Unsere Meinung

Originalbildunterschrift: „Auf dem Viktoria-Luise-Platz trotzen Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und die Teilnehmenden Wind und Wetter.“ (Pressestelle Tempelhof-Schöneberg, 2017)

Sie schreckt vor nichts zurück

02.04.2018

 

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) schreckt wohl vor gar nichts mehr zurück. Am 13. April 2018 startet sie auf dem Viktoria-Luise-Platz die diesjährige Brunnensaison. Dazu gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe. Nicht vergessen ist der massive Bürgerprotest, als das Bezirksamt den traditionellen Blumenschmuck aus Kostengründen einstellen wollte. Erst als sich die Wall GmbH, damals zuständig für die Berliner Brunnen, Sorge um ihr Image machte und über das Landesdenkmalamt eine Bepflanzung gesichert war, konnte Angelika Schöttler am 23. März 2017 auf das Knöpfchen drücken.

 

Dieses Jahr sieht es etwas anders aus. Bekannt ist, dass die Wall GmbH inzwischen vom wenig lukrativen „Brunnen-Geschäft“ genug hat. Betrieb und Instandhaltung der Anlagen hat sich nicht ausgezahlt. Der Vertrag über Reinigung und Pflege der Brunnen endet zum 31. Dezember 2018. Ab 2019 werden die Berliner Wasserbetriebe – also der Steuerzahler – zuständig sein. Das alles hält Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler in ihrer vorab verbreiteten Pressemitteilung im Namen des Bezirks Tempelhof-Schöneberg nicht davon ab, der Wall GmbH „für die 20 Jahre hervorragende Zusammenarbeit ganz herzlich ‚Danke schön‘ zu sagen“.

In diesen Dank ist wahrscheinlich auch der „Sintflutbrunnen“ auf dem Perelsplatz eingeschlossen. Der verlor seit Jahren aus zahlreichen Rissen Wasser und wurde deshalb vor einem Jahr stillgelegt.

 

 

 

Der Sintflutbrunnen wurde am 4. Juli 1909 auf dem Hamburger Platz enthüllt. Geschaffen hatte ihn der Bildhauer Paul Aichele (1859-1924). Mit dem Umbau des Südwestkorsos wurde der Brunnen auf dem Maybachplatz (heute Perelsplatz) installiert. Aus einem Becken von 7 Meter Durchmesser ragt ein Felsen heraus, auf dessen Spitze sich eine nackte Frau gerettet hat, die ihren Arm schützend über ein Kind ausbreitet. 1931 wurde der Brunnen auf den Maybachplatz, heute Perelsplatz, umgesetzt.

 

Obwohl es diverse Anfragen der in der BVV vertretenen Parteien nach der Zukunft des Sintflutbrunnens gab, hat die Bezirksbürgermeisterin bis jetzt keine Lösung präsentiert – die klassische Politik des Aussitzens. Die Eröffnung der Brunnensaison findet also auch in diesem Jahr ohne Friedenau statt. Mit dabei auf dem Viktoria-Luise-Platz ist allerdings die Wall GmbH, die sich von Frau Schöttler für ihr – auslaufendes – Engagement feiern lässt.

 

Ab 1919: Käthe-Kollwitz-Museum, Spandauer Damm 19

Vertrieben und doch gerettet

Ecke Spandauer Damm und Schloßstraße

 

Die Ecke wird man sich merken müssen. Kein Ausweichquartier, sondern DIE LÖSUNG: Bröhan-Museum, Museum Berggruen und Käthe-Kollwitz-Museum in unmittelbarer Nähe zum Charlottenburger Schloss – das sind ohnehin Attraktionen der Kulturlandschaft. Besser hätte es nicht kommen können. Damit eröffnen sich dem seit drei Jahrzehnten bestehenden Käthe-Kollwitz-Museum Perspektiven. Die Immobilie Spandauer Damm Nr. 19 gehört dem Land Berlin und beherbergt derzeit noch das Kunstarchiv der Akademie der Künste. Nach dessen Umzug an den Pariser Platz werden dem Käthe-Kollwitz-Museum Erdgeschoss sowie Teile des ersten und zweiten Geschosses zur Verfügung stehen.

 

 

Immerhin hat die „Stiftung Exilmuseum Berlin“ um Schirmherrin Herta Müller, Gründungsdirektor Christoph Stölzl und Hauseigentümer Berndt Schulz „großzügig“ zugestanden, dass das Käthe-Kollwitz-Museum die zum 31. Dezember 2018 gekündigten Räume in der Fasanenstraße bis zum Umzug Ende 2019 weiter nutzen kann.

 

Ob das „private“ Exilmuseum nach der Vertreibung von Käthe Kollwitz dann „ein sehr persönlicher, intimer Ort wird, den man nicht so leicht vergessen wird, wenn man einmal den Weg dorthin gefunden hat“, wird man sehen. Was Stölzl und seine Kuratorin Cornelia Vossen jedoch im „Museumsjournal 2/2018“ verlauten lassen, macht wenig Hoffnung. Die Briefe, die wir von Elisabeth Bergner, Hans Sahl, Mischa Spoliansky und Gabriele Tergitt erhalten haben, passen jedenfalls nicht in dieses „Exilmuseum“.

 

Das Geschwätz von Stölzl & Vossen, genannt Hintergründe und Vision, finden Sie auf der nachfolgenden PDF:

 

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Käthe-Kollwitz-Museum. Quelle Museum.

Käthe-Kollwitz-Museum

oder „privates“ Exil-Museum?

20.04.2017

 

Seit geraumer Zeit fordert Herta Müller ein „Museum des Exils“. Dagegen ist nichts einzuwenden, weil ein ehrendes Andenken an die nach 1933 aus Deutschland vertriebenen Menschen überfällig ist. Wo aber anfangen? Bei Thomas Mann natürlich, Ernst Bloch, Siegfried Kracauer, Egon Erwin Kisch, Ernst Schwitters auch. Wie aber wird mit jenen verfahren, die blieben und sich in die innere Emigration zurückgezogen hatten, Gottfried Benn, Erich Kästner, Ernst Wiechert, Ehm Welk?

 

Ein Konzept gibt es nicht, jedenfalls ist bisher nichts bekannt geworden, dafür gibt es Unterstützer mit den üblichen Verdächtigen aus dem überkommenen Westberliner Kultursumpf und ein Domizil. Noch am 18. November 2016 ging es auf einer von Herta Müller initiierten Tagung im Literaturhaus Berlin um „Ein Exilmuseum in Deutschland“. Jetzt kommt ein „Exilmuseum in der Fasanenstraße“ ins Gespräch.

 

Das Haus, um das es geht, ist Teil des sogenannten Wintergartenensembles. Dazu gehören die drei dem Historismus zugeordneten Stadtvillen „Literaturhaus“ Fasanenstraße 23, „Käthe-Kollwitz-Museum“ Fasanenstraße 24 und „Auktionshaus Villa Grisebach“ Fasanenstraße 25. Das Gebäude des „Literaturhauses“ gehört dem Land Berlin und wurde dem „Trägerverein Literaturhaus Berlin e.V.“ zur Nutzung überlassen. Neben Café und Buchhandlung hat dort auch die Oskar-Pastior-Stiftung ihren Sitz, in deren Stiftungsrat neben Herta Müller und Ernest Wichner (Vorsitzender) die Schriftsteller Marcel Beyer und Ulf Stolterfoht, der Literaturwissenschaftler Dierk Rodewald und die Journalistin Christina Weiss wirken. Die Gebäude, in denen später das „Käthe-Kollwitz-Museum“ und das „Auktionshaus Grisebach“ einzogen, hatte einst die Deutsche Bank gekauft, saniert und dann an Hans Pels-Leusden und den von ihm geförderten Bernd Schultz vermietet.

 

Das seit 1986 bestehende „Käthe-Kollwitz-Museum“ ist aus der Privatsammlung des Galeristen Hans Pels-Leusden hervorgegangen. Er sammelte die Werke von Käthe Kollwitz und übereignete Bernd Schultz und der Stiftung seine Kollwitz-Sammlung mit 95 Druckgrafiken, 40 Zeichnungen und 10 Originalplakaten. Außerdem stellte Pels-Leusden dem Gründer der „Stiftung Bernd Schultz in Erinnerung an Hans Pels-Leusden“ sein Vermögen „zum Erhalt des Käthe-Kollwitz-Museums und der Grafische Sammlung Hans Pels-Leusden“ zur Verfügung.

 

Bernd Schultz hat das Gebäude Fasanenstraße 24 vor einigen Jahren von der Deutschen Bank erworben und die Nutzung durch das „Käthe-Kollwitz-Museum“ mit geringen Mietforderungen ermöglicht. Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ vom 9. Mai 2017 „schien sein Bestand auch durch den ursprünglichen Mietvertrag mit der Deutschen Bank gesichert, der eine Laufzeit von 15 Jahren mit nachfolgender dreimaliger Verlängerung über fünf Jahre vorsah“. Das war wohl gutgläubig. Die dritte Villa in der Fasanenstraße 25, mit Unterstützung der Deutschen Bank 1980 restauriert, gehört seit 2013 dem „Auktionshaus Villa Grisebach“. Seit der Gründung durch die Kunsthändler Bernd Schultz, Hans Pels-Leusden, Wilfried Utermann, Raimund Thomas und Michael Neumann im Jahre 1986 hat sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Auktionshaus entwickelt. Geschäftsführender Gesellschafter ist u.a. Bernd Schultz. Er hat mit seiner Ehefrau Mary Ellen von Schacky-Schultz inzwischen den „Bernd Schultz und Mary-Ellen von Schacky-Schultz Fonds“ ins Leben gerufen ...

 

Reaktionen in den Medien

 

Geplante Siedlungsachsen

Schluss mit der Nachverdichtung

Berlin soll Berlin bleiben, 07.09.2017

 

Bei der Lektüre des „Tagesspiegel“ vom 07.09.2017 fragen wir uns, ob diese Zeitung noch ein Ohr für ihre Leser hat. Was der Redakteur Ralph Schönball da auf den Seiten 1 und 11 über „Wohnungsnot“ und „Wohnungskrise“ von sich gibt, könnte auch von einem Bauunternehmer oder Immobilienspekulanten geschrieben sein. Schlimm wird es aber, wenn Schönball den ehemaligen Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) zitiert. Da darf der umtriebige Politiker und Geschäftsführender Gesellschafter der „Beratungsfirma SNPC“ nun eine „Verdichtung der Stadt bis zur Grenze des gesetzlich Zulässigen“ fordern. Fakt ist doch, und da braucht es nicht die x-te Studie zum Wohnungsbedarf, dass das verfügbare Bauland für Wohnraum innerhalb der Stadtgrenzen schon heute nicht ausreicht. Dennoch fordert Branche und Politik eine konsequente Verdichtung der Stadt. „In Baulücken, auf den Dächern und durch die Ergänzung bestehender Quartiere müssten Wohneinheiten neu entstehen.“

 

 

 

Bausenatorin Katrin Lompscher (DIE LINKE) setzt da vor allem auf kommunale Unternehmen: „Die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften sollen bis 2021 mit rund 30.000 Wohnungen knapp ein Drittel des Neubaus in Berlin stemmen.“ Ja weiß sie denn nicht, dass sich keine dieser städtischen Wohnungsbaugesellschaften am Bauprojekt „Güterbahnhof Wilmersdorf“ beteiligt, und dass sich der Bauherr BÖAG daher zur Finanzierung die HELABA (Hessische Landesbank) ins Boot geholt hat. Zu erwarten ist also, dass anstelle von preiswerten Mietwohnungen mit dieser Kapitalanlagegesellschaft teure Eigentumswohnungen entstehen. Sie rechnen sich für Projektentwickler ohnehin besser, aber von „normalen Menschen“, geschweige denn von Flüchtlingen und Asylbewerbern, können sie gar nicht bezahlt werden.

 

Da der Widerstand gegen diese Art Stadtentwicklung bei den Berlinern wächst, und die Leute wissen, dass neben Wohnraum auch noch Flächen für Kitas, Schulen und Infrastruktur erforderlich sind, setzt Bausenatorin Lompscher nun auf Veranstaltungen und Agitation, „um die Beteiligung der Bürger an Bauplanungen zu verbessern und diese zu beschleunigen“. Wie Bürgerbeteiligung aussieht, haben die Friedenauer durch Bezirksstadträtin Sibyll Klotz (GRÜNE) beim Projekt „Güterbahnhof Wilmersdorf“ erlebt, und das erleben derzeit die Anwohner der Wielandstraße mit einer (geplanten) Verdichtung mitten im Blockinnern durch den Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (GRÜNE).

 

Bedauerlicherweise geht der Tagesspiegel-Redakteur Ralph Schönball auf eine Bemerkung von Maren Kern vom „Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen“ (BBU) gar nicht ein. Sie konstatiert einen „echten Flächenproblem beim Bauland“ in Berlin und fordert „Wachstum über die Stadtgrenzen hinaus“. Das aber fordern unabhängige Städteplaner schon seit Jahren.

 

Beispiel Stahnsdorf: Die Gemeinde mit ihren Ortsteilen Stahnsdorf Güterfelde, Schenkenhorst und Sputendorf umfasst eine Fläche von 49,47 Quadratkilometern und hat aktuell 15.427 Einwohner – was wiederum eine Bevölkerungsdichte von 306 Einwohner je Quadratkilometer ausmacht. Friedenau hat eine Fläche von 1,68 Quadratkilometern, 28.145 Einwohner je Quadratkilometer und eine Bevölkerungsdichte von 16.753 Einwohner je Quadratkilometer.

 

Unmittelbar an der Grenze zur Gemeinde Stahnsdorf wurde 2005 der S-Bahnhof Teltow-Stadt eröffnet. Von dort bis zum S-Bahnhof Friedrichstraße dauert die Fahrt 28 Minuten. Seit den 1930er Jahren ist eine Verlängerung der Strecke nach Stahnsdorf im Gespräch. Die dafür vorgesehene vier Kilometer lange Trasse ist seitdem freigehalten worden und wäre in weniger als dreieinhalb Minuten bei 80 Stundenkilometern zu bewältigen. Somit wäre ein 10- oder 20-Minuten-S-Bahn-Takt realisierbar. Flächen für Bushaltestellen und Park-&-Ride-Flächen sind im Stahnsdorfer Flächennutzungsplan verankert.

 

Der Berliner Weltstadtwahn mit derzeit jährlich „gewünschten“ 60.000 Zuzügen ist nicht die Zukunft.

 

Hertha-Arena. Quelle Hertha BSC und AS+P

Nein zur Hertha-Arena

22.04.2017

 

Im April 2005 wurde das Olympiastadion Berlin durch die UEFA offiziell als „Fünf-Sterne-Arena“ bewertet. Nachdem innerhalb einer Woche das DFB Pokalendspiel VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund am 30. Mai 2015 und das UEFA Champions League Finale FC Barcelona und Juventus Turin am 6. Juni 2015 über die Bühne gegangen waren, erhielt das Olympiastadion Berlin von der UEFA die zusätzliche Kategorisierung „Elite Stadion“.

 

 

 

Wenn FCB, BVB und auch Schalke 04 in Berlin antreten müssen, dann ist das Olympiastadion mit 74.475 Plätzen stets ausverkauft, dann ist auch Stimmung in der weitläufigen Bude. Wenn allerdings Hertha BSC gegen weniger große Namen spielen muss, dann sind es im Durchschnitt 35.000 Zuschauer. Die setzen sich aus den angereisten Gästefans und 34.750 Hertha-Vereinsmitgliedern zusammen. Das war schon bis 1989 so, als die Inselstadt mit nur 1,85 Millionen Einwohnern aufwarten konnte. Mehr ist auch seit der Wiedervereinigung nicht drin, obwohl Berlin und Brandenburg mit einem Potential von 6 Millionen Menschen aufwarten könnten – und obwohl im Umkreis von 200 Kilometern kein sehenswerter Fußball zu erleben ist (ausgenommen der 1. FC Union in Köpenick und die „Neuen“ vom RB in Leipzig).

 

Da können die Lautsprecher noch so laut das ovale Rund mit Frank Zander beschallen, „Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause geh'n wir nicht“, der Text bleibt bieder und die von Rod Stewarts „Sailing“ abgekupferte Melodie stammt eben aus dem Jahre 1975. Ganz aktuell offerierten die Hertha-Manager für das Spiel gegen den FC Augsburg am 9. April „ein exklusives Ticket-Angebot für die ganze Familie im Block K“ und unter dem Slogan „Ha-Ho-He – Komm mit zur ITB“ wiederum „exklusiv“ für Hertha-Mitglieder „einen Gutschein im Wert von 15,00 Euro für ein Tagesticket der ITB“, Die Bude blieb trotzdem halbleer.

 

Hertha BSC ist kein Sympathieträger. Das beginnt beim Präsidenten und endet beim Fußballfunktionär Michael Preetz. Seit 1990 wurden in 27 Jahren 22 Trainer verpflichtet und entlassen, darunter Lucien Favre, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Michael Skibbe, Otto Rehhagel, Jos Luhukay und aktuell Pál Dárdai. Spielerpersönlichkeiten, die doch so prägend für das Image sein können, konnte der Verein nicht hervorbringen. Wenn Namen genannt werden, Jérôme Boateng, Fredi Bobič, Thomas Helmer oder Łukasz Piszczek, dann muss doch auch mitgeteilt werden, dass diese Herren bereits nach einer Saison das Weite suchten. Einzig Arne Friedrich hat es hier länger ausgehalten, wurde Nationalspieler und hat dem Verein ein Gesicht gegeben. Marketing mit dem Sportwetteranbieter „bet-at-home.com“ als Hauptsponsor gehört nach dem Ausstieg der Deutschen Bahn ähnlich wie Wiesenhof bei Werder Bremen wohl eher in die Kategorie Missgriff. Hertha BSC ist es nicht gelungen, dem Verein in Berlin und im Bundesgebiet ein positives Image zu verpassen. Die Fanszene von Hertha BSC steht dem nicht nach. Wer anderen Vereinen mit Abneigung begegnet, sie, wie im besonderen Fall 1. FC Union Berlin zu Feindbildern erklärt, darf sich nicht wundern, wenn die Hertha-Fanclubs fast schon verzweifelt nach neuen Mitgliedern suchen. Wer will da schon mittun? Gerade der Köpenicker Club und seine Fans könnten Hertha Nachhilfe in puncto Begeisterung und Beteiligung geben.

 

Kaum hatte die „alte Dame Hertha BSC“ in der Saison 2016/17 einige Heimspiele gewonnen, ging Hertha BSC am 30. März 2017 mit den Plänen für ein „reines Fußballstadion“ für ca. 55.000 Zuschauer in die Offensive. Für Präsident Werner Gegenbauer sollte es auf dem Olympiagelände – oder – und das gleicht einer Erpressung – im Brandenburg Park in Ludwigsfelde errichtet werden. Selbstverständlich „zu 100 Prozent privat finanziert und ohne, dass ein denkmalgeschütztes Gebäude betroffen wäre“. Die Argumente sind verlogen: Erstens wird die öffentliche Hand für die rein kommerziellen Interessen von Hertha BSC doch irgendwann zur Kasse gebeten werden und zweitens geht es nicht nur um die denkmalgeschützten Gebäude, sondern um die zum Denkmal erklärte Gesamtanlage des ehemaligen Reichssportfeldes. Diese gilt es zu erhalten. Die Arroganz, mit der Hertha BSC als Mieter des Olympiastadions seinerzeit die blaue Tartanbahn gegen den Denkmalschutz durchgesetzt hat, darf sich nicht wiederholen. Nun geht es aber nicht um das Stadion, sondern um einen gravierenden Eingriff in den Außenbereich, der, bedingt durch die Lage der Bauten, Stadien, Spielfelder und bewusst angelegten Freiflächen an gewisse Bindungen geknüpft.

 

Schon wird auf dem Entwurf das „Hockey-Stadion“ als „Stadionvorfeld mit Hockeystadion“ bezeichnet, wird die mit „Anger“ bezeichnete grüne Fläche zwischen Guthsmuthsweg und Schwimmstadion für „Stellplätze“ ausgewiesen und erhält die neue Arena sogar eine „Stadionumfahrung“. Demnächst geht es wohl an die historische Pflasterung, an Skulpturen, Stelen und Olympiagedenksteine. Wo einst Gauinger Travertin, Granit, Rüdersdorfer Kalkstein, Schwäbischen Muschelkalk, Tengener Tuff und grünes Dolomitgestein eingesetzt wurde, entsteht jetzt eine blau-weiße Blechdose. „Steil, nah, laut“ soll das neue Stadion sein. Das mag ja sein, was aber das Architekturbüro „Albert Speer + Partner“ an Entwürfen präsentierte, geht nicht über die billige und einfallslose Architektur der Wirsol Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim oder der Continental Arena in Regensburg hinaus. Die Frage darf erlaubt sein, warum Hertha BSC nicht die Architekten Gerkan, Marg und Partner um einen Entwurf gebeten hat. Das Architekturbüro hat mit dem Umbau des Berliner Olympiastadions und danach mit den Stadionneubauten in Kapstadt, Port Elizabeth, Durban oder in Brasília, Belo Horizonte und Manaus Maßstäbe gesetzt.

 

Baut Hertha BSC sein „reines Fußballstadion“ mit ca. 55.000 Plätzen, dann bleiben in der Regel immerhin noch 10.000 bis 20.000 Plätze leer, und wenn dann dort FCB, BFB, Schalke 04 oder RB Leipzig spielen, dann finden ab 2025 jeweils 19.475 Zuschauer keinen Platz. Mit seinen Varianten Hertha-Arena auf dem Berliner Olympiagelände oder im Brandenburg Park in Ludwigsfelde erpresst Werner Gegenbauer die Stadt. Für den Berliner Senat „darf ein Stadionneubau nicht zum Millionengrab für das Olympiastadion werden“, deshalb ist für Senator Geisel als Alternative „ein entsprechender Umbau des Olympiastadions vorstellbar“. Das ist der Anfang vom Ende. Aus ist es mit „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“

 

 

 

Kommentare aus dem Internet

 

Also, ich halte die Vorstellung der Pläne und die mögliche Bekanntgabe des Standortes für eine kleine Erpressung. Nach der letzten Niederlage sollte man erst einmal versuchen, konstanter zu spielen ehe man über ein neues Stadion nachdenkt. Ich glaube ja, dass das Stadion privat finanziert werden kann, aber was passiert danach. Ich als Steuerzahler möchte nicht für die Kosten aufkommen. Wenn das Olympiastadion angeblich keine Atmosphäre hat, so liegt es auch an Fußballern selbst.

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Der Tenor der Kommentare hier lässt darauf schließen, dass die Berliner nicht schon wieder Geld und Ressourcen an die graue Maus Hertha verschwenden wollen.

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Und ich verstehe nicht die Angst davor, das Stadion in Brandenburg zu errichten. Die Anbindung durch Autobahn und Bundesstraße machen es viel leichter. Zudem gibt es viele andere Klubs, deren Stadion außerhalb der Stadtgrenzen liegt ...ich sage nur FCB

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Das Hertha das Stadion nicht vollkriegt, liegt nicht am Stadion.

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Berlin hat schon genug Geld für die olle Hertha raus geworfen. Also ab nach Ludwigsfelde mit dem Brandenburger Sport Club.

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Das Stadion mit 55.000 Plätzen ist auch überdimensioniert. Die Zuschauerzahlen: Darmstadt 31.912, Ingolstadt 33.425, Mainz 37.852, Freiburg (1. Spieltag) 41.648, Schalke 49.251, Frankfurt 43.323. Aus diesen Zahlen müssten noch die Gästekarten abgezogen werden.

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Wie steht es um das Olympiastadion in München nach dem Bau der „Arena“? In München hatte man es mit den gleichen Begehrlichkeiten der Fußballunternehmen zu tun. Ist das jetzt zum Geldgrab geworden?

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Finanzspekulatives Gebaren scheint höherrangiger als die Nutzung vorhandener Anlagen. Die Folge bei einem neuen Stadion, gleich wo, würde sein, dass letztlich wieder öffentliche Gelder für einseitige Aktivitäten ausgegeben werden müssten.

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Privat finanzieren... ich lach mich kaputt! Seit wann geht sowas denn in Berlin? Hertha hatte mal ein eigenes Stadion, bevor sie es verkaufen mussten, weil die Hertha wieder mal pleite war. Und jetzt ein neues Stadion für geschätzte 150 Millionen. Schuster bleib bei Deinen Leisten und versuche erstmal das Olympiastadion einigermaßen voll zu kriegen und international zu spielen. Ne Kokeltruppe bleibt ne Kokeltruppe, da ändert auch ein neues Stadion nichts dran.

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Es gibt keinerlei Grund in Berlin den Neubau eines Stadion zuzulassen. Wenn Hertha eine bessere Stadionauslastung benötigt, geht dies ausschließlich durch jahrelange konstante Leistung auf hohem Niveau, wie z.B. München, Dortmund, Schalke es vormachen.

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Enorme Kostenfalle. Genau das ist der Punkt. Das muß vor der Genehmigung geklärt werden bevor der Steuerzahler wieder zur Kasse gebeten wird, wenn das Olympiastadion keinen Betreiber hat, der für die Kosten aufkommt.

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Sind denn der Senat und ein oft mittelklassiger Fußballverein die Einzigen, die in dieser Stadt und in Deutschland etwas zum Erhalt oder zur „Zerstörung“ des Olympiastadions zu sagen haben? Wer gibt uns denn die Garantie, dass dieses, dann „Fußballstadion“ immer von einem Verein der 1. Bundesliga genutzt wird? Wie oft war Hertha zweitklassig? Warum nutzt Hertha für seine zweifelhaften Pläne nicht das Poststadion oder das Stadion am Lochowdamm? Wie kommt es, dass der Unterring nicht dem Denkmalschutz unterliegt? Stellt nicht auch die Verblendung des Oberrings mit LED-Werbung einen Missbrauch im Sinne des Denkmalschutzes dar? Hinzu kommt, dass sich Berlin mit der Zerstörung der olympischen Laufbahn (Denkmalschutz?) der Möglichkeit beraubt, sich jemals wieder um EM oder WM in der Leichtathletik zu bewerben. Außerdem und das ist der entscheidende Punkt, verabschiedet sich mit der Zerstörung des Berliner Olympiastadions ganz Deutschland von Olympia. Will dieser Senat wirklich eine solche Entscheidung fallen? Das alles hat der Senat vor seinen Gesprächen mit einem finanziell nicht gerade abgesicherten Fußballverein bedacht? Oder handelt es sich um eine rein politische Entscheidung, um die Stellung des Senats zu festigen?

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Das Olympiastadion als Multifunktionsbau ist doch extra für viel Geld saniert und als Austragungsort für Fußball, Leichtathletik und Konzerte umgebaut worden. Es ist schon jetzt eine einzigartige spektakuläre Spielstätte mit einem emotionalen Spielerlebnis. Wenn man das nicht immer spürt, liegt das vielleicht auch an der Mannschaft, die dort spielt. Vielleicht würde das emotionale Spielerlebnis Hertha BSC in einer schönen eignen neuen Fußball-Arena in Brandenburg besser gelingen, - so wie damals in Gesundbrunnen. Mein Vorschlag: Der Senat sollte das Geld statt in den Profifußball doch besser in die sanierungsbedürftigen Turnhallen und Sportstätten stecken, das würde sicher auch bei den kleineren Vereinen zu einem emotionalen Spielerlebnis führen.

 

Olympiagelände Berlin - einst und demnächst

 

Die Rossebändiger vor dem Berliner Stadtschloss. Blick auf Zeughaus und Unter den Linden.

Rossebändiger vors Schloss

24.06.2017

 

Mit rot-grüner Mehrheit hatte die BVV von Tempelhof-Schöneberg einst beschlossen, die im Kleist-Park zwischengelagerten „Rossebändiger“ nicht herauszurücken, da diese seit 1950 Teil der Schöneberger Geschichte geworden sind. Gut, wenn es so wäre, aber warum nur haben dann SPD und Grüne den Kleist-Park so verwahrlosen lassen? Ein „sicherer, sauberer und attraktiver Ort für Geschichte, Kultur und Freizeit“ ist die Anlage nicht. Es klingt daher sehr verlogen, wenn die Fraktionen verlauten lässt, dass „der jetzige Standort der Skulpturen Teil der wechselvollen und teils schmerzhaften Berliner Geschichte ist, die ablesbar bleiben muss“.

 

Inzwischen vernehmen wir allerdings, dass Bezirksamt und BVV durchaus bereit sein könnten, die Rossebändiger im Kleist-Park „herauszugeben“. Es versteht sich von selbst, dass mit diesem Verzicht eine grundsätzliche Neugestaltung der Anlage vor dem Kammergericht notwendig würde, und es versteht sich auch von selbst, dass diese Kosten nicht dem Bezirk überlassen werden können.

 

Da Tempelhof-Schöneberg generell mit der künstlerisch-ästhetischen Gestaltung seiner Parkanlagen intellektuell überfordert ist, sollten die Hausherren des Humboldtforums neben der Kostenübernahme auch ein verbindliches und zukunftsträchtiges Gestaltungskonzept für den Kleist-Park liefern.

 

 

Die Rossebändiger sind zwei Denkmäler, die sich von 1846 bis 1950 auf der Lustgartenterrasse des Berliner Schlosses befanden, wo sie mit den Pferdefiguren am Alten Museum korrespondierten. Bei der Sprengung des Schlosses wurden sie 1950 in den Kleistpark versetzt. Die rund vier Meter hohen Bronzefiguren sind ein Werk des russischen Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg und waren ein Geschenk des Zaren Nikolaus I. für Friedrich Wilhelm IV. Dieser ließ sie vor dem Portal IV des Stadtschlosses aufstellen, Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldtforum sprechen sich laut Umfrage von Infratest dimap 44 Prozent der Deutschen und 51 Prozent der Berliner für die Rückführung aus.

 

Ewald Mahr aus der Dickhardtstraße 41 in 12161 Berlin „war 1948 (zwei Jahre vor Ulbrichts barbarischer Sprengung der Schloss-Ruine) als Schüler noch im 'Weissen Saal' des Schlosses gewesen, als dort in einer Ausstellung der 100-jährigen Wiederkehr der Revolution von 1848 gedacht wurde! Ich hoffe noch zwei Jahre zu leben, um bei der Eröffnung des Schlosses als 'Humboldt-Forum' dabei sein zu können. Aus Anlass der Wiedererrichtung der beiden Portale 4 und 5 am 23. Juni 2017 hat er seine Gedanken übermittelt. Wir zitieren daraus:

 

„Die SPD-Fraktion des Bezirks Tempelhof-Schöneberg hat gemeinsam mit der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN verlangt, dass die Skulpturen im Schöneberger Kleistpark bleiben sollen! Drucksache Nr. 1639/XIX der BVV Tempelhof-Schöneberg (Antrag der SPD-Fraktion „Keine Umsetzung der ‚Rossebändiger‘ zur Ausschuss-Sitzung vom 27. Juni 2016).

 

Meine Stellungnahme als Berliner Bürger: Bei den beiden „Rossebändiger“-Skulpturen handelt es sich nicht um „irgendeinen Abguss“, sondern es sind die beiden Bronzegüsse von 1842, die ursprünglich für die St. Petersburger Anitschkov-Brücke geschaffen wurden. 2007 wurden beide Skulpturen restauriert und vorübergehend in den „Gropius-Bau“ als Mittelpunkt der Ausstellung über die „Macht und die Freundschaft“ zwischen Russland und Preußen gezeigt. St. Petersburg erhielt für seine Anitschkov-Brücke einen Nachguss.

 

Noch einmal: Berlin besaß für das „Königliche Schloss“ die Erstabgüsse, d. h. die beiden „Originale“, wo sie nach dem abgeschlossenen Wiederaufbau des Schlosses als „Humboldtforum“ auch wieder hingehören. Wer ist der „Eigentümer“ der Skulpturen? Nicht der Bezirk Schöneberg-Tempelhof! Sondern ganz Berlin, die Bundesrepublik Deutschland! Keine Sorge: „Preußen“ wurde durch Kontrollratsbeschluss abgeschafft! Also: Es ist eine Änderung oder Aufhebung des rot/grünen Beschlusses der BVV Tempelhof-Schöneberg vom Senat, dem Bundestag oder von wem auch immer herbeizuführen! Notfalls könnte ein Abguss bzw. ein „Neuguss“ der zwei Skulpturen für den Kleistpark aus Bezirksmitteln (!?) vorgesehen werden!“

 

Zettel an den Haustüren, April 2017

Neue Bäume für die Stierstraße

26.04.2017

 

Im April 2017 klebte an den Haustüren ein Zettel für die "lieben Nachbarinnen und Nachbarn". Erinnert wurden wir von Anwohnern daran, dass "im letzten Herbst einige unserer Rotdorne in der Straße gefällt wurden. Es sind Lücken entstanden, die nicht schön aussehen. Unsere Nachfragen beim Bezirksamt haben ergeben, dass wir Nachbarn gemeinsam dafür sorgen können, dass im kommenden Herbst mindestens ein, möglicherweise aber auch mehrere neue Bäume angepflanzt werden.

Was wir tun müssen? Spenden!

Idealerweise sollten zunächst 500 Euro an Spenden zusammenkommen, von denen ein Baum mitfinanziert werden kann. Je mehr Spendengelder wir aber zusammenbekommen, desto besser. Unsere Chancen auf die Pflanzung aller Bäume steigen damit. Haben Sie Interesse, die Spendenaktion zu unterstützen und bald wieder durch eine vollständig begrünte Stierstraße zu spazieren? Dann nehmen Sie zu uns Kontakt auf. Wir als Ihre Nachbarn garantieren, dass das Geld beim Bezirksamt ankommt. Außerdem informieren wir Sie selbstverständlich, wie viel Geld zusammengekommen ist und wie es weitergeht. Alle Spender erhalten vom Bezirksamt eine Spendenquittung über den jeweils gespendeten Betrag. Wir hoffen auf rege Beteiligung."

 

 

Unsere Antwort an die Nachbarn

 

Ihr im Grunde ehrenwertes Anliegen, auf die Fällung von Bäumen in der Stierstraße hinzuweisen, ist auch bei uns angekommen. Dass nun aber „wir Nachbarn“ mit einer Spendensammlung dafür sorgen sollen, dass vielleicht ein oder zwei Bäume nachgepflanzt werden, macht – mit Verlaub – den Bock zum Gärtner. Allein die Auskunft des Bezirksamtes auf Ihre Nachfragen ist eine Frechheit. Da stiehlt sich die Verwaltung elegant aus der Verantwortung und nutzt bürgerschaftliches Engagement schamlos aus. Wir sollten nicht so naiv sein, darauf hereinzufallen. Ihr Appell „Neue Bäume für die Stierstraße“ zeugt leider von einer solchen Naivität und sollte doch vielmehr das Bezirksamt mit aller Deutlichkeit in die Verantwortung nehmen.

 

Blicken wir zurück:

 

„Friedenau erweckte durch seinen ursprünglich angelegten Baumschmuck von jeher den Eindruck einer Gartenstadt. Dazu kamen die gut gepflegten Vorgärten und die bestgeschmückten Balkons. Die Gemeindeverwaltung hat sich stets bemüht, diesen Charakter zu erhalten und zu pflegen. Sie hat es verstanden, die in dem engen Bebauungsplan übrig gebliebenen geringen Grünflächen in geschmackvoller Weise anzulegen und gärtnerisch zu erhalten.“

Hans Altmann, Gemeindebaurat von Friedenau 1924)

 

Das war einmal. Jetzt hat Tempelhof-Schöneberg zwei Bezirksstadträte der GRÜNEN, die für Stadtentwicklung und Grünflächen zuständig sind. Und um das Grün ist es in Friedenau mehr als schlecht bestellt. Es geht doch nicht nur um die drei Rotdorne in der Stierstraße. Wenn Sie durch Bennigsenstraße, Hauptstraße, Lauterstraße oder über den Perelsplatz laufen, dann können Sie mehr als ein Dutzend gefällte Bäume entdecken, die seit geraumer Zeit nicht ersetzt wurden. Für diesen Blick „über den Tellerrand“ liefern wir Ihnen hier gerne die Bilder.

 

Wie gesagt: Ihr Anliegen ist ehrenwert. Aber schauen Sie sich zum Beispiel die Vorgänge am Victoria-Luise-Platz an. Dort haben Bürgerproteste und Druck auf das Bezirksamt dafür gesorgt, dass die ursprüngliche Bepflanzung wieder entstanden ist. Geld ist also da, es geht nur darum, wie SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg es einsetzen. Dafür sollten wir kämpfen. Peter Hahn & Jürgen Stich, Stierstraße 8, 26. April 2017

 

Dazu auch die Meinung eines Anwohners (aus dem Netz): "Eine verluderte Landes- und Bezirksverwaltung, die seit Jahr und Tag Millionenbeträge allein im Flughafendesaster Schönefeld versenkt und deren politisch Verantwortliche es dreist verstehen, jede Wahlschlappe zum Weiterwurschteln umzumünzen, freut sich über meine Baumspende!! Eine der sympathischsten Lehren, welche aus den Folgen des Weltkriegs gezogen wurden – der Tiergarten wurde abgeholzt und mutierte zum Kartoffelacker !- war die beispielgebende und konsequente Umsetzung des Mottos: Stirbt ein Baum, wird postwendend ein neuer gepflanzt!!! Dies wurde in Berlin-West (die Ostberliner Bezirke humpelten aus bekannten Gründen hinterher) mit Bravour durchgehalten. Die Begrünung macht Berlinowitsch attraktiv! ….Bis zum heutigen Tage!! Die Bürgerschaft wird im weltweiten Maßstabe spitzenmäßig belastet. Nun soll sie auch noch det Spendierhöschen schürzen. Wenn ich die wohllöbliche Bürgerinitiative unterstütze, bleibt mir dennoch die Verluderung im Bewusstsein. Schlimmer noch: ich sehe die schleichende Abkehr, ja ich sehe den Verrat an einer öffentlichen Pflichtaufgabe, die parteiübergreifend einst als sinnvolle ökologischen Übereinkunft galt. Zähneknirschend spende ich 40 Euronen. Auch mir blutet das Herz, wenn ich die  trostlosen Stümpe sehe! Rüdiger Barasch, Stierstraßenbewohner

 

CityTree Modell. Quelle GCS

City-Trees der CDU

21.06.2017

 

City Trees sind nach Wikipedia „neuartige Stadtmöbel für Straßen in Städten, die als Filter für Staub und Abrieb effektiver als ein Naturbaum arbeiten“. Sie basieren auf 3 x 4 Meter hohen und freistehenden Wänden, die vertikal mit Moos bepflanzt werden und auf den Außenbereichen zusätzliche Bepflanzungen erhalten.

Nach Ansicht der CDU von Tempelhof-Schöneberg haben diese Moosbaumwände „die gleiche Filterwirkung auf Feinstaub wie 275 Straßenbäume“. Sie wären damit „eine ideale Ergänzung zum sonstigen Straßengrün, verursachen nur marginale Kosten im Unterhalt und sind leicht zu pflegen“.

Da Tempelhof-Schöneberg „ideale Voraussetzungen für diese innovative Technik hat“, schlägt die CDU dem Bezirk ein (selbstverständlich subventioniertes) Pilotprojekt vor und „erwartet bis Ende des Jahres 2017 vom Bezirksamt Standortvorschläge und eine grobe Kostenschätzung“.

 

Die City-Trees hat „Green City Solutions“ (GCS) entwickelt. Die CDU verkauft das Unternehmen als „Berliner Start-Up Unternehmen“. Das macht was her, ist aber nicht korrekt. GCS wurde im März 2014 in Dresden gegründet. Im April 2015 finanzierte AOK Plus ein City-Tree in Jena, im September 2015 erwirbt Oslo zwei City-Trees, im Juli 2016 wird ein City Tree in Hongkong aufgestellt. Bevor sich GSC im September 2016 auf dem EUREF-Campus Berlin ansiedelte, wurden ganze vier City-Trees losgeschlagen.

 

 

 

Was tut man nicht alles, um dem CDU-Parteifreund und Autolobbyisten Matthias Wissmann drohende Fahrverbote zu ersparen. Da sollen es nun künstlich mit Moos bepflanzte Betonklötze richten. Und das vor dem Hintergrund, dass es dem Bezirk nicht einmal gelingt, die bestehenden Grünanlagen, in denen viele natürliche Bäume stehen, ordentlich zu pflegen. Man kann sich jetzt schon vorstellen, in welchem Zustand sich die Moos-Wände in wenigen Monaten befinden würden.

 

Die City-Trees der CDU sind ein Ablenkungsmanöver. Weil bestehende Grünflächen wie das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf rücksichtslos zubetoniert werden, sollen nun die künstlichen Mooswände für ein verträgliches Stadtklima sorgen. Absurder geht’s nimmer. Die Antragsteller sollten dringend ihren Verstand einschalten und statt modischer Start-Up-Spinnereien realistische und zielführende Vorschläge machen.

 

Fotos vom bisherigen Siegeszug der City-Trees:

 

Gut vorbedacht - schon halb gemacht

27.10.2017

 

Rot-Rot-Grün ist mit dem Versprechen angetreten, alles „besser“ machen zu wollen. Nach nur einem Jahr wenden sich schon mal die sozialdemokratischen Getreuen ab. Während Ed Koch in „paperpress“ noch konziliant und allgemein formuliert, dass „es mit der gegenwärtigen Berliner Bezirks- und Senatsverwaltungsstruktur nicht klappt“, titelt der „Tagesspiegel“ am 27.10.2017: „Zwei SPD-Abgeordnete rechnen mit Michael Müller ab“. Gemeint sind Dennis Buchner und Sven Kohlmeier, die unter der Überschrift „Nicht mehr auf der Höhe der Zeit“ einen Beitrag zur aktuellen Lage der SPD in Berlin verfasst haben, und darin feststellen, dass „es organisatorisch an vielen Stellen nicht stimmt“, dass es an politischer Klarheit fehlt, an überzeugenden Persönlichkeiten.“

 

Harter Tobak! Bleiben wir aber bei den „Kleinigkeiten“ von Friedenau. Seit September 2016 ließ das Bezirksamt die ehemalige Bedürfnisanstalt am Perelsplatz vom Architekturbüro Hagemann+Liss aufwändig sanieren, um das Häuschen demnächst wieder einer gastronomischen Nutzung zuzuführen. Parallel dazu bekam die Landschaftsarchitektin Anke Werner den Auftrag, Grünanlagen und Wege rundherum wieder auf Vordermann zu bringen.

 

Wer angenommen hatte, dass damit der gesamte heruntergekommene Grünstreifen von der Lauterstraße bis zur Friedrich-Bergius-Schule „aufgearbeitet“ würde, also von Turnhalle über Volleyballplatz und Kita bis hin zur Gedenktafel für Friedrich Justus Perels, wurde enttäuscht. Noch vor dem Ende der Turnhalle endete nach wenigen Metern „das Projekt“.

 

Nun, da das vom Bezirksamt eingeleitete „Interessenbekundungsverfahren zur Nutzung des denkmalgeschützten Fachwerkpavillons“ erst einmal zu keinem Ergebnis geführt hat, weil ein Pächter dem Bezirksamt jährlich 5.590 Euro zu zahlen hätte, zuzüglich der Ausgaben für Möblierung, Küche und Grünflächenpflege sowie der Verpflichtung, das Kleinod ganzjährig zu heizen, kam die Wende. Das Bezirksamt plante um. Inzwischen wird der Grünstreifen bis hin zur Kita-Villa „bearbeitet“.

 

Bisher nicht berücksichtigt werden das verwilderte Grün vor Schule und Perels-Gedenktafel und auch nicht der nach Regen nicht mehr betretbare Weg vom Sintflutbrunnen zum „Fachwerkpavillon“, für dessen feine Sanierung wohl rund 500.000 Euro ausgegeben wurden.

 

Wenn Ed Koch in „paperpress“ schreibt, dass „die Berliner Verwaltungsstruktur dringend verändert werden muss“ und zu dem Schluss kommt, dass „für die Bezirke genügend Aufgaben übrig“ bleiben, darunter die „Pflege der Grünanlagen“, dann muss ihm – Beispiel Perelsplatz – entschieden widersprochen werden. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ist dazu nicht in der Lage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Scheinheilig

 

Zuerst liefern Auswärtiges Amt und Springer Verlag den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel an Erdoğans Schergen aus, dann jubeln sie, wenn der deutsche Botschafter in der Türkei den inhaftierten Mann nach sechs Monaten erstmals im Gefängnis Silivri besuchen darf, und schließlich zeichnen sie ihn in Abwesenheit nicht mit dem „regulären“, sondern mit einem eigens für ihn geschaffenen „Theodor-Wolff-Sonderpreis“ aus.

 

Die erstmals vergebene Würdigung soll „ein Zeichen für die Pressefreiheit setzen, die in der Türkei mit Füßen getreten wird“. Der „Theodor-Wolff-Preis“ erinnert an den langjährigen Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, der 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen musste, am 23. Mai 1943 in Nizza durch die italienischen Besatzer verhaftet, der Gestapo ausgeliefert wurde und am 20. September 1943 in Berlin starb.

 

Hätte es nicht die Aufregung über die „unredlichen“ Kommentare von Deniz Yücel zu Bundespräsident Joachim Gauck oder Thilo Sarrazin gegeben, würden die deutschen Zeitungsleser wohl kaum einen seiner Korrespondentenbeiträge kennen. Wie es sich aber gehört, diktierte er im Gefängnis seinen Anwälten eine Dankesrede an Jury und Kuratorium des Theodor-Wolff-Preises: „Falls es zu Ihren Absichten gehörte, mich mit dieser wertvollen Auszeichnung ein wenig aufzumuntern, dann sei Ihnen versichert: Es ist Ihnen vortrefflich gelungen. Dafür danke ich Ihnen." Mehr bleibt ihm nicht.

 

 

 

 

Springer, Deniz Yücel & Tarabya

12.05.2017

 

DIE WELT meldete am 12. Mai 2017: Der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci hat Kritik im Fall des in der Türkei inhaftierten WELT-Korrespondenten Deniz Yücel geäußert. „Ein Journalist sollte nicht verhaftet sein, sondern sich wenn möglich in Freiheit vor Gericht verantworten“, sagte er in Berlin. Gerichtsverfahren gegen Journalisten sollten bis zum Urteilsspruch prinzipiell ohne deren Verhaftung stattfinden. Und DIE WELT kommt zu dem Schluss: Nun, da Erdogan die Abstimmung gewonnen hat, könnte Ankara im Fall Yücel weichere Töne anschlagen.

Das Auswärtige Amt setzt noch einen drauf: Zum zweiten Mal seit seiner Festnahme erhält der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel am 18. Mai 2017 Besuch vom deutschen Generalkonsul Georg Birgelen. Diese „Erlaubnis“ wird schon mal wie eine Freilassung begrüßt. Im Kern aber geht es darum, dass sich der Generalkonsul „ein Bild von den Haftbedingungen machen“ möchte.

Soweit bekannt, hatte der Journalist im Dezember 2016 über „delikate“ E-Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak und Erdoğan-Schwiegersohns berichtet. Deniz Yücel ist Deutscher, 1973 in Flörsheim am Main geboren und aufgewachsen. Er besitzt die türkische Staatsbürgerschaft sowie einen deutschen und türkischen Pass. Yücel war Korrespondent der WELT – auf welcher Vertragsbasis auch immer, als „Freier“, „Pauschalist“ oder „Arbeitnehmer“. Er arbeitete in der Türkei offenbar ohne Akkreditierung. Das war unverantwortlich – von Deniz Yücel und Springers „Welt“. Wichtig waren für die Zeitung einzig seine kritischen Berichte. Für seine schwierige Lage interessierte sich in Berlin niemand. Verschlimmert wurde die Sache durch das Auswärtige Amt. Die in juristischen Belangen geschulten Diplomaten hätten die türkische Position erkennen müssen: „Einmal Türke, immer Türke“.

Nachdem die Verhaftungswelle gestartet war, suchte Deniz Yücel um Weihnachten 2016 Zuflucht in der „Kulturakademie Tarabya“. Das ging nicht ohne Bitte des Springer Verlags und erst recht nicht ohne Zustimmung des Eigentümers – dem Auswärtigen Amt. Nach diplomatischen Gepflogenheiten ist das Gelände exterritoriales Gebiet. Für Ankara war sein Aufenthalt in Tarabya allerdings „völkerrechtlich unzulässig“, da sich „ein türkischer Staatsbürger dem Zugriff der einheimischen Justiz entziehe“.

Die „Kulturakademie Tarabya“ liegt etwa 17 Kilometer oberhalb von Istanbul am europäischen Ufer des Bosporus. Nachdem das Deutsche Kaiserreich 1877 in Konstantinopel seine erste Botschaft im Osmanischen Reich eröffnet hatte, schenkte Sultan Abdülhamid den Deutschen in Therapia (Tarabya) ein Grundstück für den Sommersitz des Botschafters. 1885 wurde mit dem Bau begonnen, zwei Jahre später war er vollendet. Im Park entstanden Häuser für Botschafter, Botschaftssekretär, Kanzlei und Wohngebäude. 1916 kam ein deutscher Soldatenfriedhof dazu, der einige Episoden der deutsch-türkischen Geschichte beleuchtet: Dardanellenschlacht 1915, Untergang des Kreuzers Breslau 1918. Später kamen Gefallene der beiden Weltkriege aus dem gesamten Nahen Osten dazu.

Nachdem Ankara 1923 Hauptstadt der Republik Türkei wurde und Botschafter Rudolf Nadolny in kürzester Zeit eine Gesandtschaft in Anatolien errichten musste – „une maison montable“, also ein Fertighaus von Christoph & Unmack AG aus Niesky in der Oberlausitz – wurde der Botschaftsbau von Konstantinopel (Istanbul) als Generalkonsulat und Therapia weiterhin als Sommerresidenz genutzt. Diese wurde 2012 vom Auswärtigen Amt zur „Kulturakademie Tarabya“ umfunktioniert, die den deutsch-türkischen Dialog beflügeln sollte.

In Tarabya war Deniz Yücel „gefangen“. Die Türkei konnte abwarten. Bevor er sich am 17. Februar 2017 in das Polizeipräsidium Istanbul begab und in Gewahrsam genommen wurde, waren wohl seine Anwälte, der Springer Verlag und das Auswärtige Amt über die Vorwürfe informiert: Ermittlung wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauch. Der Mann wurde „ans Messer geliefert“. Es mag wohl daran gelegen haben, dass die bisherigen Führungskräfte Frank-Walter Steinmeier, Stephan Steinlein und Andreas Görgen seinerzeit mit dem Umzug ins Bundespräsidialamt beschäftigt waren.

Von nun an lieferte das Haus am Werderschen Markt nur noch Statements: „Wir setzen darauf, dass in dem laufenden Ermittlungsverfahren der türkischen Behörden gegen Herrn Yücel rechtsstaatliche Regeln beachtet und eingehalten werden und er fair behandelt wird, gerade mit Blick auf die auch in der Türkei verfassungsrechtlich verankerte Pressefreiheit“. Zu Deutsch: Ein Deutscher wird von den Deutschen im Stich gelassen. Auf der Website des Auswärtigen Amts ist unter „Hilfe für Deutsche im Ausland“ zu lesen: „Ob Urlaub, Geschäftsreise oder längerer Auslandsaufenthalt: Unsere Botschaften und Konsulate sind für Sie eine wichtige Anlaufstelle.“ Wir sollten uns darauf nicht verlassen.

 

Kulturakademie Tarabya. Quelle Auswärtiges Amt
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