Käthe-Kollwitz-Museum Spandauer Damm 19

Vertrieben und doch gerettet

 

Die Ecke wird man sich merken müssen. Kein Ausweichquartier, sondern DIE LÖSUNG: Bröhan-Museum, Museum Berggruen und Käthe-Kollwitz-Museum in unmittelbarer Nähe zum Charlottenburger Schloss – das sind ohnehin Attraktionen der Kulturlandschaft. Besser hätte es nicht kommen können. Damit eröffnen sich dem seit drei Jahrzehnten bestehenden Käthe-Kollwitz-Museum Perspektiven. Die Immobilie Spandauer Damm Nr. 19 gehört dem Land Berlin und beherbergt derzeit noch das Kunstarchiv der Akademie der Künste. Nach dessen Umzug an den Pariser Platz werden dem Käthe-Kollwitz-Museum Erdgeschoss sowie Teile des ersten und zweiten Geschosses zur Verfügung stehen.

 

 

 

 

 

Immerhin hat die „Stiftung Exilmuseum Berlin“ um Schirmherrin Herta Müller, Gründungsdirektor Christoph Stölzl und Hauseigentümer Berndt Schulz „großzügig“ zugestanden, dass das Käthe-Kollwitz-Museum die zum 31. Dezember 2018 gekündigten Räume in der Fasanenstraße bis zum Umzug Ende 2019 weiter nutzen kann.

 

Ob das „private“ Exilmuseum nach der Vertreibung von Käthe Kollwitz dann „ein sehr persönlicher, intimer Ort wird, den man nicht so leicht vergessen wird, wenn man einmal den Weg dorthin gefunden hat“, wird man sehen. Was Stölzl und seine Kuratorin Cornelia Vossen jedoch im „Museumsjournal 2/2018“ verlauten lassen, macht wenig Hoffnung. Die Briefe, die wir von Elisabeth Bergner, Hans Sahl, Mischa Spoliansky und Gabriele Tergitt erhalten haben, passen jedenfalls nicht in dieses „Exilmuseum“.

 

Das Geschwätz von Stölzl & Vossen, genannt Hintergründe und Vision, finden Sie auf der nachfolgenden PDF:

 

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Käthe-Kollwitz-Museum oder Museum des Exils

 

Seit geraumer Zeit fordert Herta Müller ein „Museum des Exils“. Dagegen ist nichts einzuwenden, weil ein ehrendes Andenken an die nach 1933 aus Deutschland vertriebenen Menschen überfällig ist. Wo aber anfangen? Bei Thomas Mann natürlich, Ernst Bloch, Siegfried Kracauer, Egon Erwin Kisch, Ernst Schwitters auch. Wie aber wird mit jenen verfahren, die blieben und sich in die innere Emigration zurückgezogen hatten, Gottfried Benn, Erich Kästner, Ernst Wiechert, Ehm Welk?

 

Ein Konzept gibt es nicht, dafür Unterstützer mit den üblichen Verdächtigen aus dem überkommenen Westberliner Kultursumpf und ein Domizil. Noch am 18. November 2016 ging es auf einer von Herta Müller initiierten Tagung im Literaturhaus Berlin um „Ein Exilmuseum in Deutschland“. Dass ausgerechnet der Initiativkreis um die „Exilantin“ Herta Müller später auf die Idee kam, das „Käthe-Kollwitz-Museum“ aus dem Haus in der Fasanenstraße zu verdrängen, um dort ein „Exil-Museum“ zu installieren, ist eine Geschmacklosigkeit.

 

Das Haus, um das es geht, ist Teil des sogenannten Wintergartenensembles. Dazu gehören die drei dem Historismus zugeordneten Stadtvillen „Literaturhaus“ Fasanenstraße 23, „Käthe-Kollwitz-Museum“ Fasanenstraße 24 und „Auktionshaus Villa Grisebach“ Fasanenstraße 25.

 

Das Gebäude des „Literaturhauses“ gehört dem Land Berlin und wurde dem „Trägerverein Literaturhaus Berlin e.V.“ zur Nutzung überlassen. Neben Café und Buchhandlung hat dort auch die Oskar-Pastior-Stiftung ihren Sitz, in deren Stiftungsrat neben Herta Müller und Ernest Wichner (Vorsitzender) die Schriftsteller Marcel Beyer und Ulf Stolterfoht, der Literaturwissenschaftler Dierk Rodewald und die Journalistin Christina Weiss wirken.

 

Die Gebäude, in denen später das „Käthe-Kollwitz-Museum“ und das „Auktionshaus Grisebach“ einzogen, hatte einst die Deutsche Bank gekauft, saniert und dann an Hans Pels-Leusden und den von ihm geförderten Bernd Schultz vermietet.

 

Das seit 1986 bestehende „Käthe-Kollwitz-Museum“ ist aus der Privatsammlung des Galeristen Hans Pels-Leusden hervorgegangen. Er sammelte die Werke von Käthe Kollwitz und übereignete Bernd Schultz und der Stiftung seine Kollwitz-Sammlung mit 95 Druckgrafiken, 40 Zeichnungen und 10 Originalplakaten. Außerdem stellte Pels-Leusden dem Gründer der „Stiftung Bernd Schultz in Erinnerung an Hans Pels-Leusden“ sein Vermögen „zum Erhalt des Käthe-Kollwitz-Museums und der Grafische Sammlung Hans Pels-Leusden“ zur Verfügung.

 

Bernd Schultz hat das Gebäude Fasanenstraße 24 vor einigen Jahren von der Deutschen Bank erworben und die Nutzung durch das „Käthe-Kollwitz-Museum“ mit geringen Mietforderungen ermöglicht. Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ vom 9. Mai 2017 „schien sein Bestand auch durch den ursprünglichen Mietvertrag mit der Deutschen Bank gesichert, der eine Laufzeit von 15 Jahren mit nachfolgender dreimaliger Verlängerung über fünf Jahre vorsah“. Das war wohl gutgläubig.

 

Die dritte Villa in der Fasanenstraße 25, mit Unterstützung der Deutschen Bank 1980 restauriert, gehört seit 2013 dem „Auktionshaus Villa Grisebach“. Seit der Gründung durch die Kunsthändler Bernd Schultz, Hans Pels-Leusden, Wilfried Utermann, Raimund Thomas und Michael Neumann im Jahre 1986 hat sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Auktionshaus entwickelt. Geschäftsführender Gesellschafter ist u.a. Bernd Schultz. Er hat mit seiner Ehefrau Mary Ellen von Schacky-Schultz inzwischen den „Bernd Schultz und Mary-Ellen von Schacky-Schultz Fonds“ ins Leben gerufen.

 

Haben Müller und Wichner schon einmal darüber nachgedacht, was es bedeuten würde, „die Kunst der Pazifistin Käthe Kollwitz zu vertreiben, um Platz für Künstler aus dem Exil zu schaffen? Das ist doch eine Geschmacklosigkeit.

 

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