Name seit dem 29. April 1884, benannt nach dem Dichter, Übersetzer und Herausgeber Christoph Martin Wieland (1733-1813). Er war neben Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar. Vier Jahrzehnte lebte er in dieser Stadt, achtmal ist er umgezogen, immer aber legte er Wert auf einen Hausgarten, wo ich Erbsen, Bonen, allerley Kohl und Gemüse und Wurzelwerk ziehe. Garten und Haus, in dem er 1806 seinen letzten Wohnsitz bezogen und 1813 gestorben ist, zu DDR-Zeiten noch als Wieland-Museum bekannt, mussten nach der Wende einem modernen Goethe-Kaufhaus weichen. Da Weimar auf Wieland nicht verzichten konnte, wurde das Gut in Oßmannstedt zur Gedenkstätte ausgebaut. Dort hat er allerdings nur von 1797 bis 1803 gelebt, dort wurde er begraben, weshalb in Oßmannstedt der Besucherstrom nicht mehr abreißt. Christoph M. Wieland gilt als Begründer des deutschen Bildungsromans. Meisterhafte Stilistik wird ihm bescheinigt, der die Satire ebenso beherrschte wie die Literaturkritik. Für die Fachleute sind seine Übersetzungen der Schriften von Horaz und Lukian bis heute nicht veraltet.

 

Die Wielandstraße gehört zur Gemarkung Schöneberg. Sie liegt außerhalb jener Grenzen, die 1874 für die Gemeinde Friedenau festgelegt wurden. Die Straße wird zum gefühlten Friedenau gezählt, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass in den Adressbüchern über viele Jahrzehnte zu lesen war: Gehört postalisch zu Friedenau, politisch zu Schöneberg.

 

Rabenpresse

Wielandstraße Nr. 8

Victor Otto Stomps (1897-1970)

Verleger und Schriftsteller

 

Genannt wurde er Knittel-Poet, Fabel-Dichter, Verleger ohne Mehrwert. Mit Victor Otto Stomps verbinden sich Rabenpresse und Eremiten-Presse. Es fallen die Namen Günter Eich, Günter Bruno Fuchs, Peter Huchel, Gertrud Kolmar, Hermann Kasack, Oskar Loerke, Max Herrmann-Neiße, Else Lasker-Schüler, Paul Zech. Stomps entdeckte die Talente, förderte und druckte sie, zeitlebens bewusst seiner auf Erfolgslosigkeit fixierten Existenz (Peter Hamm), um sie dann von seinem Kleinverlag zu größeren Häusern ziehen zu lassen. Wenn ein Autor uns wegrennt, ist unser Ziel erreicht. Angefangen hatte es 1926 in Berlin. Da gründete er mit Jean Gebser (1905-1973) die Stomps & Gebser, Buch- und Kunstdruckerei-Verlagsanstalt und den Verlag Die Rabenpresse mit Sitz in der Stallschreiberstraße Nr. 30. Stomps experimentierte mit Schrift, Typographie und ungewöhnlichem Buchpapier. Das kostete Geld. Die Finanzen waren prekär.

 

Der erste große Erfolg stellte sich erst 1934 ein. Im Jahr 1930 waren im Insel-Verlag Briefe an eine junge Frau von Rainer Maria Rilke (1875-1926) erschienen. Der Herausgeber verschwieg den Namen der Empfängerin. Das führte zu Spekulationen. Stomps (oder wem auch immer) gelang es, das Geheimnis zu lüften. Die junge Frau aus Hofgeismar, geschieden und alleinerziehend, fand Trost in den gefühlsbetonten Rilke-Gedichten. 1919 schrieb sie einen Brief an den Dichter. Es folgte ein bis 1924 andauernder Briefwechsel. 1934 erschienen im Verlag Die Rabenpresse Berlin unter dem Titel Lisa Heise – Briefe an Rainer Maria Rilke – mit der Anmerkung Lisa Heise ist die Empfängerin der Briefe an eine junge Frau. Ein Jahr später verkündet der Verlag das 11.-14. Tsd – was weit über der für die Rabenpresse normalen Auflage von einigen hundert Exemplaren lag.

 

Nachdem Stomps 1934 die Gedichte Preußische Wappen von Gertrud Kolmar (1894-1943) veröffentlichte, kam Die Rabenpresse im Börsenblatt des Buchhandels auf eine Liste unerwünschter Verlage. Stomps ließ sich nicht aufhalten. 1935 erschien das Buch Scheingehacktes von Til Brugman (1888-1958) und Renée Sintenis (1888-1965). Zum zehnjährigen Jubiläum des Verlages präsentierte er 1936 den Expressionisten der Berliner Secession Erich Büttner (1889-1936) und dessen Porträts von Alfred Mombert (1872-1942) und Max Herrmann-Neiße (1886-1941). In diesem Jahr brachte die Rabenpresse auch die Erzählung Das Dorf und der Knabe des 1943 nach § 175 mit dem Tode bestraften Reginald Marquier heraus. 1937 verkaufte Stomps den Verlag. Die Gründe sind unklar.

 

Victor Otto Stomps, der als 28-jähriger 1915 freiwillig in den Ersten Weltkrieg zog, Oberleutnant wurde und für seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse erhielt, nahm nun mit 42 Jahren als Oberstleutnant und Regimentskommandeur von 1939 bis 1945 auch am Zweiten Weltkrieg teil. Nach Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft gründete er 1949 in Frankfurt am Main den Verlag Eremiten Presse. Wieder förderte er junge Autoren: Christa Reinig, Paul Celan, Hans Bender, Christoph Meckel, Hans Neuenfels, Herbert Achternbusch, Gabriele Wohmann, Ernst Jandl, Peter O. Chotjewitz, Guntram Vesper, Dieter Hoffmann. Wieder wurde experimentiert, entstanden kleine Auflagen, Bibliophilie der Armut, gedruckt auf Packpapier und Wellpappe. 1954 zog er mit seinem Kleinverlag – aus Kostengründen – nach Stierstadt im Taunus.

 

Im Jahr 1965 kam endlich die offizielle Anerkennung als Autor. Victor Otto Stomps erhielt – nach Peter Huchel (1955), Uwe Johnson (1960), Golo Mann (1962), Arno Schmidt (1964) – den Fontane-Preis der Stadt Berlin für sein eigenes literarisches Schaffen. Als er 1966 zwei gleichberechtigte Teilhaber in den Verlag aufnahm, wurden seiner verlegerischen „Alleinherrschaft“ Grenzen gesetzt. Stomps kehrte nach Berlin zurück. Er zog als Untermieter in die Wohnung von Vera Ziegler (1914-1996) in die Wielandstraße Nr. 8. Die Schauspielerin, Galeristin und Verlegerin hatte 1960 in ihren Räumen die Galerie am Abend gegründet. Die Galerie, die nur am Abend und an den Wochenende geöffnet war und bis 1969 existierte, wurde schnell zum Künstler-Treffpunkt in Berlin.

 

Zum dritten Mal begann Victor Otto Stomps bei Null: Nach Rabenpresse (1926), Eremiten Presse (1949) entstand 1967 sein Verlag Die Neue Rabenpresse. Nun druckte er Fred Viebahn, Johannes Schenk, Christoph Meckel, Günter Bruno Fuchs, Johannes Vennekamp, Arno Waldschmidt, Albert Schindehütte, Uwe Bremer, Helgard Kremin, Johannes Hübner. Unmittelbar nach der Verlagsgründung erschien 1967 die Anthologie als Alibi, herausgegeben und eingeleitet von V. O. Stomps mit einem Vorwort von Vera Ziegler. Einmalige Auflage von 400 nummerierten Exemplaren mit 20 Originalholzschnitten aus der Werkstatt der Rixdorfer Drucke: Uwe Bremer, Günter Bruno Fuchs, Ali Schindehütte, Johannes Vennekamp, Arno Waldschmidt. Für den Autor und Verleger der bibliophilen Pressendrucke Hendrik Liersch ein Querschnitt aller verlegerischen Arbeit.

 

Am 4. April 1970 starb VauO, sein Pseudonym. Victor Otto Stomps war für die Frankfurter Rundschau ein Antibürger, der dennoch darauf bedacht war, in bürgerlicher Sichtweite zu bleiben. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Zehlendorf auf der Grabstätte seiner Eltern. Für das Grab hatte seine Schwester, die Bildhauerin Luise Sophie Stomps die Skulptur einer knienden, gebeugten Trauernden geschaffen. Luise Sophie Stomps starb 1988 und erhielt am 25. September 1990 ein Ehrengrab des Landes Berlin. Nach 24 Jahren wurde der Ehrenstatus 2014 aufgehoben. Für Berlin haben weder Ehrengrab noch Fontane-Preis eine besondere Bedeutung.

 

Galerie am Abend. Ausstellung 1965. Tilman Fritsch, Malerei

Wielandstraße Nr. 8

Galerie am Abend

 

Erst im Zusammenhang mit dem Einzug von Victor Otto Stomps im Jahre 1967 in die Wohnung Wielandstraße Nr. 8 erfuhren wir von den Aktivitäten in diesem Haus. In der großen Altbauwohnung hatte Vera Ziegler 1960 die Galerie am Abend gegründet.

 

Vera Ziegler wurde 1914 in Päwesin geboren und wuchs in Wildau bei Königs Wusterhausen auf. Ihr Vater Otto Ziegler (1871-1936) besaß dort eine Apotheke. Ihre Mutter Eva, geb. Dormann, (1879-1931) war Erzieherin. 1934 bestand Vera Ziegler das Abitur am Reform-Gymnasium Königs Wusterhausen. Sie machte eine Ausbildung zur technischen Assistentin, heiratete 1937 Dr. med. H. Großmann und brachte während des Krieges drei Kinder zur Welt. 1940 zog die Familie in die Wielandstraße Nr. 8. Die Ehe wurde geschieden. Von 1948 bis 1953 war Vera Ziegler mit dem Maler Walter Schmock verheiratet. Sie arbeitete im Versand einer Zellstofffabrik in Zehlendorf und ab 1962 in der Bibliothek in Wedding.

 

 

 

Irgendwann dazwischen kam sie auf die Idee, Künstler und Publikum in der Tradition der Berliner Salons zusammenzubringen. Entstanden ist mit der Galerie am Abend der Friedenauer Salon. Die Kunsthistorikerin Dörte Döhl publizierte im Frühjahr 2002 eine Bestandsaufnahme zur Galerie am Abend mit Ausstellungen, Lesungen, Edition sowie der Biographie von Vera Ziegler, die manchen Friedenauer überraschen wird – und vor allem keine weiteren Erklärungen bracht. Wir veröffentlichen das Material mit Erlaubnis der Autorin.

 

Die Galerie am Abend von Vera Ziegler

(Eine Bestandsaufnahme von Dörte Döhl)

 

Die Galerie am Abend existierte annähernd zehn Jahre von 1960 bis 1969. Die Initiatorin Vera Ziegler schuf in ihrer Wohnung in Berlin-Friedenau, Wielandstraße 8, einen Ausstellungsort, der im damals überschaubaren Kulturleben West-Berlins schnell zum Künstler-Treffpunkt wurde. Diese Institution öffnete nur am Abend und an den Wochenende, denn die Galeristin war voll berufstätig. Kontakt bestand in den frühen Jahren vor allem zur Gruppe der Künstler aus der Kreuzberger Zinke, wo Günter Bruno Fuchs, Günter Anlauf und Robert Wolfgang Schnell heimisch waren. Ab 1963 sammelte sich in der Gruppe der Rixdorfer ein Kreis um Fuchs, zu dem Uwe Bremer, Ali Schindehütte, Johannes Vennekamp und Arno Waldschmidt gehörten, die ihre Werkstatt in der Oranienstraße 20 eingerichtet hatten.

 

In der Galerie am Abend konnte das Publikum darüber hinaus bei Lesungen etwa Christa Reinig, F.C. Delius, Ludwig Harig oder H.C. Artmann kennenlernen. Junge Künstler bekamen in der Wielandstraße die Chance einer ersten eigenen Ausstellung. Einige Maler und Grafiker aus der Bundesrepublik konnte Vera Ziegler in Berlin erstmals zeigen. Mit bis zu sieben Ausstellungen pro Jahr bot sie in Berlin aus eigener Initiative ein Programm an, das den kommerziellen Kunsthandlungen in nichts nachstand. Aktuelle Strömungen griff die Galerie am Abend ebenso auf wie zufällig entstehende Kontakte, dabei gewann sie mit einer Tendenz zur figürlichen Kunst, die bis hin zum phantastischen Realismus reichte, durchaus ein eigenes Profil. Vera Ziegler kam es aber am meisten darauf an, einen Raum der Begegnung von Kunst und Literatur zu schaffen, der das Publikum stark einbezog. Diese Idee war Programm. Als Galeristin formulierte sie es 1960 folgendermaßen:

 

das rastlose suchen, die melancholie, die freude, das erfassen der unendlich vielen variationsmöglichkeiten einer einzigen farbe, die fülle des lebens, die der künstler immer wieder von neuem entdeckt, all das möchte ich zeigen. zum anderen aber eine stätte schaffen, um im kleinen kreis arbeiten bildender künstler zur diskussion zu stellen, und auch so zu einem zwanglosen beisammensein von künstlern und kunstliebhabern beitragen. denn auch wer selbst nicht schöpferisch tätig ist, hat vielleicht den wunsch, sich mit den viel diskutierten fragen um die kunst unserer zeit auseinanderzusetzen.

 

 

Ausstellungen und Lesungen in der Galerie am Abend

 

Juni 1960: Eröffnung der Galerie am Abend mit Karl August Hahn (Berlin), Zeichnungen und Metallarbeiten, dazu Bilder von Walter Schmock und Gipsplastiken von Eugen Clermont; 25.9.-28.10.1960: Ausstellung Kat Kampmann (Berlin); 6.11.1960-6.1.1961: Ausstellung des peintures exigues mit Isolde Baumgart (Paris), Otto Adolf Brasse (Berlin), Florian Breuer (Berlin), Christian Chruxin (Berlin), Ute Finis (Kassel), Hildegard Annemarie Fischer (Berlin), Karl August Hahn (Berlin), Kat Kampmann (Berlin), Wolfgang Kube (Berlin), Ali Schindehütte (Kassel), Rudolf Schoofs (Kassel). Zu den Ausstellungen stellten die Künstler in der Regel entsprechende Plakate und Einladungen her.

 

1961

Januar 1961: Ausstellung Ali Schindehütte, Zeichnungen

19.2.-19.3.1961: Ausstellung Momentaner Monumentalismus: Figuren von Ali Schindehütte, Christian Chruxin, Arno Waldschmidt, Paul Dreizehn, Angelika

9.4.-5.5.1961: Ausstellung Nierhaus und Estenfelder, Frankfurt am Main, Collagen

7.5.-2.6.1961: Ausstellung Horst Grig, Reliefbilder

25.6.-14.7.1961: Ausstellung Jugendstillithografien & Lesung Joachim G. Oldag

6.8.-6.9.1961: Ausstellung Ekkehard Thieme, Grafik &  Lesung Christa Reinig

5.11.-1.12.1961: Ausstellung Kilian Breier (Saarbrücken), Fotogramme / Kurt Wendlandt (Berlin), Lichtgrafik und Lichtcollagen

1962

1.4.-27.4.1962: Ausstellung Rolf Curt (Berlin), Malerei und Grafik

6.5.-1.6.1962: Ausstellung Joe Hackbarth (Weinheim), Reliefbilder, Malerei und Grafik & Lesung Günter Bruno Fuchs liest Villon

16.6.-12.7.1962: Ausstellung Michael Witzenmann-Krell/Karlheinz Dennig (Hamburg), Malerei und Grafik & Lesung Kurt Neuburger

10.11.-2.12.1962: Ausstellung Alexander Deisenroth, Malerei und Grafik &  Lesung Kurt Neuburger (zu seinem 60. Geburtstag)

8.12.-31.12.1962: Ausstellung Günter C. Kirchberger (Stuttgart) &  Lesung Reinhard Döhl (Stuttgart)

1963

19.1.-19.2.1963: Ausstellung Rolf Jörres, Plastik und Grafik & Lesung Arnim Juhre

2.3.-2.4.1963: Ausstellung Walter Mensch (Hamburg) & Konzert Nagi el Habaschi, Cello

20.4.-20.5.1963: Ausstellung Hans Walter Lämmerhirt (Frankfurt a. M.), Malerei und Grafik

25.5.-25.6.1963: Ausstellung Charles Wierspecker, Malerei und Grafik & Lesung Rolfrafael Schroer

3.8.-1.9.1963: Ausstellung Jean Pons (Paris), Ölbilder und Lithografien & Lesung Simon Traston

26.10.-22.11.1963: Ausstellung Klaus Burkhardt (Stuttgart), Druck und Buchstabenbilder & Lesung Kurt Neuburger

1964

14.3.-12.4.1964: Ausstellung W.P. Eberhard Eggers (Hannover), Seltsame Machenschaften & Lesung P.G. Brandt

30.5.-? 1964: Ausstellung Michael Badura Organisationen mit Schwerkraft & Lesung Aldona Gustas

8.8.-1.9.1964 V. Ausstellung der Gesellschaft Tessiner Maler und Bildhauer, Ölbilder, Plastiken, Grafiken (Massimo Cavalli, Renzo Ferrari, Giovanni Genucchi, Cesare Lucchini, Bruno Morenzoni, Flavio Paolucci, Selmoni, Travaglini)

12.9.-4.10.1964: Ausstellung Werner Kausch (Hannover), Malerei und Grafik & Lesung Jan Franksen

17.10.-15.11.1964: Ausstellung Kurt Budewell (Duisburg), Gemälde, Zeichnungen, Grafik

1965

13.2.-28.2.1965: Ausstellung para bellum Heinrich Schilinzky, Collagen &  Lesung Christoph Gahl

6.3.-4.4.1965: Ausstellung Heinrich Pölzl (Graz), Malerei und Grafik & Lesung Wolfgang Bauer

10.4.-9.5.1965: Ausstellung Friedrich Sieber (Stuttgart) & Lesung Reinhard Döhl (Stuttgart)

15.5.-?: Ausstellung Marjan Vojska

19.6.-18.7.1965: Ausstellung Gilbert Chevalier, Zeichnungen und Collagen &  Lesung Lothar Baier (text + kritik)

24.7.-23.8.1965: Ausstellung Tilman Fritsch, Malerei &  Lesung F.C. Delius

2.10.-31-10.1965: Ausstellung: Hans Dahlem (Saarbrücken), graphische kosmogonie & Lesung Ludwig Harig

1966

30.4.-29.5.1966: Ausstellung Konrad Mätzig (Adelebsen), Malerei und Grafik & Lesung Peter O. Chotjewitz

4.6.-3.7.1966: Ausstellung Tom Reichelt, Ölbilder und Aquarelle & Lesung H.C. Artmann

29.6.1966: Lesung Vagelis Tsakiridis

1.10.-23.10.1966: Ausstellung Konrad Schüler & Lesung Joachim Seyppel (Berlin)

29.10.-27.11.1966: Ausstellung Helmut Plontke, Zeichnungen

1967

21.1.-19.2.1967: Ausstellung Klaus Vogelgesang, Grafik & Lesung Johannes Schenk

25.2.-27.3.1967: Ausstellung Edwin Dickman, Zeichnungen und Lithos &  Lesung Thomas Pfeiffer

1.4.-30.4.1967: Ausstellung Helmut Völker, Grafik und Ölgemälde & Lesung Joachim Uhlmann

6.5.-4.6.1967: Ausstellung Tilman Fritsch, Ölgemälde & Lesung Vangelis Zakarides

10.6.-9.7.1967: Anthologie der Galerie am Abend: Edwin Dickman, W.P. Eberhard Eggers, Rolf Fässer, Tilman Fritsch, Wolfgang Kunde, Konrad Schüler, Helmut Völker, Klaus Vogelgesang & Lesung Rudolf Wittkopf

16.9.-15.10.1967: Ausstellung Karl String, Ölgemälde

11.11.-31.12.1967: Ausstellung Konrad Schüler, Mischtechniken & Lesung Johannes Schenk

22.11.1967: Lesung Kurt Neuburger (anlässlich seines 65. Geburtstages)

1968

6.1.-25.2.1968: Ausstellung Ernst Volland (Wilhelmshaven), Zeichnungen & Lesung Johann Peter Tammen

30.3.-29.5.1968: Ausstellung Natascha Ungeheuer & Lesung Johannes Schenk

14.9.-13.10.1968: Ausstellung Hans-Ulrich Buchwald (Hannover), Holz- und Linolschnitte & Lesung Wolfgang P. Menzel

2.11.-1.12.1968: Ausstellung Stephan Scherer, Malerei und Grafik & Lesung Joachim Seyppel

7.12.1968-6.1.1969: Ausstellung Justine Zeitler

1969

1.3.-13.4.1969: Ausstellung Erhart Wagner, Zeichnungen und Bilder & Lesung Tilmann Lehnert

10.5.-22.6.1969: Ausstellung Pierre Vogel (Genf)

 

Nach 1969 veranstaltete Vera Ziegler regelmäßig Lesungen (Unvollständige Liste):

 

22.2.1975 Peter J. Fabich

7.3.1981 Helga M. Novak

26.8.1983 Peter J. Fabich

27.11.1989 Peter J. Fabich

2.4.1990 Martin Pohl

14.5.1990 Heinz Kahlau

25.6.1990 Paul Schuster

17.9.1990 Hartmut Andryczuk

10.12.1990 Paul Schuster

27.5.1991 Paul Schuster

18.11.1991 Gisela Zies

20.1.1992 Assen Assenow

23.3.1992 Ernest Wichner

17.8.1992 Adolf Endler

12.10.1992 Tilmann Lehnert

25.1.1993 Helmut Eisendle

22.3.1993 Lothar Klünner

7.6.1993 Lothar Fischer

9.8.1993 Richard Wagner

18.10.1993 Kiev Stingel

7.11.1994 Christoph Klimke

29.5.1995 Wolfgang Heyder

 

Edition Galerie am Abend

Angeregt von VauO Stomps und seiner Neuen Rabenpresse brachte Vera Ziegler die eigene Edition mit folgenden Publikationen heraus:

 

Notizen, Gedichte von Aldona Gustas, 9 Radierungen von Konrad Schüler, Ganzleder, 15 x 21,5 cm, 15 nummerierte und signierte Exemplare, um 1968/69.

Das Tor zum Garten von Adam und Eva, 5 Lithografien von Konrad Schüler, 5 Aussprüche von Kurt Neuburger, Leinen 30 x 21 cm, 30 nummerierte und signierte Exemplare, 1969.

Doppelfenster, Gedichte von Wolfgang P. Menzel, 10 Zeichnungen von Ernst Volland, Englische Broschur, 20,5 x 29,5 cm, 200 nummerierte und signierte Exemplare, 1969.

Montagsmaschinen, Gedichte von Heinz Kulas, 15 Zeichnungen von Konrad Schüler, Englische Broschur, 29,7 x 21 cm, ca. 1969/70.

Einfache Sätze, Texte verschiedener Dichter mit 10 Zeichnungen von Klaus Vogelgesang, Mappe, signiert und nummeriert, 41,5 x 30 cm, ca. 1969/70.

Karl Oppermann: Unter der Lasur. Gedichte und Zeichnungen, Berlin 1970.

Uwe Reisner: Vorm Aufhören beginnen, mit Zeichnungen von Günter Anlauf, Berlin 1982, 300 nummerierte und signierte Exemplare.

Jürgen Schüler, Text, Konrad Schüler, Klappbilder, Edition Galerie am Abend, Kassette: Einmalige Ausgabe von 4 nummerierte und signierten Exemplaren.

Georg Rosenstock: Irische Gezeiten, herausgegeben von Vera Ziegler, Illustrationen: Wolfgang Nieblich, Berlin, Hans Werner Herrmann Verlag.

 

Vera Ziegler (1914-1996)

Vera Ziegler wurde am 9.11.1914 in Päwesin geboren und wuchs in Wildau bei Königs Wusterhausen auf. Ihr Vater Otto Ziegler (1871-1936) besaß dort eine Apotheke. Ihre Mutter Eva, geb. Dormann, (1879-1931) war Erzieherin. 1934 bestand Vera Ziegler das Abitur am Reform-Gymnasium Königs Wusterhausen. Sie machte eine Ausbildung zur technischen Assistentin, heiratete 1937 einen Arzt und brachte während des Krieges drei Kinder zur Welt. 1940 zog die Familie nach Berlin-Friedenau in die Wielandstraße Nr. 8. Nach der zweimaligen Scheidung von ihrem ersten Ehemann war Vera Ziegler von 1948 bis 1953 mit dem Maler Walter Schmock verheiratet. Auf den Weg in die berufliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit führte sie von 1954 bis 1961 eine Anstellung im Versand einer Zellstofffabrik in Zehlendorf. Das Bezirksamt Wedding übernahm sie 1962 als Büchereimitarbeiterin. Von 1974 bis zur Pensionierung 1979 war Vera Ziegler Bibliotheksangestellte am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin.

Neben ihrer Berufstätigkeit eröffnete Vera Ziegler 1960 in der großen Altbauwohnung in Friedenau, in der sie bis zu ihrem Tod lebte, die Galerie am Abend und intensivierte damit den Kontakt zu Künstlern, den sie auch vorher schon geschätzt hatte. Als Galeristin fand sie Resonanz bei einem interessierten und vielseitigen Publikum. Ihre Wohnung öffnete sie außerdem nicht nur für Ausstellungen: In den sechziger Jahren wohnte Helga Novak für kurze Zeit bei ihr. Anlässlich seiner Rückkehr nach Berlin bezog der Autor und Verleger VauO Stomps 1967 Räume in der Wielandstraße Nr. 8. Bis zum Februar 1969 richtete er dort die Neue Rabenpresse ein und druckte dort einige seiner letzten Bücher.

Vera Ziegler beendete die regelmäßigen Ausstellungen in ihrer Wohnung 1969. Mit Lesungen, die sie bis 1995 veranstaltete, führte sie die Idee, Künstler und Publikum in der Tradition der Berliner Salons zusammenzubringen, bis zur ihrem Lebensende weiter fort. Gleichzeitig engagierte sie sich ab 1981 im Bereich des Theaters. Als Darstellerin nahm sie an den Produktionen freier Berliner Gruppen teil. Außerdem trat sie an großen Häusern wie dem Theater des Westens und der Freien Volksbühne als auch in Filmen als Komparsin auf. 1990 wurde Vera Ziegler Mitglied des neu begründeten Ensembles Teatr Kreatur im Theater am Ufer in Berlin. Sie trat in den Produktionen Die Zimtläden, Das Ende des Armenhauses, Ein Stück vom Paradies und K von Andrej Woron auf und unternahm mit der Truppe Tourneen u.a. nach Russland und Südamerika. Von 1995 bis 1996 baute sie als Mitorganisatorin das Tanztheater Bas-Relief auf.

 

Vera Ziegler verstarb am 12.12.1996 in Berlin. Ihr Nachlass ging in Teilen an die Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin.

 

Wielandstraße 10. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 10

Baudenkmal Mietshaus

1897-1898

Entwurf & Bauherr Eduard Bull (Baugeschäft)

 

Der mittlere Bereich der Wielandstraße ist durch zwei unterschiedliche Bebauungsstrukturen gekennzeichnet: Südlich der Hedwigstraße finden sich noch einzelne frühe Beispiele in offener Bauweise, während nördlich die geschlossene Bebauung w Mietshäusern der Jahrhundertwende mit einem oder zwei Seitenflügeln vorherrscht. Hier bilden an der westlichen Straßenseite die neun Häuser Wielandstraße Nr. 8-14A, Hedwigstraße Nr. 12, 12A, eine zusammenhängende Reihe qualitativ gleichrangiger Mietshäuser mit im Detail unterschiedlicher Gestaltung. Sie entstanden zwischen 1892 und 1904, nachdem der Bahnhof Friedenau an der 1891 fertig gestellten Vorortbahn ausgebaut worden war und die Besiedlung auch im Schöneberger Teil von Friedenau voranging.

 

 

 

Die viergeschossigen Mietshäuser sind durch Seitenflügel, Vorgärten sowie durch lebhaft mit Erkern, Loggien und Balkonen gegliederte Fassaden und durch verschiedenartigen Stuckdekor in den Formen von Neorenaissance und Neobarock gekennzeichnet. Im Zweiten Weltkrieg war das Gebiet nur wenig zerstört worden, sodass die Häusergruppe trotz einiger Vereinfachungen an den Fassaden in den 1950er und 1960er Jahren sowie Dachgeschossausbauten aus jüngerer Vergangenheit in großer Geschlossenheit die Bebauung im Schöneberger Teil Friedenaus um 1900 repräsentiert.

 

Das 1897-98 von Eduard Bull errichtete Mietshaus Wielandstraße Nr. 10 besteht aus einem vier-geschossigen Vorderhaus und zwei Seitenflügeln. Die verputzte Straßenfassade mit zurückhaltendem Stuckdekor wird durch die Hauseingangstür und einen zweigeschossigen Erker in der Mittelachse sowie durch Loggien in den beiden Außenachsel) an allen Etagen symmetrisch gegliedert; von den geschwungenen Giebelaufsätzen über den Loggien ist nur der südliche erhalten. Das Dachgeschoss wurde nachträglich ausgebaut. Die am Erdgeschoss gestreift und an den Obergeschossen glatt verputzten Wandflächen sind mit Balusterbrüstungen, pilasterartiger Eckquaderung an Loggien und Erker sowie mit schmalen Fensterrahmungen dekoriert. Im Entree haben sich Fliesen und Stuck in Rokokoformen erhalten. Topographie Schöneberg 2018

 

Wielandstraße 11. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 11

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf 1891

Baubeginn 1892

Fertigstellung 1893

Entwurf Architekt James Ruhemann

Bauherr Maurermeister Hermann Ette & Ferdinand Reimann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der mittlere Bereich der Wielandstraße ist durch zwei unterschiedliche Bebauungsstrukturen gekennzeichnet: Südlich der Hedwigstraße finden sich noch einzelne frühe Beispiele in offener Bauweise, während nördlich die geschlossene Bebauung w Mietshäusern der Jahrhundertwende mit einem oder zwei Seitenflügeln vorherrscht. Hier bilden an der westlichen Straßenseite die neun Häuser Wielandstraße 8-14A, Hedwigstraße 12, 12A, eine zusammenhängende Reihe qualitativ gleichrangiger Mietshäuser mit im Detail unterschiedlicher Gestaltung. Sie entstanden zwischen 1892 und 1904, nachdem der Bahnhof Friedenau an der 1891 fertig gestellten Vorortbahn ausgebaut worden war und die Besiedlung auch im Schöneberger Teil von Friedenau voranging. Die viergeschossigen Mietshäuser sind durch Seitenflügel, Vorgärten sowie durch lebhaft mit Erkern, Loggien und Balkonen gegliederte Fassaden und durch verschiedenartigen Stuckdekor in den Formen von Neorenaissance und Neobarock gekennzeichnet. Im Zweiten Weltkrieg war das Gebiet nur wenig zerstört worden, sodass die Häusergruppe trotz einiger Vereinfachungen an den Fassaden in den 1950er und 1960er Jahren sowie Dachgeschossausbauten aus jüngerer Vergangenheit in großer Geschlossenheit die Bebauung im Schöneberger Teil Friedenaus um 1900 repräsentiert.

Topographie Schöneberg, 2018

 

Wielandstraße 13. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 13

Baudenkmal Mietshaus

1892-1894

Entwurf Peter Fischer

Bauherr Zahnarzt Johannis Dunzelt

 

Der mittlere Bereich der Wielandstraße ist durch zwei unterschiedliche Bebauungsstrukturen gekennzeichnet: Südlich der Hedwigstraße finden sich noch einzelne frühe Beispiele in offener Bauweise, während nördlich die geschlossene Bebauung w Mietshäusern der Jahrhundertwende mit einem oder zwei Seitenflügeln vorherrscht. Hier bilden an der westlichen Straßenseite die neun Häuser Wielandstraße 8-14A, Hedwigstraße 12, 12A, eine zusammenhängende Reihe qualitativ gleichrangiger Mietshäuser mit im Detail unterschiedlicher Gestaltung. Sie entstanden zwischen 1892 und 1904, nachdem der Bahnhof Friedenau an der 1891 fertig gestellten Vorortbahn ausgebaut worden war und die Besiedlung auch im Schöneberger Teil von Friedenau voranging. Die viergeschossigen Mietshäuser sind durch Seitenflügel, Vorgärten sowie durch lebhaft mit Erkern, Loggien und Balkonen gegliederte Fassaden und durch verschiedenartigen Stuckdekor in den Formen von Neorenaissance und Neobarock gekennzeichnet. Im Zweiten Weltkrieg war das Gebiet nur wenig zerstört worden, sodass die Häusergruppe trotz einiger Vereinfachungen an den Fassaden in den 1950er und 1960er Jahren sowie Dachgeschossausbauten aus jüngerer Vergangenheit in großer Geschlossenheit die Bebauung im Schöneberger Teil Friedenaus um 1900 repräsentiert.

Topographie Schöneberg, 2018

Wielandstraße 14. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 14

Baudenkmal Mietshaus

1893-1894

Entwurf Emil Schütze

Bauherr Hermann Leidig

 

Das Haus mit seiner asymmetrisch gestalteten roten Klinkerfassade ist durch den Kontrast von weißen Putz- und Stuckelementen mit roten Klinkerwänden gestaltet. Der Bau erinnert mit dem breiten Standerker und der mit weißen Stuckeinfassungen betonten seitlichen Eingangsachse an niederländische Renaissancebauten. Dazu tragen vor allem der geschweifte Giebel des Dachhäuschens über dem Erker bei, aber auch die Schmuckdetails am Eingangsportal, an Balkonbrüstungen und Fensterrahmungen in Verbindung mit Eckquadern, Traufgesims und Gesimsbändem in Weiß. Der farbliche Kontrast wiederholt sich in abgeschwächter Form an der hell verputzten Hoffassade, wo roter Ziegeldekor die Fenster rahmt. Von der Gartenanlage haben sich im Hofbereich eine Brunneneinfassung, im hinteren Grundstücksteil Reste des Wegesystems und eine von ehemals drei Gartenlauben erhalten. Topographie Schöneberg, 2018

 

 

Albert Hirt, Foto Hofphotograph C. Brasch. Archiv Gregorij Hirt von Leitis

Wielandstraße Nr. 15

Wohnhaus des Apothekers Albert Hirth

 

Der Apotheker Albert Hirt (1849-1905) ließ sich 1891/92 das Haus mit Ladengeschäft und 2 Etagen in der Friedenauer Rheinstraße Nr. 16 bauen. 1892 erteilte ihm die Gemeinde die Lizenz für die Adler-Apotheke. 1903 verkaufte er die Apotheke an den Apotheker Paul Sadée. Mit dem Erlös erwarb er von der Witwe G. Hildebrand die vor 1890 errichtete Landhausvilla in der Wielandstraße Nr. 15. Albert Hirt verstarb am 26. November 1905 und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße beigesetzt.

 

Die Landhausvilla in der Wielandstraße Nr. 15 blieb bis 1930 im Besitz der Witwe Marie Hirt. Nach ihrem Tod sind von 1931 bis 1943 die Gymnastiklehrerin Charlotte Hirt und die Kindergärtnerin Gabriele Hirt als Besitzerinnen eingetragen. Die spätere Alleinerbin Gabriele Hirt, die vor dem Weltkrieg in der Wielandstraße einen Kindergarten betrieb, hat das Anwesen Ende der 1950er Jahre verkauft. Ab 1959 lautet ihre Adresse Homburger Straße Nr. 21 in Wilmersdorf, der Wohnung von Fritz und Ruth Heilgendorff geb. Hirt. All diese Namen finden sich auch auf dem bis heute erhaltenen marmornen Grabstein, den der Bildhauer Valentino Casal geschaffen hat.

 

Einen ausführlichen Beitrag zu Albert Hirt und die Adler-Apotheke finden Sie unter Friedhof Stubenrauchstraße.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Architekt Carl Schäfer, 1900

Wielandstraße Nr. 16

Baudenkmal Villa

1887

Entwurf Baumeister Carl Schäfer

Bauherr Königlicher Hofkunsthändler Eduard Müller

 

Die Landhausvilla wurde 1887 nach Entwürfen von Architekt Carl Schäfer (1844-1908) für den Kunsthändler Eduard Müller erbaut. Nach Ingenieur- und Architekturstudium wurde er Bauleiter im Dombauamt Paderborn und später Stadtbaumeister in Marburg. Von 1878 bis 1885 war er beim Preußischen Ministerium für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten in Berlin tätig. Ab 1878/79 lehrte er als Nachfolger von Johannes Otzen Baukunst des Mittelalters an der Technischen Hochschule Charlottenburg. In der Gotik sah er den Baustil, dessen Elemente am ehesten aus konstruktiven Prinzipien abgeleitet sind und Schaffensgrundlage für Konstruktions-, Material- und Werkgerechtigkeit bilden sollten. Der gotische Stil sollte unter Einbeziehung lokaler Bautraditionen als allgemeines konstruktives Prinzip genutzt und variiert werden. Schäfer wurde zum Vordenker des Heimatstils. In Berlin gründete er 1887 gemeinsam mit seinem Schüler Hugo Hartung (1855–1932) ein Architekturbüro. Es entstanden Kirchen, Pfarrhäuser, Schulen, Gutshöfe, Wohnhäuser und Villen. 1894 folgte Carl Schäfer einem Ruf an die Technische Hochschule Karlsruhe, an der er bis 1904 lehrte.

 

Bekannt ist bisher, dass der spätere Besitzer, der Fabrikant Hermann Ramm, 1925 den „Einbau eines Ateliers im Dachgeschoss“ beantragte und von der Städtischen Baupolizei Schöneberg auch genehmigt bekam. Ab 1930 ist als Eigentümerin seine Witwe Frieda Ramm eingetragen. Eigentümer des Anwesens ist heute die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Wie es dazu kam, ist auf Grund der in diesem Fall irrsinnigen Datenschutzbestimmungen nicht zu erklären. Baupläne besagen, dass (wahrscheinlich nach 1945) in das „synodaleigene Gebäude“ mit dem „Einbau einer Diakonwohnung“ eine „Erweiterung der Pfarrwohnung“ vorgenommen wurde. Der zuvor in der Evangelischen Kirchengemeinde Frohnau tätige Pfarrer Hermann Gehann, der während des NS-Regimes Mitglied der „Bekennenden Kirche“ gewesen sein soll, wofür es bisher keinen Beleg gibt, beantragte für das Haus Wielandstraße Nr. 16 im Jahr 1965 die „Umstellung der vorhandenen Heizungsanlage von Koks- auf Ölfeuerung“, die vom Bezirksamt Schöneberg bewilligt wurde.

 

 

 

Wielandstraße 16. Foto LDA, 2005

Als die Bewohner der Wielandstraße gegen die Nachverdichtung auf dem Grundstück Wielandstraße Nr. 17 protestierten, wurden sie von der Kirche allein gelassen. Der Bauantrag war von einer ausländischen Investorengruppe eingereicht und am 26.4.2010 vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nur mit einem Vorbescheid bedacht worden. Wenn dieser 2017 nun unter der Leitung des früheren Immobilienhändlers und jetzigen Baustadtrats Jörn Oltmann (DIE GRÜNEN) bewilligt wurde, kann man sich vorstellen, dass der bis November 2016 amtierende christdemokratische Baustadtrat nebst Bauaufsicht und Denkmalschutz wohl in den vergangenen Jahren erhebliche Bedenken gegen diese Nachverdichtung hatten.

 

Oltmann betrachtet die „Grünfläche im Innenhof als eine überwiegend versiegelte Fläche“ und sieht daher kein Problem, das Blockinnere zwischen den Grundstücken Wielandstraße Nr. 16 und Nr. 17 sowie Fregestraße Nr. 72 mit neun Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage zu verdichten. „BETON statt GRÜN ist das Motto des GRÜNEN“, schreibt ein Mieter.

 

 

 

Oltmanns Argumentation ist tatsächlich hanebüchen und offensichtlich auch „fremdgesteuert“: „Politisch geht es mir darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen. Grün- und Freiflächen sollen möglichst erhalten bleiben. Wohnungsneubau soll mit Augenmaß geschehen und trotzdem werden wir immer häufiger den Konflikt haben, dass Stellplätze wegfallen um Wohnungsbau zu ermöglichen. Dazu stehe ich in einem gewissen Rahmen. Im Fall der Wielandstraße halte ich eine Bebauung für angemessen.“ Seine „politischen“ Ziele verstehen die Anwohner von Wieland- und Fregestraße nur noch als Zynismus.

 

Bei dieser Nachverdichtung geht es auch die mehr als 130 Jahre alte Buche auf dem Grundstück Wielandstraße Nr. 16. Sie hat einen Umfang von 3,70 m und überragt mit ihrer weitausladenden Krone die Häuser Nr. 16 und Nr. 17. Da sie direkt an der Grundstücksgrenze steht, nur zwei Meter neben der Außenwand der künftigen Tiefgarage von Nr. 17, besteht die Gefahr, dass mit dem Schachtaushub das weitverzweigte Wurzelwerk zum großen Teil entfernt wird und der Buche ein baldiges Ende bevorsteht. Obwohl das Landesdenkmalamt Berlin die Landhausvilla (mit Buche) zum Baudenkmal erklärt hat, daher auch die Untere Denkmalschutzbehörde von Tempelhof-Schöneberg verantwortlich zeichnet, ist von dieser Abteilung kein Einspruch zu erwarten – Dienstherr ist auch der Stadtbaurat. Eine Krähe hackt bekanntlich der anderen kein Auge aus. Wenn die Immobilienbranche sich auch bei den GRÜNEN einen derart starken Einfluss in Tempelhof-Schöneberg gesichert zu haben scheint, dann sollten bei den Bürgern alle Alarmglocken schrillen.

 

 

Wielandstraße Nr. 17

 

Vorgeschichte

Die Wielandstraße im Jahr 1893: Nr. 1-14, Nr. 19-21 sowie Nr. 23 Baustellen, Nr. 25 und Nr. 31 Neubau. Entstanden war das Haus Nr. 17 des Brunnenbaumeisters Martin Michael Galweit. Es war höchste Zeit, da sich in Schöneberg bisher nur die Brunnenbauer Simon in der Akaazienstraße Nr. 18 und Treugebrodt in der Colonnenstraße Nr. 9 niedergelassen hatten. Schon bald gab es das vom Magistrat mit dem Eigentümer Galweit vereinbarte Abkommen wegen Hergäbe von 165 Quadratmeter Terrain zur Verbreiterung der Friedenauer Straße. Danach ünereignete der Eigentümer das an der Ecke Friedenauer- und Wielandstraße belegene Straßenland einstweilen unentgeltlich an die Stadtgemeinde mit der Maßgabe, dass bei Berechnung der Anliegerbeiträge in Gemäßheit des § 4 des Ortsstatuts vom 28. Juli 1892 der Wert des von ihm abgetretenen Terrains auf seinen Beitrag zu den Gesamtherstellungskosten in Abzug zu bringen ist. Die Katastermaterialien beschafft die Stadtgemeinde auf ihre Kosten, welche auch die gerichtlichen Kosten der Auflassung trägt.

 

 

Als 1898 der Schöneberger Ortsteil von Friedenau in zwei Armenkommissionsbezirke eingeteilt wurde, ist Galweit zum Vorsteher für den Bereich Wieland-, Hedwig-, Hauff-, Bahnhofstraße, Friedenauer-, Frege-, Holbein- und Sponholzstraße ernannt worden. 1901 wurde er zum Beisitzer für die Stadtverordnetenwahlen gewählt.

 

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Wenn DIE GRÜNEN eine Grünfläche als eine überwiegend versiegelte Fläche betrachten und daher nun das Blockinnere zwischen den Grundstücken Wielandstraße Nr. 17 und Fregestraße Nr. 72 verdichten und mit neun Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage bebauen wollen, dann hat das mit grüner Politik nichts mehr zu tun. BETON statt GRÜN ist das Motto des GRÜNEN, schreibt ein Mieter des Hauses Wielandstraße Nr. 17, nachdem die Holzfäller rigoros alles platt gemacht haben. Baustadtrat Oltmann hat diese Aktion zu verantworten.

 

Die Anwohner sind entsetzt, denn die laut grünem Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann überwiegend versiegelte Fläche stellt sich als begrünter Innenhof heraus. Der grüne Mann hat nur gesehen, was er sehen wollte, damit er den Bauantrag durchdrücken kann. Auch auf eine mehr als 200 Jahre alte Buche will Oltmann keine Rücksicht nehmen. Er unterstellt laut Berliner Woche den Anwohnern vielmehr, um den Verlust ihrer Stellplätze zu fürchten.

 

Wenn unsere Informationen zutreffen, dann wurde der Bauantrag einer ausländischen Investorengruppe vor mehr als sieben Jahren eingereicht und am 26.4.2010 vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit einem Vorbescheid bedacht. Wenn dieser erst jetzt unter der neuen grünen Leitung bewilligt wurde, kann man sich vorstellen, dass der bis November 2016 amtierende christdemokratische Baustadtrat nebst Bauaufsicht und Denkmalschutz wohl in den vergangenen Jahren erhebliche Bedenken gegen diese Nachverdichtung hatten.

 

Politisch geht es mir darum, eine möglichst kompakte Bauweise auf möglichst versiegelten Flächen zu ermöglichen, so Baustadtrat Jörn Oltmann in der Berliner Woche. Und weiter: Grün- und Freiflächen sollen möglichst erhalten bleiben. Wohnungsneubau soll mit Augenmaß geschehen und trotzdem werden wir immer häufiger den Konflikt haben, dass Stellplätze wegfallen um Wohnungsbau zu ermöglichen. Dazu stehe ich in einem gewissen Rahmen. Ich mag keine Extreme. Doch im Fall der Wielandstraße halte ich eine Bebauung für angemessen. Die politischen Ziele des grünen Stadtrats können die Bewohner der Häuser Wieland- und Fregestraße angesichts dieser Entscheidung nur noch als Zynismus verstehen. Wenn die Immobilienbranche sich einen derart starken Einfluss in Tempelhof-Schöneberg gesichert zu haben scheint, dann sollten bei den Bürgern alle Alarmglocken schrillen. Denn die Folgen davon betreffen die Wohnqualität aller Einwohner des Bezirks.

 

Wielandstraße 18. LDA, 2005

Wielandstraße Nr. 18

Baudenkmal Mietshaus

1888-1889 & 1893

Entwurf Maurer- und Zimmermannsmeister Eduard Friedrich

Ausführung Maurermeister Wilhelm Berg

Bauherr Carl Strauch

 

Wielandstraße 22. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 22

Baudenkmal Mietshaus

1912

Entwurf Architekt Max Traeger

Bauherr Max und Helene Traeger

 

Im Verlauf des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts nimmt die Schmuckfreude an den Fassaden der Mietshäuser ab; ein charakteristisches Beispiel dafür ist das 1912 vom Architekten Max Träger in eigener Bauherrenschaft errichtete viergeschossige Mietshaus Wielandstraße Nr. 22. Die Straßenfassade ist schlicht gestaltet, der neoklassizistische Stuckdekor ist weitgehend auf den zweiachsigen Mittelerker mit flachem Dreiecksgiebel über der Traufe beschränkt. Ungewöhnlich ist die Aufteilung des aus Vorderhaus und zwei kurzen Seitenflügeln bestehenden Wohngebäudes in je zwei achsensymmetrisch aufgeteilte großbürgerliche Wohnungen in den drei Wohngeschossen, die mit halbrund ausschwingenden Dienstbotenaufgängen am Ende der Flügel in Erscheinung treten. Die ehemaligen Ladenlokale im Erdgeschoss - im nördlichen war das Cafe Wieland untergebracht - wurden 1936 zu Wohnungen umgebaut und die Vorgartensituation verändert. Heute sind das Dachgeschoss ausgebaut und die dreiläufige Treppenanlage durch den Einbau eines Aufzugs verändert.

Topographie Schöneberg, 2018

 

Grab von Otto Laubinger auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf

Wielandstraße Nr. 25

Otto Laubinger (1892-1935)

Reichstheaterkammerpräsident

 

Die Mazurka in dem traditionellen polnischen Nationalkostüm getanzt, hat den Charakter eines polnischen Nationaltanzes. Zwar wird das Verbleiben der Mazurka in den deutschen Kulturprogrammen, wie auch in der Ausbildung des tänzerischen Nachwuchses, als notwendig bejaht. Es ist jedoch darauf zu achten, dass das betont Polnische des Kostüms, die viereckige Mütze, der Pelz an den halblangen Ärmeln und das Schuhwerk, in Fortfall kommt.

 

Der Reichstheaterkammerpräsident Otto Laubinger sorgte mit diesem Rundschreiben an die Herren Landesleiter der Reichstheaterkammer, Bühnenleiter, Direktoren der Artistik, Leiter der Tanzschulen und Ballettmeister für die gewissenhafte Beachtung.

 

Otto Laubinger (1892-1935) war Schauspieler. Ein bemerkenswerter nicht. Der Theaterkritiker Herbert Jhering stellte ihm schon 1925 schlechte Zeugnisse aus: Im Prinz Friedrich von Homburg am Staatstheater ist Otto Laubinger sehr schwach als Hohenzollern. Er hat es zwar zu einer Sprachdisziplin gebracht. Aber er blieb unkleistisch: er rezitierte und spielte nicht die Vorgänge durch die Sprache hindurch. Und wenig später in Hannibal von Christian Dietrich Grabbe ist Herr Laubinger von den früheren Hofschauspielern höchstens durch den geringeren Grad seines Talents unterschieden. Mit seiner Schauspielkunst war kein Staat zu machen. Nachdem Hitler am 9. November 1926 Joseph Goebbels zum Gauleiter von Berlin-Brandenburg ernannt hatte, und dieser aus der zerstrittenen Berliner NSDAP eine straffe Gauorganisation schuf, sah Laubinger in der nationalsozialistischen Bewegung seine Chance. Laubinger, der von 1923 bis 1932 in der Wielandstraße 25 III, Post Friedenau, Telefon Rheingau 1456 wohnte, trat 1932 in die NSDAP ein. Das sollte sich auszahlen.

 

 

 

Nachdem Carl Wallauer (1874-1937) als Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger 1932 aus dem Amt gedrängt worden war, übernahm Laubinger am 1. April 1933 die Präsidentschaft: Er wolle sich bewusst und überzeugt in die nationale Bewegung eingliedern. Am 1. August 1933 war die Reichstheaterkammer ins Leben gerufen worden und Otto Laubinger deren Präsident. Er hatte nun die Aufgabe, die bisherigen Interessenverbände der künstlerisch tätigen Berufsgruppen aufzunehmen und neu zu gliedern: Durch die Bestimmung, dass jeder Theaterberufstätige der Reichstheaterkammer angehören muss und diese Mitgliedschaft durch Zugehörigkeit zu seinem Fachverband vermittelt wird, ist auch Vorsorge getroffen, dass sich niemand ausschließen und seine eigenen Wege zum Schaden der Allgemeinheit gehen kann. Nachdem der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda am 22. September 1933 die Reichskulturkammer als übergeordnetes Organ unter Vorsitz von Joseph Goebbels gegründet hatte, kamen die Abteilungen Schrifttum (Hans Friedrich Blunck/Hanns Johst), Film (Fritz Scheuermann/Oswald Lehnich/Carl Froelich), Musik (Richard Strauss/Peter Raabe), Bildende Künste (Adolf Ziegler), Presse (Max Amann) und Rundfunk (Horst Dreßler-Andreß) hinzu.

 

Als der Jude Max Reinhardt die von den Nationalsozialisten angebotene Ehren-Arierschaft ablehnte, das Deutsche Theater in der Schumannstraße und Berlin verließ, bat Laubinger im April 1934 den Intendanten der Berliner Volksbühne Heinz Hilpert zu sich. Der Inhalt der Unterredung ergibt sich aus dem Antwortbrief von Hilpert am 19. April 1934: Sie haben mich zu sich gebeten und gefragt, ob ich Lust hätte, das Deutsche Theater zu übernehmen. Ich habe Ihnen mit freudiger Bereitschaft darauf ‚ja‘ gesagt und erzählt, dass ich sogar nach dieser Seite schon Schritte unternommen habe, weil ich das Empfinden hatte, dass der Boden dort mir besonders gelegen wäre. Daraufhin hat der Minister mir dieses Theater angetragen und ich habe diesen Antrag gern akzeptiert.

 

Otto Laubinger starb am 27. Oktober 1935 und wurde auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Block Epiphanien, Gartenblock II, Erbbegräbnis 32) beerdigt. Goebbels sprach am 15. November 1935 in Anwesenheit von Hitler, Göring und Hess in der Philharmonie die Gedenkworte. 1939 erfolgte in Köpenick die Umbenennung der Goethestraße in Laubingerstraße und des Goetheplatzes in Laubingerplatz. 1960 wurden daraus Müggelbergallee und Müggelbergplatz.

 

Wielandstraße 27. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 27

Baudenkmal Villa

1886

Entwurf & Bauherr Maurermeister Johannes Schmidt

Ottomar Anschütz, 1890. Foto Reichard & Lindner, Berlin

Wielandstraße Nr. 33

Ottomar Anschütz (1846-1907)

 

Irgendwie war Ottomar Anschütz (1846-1907) immer mit Friedenau verbunden, ab 1894 mit der Optischen Anstalt C.P. Goerz AG in der Rheinstraße Nr. 44/46, die von ihm das Recht auf Alleinfabrikation seiner Goerz-Anschütz-Moment-Camera erwarb – die erste Schlitzverschluss-Kamera der Welt, ab 1899 mit Wohnung Wielandstraße Nr. 33.

 

Am 6. Februar 1907 hielt er vor der Friedenauer Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins einen Vortrag über Die deutschen Ordensritter und ihre Burgen. Der Friedenauer Lokal-Anzeiger berichtete am 10. Februar: Der Herr Vortragende ging unter Vorführung herrlicher Lichtbilder zunächst auf das Wesen der Ordensritter ein, er beleuchtete den Zweck und die inneren Beziehungen des Ordens. Dann kam er auf das Bausystem der Ordensburgen zu sprechen. – Auf einer Anhöhe lag das Hochschloß, zu welchem eine Fallbrücke führte, und das von einem tiefen Graben umgeben war, weiterhin war das Schloß alsdann von starken Mauern umzogen und nach einer Seite hin lagen die Wirtschaftsgebäude und die Gebäude für das Kriegsvolk und die Kriegsgeräte. – Es folgten jetzt die Bilder der Ordensburgen, zunächst die älteste Ordensburg Thorn, ferner verschiedene Burgen im Culmerland usw., zu denen allen der Herr Vortragende treffliche Erläuterungen gab. Die Blüte des Ordens war, als die Marienbürg den Hochmeister beherbergte. Nun führte der Vortragende Bilder dieser schönsten aller Ordensburgen vor. Die Burg ist in ihrer ursprünglichen Form wieder hergestellt worden. Im zweiten Teil des Vortrags zeigte Herr Anschütz dann die inneren Räume der Marienburg und mit ihnen auch das Leben der Burgbewohner. Der Vortrag bot eine würdige Verherrlichung unseres Deutschtums und schloss auch mit dem Aufruf, stets den deutschen Geist zu wahren.

 

 

 

 

 

Vier Monate später teilte der Friedenauer Lokal-Anzeiger am 2. Juni 1907 mit, dass Ottomar Anschütz, der Entdecker des Kinematographen und erfolgreiche Erfinder zahlreicher Amateurapparate für Liebhaber-Photographie nach nur fünftägiger Krankheit infolge einer Operation im Schöneberger Krankenhause im 63. Lebensjahr verstorben ist. Er war vor 15 Jahren als unbekannter Photograph nach Berlin gekommen. Mit der Einführung des Schnellwehr-Anschütz-Apparates, des Vorläufers des Kinematographen wurde er schnell ein bekannter und durch seine Tieraufnahmen auch ein gesuchter Photograph. Sein Geschäft in der Leipzigerstraße hat Weltruf erlangt. Die Beerdigung des Verstorbenen, der zuletzt Wielandstraße 33 wohnte, findet am Montag, Nachmittag 5 Uhr, von der Halle des Friedenauer Kirchhofs aus statt.

 

Drei Tage später fand am 5. Juni 1907 auf dem hiesigen Friedhof die Beerdigung des im Schöneberger Krankenhause verstorbenen Photographen Ottomar Anschütz statt. Der Trauerfeier in der Kapelle wohnte eine sehr große Zahl Leidtragender bei. Die Gedächtnisrede hielt Herr Pfarrer Görnandt, und von einem Männerchor wurden die Choräle: 'Es ist bestimmt in Gottes Rat' und 'Wie sie so sanft ruh'n' gesungen. Überreich war die Zahl der Kranzspenden, unter welchen insbesondere der prächtige Kranz der Kaiserin auffiel. Gleichfalls herrliche Kränze hatten u. a. die dankbaren Arbeiter des Verstorbenen, der Photographische Verein in Berlin, die Photographische Anstalt von Goerz und der Handelsverein für photographische Präparate dem Verblichenen gewidmet.

 

Die berühmtesten Photographien, die Ottomar Anschütz geschaffen hat, entstanden 1894 am Fliegeberg in Lichterfelde. Den hatte sich Otto Lilienthal für seine Flugversuche aufschütten lassen. Anschütz eilte hinaus und machte nach dem Leben aufgenommen, wie auf den kartonierten Abzügen von Anschütz vermerkt, eine Serie von aufsehenerregende Augenblicksphotographien.

 

Die Gemeinde Friedenau würdigte den Photographen und Pionier der Phototechnik, Serienphotographie und Kinematographie mit einem Ehrengrab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße. Das Land Berlin hat im Herbst 2009 den Status als Ehrengrabstätte aberkannt. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg stellte die Pflege ein und überließ das Grab dem Verfall. Da die Proteste unüberhörbar wurden, ließ die Senatskanzlei im Juni 2018 wissen, dass die Anerkennung der Grabstätte von Ottomar Anschütz als Ehrengrabstätte des Landes Berlin (wieder) vorgesehen ist. Das kann nicht alles sein. Die Instandsetzung und Restaurierung muss folgen.

 

Einen ausführlichen Beitrag mit Texten, Photographien und Dokumenten finden Sie unter Friedhof Stubenrauchstraße.

 

 

Wielandstraße 36. LDA 2005

Wielandstraße Nr. 36

Baudenkmal Mietshaus

1895-1896

Entwurf Architekt James Ruhemann

Ausführung Maurermeister August Colosser

Bauherr Maurermeister August Collosser

Umbau 1960

Ausführung Baugeschäft Joannes Giering

 

Laut Adressbuch von 1896 gehört die Wielandstraße zu Schöneberg, wird allerdings nur unter Friedenau aufgeführt. Die Grundstück Nr. 1 bis Nr. 10 sind als Baustellen genannt. Der Maurermeister August Colosser ist Eigentümer der Grundstücke Nr. 33 bis Nr. 36. 

 

Das dem Grundstückszuschnitt entsprechend breit gelagerte viergeschossige Vorderhaus mit kurzen Seitenflügeln ist durch eine aufwendig gestaltete und durch Erker, Balkone und Loggien gegliederte Straßenfassade gekennzeichnet. Die Balkone wurden bei Sanierungsmaßnahmen 1960 zwar vereinfacht, deren schmiedeeiserne Brüstungen sowie der reiche Stuckdekor und die Ziergiebel über dem Hauptgesims jedoch erhalten. Besonders hervorgehoben ist das Eingangsportal durch flankierende ionische Säulen und einen Volutengiebel mit Blattwerk und Wappenkartusche. Auch das hell verputzte Erdgeschoss, das kräftige Konsolgesims und die Stuckeinfassungen an Erkern, Giebeln und Fenstern, die mit den rot verklinkerten Wandflächen einen reizvollen Kontrast bilden, tragen zur lebhaften Wirkung der Fassade bei. Im Eingangsbereich sind Wandflächen und Decke mit Stuck und die Fußbodenfliesen aus der Erbauungszeit bewahrt. Die Wohnungen werden von zwei Treppenhäusern erschlossen. Topographie Schöneberg 2018