Bernhardstraße
Die Straße gehört zum Ortsteil Wilmersdorf und erhielt 1893 den Namen Bernhardstraße. Am 28. September 1901 meldete der Friedenauer Lokal-Anzeiger, daß die von der Ringbahnstraße aus nach dem Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau am Bahngelände entlang und dann wieder nach der Ringbahnstraße zurückführende U-förmige Straße dicht neben dem Eisenbahndamm bis zur Kaiserallee durchgelegt wird. Ab 1895 entstehen in dem dreiteiligen Quartier viergeschossige Wohnhäuser: Im westlichen Teil die Häuser Nr. 7A bis Nr. 10 (rechts) und Nr. 11 bis Nr. 15 (links), zur Bahntrasse hin Nr. 5 bis Nr. 7 sowie im östlichen Teil Nr. 1 bis Nr. 4 (links) und Nr. 16 bis Nr. 18A (rechts).
Mit Inbetriebnahme der Ringbahn im November 1877 war eine Station errichtet worden, die 1881 den Doppelnamen Wilmersdorf-Friedenau erhielt. Unter der Trasse wurde ein Tunnel gebaut, über den der Bahnsteig sowohl von der Bernhardstraße als auch von der Brünnhildestraße erreichbar und ein Fußweg zwischen Wilmersdorf und Friedenau möglich war. Im Zweiten Weltkrieg wurden einige Häuser durch Bomben zerstört.
1963/64 wurden mit dem Bebauungsplan IX-82 die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der für den Straßenbau benötigten Grundstücksflächen geschaffen. Beschlossen wurde, daß der zwischen den Grundstücken Bundesplatz 10-12 und der Prinzregentenstraße gelegenen Bauabschnitt des Stadtringes Berlin als Hochstraße ausgeführt wird.
Außer den unmittelbar von den Straßenbaumaßnahmen betroffenen Grundstücken Berhardstraße 3-7A und 14-16, Prinzregentenstraße 48-49 und einem schmalen Streifen des Eisenbahngeländes mußten auch die Grundstücke Wexstraße 33, Bernhardstraße 17 und Prinzregentenstraße 47 wegen ihrer Lage zum Stadtring vollständig in den Geltungsbereich des Bebauungsplanes einbezogen werden. Für die zuletzt genannten Grundstücke und die außerhalb des Straßenlandes verbleibenden Restflächen der Grundstücke Bernhardstraße 3-7A, die einzeln nicht mehr bebaubar sind, setzt der Bebauungsplan als Maß der Nutzung höchstens 5 Vollgeschosse fest. Nach Fertigstellung des Stadtrings blieben abgeschnittene Wohnhäuser und zwei Teile der Bernhardstraße übrig, die keine Verbindung haben und nur von der Wexstraße zu erreichen sind.
Bebauungspläne IX-82 von 1964
Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau
Bevor Berlin 1871 Hauptstadt wurde, entschied sich Preußen 1862 zum Bau der Ringbahn. Zwischen Kaiserallee und Handjerystraße wurde ein Viaduktbau erforderlich. Mit Inbetriebnahme der Ringbahn 1877 bekam die Gegend auch eine Station, die 1881 den Namen Wilmersdorf-Friedenau erhielt. Gebaut wurde ein Tunnel von der Bernhardstraße zur Varziner Straße, der zugleich den Zugang zum hochgelegenen Bahnsteig ermöglichte.
1912 gab es zwischen der Gemeinde Friedenau und der Eisenbahndirektion Differenzen über den Bau des zweiten Ausgangs zum Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau. Beanstandet wurde, dass der Aufgang von der Bernhardstraße aus angelegt werde und einen Zugang von der Prinzregentenstraße, also von Friedenau aus, hinter der Unterführung erhalte. Die Treppe hätte doch besser in der Unterführung angelegt werden müssen. So habe der Zugang wenig Wert für Friedenau.
Wochen später hatte sich die Aufregung gelegt: Die Anlage des 2. Zuganges zum Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau geht ihrer Vollendung entgegen. Der Treppenaufgang ist bereits fertiggestellt; das nach Norden gelegene Gleis wurde unterführt und das kleine Stationsgebäude an der Bernhardstraße ist im Rohbau fertig. In dem Gebäude werden mehrere Schalter für den Fahrkartenverkauf eingerichtet. Am Bahndamm entlang führt dann nach der Prinzregentenstraße ein zweiter Zugang zu dem neuen Stationsgebäude. Man wird also in Zukunft sowohl von der Bernhardstraße wie auch von der Unterführung im Zuge der Handjery- und Prinzregentenstraße aus den Ringbahnhof erreichen können. Das neue Bahnhofsgebäude am Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau an der Bernhardstraße ist am 1. November 1912 in Betrieb genommen worden.
1938 wurde die Ringbahnstation in Wilmersdorf umbenannt. Nach dem Mauerbau entstand die U-Bahn-Linie 9 und 1971 der U-Bahnhof Bundesplatz. Mit dem S-Bahn-Streik von 1980 war die Station Wilmersdorf außer Betrieb. Bevor der S-Bahn-Verkehr auf der Ringbahn wieder aufgenommen wurde, verlegte man den Bahnhof Wilmersdorf um rund 100 Meter nach Westen zum Bundesplatz hin. Seit 1993 gibt es die Umsteigestation U+S-Bahnhof Bundesplatz. Der Tunnel unter dem Bahnviadukt blieb erhalten, als Zugang zum Bahnsteig und als Durchgang zwischen Bernhardstraße in Wilmersdorf und der Varziner Straße in Friedenau.
Bernhardstraße Nr. 5
Hildegard Knef (1925-2002)
Zum 100. Geburtstag von Hildegard Knef gaben das Bundesministerium für Finanzen und die Deutsche Post AG im Dezember 2025 eine Sonderbriefmarke heraus. In der Ankündigung heißt es: Entwurf: Chayenn Gutowsk, Bonn. Motiv: Porträt von Hildegard Knef vor roten Rosen. Foto Ulrich Mack. Wert: 0,95 EUR. Format PWZ: Breite: 55,00 mm; Höhe: 30,00 mm. Auf allen vier Randstücken der schmalen Markenbogenseite wird ein EAN-Code platziert. Die betreffenden Randstücke bleiben weiß. Hildegard Knef wohnte von 1933 bis 1945 in der Bernhardstraße. In Der geschenkte Gaul gibt sie 1970 einen eindringlichen Blick in diese Jahre. Es ist ihre Geschichte und zugleich die einer ganzen Generation. Wir erinnern an Deutschlands letzte Diva.
Die Bernhardstraße war ein Hufeisen ohne Rundungen, ein Quadrat mit drei Schenkeln, eine Straße, die nach drei Himmelsrichtungen ging: nach Süden, nach Osten, nach Westen. Das unvollständige Quadrat wurde im Norden durch die Wexstraße vervollständigt. Die Wexstraße war eine laute, eine großstädtische Straße und lief vom Kaiserplatz bis zum Innsbrucker Platz. Die Bernhardstraße war Fußballplatz, Radrennbahn, ein Dorf mit achtzehn vierstöckigen Häusern ...
Wir wohnten 1933 erst Nr. 5 in zwei Zimmern, einige Jahre später Nr. 6 in vier. Nr. 5. Beide lagen auf der Südseite, und an der Ecke der Süd- und Westseite lag unser Geschäft, es hatte zwei große Fenster und ein großes Schild, darauf stand ‚Besohlanstalt‘, mein Stiefvater Wilhelm Wulfestieg hatte etwas gegen das Wort Schuhmacherei ...
Gegenüber der Südseite lag der S-Bahnhof Wilmersdorf, ein Bahnhofseingang lag gegenüber vom Geschäft, und dadurch bekamen wir viel ‚Laufkundschaft‘, wie mein Stiefvater das nannte, sie wollten in Eile einen Absatz oder gerissene Nähte repariert haben oder kauften bloß Schnürsenkel. Die feste Kundschaft kam aus der Bernhardstraße…
Da war der Bäcker Sehmisch und seine Familie, sein Geschäft lag auf der Westseite, es war groß und sauber, und Herr Sehmisch sah so knusprig aus wie seine Brötchen. Über den Sehmischs wohnten die Neumanns, von ihrem Balkon konnten sie in unser Geschäft sehen und einen Teil vom Bahnhof… Neben den Sehmischs war das Lebensmittelgeschäft und ein Bonbonladen, dann kam ein Fischgeschäft und die Wexstraße, auf der anderen Seite hatten zwei alte blaugefrorene Menschen, die auch im Sommer nach Winter aussahen, einen Milchausschank, dahinter war eine Leihbücherei...
Unsere Seite hatte bis auf einen Werkzeug-Ersatzteil laden gar keine Geschäfte, der Besitzer des Werkzeug-ErsatzteiBadens lebte mit einer rothaarigen Frau nur zwischen seinen Ersatzteilen, wir sahen ihn fast nie …
Direkt am Bahnhofseingang lag der Zigarrenladen von den Gorczellanceks, sie mußten aber dann nach 1935 den Laden aufgeben, eine Familie Toedt zog ein, sie waren sanfte, stille Leute, und das Ganze mit den Gorczellanceks war ihnen sehr unangenehm. Die Gs wohnten noch einige Jahre in ihrer Wohnung am Cosimaplatz in Friedenau, und die Bernhardstraßenbewohnergingen nachts zu ihnen und brachten Eßwaren und Zeitschriften - die Gs waren stolz und ließen sich nicht gern etwas schenken, und so hatten wir langsam einen Teil ihres Geschirrs kaufen müssen und Handtücher und Bestecke, die halbe Straße hatte Sachen von den armen eingesperrten Gorczellanceks….
Eines Abends gingen meine Mutter und ich wieder zum Cosimaplatz, aber an der Ecke warnte uns eine Frau, nicht hinaufzugehen, sie waren abgeholt worden, oder sie sollten abgeholt werden, denn als die Gestapo morgens um 4 oder 5 klingelte, hatten sie sich mit ihren zwei Kindern vergiftet...
An der Ecke Wexstraße und Bernhardstraße war noch ein jüdisches Geschäft, ein Kurzwarenladen - sie hießen Kaufmann, und die Frau hatte sich die Haare ganz blond gefärbt und sagte immer zu Mutter, ihr würde man bestimmt nichts tun. Eines Morgens holten sie ihren Mann ab, sie flüchtete aufs Dach und fiel herunter. Um die Kaufmanns tat es allen sehr leid, sie waren seit Ewigkeiten in Berlin und hingen sogar die Hakenkreuzfahne zu Hitlers Geburtstag heraus - die dachten immer, das würde was nützen….
Frau Block, unsere Portiersfrau von Nr. 5, die wir alle Mutter Blocken nannten, hatte keinen Mann, dafür zwei Töchter, Marianne und Lorchen, war bei den späteren Bombenangriffen die Tapferste und Einfallsreichste in der Straße, sie kam mit Familie, und jeder hatte einen feuerfesten Kochtopf auf dem Kopf, darüber ein Kissen und das Ganze mit einem Riemen zusammengehalten. Als wir den ersten schweren Angriff auf Wilmersdorf hatten und eine Stunde lang die Bomben sausten, das Licht ausging und die Wände wackelten, da sagte Mutter Blocken immer wieder: ‚Solange man se hört, treffen se nich‘ …
Bernhardstraße Nr. 11
Ewald Mahr (1935-2023)
Am 26. September 1895 gelangte das in Deutsch-Wilmersdorf, Bernhard-, Ecke Ringbahnstraße belegene Grundstück des verstorbenen Friedenauer Bauunternehmers Hermann Pählchen (1861-1895) zur Versteigerung. Den Zuschlag für den Rohbau erhielt der Buchhalter Johannes Gottlieb Rudel (1860-1930).
Der Sohn des Maurermeisters Johann Friedrich Gottieb Rudel aus Berlin W, Kurfürstenstraße Nr. 169, war es wohl, der dafür gesorgt hatte, daß das Eckhaus 1897 fertiggestellt war. Die Gewerbeflächen im Erdgeschoss waren verpachtet, Gaststätte, Weingroßhandlung, Uhrmacher. In die Wohnungen zogen, Kaufleute, Beamte, alleinstehende Damen und Johannes Rudel mit Ehefrau Luise Elisabeth Theresia geb. Buchold (1861-1940) und Tochter Charlotte (1895-1948). Sie heiratete 1934 den Dentisten Hans Mahr (1878-1944). Am 20. Mai 1935 kam Sohn Ewald Mahr zur Welt. Er wurde Diplomkaufmann und trat 1961 in die Dienste der TELEFUNKEN GmbH Berlin. Eine schwierige Zeit, da der Firmensitz bereits nach Frankfurt am Main verlegt worden war. Nach der Umwandlung zur Telefunken AG entstand 1963 die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG-Telefunken, die ab 1979 als AEG-Telefunken Aktiengesellschaft firmierte. Ewald Mahr wurde noch Personalleiter der in Berlin verbliebenen Telefunken Sendertechnik GmbH – bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 1994. Zwei Jahre später war der Name Telefunken auch im Handelsregister gelöscht. Geblieben ist die 2003 erschienene Buch-Dokumentation Telefunken nach 100 Jahren mit dem Essay Im Kraftfeld von Zeitgeschehen, Zeitgeist, Erfindergeist von Ewald Mahr – ein überaus kritischer Blick auf ein Unternehmen, daß in den Sog von drei deutschen Staatsformen, des Kalten Krieges und schließlich in die Turbulenzen der Auflösung des eigenen Konzerns geriet.
Ewald Mahr lernten wir 2015 kennen. Im Herbst war unser Buch über Friedenau erschienen – mit Kritik an der Gestaltung des Breslauer Platzes zu einem baumlosen steinernen Aufmarschplatz durch eine selbsternannte Bürgerinitiative, die sich dann auch noch dazu berufen fühlte, für die Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf-Friedenau zu plädieren. Nun ließ uns Ewald Mahr wissen, daß er diese Reaktionen geradezu krankhaft und völlig unbegreiflich findet. Er erinnerte Stadtentwicklungssenator Geisel an dessen einstige Forderung, bewachsene Randbereiche von Bahntrassen als Verbindungsbiotope und Grünverbindungszüge zu nutzen. Mahr forderte, das Bauvorhaben aus klimatologischen Gründen zu verwerfen. Das am dichtesten bewohnte Friedenau hat ein Defizit von 88 ha Grün-und Freiflächen.
Für uns Anlass, im Frühjahr 2016 mit der Webseite www.friedenau-aktuell.de auch den Schöneberger Teil von Friedenau und das Terrain hinter der Wannseebahn zu beleuchten. Ewald Mahr wurde für uns ein wichtiger Berater. Er kannte Gegend und Leute, wußte um die Connections in Friedenau und Schöneberg – und stellte uns sein umfangreiches Archiv zur Bernhardstraße zur Verfügung.
Er machte deutlich, daß sein Geburtshaus unmittelbar an der Grenze zu Friedenau ursprünglich in einem U-förmig angelegten Quartier zwischen der Ringbahnstraße (ab 1911 Wexstraße) und der Bahntrasse entstanden ist: Östlich Nr. 1 bis Nr. 18A, westlich Nr. 7A bis Nr. 15 und südlich entlang der Bahntrasse Nr. 5 bis Nr. 7. So blieb es bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Bebauungsplan IX-82 von 1963/64 wurden die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der für den Straßenbau benötigten Grundstücksflächen geschaffen. Beschlossen wurde, daß der zwischen den Grundstücken Bundesplatz 10-12 und der Prinzregentenstraße gelegenen Bauabschnitt des Stadtringes Berlin als Hochstraße ausgeführt wird.
Außer den unmittelbar von den Straßenbaumaßnahmen betroffenen Grundstücken Berhardstraße 3-7A und 14-16, Prinzregentenstraße 48-49 und einem schmalen Streifen des Eisenbahngeländes mußten auch die Grundstücke Wexstraße 33, Bernhardstraße 17 und Prinzregentenstraße 47 wegen ihrer Lage zum Stadtring vollständig in den Geltungsbereich des Bebauungsplanes einbezogen werden. Nach Fertigstellung des Stadtrings blieben abgeschnittene Wohnhäuser und zwei Teile der Bernhardstraße übrig, die keine Verbindung haben und nur von der Wexstraße zu erreichen sind.
Geblieben ist die 1892 eröffnete Ringbahnstation Wilmersdorf-Friedenau (heute S- und U-Bahnhof Bundesplatz) und unter der Bahntrasse zwischen Bernhardstraße und Varziner Straße ein Fußgängertunnel, über den nicht nur der hochgelegene Bahnsteig, sondern ein direkter Weg zwischen Wilmersdorf und Friedenau möglich war.
1977 zog das Ehepaar Ewald und Ruth Mahr in die Dickhardtstraße Nr. 41. Nachdem die Rekonstruktion des Berliner Schlosses in die Gänge gekommen war, setzte sich Ewald Mahr für die Rückkehr der Rossebändiger an das Humboldtforum ein.
Die ‚Rossebändiger‘ sind zwei Denkmäler, die sich von 1846 bis 1950 auf der Lustgartenterrasse des Berliner Schlosses befanden. Die vier Meter hohen Bronzefiguren sind ein Werk des Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg und waren ein Geschenk des Zaren Nikolaus I. für Friedrich Wilhelm IV. Nachdem das Schloss gesprengt worden war, wurden die Skulpturen 1950 im Kleistpark untergebracht. Bei den beiden Rossebändiger-Skulpturen handelt es sich nicht um irgendeinen Abguss. Es handelt sich um die Bronzegüsse von 1842, die ursprünglich für die St. Petersburger Anitschkov-Brücke geschaffen wurden. 2007 wurden beide Skulpturen restauriert und vorübergehend in den Gropius-Bau als Mittelpunkt der Ausstellung über die ‚Macht und die Freundschaft‘ zwischen Russland und Preußen gezeigt. St. Petersburg erhielt für seine Anitschkov-Brücke einen Nachguss.
Noch einmal: Berlin besaß für das Königliche Schloss die Erstabgüsse, d. h. die beiden Originale, wo sie nach dem abgeschlossenen Wiederaufbau des Schlosses als Humboldtforum auch wieder hingehören. Keine Sorge: Preußen wurde durch Kontrollratsbeschluss abgeschafft. Also: Es ist eine Aufhebung des Beschlusses von Tempelhof-Schöneberg herbeizuführen!
Im Oktober 2015 wurde ein Antrag der SPD-Fraktion mit der Mehrheit der rot-grünen Zählgemeinschaft in der BVV beschlossen: Die Rossebändiger bleiben im Kleist-Park. Am 22. Mai 2023 ist Ewald Mahr verstorben. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof an der Bergstraße.
Bernhardstraße Nr. 14
Anfang September 2021 erhielten wir eine E-Mail von Herrn Andreas Brückmann zur Bernhardstraße. Er ist im 3. Stock des Hauses Nr. 14 aufgewachsen. Wir sind im Januar 1960 nach Lissabon gezogen, da mein Vater beruflich versetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich 10 Jahre alt.
Mehr als sechs Jahrzehnte später - nach einem halben Leben in Lissabon und Studium in Hamburg - erinnert sich der heute 72-jährige Andreas Brückmann an die Bernhardstraße.
Sein Großvater Alfred Riebisch übernahm nach dem Ersten Weltkrieg den Räucherwarenladen von E. & A. Nachuth, der seit 1915 in der Bernhardstraße Nr. 11 existierte. Die Wohnung der Großeltern befand sich gleich gegenüber im Haus Nr. 10 Ecke Wexstraße. Dieses Haus wurde im Zweiten Weltkrieg jedoch ausgebombt und brannte nieder, während meine Großeltern mit meiner Mutter im Keller waren. Kurz danach zogen sie in Nr. 14. 1945 konnte Riebisch sein 25-jähriges Firmenjubiläum feiern, inzwischen nicht nur Fische & Räucherwaren, auch Wild & Geflügel.
Nach den Erinnerungen von Andreas Brückmann wohnten im 4. Stock meine Großeltern Riebisch. In der Eckwohnung links daneben Familie Schacht mit Sohn Detlev. Darunter im 3. Stock wohnten wir, die Familie Brückmann mit Tochter und Sohn, und daneben das Ehepaar Jewe mit Sohn Ingo. Unter uns im 2. Stock wohnte die Familie Neumann mit Tochter Edith und Sohn Gerald, mit dem ich befreundet war. An die Bewohner der danebenliegenden Eckwohnung kann ich mich nicht erinnern. Im 1. Stock war ein Büro, so glaube ich. Im Erdgeschoss von Nr. 11 waren Läden, an der Ecke ein Zigarrengeschäft, links daneben gab es Zeitungen mit Lotto-Annahme. Das Geschäft hieß Bücher-Schrank. Ich erinnere mich an den Herrn Schrank mit den schwarzen Händen von der Druckerschwärze. Nach links das Geschäft meiner Großeltern Riebisch, noch weiter links, schon Nr. 12, die Bäckerei Porath (es gab zwei Bäckereien in der Straße Porath und Semisch) und die Fleischerei Hermann Schupeta.
Von unserem Balkon im dritten Stock von Nr. 14 gab es den Blick auf den Ringbahnhof Wilmersdorf und das Haus gegenüber, in welchem Hildegard Knef wohnte und ihr Stiefvater Wilhelm Wulfestieg seine Schuhmacherei hatte. Meine Mutter Traude war mit Hildegard Knef befreundet. Da meine Großeltern den Urlaub an der Ostsee verbrachten, nahmen sie meine Mutter und Hildegard mit. Vielleicht ist in der Erinnerung an diese Zeit das Ostseelied entstanden, in dem es heißt: Gib mir noch einmal den Strand meiner Kindheit, Mit Muscheln und Bernstein auf trockenem Weiß. Gib mir den salzigen Wind meiner Ostsee, Das Jammern der Möwe, die hoffnungsvoll kreist. Gib mir die Molen mit moosgrünen Beinen und Wellen, Die singen ihr endloses Lied. Gib mir die Farben, die still sich vereinen, Den Atem der Kindheit, Der lautlos entflieht.
Bernhardstraße Nr. 16 & Nr. 17
Regina Dienstag (1869-1942)
Wenn sich die Stolperstein-Initiative damit hervortut, dass in Charlottenburg-Wilmersdorf 2010 tausend, 2013 zweitausend und 2017 dreitausend Stolpersteine verlegt sind, dann desavouiert sie mit dieser Erfolgsmeldung ihr ureigenstes Anliegen. Wenn dann auch noch der Stolperstein für Regina Dienstag 2012 nicht vor ihrem ehemaligen Wohnhaus, sondern neben einem Gullideckel vor Nr. 17 gesetzt wird, weil Nr. 16 für den Autobahnstadtring 1964 abgerissen wurde, stellt sich die Frage, ob diese Aktion überhaupt sinnvoll war.
Wer mehr über Regina Dienstag wissen möchte, findet nur einen larmoyanten Text des Spenders und nichts über Regina Dienstag. Zugegeben, die Datenbank von Yad Vashem gibt nicht viel her, und basiert wohl nur auf der Häftlingsliste des Lagers Theresienstadt. Recherchen im Adreßbuch hätten zwar keine Klarheit ergeben, immerhin aber die Erkenntnis, daß 1898 im Haus Bernhardstraße Nr. 16 & Nr. 17 die Posamentwarenhändlerin S. Dienstag eingezogen war. Zwischen 1900 und 1914 erscheint unter dieser Aresse Kaufmann A. Dienstag. Danach folgen die Einträge Dienstag, Geschwister (1921), Frl. S. Dienstag (1925) und Dienstag, S., Privatiere (1935). Ab 1938 taucht der Name Dienstag nicht mehr auf. Im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan für die Stadtautobahn tauchen 1963 in den Grundbüchern die Namen der Eigentümer bzw. Hausverwaltungen für Nr. 16 und Nr. 17 auf. Weitere Recherchen wären durchaus möglich.