hauptstraße. Dennoch zeigt sie sich als ruhiger, historisch gewachsener Altbau-Kiez in bester Berliner Tradition. Durch die unmittelbare Nähe der Hauptstraße ist die Nahversorgung ausgezeichnet, die gesamte urbane Infrastruktur von Apotheke, Biosupermarkt, Café und Co. befindet sich in Laufweite. Mit den Bahnhöfen Innsbrucker Platz und Friedenau haben Sie die S-Bahn (S1, Ringbahn S 42, S42, S46), die U-Bahn (U4) und diverse Buslinien quasi vor der Tür. Mit dem Auto sind es nur wenige hundert Meter zur A 100.

 

Die Entwürfe stammen von einem kleineren, inhabergeführten Bauträgerunternehmen mit einem gut eingespielten Team von Architekten, Planern und Ingenieuren mit jahrelanger Erfahrung. Das klingt gut, zumal die Firma auch verkündet, dass sie weiß, wo und wie man in Friedenau am besten baut. Über das „wo“ ist sicher nicht zu streiten, über das „wie“ allerdings sehr. Dieser Bau hat mit der Sponholzstraße so gar nichts gemein. Er ist und bleibt ein Fremdkörper in einer fast 150-jährigen Straße, die noch mit vielen erhaltenen Landhäusern, Villen und Mietswohnhäusern aus der Erstbebauung aufwarten kann.

 

Das Haus der Sauthoff-Architekten könnte auch irgendwo anders entstanden sein, in Großbeeren, Mahlow oder Zossen beispielsweise. Es ist am Computer aus vorgegebenen Einzelteilen zusammengebastelt. Es ist beliebig. Die Ähnlichkeiten zu den weiteren Schöpfungen dieser Architekten in der Ahornstraße (Steglitz), Fürstenstraße (Zehlendorf), Irmgardstraße (Zehlendorf) oder im Tietzenweg (Lichterfelde) lassen sich kaum übersehen. Hinter dem Entwurf für das Haus Sponholzstraße Nr. 1A steckt nicht der Hauch einer Idee. Das ist nur noch Geschäftemacherei, und so sucht Sauthoff-Wohnungsbau weiterhin „qualifizierte Grundstücksangebote für unsere zukünftigen Projekte“, vor allem aber „aufteilungsgeeignete Altbauten, gerne mit Sanierungsbedarf sowie möglichst hohen Leerstand“. Berlin, wie haste dir verändert.

 

Nachtrag:

Die im Beitrag kursiv gesetzten Texte (Zitate) sowie die Fotos haben wir der öffentlich zugänglichen Webseite www.sauthoff-wohnungsbau.de/unternehmen/ entnommen.

 

Sponholzstraße Nr. 4A & 4B. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 4A & 4B

Sponholzstraße Nr. 4A & 4B

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Maurermeister Johannes Schmidt

Ausführung Peter Fischer

Bauherr Maurermeister Johannes Schmidt

1888-1889

1891 Umbau Bauherr Verlagsbuchhändler Julius Münnich E.

 

 

 

 

 

 

 

Das eindrucksvolle viergeschossige Doppelhaus Sponholzstraße Nr. 4A-B entstand in zwei Bauabschnitten: Das ursprünglich symmetrisch angelegte siebenachsige Mietshaus Nr. 4A an der nördlichen Grundstücksgrenze wurde 1888-89 vom Maurermeister und Bauherrn Johannes Schmidt errichtet. Nach dem Verkauf des Hauses 1891 ließ der neue Eigentümer, der Buchhändler Julius Münnich, vom Friedenauer Architekten Peter Fischer das Haus Sponholzstraße 4B als asymmetrische Erweiterung anfügen. In der architektonischen Gestaltung wurde der dreiachsige Hausteil mit Seitenflügel und separatem Zugang an das Nachbargebäude angeglichen, nur im Detail gibt es Unterschiede. Der Kontrast von roten Klinkerflächen mit hellem Putz und Stuck kennzeichnet beide Fassaden ebenso wie die Geschossteilung mit hohem Souterrain, drei Hauptgeschossen und einem Attikageschoss. Beide Häuser besitzen außerdem reichen Stuckdekor in Formen der Neorenaissance mit ädikulaartigen Rahmungen an Fenstern und Eingangsportalen, Säulen mit korinthischen Kapitellen, Eckquader an den Gebäudekanten, Streifenputz am Hochparterre und ein fein gezeichnetes Konsolgesims. Dagegen zeigt der ältere Hausteil mit dem zurückgesetzten Treppenhaus in der Mittelachse und den seitlichen weit ausladenden, mit kräftigen Säulen geschmückten Altanen eine plastischere Wirkung als der schmale, nur mit zwei kleineren Balkonen bestückte Erweiterungsbau. (Topographie Schöneberg, 2000/2018)

 

Sponholzsstraße 8. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 8

Baudenkmal Wohnhaus

Entwurf Maurermeister August Strieche

Ausführung Carl Böttcher

Bauherr August Strieche

1886

 

Wie ein Doppelhaus wirken die aneinander gebauten Wohngebäude Sponholzstraße 8 und 9, die beide 1886 als symmetrisch gegliederte zweigeschossige Klinkerbauten mit leicht vortretenden übergiebelten Mittelrisaliten und hellem Stuckdekor in nahezu identischer Gestaltung vom Bauunternehmer Carl Böttcher errichtet wurden. Bei beiden Häusern liegen die Zugänge jeweils an den Stirnseiten, die Vorgarteneinfriedungen mit dekorativen Gitterzäunen aus der Erbauungszeit sind noch vorhanden.

 

 

Das nördliche Mietshaus Sponholzstraße Nr. 8, das Böttcher für den Fleischwarenhändler August Striesche ausgeführt hat, ist um zwei Fensterachsen breiter und mit Souterrain und Drempel etwas höher als das Nachbargebäude; im Inneren war es in sechs Wohnungen unterteilt. Die Straßenfassade ist mit hellem Putz an Sockel, Altan und Drempel sowie mit klassizistischen Formen an Fensterverdachungen, Brüstungen und Dachgesims dezent dekoriert.

(Topographie Schöneberg 2000/2018)

 

Sponholzstraße Nr. 9. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 9

Baudenkmal Wohnhaus

Entwurf & Ausführung Maurermeister Carl Böttcher

Bauherr Maurermeister Carl Böttcher

1886

 

Das Wohnhaus Sponholzstraße Nr. 9 errichtete Carl Böttcher in eigener Bauherrschaft und verkaufte es nach der Fertigstellung. In seinen etwas geringeren Abmessungen kommt es den bescheideneren Landhäusern der Frühzeit in der Kolonie Friedenau nahe. Der schlichte Fassadendekor beschränkt sich auf die weißen Dekorsteine in den Fensterbögen, weiße Gesimsbänder, Pilaster am Altan und Löwenköpfe an den Konsolen des Traufgesimses. Im Haus gab es in beiden Hauptgeschossen je eine Wohnung mit vier Räumen, Küche und Bad. 1926 wurde der ehemals offene Balkon mit Austritt in den Vorgarten vor dem Erdgeschoss zu dem heutigen geschlossenen Erker umgebaut.

(Topographie Schöneberg 2000/2018)

 

Sponholzstraße Nr. 11. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 11

Baudenkmal Villa

Entwurf Maurermeister Johannes Schmidt

Bauherr Maurermeister Johannes Schmidt

1887-1889

 

Die Mietvilla Sponholzstraße Nr. 11 wurde 1887-89 vom Architekten Johannes Schmidt in eigener Bauherrschaft errichtet und ist in ihrer Gestaltung dem ebenfalls von Schmidt zwei Jahre zuvor fertig gestellten Haus Wielandstraße Nr. 27 verwandt. Das Gebäude ist nur an der Südseite direkt an das Nachbarhaus angebaut und repräsentiert die Bauphase ab 1887 in Friedenau, die durch den Übergang von den frei stehenden Landhäusern und Villen hin zur geschlossenen Bauweise gekennzeichnet ist. Über einem hohen Souterrain erheben sich drei Wohngeschosse, ein hell abgesetztes Attikageschoss und ein kräftiges Konsolgesims schließen die symmetrisch gegliederte Straßenfassade nach oben ab. Das flache Dach betont den kubischen Baukörper, der an der Straßenseite mit einem dreigeschossigen Altan und an der Seitenfront durch eine tiefe überdachte Nische für Eingang und Treppenhaus unterbrochen ist. Seinen besonderen Reiz erhält auch dieses Haus durch den Kontrast von roten Klinkerflächen mit hellem Putz und Stuckdekor, wie den breiten Fensterrahmungen in Formen der Neorenaissance oder den Säulen und reliefierten Brüstungen an den Balkonen. (Topographie Schöneberg 2000/2018)

 

Diese Villa bewohnte (1910, 1938) der Schriftsteller Hans Brennert (1870-1942), hauptberuflich Direktor des Städtischen Nachrichtenamtes Berlin, sowie 1931 der Autor und Widerstandskämpfer Alexander Fraf Stenbock-Fermor (1902-1972). (Weiteres in Vorbereitung)

 

 

Sponholzstraße Nr. 21

 

Wenn wir den Bebauungsplan der Sponholzstraße richtig interpretieren, dann könnte das gegenwärtige Neubauvorhaben Sponholzstraße Nr. 21 Ecke Hedwigstraße der letzte „Lückenschluss“ sein. – Nicht ganz allerdings, da der Zugang von der Sponholzstraße zu den Ceciliengärten (Nr. 25), das Restgrundstück Nr. 1 zur Hauptstraße sowie das „schmale Handtuch“ (Nr. 32) an der Ecke Semperstraße auch noch bebaut werden könnte. Dann wäre aber endgültig Schluss.

 

Über den Neubau Sponholzstraße Nr. 21 ist wenig zu erfahren. Dem Bauantrag vom 01.01.2013 ging ein Ersuchen um den Abriss eines „Bestandsgebäudes“ mit 5 Vollgeschossen (VG) und 5 Wohneinheiten (WE) voraus. Das war überfällig für einen schlimmen Bau, der in dieser Gegend niemals hätte gebaut werden dürfen. Dennoch brauchte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ein Jahr, um am 22.01.2014 in der BVV einen Beschluss für Abriss und Neubau herbeizuführen. Errichtet wird gegenwärtig ein Wohnhaus mit 10 WE, was offiziell unter „Planungsrecht BN-Plan XI-43 GRZ 0,3 GFZ 1,2 4 VG. Erreichte Nutzungsmaße GRZ 0,64 GFZ 3,64 5 VG (+ Staffelgeschoss)“ unter dem 29.06.16 dokumentiert ist. Der Immobilienbranche ist zu entnehmen, dass im Wohnumfeld der Sponholzstraße Nr. 21 die Mietpreise bei 12,01 €/m² und die Kaufpreise bei 4117 €/m² liegen.

 

Wie der Neubau mit einem Staffelgeschoss aussehen wird, wer Bauherr, wer Architekt, wer demnächst vermietet oder verkauft, ist nicht zu erfahren – und wird vom Bezirksamt (offensichtlich) mit dem Hinweis auf den Datenschutz verschwiegen. Ein Bauschild, wie eigentlich üblich, gibt es nicht. Gegenwärtig sind Arbeiten im Tiefgeschoss im Gange – hoffentlich nicht nur mit Kellern, sondern auch mit Tiefgaragen.

 

Nebenan auf dem Grundstück Sponholzstraße Nr. 16 gibt es die Humanistische Kindertagesstätte Friedenauer Strolche“, in der „163 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren betreut werden“. Sie werden sich damit abfinden müssen, dass neben ihrem grünen Spielplatz eine hohe Hauswand aufragt.

 

Sponholzstraße Nr. 23 & 24. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 23 & 24

Baudenkmal Wohnhaus

Entwurf & Bauherr Maurermeister Johannes Schmidt

1885

 

Das frei stehende, achsensymmetrisch gegliederte Doppelhaus Sponholzstraße Nr. 23-24 hat der Maurermeister Johannes Schmidt errichtet. An dem dreigeschossigen Wohnhaus mit hohem Souterrain und flachem Walmdach dominieren Altane an den beiden Außenachsen mit kräftigen quadratischen Stützen und kassettierten Brüstungsfeldern die Straßenfassade. Das Erdgeschoss ist durch Putzbossen als Sockelgeschoss betont, die beiden Obergeschosse sind mit roten Ziegeln verblendet und mit gelben Ziegelstreifen belebt. Die wohl proportionierte Fassadengliederung mit Rechteck- und Rundbogenfenstern, mit schmalen Rah­mungen in Formen der Neorenaissance sowie mit kräftigen Gurtgesimsen ist auch an den Schmalseiten der Häuser fortgeführt, wo die Zugänge angeordnet sind. Beide Häuser verfügen über je eine große Wohnung mit drei Zimmern und Balkon pro Geschoss. (Topographie Schöneberg 2000/2018)

 

Sponholzstraße 31. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 31

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf W. Ernst

Bauherr Caroline Schwertfeger

1898-1899

 

Die Semperstraße wurde um 1914 über das einzige, zu diesem Zeitpunkt noch unbebaute Grundstück Sponholzstraße Nr. 32 angelegt. Daher wendet sich das 1898-99 vom Steglitzer Maurermeister W. Emst errichtete Mietshaus Sponholzstraße Nr. 31 mit Brandwand und offener Hofseite nach Norden zur Straße, anstatt die damals noch nicht vorhandene Straßenecke zu betonen. Das viergeschossige Vorderhaus mit einem Seitenflügel und kurzem Quertrakt ist mit seiner durch reichen Dekor ausgezeichneten Hauptfassade zur Sponholzstraße orientiert. Zwei weit vortretende Standerker - optisch weitergeführt mit übergiebelten Dachaufbauten - geben der durch gelbe Ziegelverblendung und helle Putzflächen kontrastreich gestalteten Fassade ein kräftiges Relief. Daneben dominieren die qualitätsvollen schmiedeeisernen Balkonbrüstungen und das mit floralen Motiven verzierte Eingangsportal, das zur Erinnerung an die Bauherren, den Kaufmann Paul Schwerdtfeger und seine Frau Caroline, von einer die Initiale „S“ tragenden Kartusche überfangen wird. (Topographie Schöneberg 2000/2018)

 

 

Sponholzstraße 33. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 33

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Max Nagel

Bauherr Gebrüder Hildebrandt

1885

 

Die 1885 von Max Nagel für die Brüder Josef (Reichsbank-Buchhalter9 und Gustav (Ingenieur) Hildebrand errichtete Villa Sponholzstraße Nr. 33, Semperstraße Nr. 1 ist als dreigeschossiger Ziegelrohbau mit flachem Pyramidendach und schlichten Segmentbogenfenstern in ihrer unmittelbaren Umgebung ein seltenes Beispiel für die von dem Friedenauer Architekten propagierten Haustypen. Die Nordseite des kubischen Baukörpers schloss er mit einem schmalen Anbau für Eingang und Treppenhaus an das Nachbarhaus an, die Südseite gliederte er mit einem zweigeschossigen Standerker, die Ostseite mit ehemals hölzernen Balkonen. Diese wurden 1951 wegen Baufälligkeit in der heutigen Form als massiver Pfeileraltan, der im Gegensatz zum Rest des Hauses hell verputzt ist, erneuert. Die Fassaden sind mit einem Deutschen Band über dem rot verklinkerten Sockelgeschoss, durch rote Klinkerstreifen in den gelben Wandflächen der Obergeschosse sowie einem helleren Ziegelmuster unterhalb der weit überstehenden Traufe reizvoll gestaltet. (Topographie Schöneberg 2000/2018)

 

 

Sponholzstraße 49. LDA 2005

Sponholzstraße Nr. 49

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf & Bauherr Robert Hoffmann

1887

 

Der in Schöneberg seltene Typus des dreigeschossigen Mietshauses in geschlossener Bauweise hat sich bemerkenswert erhalten. Das Haus wurde als siebenachsiger symmetrisch gegliederter Bau ohne Hofflügel errichtet, die fein ausgearbeitete Stuckfassade entfaltet eine repräsentative Wirkung. Ein Schiefer gedecktes Mansarddach mit Gauben über den Fensterachsen und ein breites Traufgesims schließen die Fassade nach oben ab. Über dem mit Putzrustika versehenen und von großen Rundbogenfenstern durchbrochenen Erdgeschoss ist die Beletage mit Segmentgiebelverdachungen hervorgehoben. Neben dem leicht vortretenden Mittelrisalit mit Rundbogenportal und Dreiecksgiebel über den Fenstern des ersten Obergeschosses sind es vor allem die beiden gusseisernen Balkone auf schlanken, vom Boden aufsteigenden Säulen vor den Wohnungen im Hochparterre und der Beletage, die in dieser Form in Schöneberg einmalig sind. (Topographie Schöneberg 2000/2018)