Hertha trickst

 

Als Hertha BSC seine Erpressung startete, eine neue Fußballarena neben dem Olympiastadion oder auf dem Gewerbepark in Ludwigsfelde, haben wir uns schon gefragt, warum wohl das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) für einen möglichen Umbau des bestehenden Olympiastadions nicht gefragt wurde. Schließlich haben diese Architekten mit dem Flughafen Tegel und dem „ersten“ Umbau des Olympiastadions gezeigt, wie Architektur auch nach Jahrzehnten noch funktionieren kann.

 

Nein, Hertha wollte von Anfang an eine Arena haben, „steil, nah, laut“, wie Manager Michael Preetz verkündete, mit Platz für 55.000 Zuschauer. Ein Umbau des Olympiastadions stand für den Verein gar nicht zur Debatte.

 

Gegen Herthas Pläne regte sich von Anfang an Widerstand. Den Neubau in Ludwigsfelde wollte keiner.

Den Neubau und damit einen „Angriff“ auf das unter Denkmalschutz stehende Olympiagelände lehnte eine Mehrheit von Denkmalschützern, Politikern und Berlinern ebenfalls ab. Dazu kommt der SPD-Landesparteitag am 20. Mai. Der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef Michael Müller hat es dort mit einem Antrag zu tun, in dem Hertha aufgefordert wird, Pläne für einen Umzug nach Brandenburg sofort aufzugeben. Auch der Neubau in Berlin wird von den Genossen „kritisch gesehen“ und stattdessen ein Umbau des Olympiastadions gefordert.

 

Offenbar zog Müller bereits vor dem Parteitag die Notbremse. Wer auch immer das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) nun zu einer Machbarkeitsstudie für den Umbau des Olympiastadions zu einer Fußballarena aufgefordert hat, wir werden es herausfinden, das Ergebnis war für Hertha „überraschend“. Plötzlich gibt es laut Verein „eine dritte sehr ernstzunehmende Alternative für den Standort der neuen Hertha Fußballarena“. Plötzlich will Hertha BSC die Umsetzbarkeit gemeinsam mit dem Senat „eingehend und zeitnah“ prüfen.

 

Was heißt das? Ursprünglich wollte Hertha den Arenaneubau, egal an welchem Ort, zu 100 Prozent selbst finanzieren. Wer aber soll nun den Umbau des Olympiastadions bezahlen, das dem Land Berlin gehört und von der öffentlichen Hand betrieben wird? Der Verein wollte eine Arena für 55.000 Zuschauer bauen. Ein zur Fußballarena umgestaltetes Olympiastadion würde aber mit den bis zum Spielfeldrand verlängerten Tribünen rund 80.000 Zuschauer fassen. Wie passt das zusammen?

 

Die Kuh ist noch längst nicht vom Eis. Vielmehr steht zu befürchten, dass die Studie von gmp, die kurz vor dem SPD-Landesparteitag und der Jahreshauptversammlung von Hertha BSC (nur 35.000 Mitglieder!) veröffentlicht wurde, lediglich die Gemüter beruhigen soll.

 

 

Faule Kompromisse

Kommentar der Berliner Zeitung vom 19.05. 2017 (Auszug)

 

Kompromisse in der Politik sind gelebte Demokratie. Kompromisse bei Bauvorhaben enden in den meisten Fällen im endlosen Murks. Hertha BSC und der Senat gaben am Freitag eine gemeinsame Erklärung mit einer überraschenden Wende ab ... Ein Umbau des Olympiastadions ist möglich. Tusch und Applaus? Nein! Was soll am Ende des zweiten Umbaus innerhalb von 17 Jahren herauskommen? Hertha will Zuschauerränge, die nah und steil am Spielfeld sind. Die einfachste Lösung laut Geometrie sind vier Tribünen, an jeder Seite des Rasens eine. Und das alles im ovalen weitläufigen Olympiastadion. Eine neue Arena in einer alten Hülle? Das Eckige muss ins Runde? Bitte nicht! Und was sagt dann wieder der Denkmalschutz? Wollte Hertha mit einem Neubau nicht eigener Hausherr werden und keine Miete mehr zahlen? Das Ergebnis scheint ein fauler Kompromiss zu sein.

 

Umbau statt Neubau?

DER TAGESSPIEGEL vom 21.05.20117 (Auszug)

 

Erste Details für den Umbau des Olympiastadions zu einer klassischen Fußballarena wurden am Sonnabend bekannt. Die blaue Tartan-Laufbahn wird demnach verschwinden und das Spielfeld um zwei Meter abgesenkt. Der Unterring, der nicht dem Denkmalschutz unterliegt, soll bis zum Fußballfeld verlängert und deutlich steiler werden. Der mittlere Ring bleibt, wie er ist, und der Oberring wird rund ums Stadion mit riesigen LED-Videowänden abgehängt. Das verschafft Hertha auch neue Einnahmemöglichkeiten durch Werbekunden. Bei Großveranstaltungen mit besonders hohem Zuschauerandrang kann die LED-Installation temporär entfernt werden. Leichtathletikveranstaltungen, die bisher im Olympiastadion stattfanden, sollen mittelfristig in den Jahn-Sportpark verlegt werden, der zu diesem Zweck ab 2020 saniert werden soll. Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) bestätigte diese Pläne, die vom Architektenbüro gmp entwickelt wurden. Offen ist noch, ob Hertha BSC den Umbau selbst finanziert oder ob der Senat einspringt und die Investition über die Miete refinanziert.

 

Modell Green Point Stadion, Quelle gmp

 

 

Eine Begegnung mit Volkwin Marg

 

Der Rohbau ist abgeschlossen. Das Tragwerk für die Dachkonstruktion ist oben. Im September hat die Arena ihr Dach. Im Oktober zählt die FIFA die Plätze. Im Dezember erfolgt die Übergabe an die City of Cape Town. Das Stadion wird fertig. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wird am 11. Juni 2010 eröffnet. Wohl deshalb sitzen der Architekt Volkwin Marg und sein Bauleiter Robert Hormes an diesem 7. Januar 2009 ziemlich gelassen im 3. Rang des Stadions - natürlich nicht auf den zum Test montierten kunterbunten Sitzschalen, sondern demonstrativ auf „ihren“ hellgrauen Betonstufen. Über die Farbe ist noch nicht entschieden. Verraten wird, dass „es für die Sitze ein Zufallsmuster von vier Grautönen geben wird, von mittelgrau bis fast weiß. Es soll schillern und schimmern, wie das Perlmutt einer Muschel. Wir wollen den Innenraum neutral gestalten. Die eigentliche Farbigkeit kommt mit den Leuten ins Stadion“.

 

Volkwin Marg ist 1936 in Königsberg geboren, in Danzig aufgewachsen, in Ludwigslust zur Schule gegangen und nach der Nichtzulassung zum Studium in der DDR nach West-Berlin übergesiedelt. An der TU Berlin traf er seinen künftigen Büropartner Meinhard von Gerkan. Quasi aus dem Nichts erhielten sie den ersten Auftrag. Zu den Idealen von Volkwin Marg gehört es, „die Dinge so einfach zu gestalten, dass sie inhaltlich und zeitlich Bestand haben“. Dieser Devise sind er und sein Partner Meinhard von Gerkan (Architekturbüro gmp) immer treu geblieben – seit 1974, als die jungen Architekten mit dem Flughafen Tegel einen geradezu sensationellen Start absolvierten. Dass noch heute, 42 Jahre nach dessen Eröffnung, noch immer von TXL geschwärmt wird, liegt an der Qualität des Entwurfs und der Belastbarkeit des ausgeführten Bauwerks. Danach war es für gmp nicht immer einfach in Berlin. Der Hauptbahnhof (2006) blieb mit dem verkürzten Dach und den Veränderungen im Tiefgeschoss ein Torso, und beim Umbau des Olympiastadions, bei dem es nach den Worten von Volkwin Marg nicht darum geht, „zu zerstören, sondern zu verstehen, zu bewältigen und darüber hinauszugehen“, setzte die dort doch nur als Mieter geduldete „Hertha“ für die Laufbahn ihre blaue Vereinsfarbe durch. Corporate Identity auf Kosten der Geschichte.

 

Dieser Kleingeist blieb den Architekten an der Atlantikküste erspart. Ihre architektonischen Selbstverständlichkeiten werden bereits in dieser Bauphase deutlich. Die Konstruktion ist plausibel. Der Bau passt in die Landschaft. Die Gebrauchstüchtigkeit wird sich alsbald herausstellen. Kapstadt wurde zur großen Herausforderung. „Idealerweise buddelt man ein Stadion in die Erde hinein. Das bedeutet weniger Kosten, weil man das Ganze nicht hochbocken muss. Man hat wenig Arbeit, den Unterrang zu bauen. Das ging hier nicht, weil der Fels des Signal Hill bis hierher runter kommt. Wir haben nur zwei bis vier Meter Erde. Da aber die Entscheidung, was und wie gebaut wird, letztendlich die Gesellschaft trifft“, so Volkwin Marg, „haben wir Architekten die Verpflichtung, ja die Verantwortung, uns diesem Dialog zu stellen. Was mich besonders stört, ist, dass nicht über Inhalte, sondern nur über die Form geredet wird. Erst wenn ich weiß, wie ich ein Gebäude nutze, weiß ich, welche Hülle ich brauche.“

 

Es ist eben nicht irgendeine Kiste, die in das Stadtbild von Kapstadt hineingestellt werden soll, sondern eine Architektur „mit geschwungenen Linien, deren Eleganz verblüfft“. Dazu gehört, dass die 72 Pylone (Stützpfeiler) nicht wie bei Kolonnaden- oder Kolosseumsbauten senkrecht, sondern schräg in den Boden gesetzt wurden. Der Bau erhält dadurch eine Dynamik, auch eine Leichtigkeit. Das Auffälligste und weithin Sichtbarste an diesem Stadion sind zwei unterschiedlich ausgeformte und sich überlagernde „Wellen“. Die stärker ausgeprägte Welle der Zuschauertribüne erhielt „vier Hochpunkte und vier Täler“, so dass an manchen Stellen mehr, an anderen weniger Reihen entstehen. Allein dieses Auf und Ab ist eine Augenweide. Über dem Ganzen liegt dann die Welle des Daches, von minimal vier Metern bis maximal 16 Metern über der jeweils letzten Sitzreihe. In der Architektensprache von Volkwin Marg heißt das: „Wir haben uns auf eine mathematisch darstellbare Form beschränkt, die nicht vom Architekten erdacht ist. Die Welle entsteht durch eine natürliche Verschneidung von Geometrie“.

 

Kapstadt gehört zu jenen Städten auf der Welt, in denen mehr Fotoshootings, mehr Werbeaufnahmen und mehr Filme gemacht werden als anderswo. Das hängt mit dem Licht zusammen. „Diesen besonderen Effekt wollen wir uns nicht entgehen lassen.“ Getreu dem Merkspruch „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen will sie untergehn, im Norden ist sie nie zu sehn“, wird das jeweils anders einfallende Licht das Aussehen des Stadions permanent beeinflussen. In der Nacht, bei Flutlichtspielen sowieso, kommt das Licht von Innen nach Außen.

 

Als wir uns unbeobachtet fühlten, prüften, ob wir auf den Rängen über den Kopf des Vordermannes drüber ohne Einschränkung zum Spielfeld schauen könnten, werden wir ertappt. „Der Mensch braucht ungefähr 85 Zentimeter, um komfortabel zu sitzen, sein Sitz ist 40 Zentimeter hoch und sein Augenpunkt ist im Durchschnitt 1,20 Meter. So werden die Sichtlinien von jedem Sitz in den rund 70 Reihen ermittelt.“ Diesen Nachhilfeunterricht haben wir gerne absolviert.

 

Lageplan des Reichssportfeldesn, 1936. Blau eingezeichnet die geplante Hertha-Arena

Steil, nah, laut

Nein zu Herthas Fußballarena auf dem Olympiagelände

 

Im April 2005 wurde das Olympiastadion Berlin durch die UEFA offiziell als „Fünf-Sterne-Arena“ bewertet. Nachdem innerhalb einer Woche das DFB Pokalendspiel VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund am 30. Mai 2015 und das UEFA Champions League Finale FC Barcelona und Juventus Turin am 6. Juni 2015 über die Bühne gegangen waren, erhielt das Olympiastadion Berlin von der UEFA die zusätzliche Kategorisierung „Elite Stadion“.

 

Wenn FCB, BVB und auch Schalke 04 in Berlin antreten müssen, dann ist das Olympiastadion mit 74.475 Plätzen stets ausverkauft, dann ist auch höchste Stimmung in der weitläufigen Bude. Wenn allerdings Hertha BSC gegen weniger große Namen spielen muss, dann sind es im Durchschnitt 30.000 bis 40.000 Zuschauer. Die setzen sich aus den angereisten Gästefans und 34.750 Hertha-Vereinsmitgliedern zusammen.

 

Das war schon bis 1989 so, als die Inselstadt mit nur 1,85 Millionen Einwohnern aufwarten konnte. Mehr ist auch seit der Wiedervereinigung nicht drin, obwohl Berlin mit 3,52 Millionen und Brandenburg mit 2,45 Millionen ein Potential von 6 Millionen Menschen aufbieten könnten – und obwohl im Umkreis von 200 Kilometern kein sehenswerter Fußball zu erleben ist (ausgenommen der 1. FC Union in Köpenick und die „Neuen“ vom RB in Leipzig).

 

 

 

 

 

Da können die Lautsprecher noch so laut das ovale Rund mit Frank Zander beschallen, „Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause geh'n wir nicht“, der Text bleibt bieder und die von Rod Stewarts „Sailing“ abgekupferte Melodie stammt eben aus dem Jahre 1975. Ganz aktuell offerierten die Hertha-Manager für das Spiel gegen den FC Augsburg am 9. April „ein exklusives Ticket-Angebot für die ganze Familie im Block K“ und unter dem Slogan „Ha-Ho-He – Komm mit zur ITB“ wiederum „exklusiv“ für Hertha-Mitglieder „einen Gutschein im Wert von 15,00 Euro für ein Tagesticket der ITB“, Die Bude blieb trotzdem halbleer.

 

Hertha BSC ist kein Sympathieträger. Das beginnt beim Präsidenten Werner Gegenbauer und führt weiter über den (während eines Gesprächs permanent Augenkontakt vermeidenden) Fußballfunktionär Michael Preetz, dessen Aufstieg als Manager erst einmal mit dem Abstieg endete und auch sonst mehr durch den Aufenthalt von Hertha BSC in die 2. Bundesliga geprägt ist. Weil Gegenbauer wohl keinen willfährigeren finden konnte, wurde der Vertrag von Preetz immer mal wieder verlängert. Seit 1990 wurden in 27 Jahren 22 Trainer verpflichtet und entlassen. Auf Preetz’s Kappe kommen Lucien Favre, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Michael Skibbe, Otto Rehhagel, Jos Luhukay und aktuell Pál Dárdai, der für diesen Job leichtfertig seinen Posten als ungarischer Nationaltrainer abgab. Spielerpersönlichkeiten, die doch so prägend für das Image sein können, konnte der Verein nicht hervorbringen. Wenn Namen genannt werden, Jérôme Boateng, Fredi Bobič, Thomas Helmer oder Łukasz Piszczek, dann muss doch auch mitgeteilt werden, dass diese Herren bereits nach einer Saison das Weite suchten. Einzig Arne Friedrich hat es hier länger ausgehalten, wurde Nationalspieler und hat dem Verein ein Gesicht gegeben. Marketing mit dem Sportwetteranbieter „bet-at-home.com“ als Hauptsponsor gehört nach dem Ausstieg der Deutschen Bahn ähnlich wie Wiesenhof bei Werder Bremen wohl eher in die Kategorie Missgriff. Hertha BSC ist es nicht gelungen, dem Verein in Berlin und im Bundesgebiet ein positives Image zu verpassen. Die Fanszene von Hertha BSC steht dem nicht nach. Wer anderen Vereinen mit Abneigung begegnet, sie, wie im besonderen Fall 1. FC Union Berlin zu Feindbildern erklärt, darf sich nicht wundern, wenn die Hertha-Fanclubs fast schon verzweifelt nach neuen Mitgliedern suchen. Wer will da schon mittun? Gerade der Köpenicker Club und seine Fans könnten Hertha Nachhilfe in puncto Begeisterung und Beteiligung geben.

 

Kaum hatte die „alte Dame Hertha BSC“ in der Saison 2016/17 einige Heimspiele gewonnen, ging Hertha BSC am 30. März 2017 mit den Plänen für ein „reines Fußballstadion“ für ca. 55.000 Zuschauer in die Offensive. Für Präsident Werner Gegenbauer sollte es auf dem Olympiagelände – oder – und das gleicht einer Erpressung – im Brandenburg Park in Ludwigsfelde errichtet werden. Selbstverständlich „zu 100 Prozent privat finanziert und ohne, dass ein denkmalgeschütztes Gebäude betroffen wäre“. Die Argumente sind verlogen: Erstens wird die öffentliche Hand für die rein kommerziellen Interessen von Hertha BSC doch irgendwann zur Kasse gebeten werden und zweitens geht es nicht nur um die denkmalgeschützten Gebäude, sondern um die zum Denkmal erklärte Gesamtanlage des ehemaligen Reichssportfeldes. Diese gilt es zu erhalten. Die Arroganz, mit der Hertha BSC als Mieter des Olympiastadions seinerzeit die blaue Tartanbahn gegen den Denkmalschutz durchgesetzt hat, darf sich nicht wiederholen. Nun geht es aber nicht um das Stadion, sondern um einen gravierenden Eingriff in den Außenbereich, der, bedingt durch die Lage der Bauten, Stadien, Spielfelder und bewusst angelegten Freiflächen an gewisse Bindungen geknüpft.

 

Schon wird auf dem Entwurf das „Hockey-Stadion“ als „Stadionvorfeld mit Hockeystadion“ bezeichnet, wird die mit „Anger“ bezeichnete grüne Fläche zwischen Guthsmuthsweg und Schwimmstadion für „Stellplätze“ ausgewiesen und erhält die neue Arena sogar eine „Stadionumfahrung“. Demnächst geht es wohl an die historische Pflasterung, an Skulpturen, Stelen und Olympiagedenksteine. Wo einst Gauinger Travertin, Granit, Rüdersdorfer Kalkstein, Schwäbischen Muschelkalk, Tengener Tuff und grünes Dolomitgestein eingesetzt wurde, entsteht jetzt eine blau-weiße Blechdose. „Steil, nah, laut“ soll das neue Stadion sein. Das mag ja sein, was aber das Architekturbüro „Albert Speer + Partner“ an Entwürfen präsentierte, geht nicht über die billige und einfallslose Architektur der Wirsol Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim oder der Continental Arena in Regensburg hinaus. Die Frage darf erlaubt sein, warum Hertha BSC nicht die Architekten Gerkan, Marg und Partner um einen Entwurf gebeten hat. Das Architekturbüro hat mit dem Umbau des Berliner Olympiastadions und danach mit den Stadionneubauten in Kapstadt, Port Elizabeth, Durban oder in Brasília, Belo Horizonte und Manaus Maßstäbe gesetzt.

 

Baut Hertha BSC sein „reines Fußballstadion“ mit ca. 55.000 Plätzen, dann bleiben in der Regel immerhin noch 10.000 bis 20.000 Plätze leer, und wenn dann dort FCB, BFB, Schalke 04 oder RB Leipzig spielen müssen, dann finden ab 2025 jeweils 19.475 Zuschauer keinen Platz. Mit seinen Varianten Hertha-Arena auf dem Berliner Olympiagelände oder im Brandenburg Park in Ludwigsfelde erpresst Werner Gegenbauer die Stadt. Für Senator Andreas Geisel (SPD), der schon als Bausenator keine Lorbeeren ernete, „darf ein Stadionneubau nicht zum Millionengrab für das Olympiastadion werden“, deshalb ist als Alternative „auch ein entsprechender Umbau des Olympiastadions vorstellbar“. Das ist der Anfang vom Ende. Aus ist es mit „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“

 

 

Die Hertha-Arena auf dem Olympiagelände Berlin

Die Alternative Brandenburg Park in Ludwigsfelde

Die Architektur der kommerziellen Fußballarenen

 

Kommentare aus dem Internet

 

Also, ich halte die Vorstellung der Pläne und die mögliche Bekanntgabe des Standortes für eine kleine Erpressung. Nach der letzten Niederlage sollte man erst einmal versuchen, konstanter zu spielen ehe man über ein neues Stadion nachdenkt. Ich glaube ja, dass das Stadion privat finanziert werden kann, aber was passiert danach. Ich als Steuerzahler möchte nicht für die Kosten aufkommen. Wenn das Olympiastadion angeblich keine Atmosphäre hat, so liegt es auch an Fußballern selbst.

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Der Tenor der Kommentare hier lässt darauf schließen, dass die Berliner nicht schon wieder Geld und Ressourcen an die graue Maus Hertha verschwenden wollen.

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Und ich verstehe nicht die Angst davor, das Stadion in Brandenburg zu errichten. Die Anbindung durch Autobahn und Bundesstraße machen es viel leichter. Zudem gibt es viele andere Klubs, deren Stadion außerhalb der Stadtgrenzen liegt ...ich sage nur FCB

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Das Hertha das Stadion nicht vollkriegt, liegt nicht am Stadion.

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Berlin hat schon genug Geld für die olle Hertha raus geworfen. Also ab nach Ludwigsfelde mit dem Brandenburger Sport Club.

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Das Stadion mit 55.000 Plätzen ist auch überdimensioniert. Die Zuschauerzahlen: Darmstadt 31.912, Ingolstadt 33.425, Mainz 37.852, Freiburg (1. Spieltag) 41.648, Schalke 49.251, Frankfurt 43.323. Aus diesen Zahlen müssten noch die Gästekarten abgezogen werden.

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Wie steht es um das Olympiastadion in München nach dem Bau der „Arena“? In München hatte man es mit den gleichen Begehrlichkeiten der Fußballunternehmen zu tun. Ist das jetzt zum Geldgrab geworden?

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Finanzspekulatives Gebaren scheint höherrangiger als die Nutzung vorhandener Anlagen. Die Folge bei einem neuen Stadion, gleich wo, würde sein, dass letztlich wieder öffentliche Gelder für einseitige Aktivitäten ausgegeben werden müssten.

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Privat finanzieren... ich lach mich kaputt! Seit wann geht sowas denn in Berlin? Hertha hatte mal ein eigenes Stadion, bevor sie es verkaufen mussten, weil die Hertha wieder mal pleite war. Und jetzt ein neues Stadion für geschätzte 150 Millionen. Schuster bleib bei Deinen Leisten und versuche erstmal das Olympiastadion einigermaßen voll zu kriegen und international zu spielen. Ne Kokeltruppe bleibt ne Kokeltruppe, da ändert auch ein neues Stadion nichts dran.

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Es gibt keinerlei Grund in Berlin den Neubau eines Stadion zuzulassen. Wenn Hertha eine bessere Stadionauslastung benötigt, geht dies ausschließlich durch jahrelange konstante Leistung auf hohem Niveau, wie z.B. München, Dortmund, Schalke es vormachen.

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Enorme Kostenfalle. Genau das ist der Punkt. Das muß vor der Genehmigung geklärt werden bevor der Steuerzahler wieder zur Kasse gebeten wird, wenn das Olympiastadion keinen Betreiber hat, der für die Kosten aufkommt.

 

 

 

Weiteres in Vorbereitung

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