Name seit 1902, vorher bis 1890 Schmargendorfer Straße und bis 1902 Kasseler Straße. Zu Friedenau zählen die Häuser Nr. 1-15 und Nr. 78-89, die übrigen gehören zu Wilmersdorf. Ein Straßenname dient vor allem der Orientierung. Daran dachte schon Herr Carstenn, als er 1874 den Situationsplan für seine Siedlung veröffentlichte. Er nannte den zwischen den Gemarkungen von Alt-Schöneberg und Wilmersdorf verlaufenden Weg Schmargendorfer Straße – weil er eben nach Schmargendorf führte. Da Kaiser Wilhelm II. samt Familie nach der Annektion von Kurhessen regelmäßig den Sommer auf Schloss Wilhelmshöhe in Kassel verbrachte, huldigten die Friedenauer dieses Ereignis 1890 mit der Umbenennung in Kasseler Straße. Nachdem Wilhelm auch das Herzogtum Nassau annektiert und Herzog Adolf abgesetzt hatte, machte der Hohenzoller Wiesbaden zur Residenz. Tage später trug sich Wilhelm II. in das Goldene Buch von Wiesbaden ein – dabei auch Otto Henkell, Inhaber der Firma Henkell & Co. Sektkellerei. Der Schaumweinproduzent hat es sich nicht nehmen lassen, zum Empfang Henkell Trocken zu spendieren. Schließlich musste gefeiert werden, dass der Sekt seit 1898 als eine der ersten Marken amtlich geschützt war. Steuerlich war der Ausschank obendrein günstig, weil nach § 5 des Gesetzes für versteuerten Schaumwein, der als Probe abgegeben wird, der Hersteller eine Vergütung erhält. Friedenau reagierte zeitnah und nannte 1902 die Kasseler Straße in Wiesbadener Straße um. Tage später wartete der Regent mit der nächsten Erfindung auf. Am 26. April 1902 wurde vom Reichstag zur Finanzierung der Kriegsflotte die Schaumweinsteuer als Luxussteuer eingeführt, weil bei den Ausgaben für die Wehrkraft auch der Schaumwein herangezogen werden musste. Die Wiesbadener Straße gibt es noch immer, aber auch die Schaumweinsteuer, die doch seinerzeit nur zu einem bestimmten Zweck eingeführt, aber nach Wegfall des Zwecks bis heute nicht wieder abgeschafft wurde.

 

Wiesbadener Straße Nr. 80-81, Sportplatz. Hahn & Stich, 2019

Der Sportplatz Wiesbadener Straße Nr. 80-81 mit dem dahinter liegenden Rheingau-Gymnasium, 1911 nach Entwürfen von Gemeindebaurat Hans Altmann entstanden, ist zweifellos die Attraktion der Straße. Das Spielfeld aus Kunstrasen mit Kugelstoßanlage und Weitsprunggruben ermöglicht durch die Flutlichtanlage auch Sportaktivitäten in den frühen Abendstunden. Ein sechs bis acht Meter hoher Ballfangzaun, der gleichzeitig als Grundstückseinfriedung dient, schirmt das 0,55 ha große Gelände zu den umgebenden Straßen ab. Der von Sportvereinen und Schulen genutzte Sportplatz wird seit August 2018 grundhaft erneuert. Mit den Arbeiten hat das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg als Bauherr die Landschaftsarchitektin Brigitte Gehrke beauftragt.

Wiesbadener Straße Nr. 83. Hahn & Stich, 2019

Wiesbadener Straße Nr. 83

Rotdornstraße Nr. 1

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Paul Schröder

Bauherr Johannes Eichholz

1905

 

Das Eckhaus ist ein eleganter Jugendstilbau mit zwei ausgebauten Ateliers im Dachgeschoss, die jeweils hinter Querhäusern mit Schweifgiebeln nach Norden und nach Osten angeordnet sind. Das Haus hat - wie sein Pendant - zwei Eingänge, von denen je ein Zweispänner erschlossen wird. Die beiden Fassaden sind ähnlich wie bei seinem Pendant, doch ein wenig kontrastierend angelegt. Der Eckerker ist nicht turmartig erhöht, sondern schließt mit einer flachen Kuppel ab. Die Fassade an der Wiesbadener Straße zeigt auch einen Mittelerker und seitliche Loggien, aber im Erdgeschoss an der Ecke eine Reihe von Ladenportalen mit Rundbogenfenstern und mehreren Eingängen. Bei der Fassade in der Rotdornstraße ist in der Mittelachse anstelle kleiner Rundbalkons von gegenüber kontrastierend ein breiter Erker getreten, der seitlich wiederum von schmalen Erkern flankiert wird. Auch hier schließen im Süden Loggien die Fassade ab. Die jeweiligen Fassaden sind bei beiden Häusern in sich symmetrisch konzipiert, aber auch - trotz unterschiedlicher Breite - korrespondierend um die Hausecke herum komponiert. Landesdenkmalamt

Wiesbadener Straße Nr. 84. Hahn & Stich, 2019

Wiesbadener Straße Nr. 84

Rotdornstraße Nr. 9

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Paul Schröder

1904-1905

 

Der elegante Jugendstilbau mit zwei Ateliers im Dachgeschoß, die jeweils hinter Querhäusern mit schwungvollen Schweifgiebeln nach Norden und Westen angeordnet sind, hat zwei Eingänge, von denen aus jeweils ein Zweispänner erschlossen wird. Die Fassaden sind jeweils symmetrisch angelegt. Die Ecke des Hauses wird durch einen auskragenden 5/8-Erker mit turmartigem Aufsatz markiert. Die Mittelachse der Fassade wird durch einen vorspringenden Erker über dem Hauseingang und einen Quergiebel mit dem Atelier betont, östlich davon befinden sich Loggien und westlich Fenster und der Erker. Die breitere Fassade in der Rotdornstraße zeigt beiderseits der Mittelachse, die durch kleine Rundbalkons und den großen Quergiebel betont wird, symmetrisch angeordnete Erker mit Balkons. Im Süden schließen Loggien die Fassade ab. Das Erdgeschoss ist als Rustikageschoss ausgeführt, die darüber aufgehenden Geschosse sind durch Kolossallisenen bis zum Traufgesims gegliedert. Die Einfriedung des Vorgartens an der Rotdornstraße ist original. Landesdenkmalamt

Wiesbadener Straße Nr. 89. Hahn & Stich, 2019

Wiesbadener Straße Nr. 89

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Otto Hoffmann

Bauherr Otto Hoffmann

1888-1890

 

Das zweigeschossige Landhaus Wiesbadener Straße Nr. 89 wurde vom Architekten Otto Hoffmann für den Kaufmann Emil Karig gebaut, der sich schon 1886 an der Hedwigstraße Nr. 18/19 Ecke Rheinstraße Nr. 66 ein Wohn- und Geschäftshaus von Max Nagel hatte bauen lassen. Das Landhaus Karig ist spiegelbildlich zum benachbarten Haus Hoffmann angelegt, seine offene Veranda jedoch seit langem verglast. Der Zugang liegt an der Westseite des Hauses. Beide Häuser haben kleine Gärten mit originaler Einfriedung. Landesdenkmalamt