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Max Schreck - NOSFERATU

 

Im Jahr 1885 errichtete der Zimmermannsmeister Spieß für den Bauherrn Gustav Ferdinand Schreck, seines Zeichens beamteter Topograph der Königlich Preußischen Landesaufnahme beim Generalstab, das zweigeschossige Landhaus Albestraße Nr. 5. Nach der Fertigstellung des roten Sichtziegelbaus zogen Vater Schreck, Mutter Pauline geb. Michaelis und der am 6. September 1879 geborene Sohn Max von der Kaiserin-Augusta-Straße 75/76 in Tiergarten – zusammen mit Onkel und Großvater – in das Friedenauer Vier-Parteien-Haus. Von Vorgarten und Souterrain führt eine Treppe zur Veranda im Hochparterre, über dem im Obergeschoss ein Balkon angeordnet ist. 130 Jahre alt ist das Haus, es steht noch immer – eines der ältesten von Friedenau.

Das Umfeld war für den sechsjährigen Max Schreck günstig. Gleich gegenüber befand sich die Schule, anfangs mit nur einer, später mit drei und schließlich auch mit einer Gymnasial-Klasse. Der junge Mann wollte Schauspieler werden. Er absolvierte die Schauspielschule des Preußischen Staatstheaters und machte sich auf die theatralischen Wanderjahre durch die Provinz. Seine sorgfältig gestalteten Chargenrollen, scharf gezeichnete Typen, fanden bei den Theaterkritikern kaum Beachtung, weder in der Spielzeit 1917/18 bei Max Reinhardt (1873-1943) noch in den Jahren von 1922 bis 1930 am Staatstheater unter den Regisseuren Jürgen Fehling (1885-1968) und Leopold Jessner (1878-1945). Der Kritiker Alfred Kerr (1867-1948) begnügte sich mit dem (lang)bewährten Max Schreck und im Berliner Börsen-Courier war er für Herbert Ihering (1888-1977) einer, von dem etwas ausging, der Atmosphäre um sich hatte.

Die Kammerspiele München unter Direktor Otto Falckenberg (1873-1947) wurden seine künstlerische Heimat. Hier wurde er anerkannt und gefeiert, hier gehörte er zum Ensemble, zuerst von 1919 bis 1922 und dann wieder von 1930 bis zu seinem Tod. In seinen 35 Berufsjahren spielte Max Schreck viele Rollen, auf dem Theater und in mehr als 40 Filmen. Die Rolle seines Lebens aber übertrug ihm 1922 Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931): Graf Orlok in Nosferatu. Sein filmisches Gespür, seine technische Begabung und Schrecks eindringliche Darstellung des unheimlichen Vampirs machten die Symphonie des Grauens zu einem Meisterwerk. Schrecks Nosferatu hat das Genre Horrorfilm bis heute geprägt.

Unvergesslich der kahle Schädel, die riesigen Ohren, die gewaltigen Vorderzähne, die krallenartigen Fingernägel. Um Murnaus großartiges Werk wissen auch jene, die sonst keinen Stummfilm kennen. Der Film ist ein Geniestreich, er steht unangefochten für den Vampirfilm – bis heute. Die Presse sah das nach der Uraufführung im Jahre 1922 nicht anders. Für die Vossische Zeitung hatte Nosferatu eine spezifisch filmische Qualität, einen eigenen Film-Stil. Die Lichtbild-Bühne schrieb von einer Sensation, von einer Meisterleistung. Herausgehoben wurde immer wieder seine Rollengestaltung, die den bis dahin unbekannten Schauspieler in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter mit der Film-Persona verschmelzen ließ.

Am 19. Februar 1936 steht Max Schreck zum letzten Mal auf der Bühne – eine kleine Rolle, wie so oft, der Großinquisitor in Schillers Don Carlos. Am nächsten Morgen, dem 20. Februar um halb neun Uhr, ist er nicht mehr. Drei Tage später nahm das Ensemble der Kammerspiele auf dem Münchner Ostfriedhof Abschied. Der Großdeutsche Verband der Feuerbestattungsvereine e. V. kümmerte sich um den Rest. Am 14. März 1936 wurde seine Asche in der 70x70 Zentimeter großen Urnengrabstelle der Mutter Pauline auf dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde beigesetzt.

Es kamen Weltkrieg, Mauerjahre und schließlich die Wiedervereinigung. Längst war Gras darüber gewachsen. Friedhofsverwalter Erwin Mahlow rekonstruierte an Hand der Grabkarte Schreck die Lage im Gräberfeld U - UR 670. Der Förderkreis des Museums für Film und Fernsehen Berlin beauftragte den Steinmetzmeister Heinz-Otto Melior, eine Gedenkstele für Schrecks Grab zu schaffen. Die handgearbeitete Granitstele von 23x12x138 Zentimeter mit einer angeschliffenen Schriftfläche und der vertieften mit dunkler Farbe ausgelegten Inschrift wurde zum 75. Todestag von Max Schreck am 20. Februar 2011 enthüllt.

Nun sind sie wieder beisammen: Der Meister Friedrich Wilhelm Murnau in einem monumentalen Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof und sein Held, der Schauspieler Max Schreck in einem bescheidenen Urnengrab gleich nebenan auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde. Ein Stück Filmgeschichte.

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© Peter Hahn