Unsere Meinung

 

SPD-Skandal Friedrich-Bergius-Schule, 27.08.2018

Rossebändiger vors Schloss, 24.06.2017

Stolpersteine en masse, 19.05.2ß18

Der Fall Deniz Yücel, 12.05.2017/16.02.2018

CityTrees der CDU, 21.06.2017

Käthe-Kollwitz-Museum lebt, 20.04.2017/01.11.2018

Nicht jeder kann in Berlin wohnen, 28.05.2018

 

 

 

 

 

Friedrich-Bergius-Schule. Foto H&S 2017

SPD-Skandal Friedrich-Bergius-Schule

27.08.2018

 

In Deutschland ist Schule bekanntlich 16 mal anders. So kommt es, dass Thüringen andere Vorstellungen als Berlin hat und Thüringen im bundesdeutschen Schul-Ranking den ersten und Berlin den letzten Platz belegt. Verantwortlich ist dafür eine Senatsverwaltung, die seit 1996 von der SPD beherrscht wird. Damit alles besser wird, leistet sie sich seit einiger Zeit die mehr oder weniger hausinterne Arbeitsgruppe „Schulinspektion“.

 

Diese präsentierte – unter Verzicht auf neutrale Gutachter – vor den Sommerferien 2018 auch eine Bilanz zur Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule. Obwohl bescheinigt wird, dass die Leistung der Schüler sehr gut sei, die Arbeits- und Lernatmosphäre stimme, eine hohe Zustimmung von Eltern und Schülern erreiche, sich mit dem Schulmuseum eng mit Friedenau und dessen Geschichte identifiziert, wird sie in der Gesamtbewertung als Schule mit einem „erheblichen Entwicklungsbedarf“ eingestuft. Sie erhält den Stempel „Problemschule“, die Hilfe von außen bekommen müsse.

 

 

Im Kern geht es wohl darum, dass sich die Friedrich-Bergius-Schule für einen „Frontalunterricht“ entschieden hat, bei dem Schülern Wissen vermittelt und durch Wiederholungen vertieft wird, statt sich wie in Schulen mit vergleichbarer Schülerzusammensetzung – zwei Drittel ohne deutsche Herkunftssprache, die Hälfte aus Hartz-IV-Familien – wegen unzureichender „Ressourcen“ in freier Gruppenarbeit zu verlieren. In der Friedrich-Bergius-Schule führt das zu überdurchschnittlichen Lernerfolgen, zu gemeinschaftsverträgliche Verhalten, zu geringen Schwänzerraten, zu wenig Unterrichtsausfall und zu kaum nennenswerten Gewalttätigkeiten.

 

Die „Schulinspektion“ sucht das Haar in der Suppe und kritisiert Vernachlässigung des Schulprogramms, der Unterrichtsentwicklung und der Kompetenzorientierung, zudem verstoße Schulleiter Michael Rudolph gegen rechtliche Vorgaben bei der Schulorganisation. Für die Friedrich-Bergius-Schule ist allgemein bekannt, dass es in Berlin kaum vergleichbare Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe gibt, die von Eltern und Schülern dermaßen nachgefragt sind, und bei der 50 Prozent der Zehntklässler einen guten Mittleren Schulabschluss erreichen.

 

Bis 2016 war die gelernte Lehrerin Jutta Kaddatz (CDU) als Stadträtin verantwortlich. Inzwischen leitet der vom Stadtrat für Bürgerdienste und Ordnungsaufgaben zum Schulstadtrat ernannte fachfremde Finanzwirt Oliver Schworck (SPD) das Amt. Er hat mit den klaren und kritischen Positionen der Schulleiter und ihrer Vorgehensweise Probleme. Wie sonst ist es zu erklären, dass nun die Schulleiterin Doris Unzeitig der Schöneberger Spreewald-Grundschule „um Auflösung ihres Vertrages zum 7. September 2018“ gebeten hatte. Dem Wunsch der „Unruhestifterin“ von Tempelhof-Schöneberg wurde umgehend entsprochen. Nicht noch einmal möchte Oliver Schworck den März 2018 erleben, als die Schulleiterin einen privaten Wachdienst beauftragte, „um renitente Eltern und schwierige Schüler in die Schranken zu weisen und Schulfremde am Betreten des weitläufigen Areals zu hindern“.

 

Obwohl die Spreewald-Schule unmittelbar neben dem Schönberger „Sozialpalast“ an der Pallasstraße als „Brennpunkt“ eingestuft ist, spielt es für Oliver Schworck keine Rolle, dass er der Schule zum Schuljahr 2018/19 nicht das benötigte ausgebildete Personal zur Verfügung stellen kann. Schulleiterin Doris Unzeitig wurde angehalten, pädagogische Unterrichtshilfen statt Lehrer einzusetzen.

 

Unterstützung für „Brennpunkt-Schulen“ sieht anders aus.

 

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Die Medien zur Friedrich-Bergius-Schule

 

 

Stolpersteine en masse

19.05.2018

 

Neulich teilte die Stolperstein-Manufaktur mit, dass es keine freie Termine für Verlegungen gibt, weil das Team pro Monat nur 440 Steine herstellen, Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer jeden Buchstaben mit der Hand in das Messing einschlägt und Gunter Demnig meist alle Steine selbst verlegt. Für Friedenau kein Problem. Mit über 58 Stolpersteinen auf knapp 100 Meter Straßenlänge hat die „Initiative Stolpersteine Stierstraße“ vorgesorgt. Nicht zur Freude aller Anwohner: „Uns wurden Stolpersteine en masse gratis geliefert, um uns und noch unseren Kindeskindern volkserzieherisch die tägliche Schuldration zu verpassen“.

 

Die Initiatorin Petra T. Fritsche brachte es von Industriekauffrau über Betriebswirtin und zur Kommunikationswissenschaftlerin. Theoretisch wurde das 2014 mit einer Dissertation untermauert, die unter dem Titel „Stolpersteine - Das Gedächtnis einer Straße“ als Buch vermarktet wurde. Eine Fleißarbeit, zusammengetragen, was aus akademischen Gründen geliefert werden musste, nicht mehr, kein neuer Ansatz, kein Nachdenken über andere Formen des Gedenkens.

 

Für Charlotte Knobloch „wird damit wird das Andenken von Menschen, die Verfolgung und Entwürdigung erleben mussten, bevor sie auf schreckliche Weise ermordet wurden, nochmals entwürdigt und sprichwörtlich mit Füßen getreten“. Adriana Altaras „kräuseln sich manchmal die Zehennägel hoch. Ich weiß, die Leute meinen es ernsthaft. Aber bei mir entsteht das Gegenteil“. Robert Musil war schon 1927 der Ansicht, dass es der Beruf von Denkmalen ist, ein Gedenken zu erzeugen und den Gefühlen eine fromme Richtung zu geben, aber Denkmäler verscheuchen geradezu das, was sie anziehen sollten. „Man kann nicht sagen, wir bemerkten sie nicht; man müßte sagen, sie entmerken uns, sie entziehen sich unseren Sinnen.“

 

Betrachten wir die Sache rechnerisch. Ein Stolperstein kostet 120 Euro. Im Monat können 440 Stolpersteine hergestellt werden. Damit „könnten“ monatlich 52.000 Euro und übers Jahr 633.600 Euro „eingenommen“ werden. Da die Aktion seit 9 Jahren läuft, „könnten“ 5.702.400 Euro zusammengekommen sein. Auch wenn diese Rechnung etwas hochgreift, bleibt immer noch ein Millionenumsatz – mit dem Schicksal von Millionenopfern.

 

Im Haus Stierstraße Nr. 14/15 wohnte von 1917 bis 1926 der Schriftsteller Max Hermann-Neiße. 1933 verließ er sein Heimatland. Er war „kein Jude“ und auch „keen Bolschewik“. Liegt es daran, dass dem „wunderbaren Dichter“ eine Erinnerung versagt bleibt? 1941 starb er im Londoner Exil. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Pflege für sein Grab auf dem East Finchley Cemetery eingestellt. Hinterlassen hat er uns ein Gedicht:

 

Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen,

die Heimat klang in meiner Melodie,

ihr Leben war in meinem Lied zu lesen,

das mit ihr welkte und mit ihr gedieh.

 

Die Heimat hat mir Treue nicht gehalten,

sie gab sich ganz den bösen Trieben hin,

so kann ich nur ihr Traumbild noch gestalten,

der ich ihr trotzdem treu geblieben bin.

 

In fremder Ferne mal ich ihre Züge

zärtlich gedenkend mir mit Worten nah,

die Abendgiebel und die Schwalbenflüge

und alles Glück, das einst mir dort geschah.

 

Doch hier wird niemand meine Verse lesen,

ist nichts, was meiner Seele Sprache spricht;

ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen,

jetzt ist mein Leben Spuk wie mein Gedicht.

 

 

Die Rossebändiger vor dem Berliner Stadtschloss. Blick auf Zeughaus und Unter den Linden.

Rossebändiger vors Schloss

24.06.2017

 

Es wäre gut gewesen, wenn die BVV Tempelhof-Schöneberg am 24. Juni die offene Baustelle des Humboldt-Forums besucht hätte. Denn dort hätten sie erleben und sehen können, mit welcher stilistischen Zurückhaltung der Wiederaufbau des Berliner Schlosses betrieben wird. Die Fehleinschätzung des baupolitischen Sprechers der SPD-Fraktion entspringt offenbar einer völligen Unkenntnis der Situation in Berlins Mitte. Er hatte getönt: „Die Gesellschaft Berliner Schloss will auf Kosten unseres Bezirks ihr preußisches Disneyland rund um das Humboldtforum komplettieren. Das kann nicht angehen. Wenn die Gesellschaft Dekoration für das Schloss benötigt, sollte sie sich um zeitgemäße Künstler bemühen statt im Heinrich-von-Kleist-Park zu plündern und Geschichte zu klittern“.

 

Um was geht es? Die rot-grüne BVV-Mehrheit hatte beschlossen, die im Kleist-Park zwischengelagerten „Rossebändiger“ nicht herauszurücken, da diese seit 1950 Teil der Schöneberger Geschichte geworden sind. Gut, wenn es so wäre, aber warum nur haben dann SPD und Grüne den Kleist-Park so verwahrlosen lassen? Ein „sicherer, sauberer und attraktiver Ort für Geschichte, Kultur und Freizeit“ ist die Anlage nicht, und bekannt ist bisher auch nicht, ob die Volksvertreter eine Sanierung vorhaben. Es klingt daher sehr verlogen, wenn die Fraktion verlauten lässt, dass „der jetzige Standort der Skulpturen Teil der wechselvollen und teils schmerzhaften Berliner Geschichte ist, die ablesbar bleiben muss“. Die Berliner sehen das anders.

 

 

Die Rossebändiger sind zwei Denkmäler, die sich von 1846 bis 1950 auf der Lustgartenterrasse des Berliner Schlosses befanden. Die vier Meter hohen Bronzefiguren sind ein Werk des russischen Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg und waren ein Geschenk des Zaren Nikolaus I. für Friedrich Wilhelm IV. Nachdem das Schloss gesprengt worden war, wurden die Skulpturen 1950 im Kleistpark untergebracht.

 

Der Friedenauer Ewald Mahr erklärt dazu: „Bei den beiden Rossebändiger-Skulpturen handelt es sich nicht um irgendeinen Abguss, sondern es sind die beiden Bronzegüsse von 1842, die ursprünglich für die St. Petersburger Anitschkov-Brücke geschaffen wurden. 2007 wurden beide Skulpturen restauriert und vorübergehend in den Gropius-Bau als Mittelpunkt der Ausstellung über die ‚Macht und die Freundschaft‘ zwischen Russland und Preußen gezeigt. St. Petersburg erhielt für seine Anitschkov-Brücke einen Nachguss.

 

Noch einmal: Berlin besaß für das Königliche Schloss die Erstabgüsse, d. h. die beiden Originale, wo sie nach dem abgeschlossenen Wiederaufbau des Schlosses als Humboldtforum auch wieder hingehören. Wer ist der Eigentümer der Skulpturen? Nicht der Bezirk Schöneberg-Tempelhof! Sondern ganz Berlin, die Bundesrepublik Deutschland! Keine Sorge: Preußen wurde durch Kontrollratsbeschluss abgeschafft! Also: Es ist eine Änderung oder Aufhebung des rot/grünen Beschlusses der BVV Tempelhof-Schöneberg vom Senat, dem Bundestag oder von wem auch immer herbeizuführen!

 

PS Inzwischen vernehmen wir, dass Bezirksamt und BVV bereit sein könnten, die Rossebändiger herauszugeben. Damit würde eine Neugestaltung der Anlage vor dem Kammergericht notwendig. Es versteht sich von selbst, dass diese Kosten nicht dem Bezirk überlassen werden können. Da Schöneberger SPD und GRÜNE generell mit der Gestaltung seiner Parkanlagen intellektuell überfordert ist, sollten die Hausherren des Humboldtforums neben der Kostenübernahme ein Gestaltungskonzept für den Kleist-Park liefern. Es kann auf Dauer nicht hingenommen werden, dass die „Mitte“ ständig verschönert und die „Vororte“ permanent vernachlässigt werden.

 

Kulturakademie Tarabya, Botschafterhaus. Quelle Auswärtiges Amt

Der Fall Deniz Yücel

15.05.2017/16.02.2018

 

Zuerst liefern Auswärtiges Amt und Springer Verlag den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel an Erdoğans Schergen aus, dann jubelt das Amt, wenn der deutsche Botschafter in der Türkei den Inhaftierten nach sechs Monaten erstmals im Gefängnis besuchen darf, und schließlich zeichnen sie ihn in Abwesenheit mit einem eigens geschaffenen „Theodor-Wolff-Sonderpreis“ aus – als „ein Zeichen für die Pressefreiheit, die in der Türkei mit Füßen getreten wird“.

Hätte es nicht die Aufregung über die „unredlichen“ Kommentare von Deniz Yücel zu Bundespräsident Joachim Gauck oder Thilo Sarrazin gegeben, würden die Leser kaum einen seiner Korrespondentenbeiträge kennen. Wie es sich aber gehört, diktierte er im Gefängnis seinen Anwälten eine Dankesrede: „Falls es zu Ihren Absichten gehörte, mich mit dieser wertvollen Auszeichnung ein wenig aufzumuntern, dann sei Ihnen versichert: Es ist Ihnen vortrefflich gelungen. Dafür danke ich Ihnen." Mehr blieb ihm nicht.

 

Wenig später eine Erfolgsmeldung des Auswärtigen Amts: „Zum zweiten Mal seit seiner Festnahme erhält der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel am 18. Mai 2017 Besuch vom deutschen Generalkonsul Georg Birgelen.“ Im Kern aber geht es darum, dass sich der Generalkonsul „ein Bild von den Haftbedingungen machen“ möchte.

 

Soweit bekannt, hatte der Journalist im Dezember 2016 über „delikate“ E-Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak und Erdoğan-Schwiegersohns berichtet. Deniz Yücel ist Deutscher, 1973 in Flörsheim am Main geboren und aufgewachsen. Er besitzt die türkische Staatsbürgerschaft sowie einen deutschen und türkischen Pass. Yücel war Korrespondent der WELT – auf welcher Vertragsbasis? Freier? Pauschalist? Arbeitnehmer?. Er arbeitete in der Türkei offenbar ohne Akkreditierung. Das war unverantwortlich – von Deniz Yücel und Springers „Welt“. Wichtig waren der Zeitung einzig seine Berichte. Die brachten Schlagzeilen. Für seine Lage interessierte sich in Berlin niemand. Verschlimmert wurde die Sache durch das Auswärtige Amt. Die Diplomaten hätten die türkische Position erkennen müssen: „Einmal Türke, immer Türke“.

 

Um Weihnachten 2016 suchte Deniz Yücel Zuflucht in der „Kulturakademie Tarabya“. Das ging nicht ohne Bitte des Springer Verlags und nicht ohne Zustimmung des Auswärtigen Amts. Nach diplomatischen Gepflogenheiten ist das Gelände exterritoriales Gebiet. Für Ankara war sein Aufenthalt in Tarabya allerdings „völkerrechtlich unzulässig“, da sich „ein türkischer Staatsbürger dem Zugriff der einheimischen Justiz entziehe“.

 

Die „Kulturakademie Tarabya“ liegt etwa 17 Kilometer oberhalb von Istanbul am europäischen Ufer des Bosporus. Nachdem das Deutsche Kaiserreich 1877 in Konstantinopel seine erste Botschaft im Osmanischen Reich eröffnet hatte, schenkte Sultan Abdülhamid den Deutschen in Therapia (Tarabya) ein Grundstück für den Sommersitz des Botschafters. Nachdem Ankara 1923 Hauptstadt der Republik Türkei wurde und Botschafter Rudolf Nadolny ein Fertighaus der Christoph & Unmack AG aus Niesky als Gesandtschaft in Anatolien errichten ließ, wurde der Botschaftsbau von Konstantinopel als Generalkonsulat und Therapia als Sommerresidenz genutzt. Diese wurde 2012 vom Auswärtigen Amt zur „Kulturakademie Tarabya“ umfunktioniert, die den deutsch-türkischen Dialog beflügeln sollte.

 

In Tarabya war Deniz Yücel „gefangen“. Die Türkei konnte abwarten. Bevor er sich am 17. Februar 2017 in das Polizeipräsidium Istanbul begab und in Gewahrsam genommen wurde, waren Anwälte, Springer Verlag und Auswärtiges Amt über die Vorwürfe informiert: Ermittlung wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauch. Der Mann wurde „ans Messer geliefert“. Es mag wohl daran gelegen haben, dass die Führungskräfte Frank-Walter Steinmeier und Stephan Steinlein mit ihrem Umzug ins Bundespräsidialamt beschäftigt waren.

 

Von nun an lieferte das Auswärtige Amt nur noch Statements: „Wir setzen darauf, dass in dem laufenden Ermittlungsverfahren der türkischen Behörden gegen Herrn Yücel rechtsstaatliche Regeln beachtet und eingehalten werden und er fair behandelt wird.“ Zu Deutsch: Ein Deutscher wird von den Deutschen im Stich gelassen. Auf der Website des Auswärtigen Amts ist unter „Hilfe für Deutsche im Ausland“ zu lesen: „Ob Urlaub, Geschäftsreise oder längerer Auslandsaufenthalt: Unsere Botschaften und Konsulate sind für Sie eine wichtige Anlaufstelle.“ Wir sollten uns darauf nicht verlassen.

 

Am 16. Februar 2018 kam Deniz Yücel frei. Er hat sich danach nicht „vermarkten“ lassen. Das spricht für ihn.

 

 

CityTree Modell. Quelle GCS

City-Trees der CDU

21.06.2017

 

City Trees sind nach Wikipedia „neuartige Stadtmöbel für Straßen in Städten, die als Filter für Staub und Abrieb effektiver als ein Naturbaum arbeiten“. Sie basieren auf 3 x 4 Meter hohen und freistehenden Wänden, die vertikal mit Moos bepflanzt werden und auf den Außenbereichen zusätzliche Bepflanzungen erhalten.

Nach Ansicht der CDU von Tempelhof-Schöneberg haben diese Moosbaumwände „die gleiche Filterwirkung auf Feinstaub wie 275 Straßenbäume“. Sie wären damit „eine ideale Ergänzung zum sonstigen Straßengrün, verursachen nur marginale Kosten im Unterhalt und sind leicht zu pflegen“.

Da Tempelhof-Schöneberg „ideale Voraussetzungen für diese innovative Technik hat“, schlägt die CDU dem Bezirk ein (selbstverständlich subventioniertes) Pilotprojekt vor und „erwartet bis Ende des Jahres 2017 vom Bezirksamt Standortvorschläge und eine grobe Kostenschätzung“.

 

Die City-Trees hat „Green City Solutions“ (GCS) entwickelt. Die CDU verkauft das Unternehmen als „Berliner Start-Up Unternehmen“. Das macht was her, ist aber nicht korrekt. GCS wurde im März 2014 in Dresden gegründet. Im April 2015 finanzierte AOK Plus ein City-Tree in Jena, im September 2015 erwirbt Oslo zwei City-Trees, im Juli 2016 wird ein City Tree in Hongkong aufgestellt. Bevor sich GSC im September 2016 auf dem EUREF-Campus Berlin ansiedelte, wurden ganze vier City-Trees losgeschlagen.

 

 

 

Was tut man nicht alles, um dem CDU-Parteifreund und Autolobbyisten Matthias Wissmann drohende Fahrverbote zu ersparen. Da sollen es nun künstlich mit Moos bepflanzte Betonklötze richten. Und das vor dem Hintergrund, dass es dem Bezirk nicht einmal gelingt, die bestehenden Grünanlagen, in denen viele natürliche Bäume stehen, ordentlich zu pflegen. Man kann sich jetzt schon vorstellen, in welchem Zustand sich die Moos-Wände in wenigen Monaten befinden würden. Die City-Trees der CDU sind ein Ablenkungsmanöver. Weil bestehende Grünflächen wie das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf rücksichtslos zubetoniert werden, sollen nun die künstlichen Mooswände für ein verträgliches Stadtklima sorgen. Absurder geht’s nimmer. Die Antragsteller sollten dringend ihren Verstand einschalten und statt modischer Start-Up-Spinnereien realistische und zielführende Vorschläge machen.

 

 

Neue Hertha-Arena. Quelle Hertha BSC, 2018

Nein zur Hertha-Arena

22.04.2017/13.10.2018

 

Im April 2005 wurde das Olympiastadion Berlin – mit der (herthablauen) Leichtathletikbahn durch die UEFA als „Fünf-Sterne-Arena“ bewertet. Zehn Jahre später, nachdem das DFB-Pokalendspiel (30. Mai 2015) und das UEFA Champions League Finale (6. Juni 2015) über die Bühne gegangen waren, erhielt das Olympiastadion Berlin – immer noch mit der (herthablauen) Leichtathletikbahn – von der UEFA die zusätzliche Kategorisierung „Elite Stadion“.

 

 

 

 

 

 

Wenn FCB, BVB und Schalke 04 in Berlin antreten müssen, dann ist das Olympiastadion mit 74.475 Plätzen stets ausverkauft, dann ist auch höchste Stimmung in der weitläufigen Bude. Ganz zu schweigen vom DFB-Pokalendspiel. Wenn allerdings Hertha BSC gegen weniger große Namen spielen muss, dann ist nicht einmal die Hälfte gefüllt. Ein „kritischer Begleiter aus Jüterbog“ brachte es am 17. April 2018 auf den Punkt: „Ich war nach langer Zeit mal wieder gegen Freiburg im Oly! 36.000 Zuschauer, davon 4.000 aus Freiburg, abzüglich geschätzte 4000 Herthies aus Brandenburg, das macht 28.000 Berliner an einem Samstag bei erträglichen Temperaturen. Und sowas nennt sich „Hauptstadtklub“.

 

Hertha BSC hatte in der Saison 2017/18 mit nur 60 Prozent Stadionauslastung den schlechtesten Wert in der Bundesliga. Statt 49.500 Zuschauer kamen im Schnitt nur 45.200 Anhänger.

 

Das war bis 1989 nicht anders, als die Inselstadt nur mit 1,85 Millionen Einwohnern aufwarten konnte. Mehr ist auch seit der Wiedervereinigung nicht drin, obwohl Berlin und Brandenburg inzwischen mit einem Potential von 6 Millionen Menschen aufwarten können – und im Umkreis von 200 Kilometern kein Bundesligafußball zu erleben ist.

 

Da können die Lautsprecher noch so laut das ovale Rund mit Frank Zander beschallen, „Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause geh'n wir nicht“, der Text bleibt bieder und die von Rod Stewarts „Sailing“ abgekupferte Melodie stammt eben aus dem Jahre 1975.

 

Hertha BSC spielt keinen attraktiven Fußball, hat keine Spielerpersönlichkeiten und ist kein Sympathieträger. Wer nach dem Ausstieg des Sponsors „Deutsche Bahn“ auf den Sportwettenanbieter „bet-at-home“ zurückgreifen muss, hat ein Marketingproblem. Die Mannschaft ist nicht besser als Platz elf der Tabelle: Sechs Siege, acht Unentschieden, sechs Niederlagen. Das ist Mittelmaß. Bei der Auslastung liegt Hertha BSC (wie immer) auf dem letzten Rang.

 

Hertha BSC ist es nicht gelungen, dem Verein in Berlin und im Bundesgebiet ein positives Image zu verpassen. Die vielbeschworene „Fanszene“ steht dem nicht nach. Wer anderen Vereinen mit Abneigung begegnet, sie sogar zu „Feindbildern“ erklärt, darf sich nicht wundern, wenn Hertha BSC fast schon verzweifelt nach neuen Mitgliedern suchen. Wer will da schon mittun?

 

Kaum hatte die „alte Dame“ in der Saison 2016/17 einige Heimspiele gewonnen, ging Hertha BSC am 30. März 2017 mit der Idee „reines Fußballstadion“ für ca. 55.000 Zuschauer in die Offensive – auf dem Berliner Olympiagelände oder (Erpressung!) – im „Brandenburg Park Ludwigsfelde“. Beides „zu 100 Prozent privat finanziert oder ohne das „ein denkmalgeschütztes Gebäude auf dem Olympiagelände betroffen wäre“.

 

Die Argumente sind verlogen: Erstens wird die öffentliche Hand für die rein kommerziellen Interessen doch irgendwie zur Kasse gebeten werden und zweitens geht es nicht nur um „Gebäude“, sondern um das zum Denkmal erklärte ehemalige Reichssportfeld. Das gilt es zu erhalten. Die Arroganz, mit der Hertha BSC als Mieter des Olympiastadions seinerzeit die blaue Tartanbahn gegen den Denkmalschutz durchgesetzt hat, darf sich nicht wiederholen.

 

Nach den heftigen Protesten gegen einen Eingriff in das Olympiagelände haben Hertha BSC und das Architekturbüro „Albert Speer + Partner“ ihre Pläne noch einmal überdacht und dem Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vorgestellt. Nun wird der Flächenbedarf der Arena mit 53.400 Quadratmetern veranschlagt. Der neue Entwurf sieht vor, dass die Arena 80 Meter vom ursprünglich geplanten Standort entfernt ist – und der Denkmalschutz „ausgehebelt“ werden kann. 70 Prozent des Stadion-Areals würden außerhalb des Olympiaparks liegen. Vorgesehen ist, die Arena zur Hälfte im Boden zu versenken. Wer in der ersten Reihe der neuen Haupttribüne sitzt, ist lediglich acht Meter vom Platz entfernt. Im Olympiastadion sind es 22 Meter.

 

Östlich des Olympischen Platzes ist ein Parkhaus mit zwei Etagen geplant. Auf vier großen neu geschaffenen Parkplatz-Bereichen sollen auch 1100 Stellplätze für Fahrräder und 280 Parkplätze für Menschen mit Behinderung entstehen. Am Schenckendorffplatz sollen die Gästefans Zugang erhalten. Die Hertha-Fans sollen auch im neuen Stadion ihre Ostkurve behalten. Dort sind 10.000 Stehplätze vorgesehen. Im Olympiastadion beträgt der Abstand zwischen Tribüne und Rasen 40 Meter, in der neuen Arena nur zehn Meter.

 

„Steil, nah, laut“ soll die neue blau-weiße Blechdose sein. Das mag ja sein, was aber das Architekturbüro „Albert Speer + Partner“ an Entwürfen präsentiert, geht nicht über die einfallslose Architektur der Wirsol Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim oder der Continental Arena in Regensburg hinaus.

 

Baut Hertha BSC sein „reines Fußballstadion“ mit ca. 55.000 Plätzen, dann bleiben in der Regel immerhin noch 10.000 bis 20.000 Plätze leer, und wenn dann dort FCB, BFB oder Schalke 04 antreten, dann bleiben ab 2025 rund 20.000 Zuschauer außen vor.

 

Klaus Teichert, Chef der Stadion GmbH des Vereins, verfolgt „die Pläne für den Neubau eines Fußballstadions mit Nachdruck“. Aber, schon wieder die Erpressung, auch ein Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde sei „noch nicht endgültig aus dem Rennen“. Man müsse langfristig denken. „Es geht schließlich um ein Stadion, das 50 bis 60 Jahre halten soll, dann wird es hoffentlich keine Rolle mehr spielen, dass die Stadtgrenze einst zwischen West und Ost verlief.“

 

Aber natürlich will Hertha lieber auf dem Olympiagelände bauen. Zum Denkmalschutz, der den gesamten Olympiapark umfasst, hat Herthas Stadionmanager Teichert laut BZ nur eine „ganz persönliche“ Meinung. Man solle doch genau überlegen, was am ehemaligen Reichssportfeld rund um das Olympiastadion tatsächlich schützenswert sei. Mit Denkmalschutz hat Hertha BSC nichts am Hut. „Wir brauchen eine volle Hütte und wollen mit einem neuen Stadion für knapp 50 000 Zuschauer Geld verdienen.“

 

Sportsenator Geisel (SPD) sieht das Ergebnis der Verhandlungen mit Hertha „vielleicht in den nächsten Wochen oder Monaten“. Für den Senat gebe es auch noch eine dritte Möglichkeit, verriet der Senator im Ausschuss. Es könnte ja „auch alles so bleiben wie es ist“. Das aber ist für den Verein offenbar keine Option.

 

Für Stephan Standfuß (CDU) ist „das Konzept des Neubaus“ überzeugend. Die AfD favorisiert einen Umbau des Olympiastadions. Linke, Grüne und FDP sehen beide Varianten bisher skeptisch. Und auf Facebook meint Klaus am 18. April 2018: „Dann soll Hertha sich doch einfach irgendwo ein Grundstück kaufen und den Senat in Ruhe lassen mit der Forderung nach einem Filetstück. Vermutlich ist kein Geld für ein Grundstück da.“

 

 

Kommentare aus dem Internet

 

Also, ich halte die Vorstellung der Pläne und die mögliche Bekanntgabe des Standortes für eine kleine Erpressung. Nach der letzten Niederlage sollte man erst einmal versuchen, konstanter zu spielen ehe man über ein neues Stadion nachdenkt. Ich glaube ja, dass das Stadion privat finanziert werden kann, aber was passiert danach. Ich als Steuerzahler möchte nicht für die Kosten aufkommen. Wenn das Olympiastadion angeblich keine Atmosphäre hat, so liegt es auch an Fußballern selbst.

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Der Tenor der Kommentare hier lässt darauf schließen, dass die Berliner nicht schon wieder Geld und Ressourcen an die graue Maus Hertha verschwenden wollen.

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Und ich verstehe nicht die Angst davor, das Stadion in Brandenburg zu errichten. Die Anbindung durch Autobahn und Bundesstraße machen es viel leichter. Zudem gibt es viele andere Klubs, deren Stadion außerhalb der Stadtgrenzen liegt ...ich sage nur FCB

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Das Hertha das Stadion nicht vollkriegt, liegt nicht am Stadion.

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Berlin hat schon genug Geld für die olle Hertha raus geworfen. Also ab nach Ludwigsfelde mit dem Brandenburger Sport Club.

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Das Stadion mit 55.000 Plätzen ist auch überdimensioniert. Die Zuschauerzahlen: Darmstadt 31.912, Ingolstadt 33.425, Mainz 37.852, Freiburg (1. Spieltag) 41.648, Schalke 49.251, Frankfurt 43.323. Aus diesen Zahlen müssten noch die Gästekarten abgezogen werden.

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Wie steht es um das Olympiastadion in München nach dem Bau der „Arena“? In München hatte man es mit den gleichen Begehrlichkeiten der Fußballunternehmen zu tun. Ist das jetzt zum Geldgrab geworden?

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Finanzspekulatives Gebaren scheint höherrangiger als die Nutzung vorhandener Anlagen. Die Folge bei einem neuen Stadion, gleich wo, würde sein, dass letztlich wieder öffentliche Gelder für einseitige Aktivitäten ausgegeben werden müssten.

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Privat finanzieren... ich lach mich kaputt! Seit wann geht sowas denn in Berlin? Hertha hatte mal ein eigenes Stadion, bevor sie es verkaufen mussten, weil die Hertha wieder mal pleite war. Und jetzt ein neues Stadion für geschätzte 150 Millionen. Schuster bleib bei Deinen Leisten und versuche erstmal das Olympiastadion einigermaßen voll zu kriegen und international zu spielen. Ne Kokeltruppe bleibt ne Kokeltruppe, da ändert auch ein neues Stadion nichts dran.

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Es gibt keinerlei Grund in Berlin den Neubau eines Stadion zuzulassen. Wenn Hertha eine bessere Stadionauslastung benötigt, geht dies ausschließlich durch jahrelange konstante Leistung auf hohem Niveau, wie z.B. München, Dortmund, Schalke es vormachen.

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Enorme Kostenfalle. Genau das ist der Punkt. Das muß vor der Genehmigung geklärt werden bevor der Steuerzahler wieder zur Kasse gebeten wird, wenn das Olympiastadion keinen Betreiber hat, der für die Kosten aufkommt.

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Sind denn der Senat und ein oft mittelklassiger Fußballverein die Einzigen, die in dieser Stadt und in Deutschland etwas zum Erhalt oder zur „Zerstörung“ des Olympiastadions zu sagen haben? Wer gibt uns denn die Garantie, dass dieses, dann „Fußballstadion“ immer von einem Verein der 1. Bundesliga genutzt wird? Wie oft war Hertha zweitklassig? Warum nutzt Hertha für seine zweifelhaften Pläne nicht das Poststadion oder das Stadion am Lochowdamm? Wie kommt es, dass der Unterring nicht dem Denkmalschutz unterliegt? Stellt nicht auch die Verblendung des Oberrings mit LED-Werbung einen Missbrauch im Sinne des Denkmalschutzes dar? Hinzu kommt, dass sich Berlin mit der Zerstörung der olympischen Laufbahn (Denkmalschutz?) der Möglichkeit beraubt, sich jemals wieder um EM oder WM in der Leichtathletik zu bewerben. Außerdem und das ist der entscheidende Punkt, verabschiedet sich mit der Zerstörung des Berliner Olympiastadions ganz Deutschland von Olympia. Will dieser Senat wirklich eine solche Entscheidung fallen? Das alles hat der Senat vor seinen Gesprächen mit einem finanziell nicht gerade abgesicherten Fußballverein bedacht? Oder handelt es sich um eine rein politische Entscheidung, um die Stellung des Senats zu festigen?

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Das Olympiastadion als Multifunktionsbau ist doch extra für viel Geld saniert und als Austragungsort für Fußball, Leichtathletik und Konzerte umgebaut worden. Es ist schon jetzt eine einzigartige spektakuläre Spielstätte mit einem emotionalen Spielerlebnis. Wenn man das nicht immer spürt, liegt das vielleicht auch an der Mannschaft, die dort spielt. Vielleicht würde das emotionale Spielerlebnis Hertha BSC in einer schönen eignen neuen Fußball-Arena in Brandenburg besser gelingen, - so wie damals in Gesundbrunnen. Mein Vorschlag: Der Senat sollte das Geld statt in den Profifußball doch besser in die sanierungsbedürftigen Turnhallen und Sportstätten stecken, das würde sicher auch bei den kleineren Vereinen zu einem emotionalen Spielerlebnis führen.

 

Das Olympiagelände von 1936

 

Neuer Ort: Käthe-Kollwitz-Museum am Charlottenburger Schloss

Käthe-Kollwitz Museum lebt

20.04.2017/01.11.2018

 

Nachdem die Banater Schwäbin Herta Müller die Bundesrepublik mehrmals besuchen konnte, fand sie Gefallen an Deutschland. 1987 bewilligte Ceaușescu‘s Rumänien ihre endgültige „Ausreise“. Diesen Begriff fand sie unangemessen. Von wegen „Ausreise". Sie reiste nicht aus. Sie ging „ins Exil“. Das macht mehr her. Da ihre Schreiberei hierzulande auf wenig Gegenliebe stieß, verlegte sie sich auf Statements. Das brachte ihr den Titel „Brandrednerin“ ein. Immer wieder trieb sie „eine neue Sau durchs Dorf“.

 

Höhepunkt war ihre Kritik an Günter Grass. Nachdem er mit seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ die Politik Israels kritisiert hatte, forderte sie von ihm Zurückhaltung: „Er ist ja nicht ganz neutral. Wenn man mal in der SS-Uniform gekämpft hat, ist man nicht mehr in der Lage, neutral zu urteilen.“ Verdrängt hatte sie, dass das im Alter von 17 Jahren für sieben Monate war.

 

 

Kaum hatte sie den Literaturnobelpreis erhalten, nutzte sie die Gunst der Stunde für einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin, in dem sie beklagte, dass es in Deutschland „keinen Ort gibt, an dem man den Inhalt des Wortes Exil an einzelnen Schicksalen entlang darstellen kann“. Wenig später kam ein „Initiativkreis“ auf die Idee kam, das „Käthe-Kollwitz-Museum“ in der Fasanenstraße aufzugeben und dort ein „Exil-Museum“ zu installieren. Man hatte ein Haus, kein Konzept, aber den Boden für die Verdrängung von Käthe Kollwitz bereitet.

 

Gegen ein „Museum des Exils“ ist nichts einzuwenden, weil uns die Schicksale der nach 1933 aus Deutschland vertriebenen Menschen nicht gleichgültig sein können. Wo aber anfangen? Bei Thomas Mann natürlich, Ernst Bloch, Siegfried Kracauer, Egon Erwin Kisch, Ernst Schwitters auch. Wie aber wird mit jenen verfahren, die blieben und sich in die innere Emigration zurückgezogen hatten, Gottfried Benn, Erich Kästner, Ernst Wiechert, Ehm Welk?

 

Mit der Zeit wurde klar, so die offizielle Version, „dass die Räume an der Fasanenstraße angesichts des Umfangs der Aufgabe für das Exilmuseum nicht ausreichen würden“. Nun soll es ein Neubau sein, „ein Ort, der den Inhalt des Wortes Exil begreifbar macht“. Dafür kommt selbstverständlich nur der Standort Anhalter Bahnhof in Betracht, „ein authentischer Ort mit der Aura des Transits“. Von hier seien Zehntausende ins Exil gegangen. Zudem sei in der Gegend „eine thematische Verbindung“ zum Dokumentationszentrum der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, der „Topographie des Terrors“ gegeben – auch der Martin-Gropius-Bau, in dem größere „Exil-Spektakel“ untergebracht werden könnte.

 

Für das „Käthe-Kollwitz-Museum“ wurde inzwischen ein neuer Standort am Charlottenburger Schloss gefunden. Beileibe kein Ausweichquartier. Mit der Nachbarschaft von Bröhan-Museum und Museum Berggruen ergeben sich für das Käthe-Kollwitz-Museum interessante Perspektiven.

 

In der Sache „Exil-Museum“ sollten wir uns an Marcel Reich-Ranicki halten: „Ich will nicht über die Herta Müller reden.“

 

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Käthe-Kollwitz-Museum oder Exil-Museum: Reaktionen (Eine Auswahl)

 

Affront gegen Käthe-Kollwitz-Museum

https://www.zitty.de/kaethe-kollwitz-museum-droht-umzug/

 

Das böse Spiel mit dem Exil

https://www.tagesspiegel.de/kultur/streit-ums-kaethe-kollwitz-museum-das-boese-spiel-mit-dem-exil/19772924.html

 

Das Kollwitz-Museum soll bleiben, wo es ist

https://www.berliner-zeitung.de/kultur/kunst/kulturdebatte-das-kollwitz-museum-soll-bleiben--wo-es-ist-26705242

 

Muss Käthe Kollwitz gehen?

https://www.tagesspiegel.de/kultur/exilmuseum-in-berlin-geplant-muss-kaethe-kollwitz-gehen/19690734.html

 

Muss Käthe Kollwitz raus?

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/welches-museum-zieht-in-berlins-fasanenstrasse-14990558.html

 

Exil-Museum soll nicht ins Käthe-Kollwitz-Museum

https://www.bz-berlin.de/liveticker/exil-museum-soll-nicht-ins-kaethe-kollwitz-museum

 

Wie Käthe Kollwitz' Enkel für das Erbe der Großmutter kämpft

https://www.berliner-kurier.de/berlin/leute/berliner-kunst-streit-wie-kaethe-kollwitz--enkel-fuer-das-erbe-der-grossmutter-kaempft-27028914

 

Raus aus Berlin: Siedlungsachsen. Quelle Wikipedia

Nicht jeder, der nach Berlin kommen will,

kann in Berlin wohnen

28.05.2018/Ergänzung in Kürze

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