Familie Herms
Als wir das Grab der Familie Herms 2006 in der Abteilung 12 entdeckten, war es in einem schlimmen Zustand. Die Einfriedungsgitter waren zerstört bzw. nicht mehr vorhanden und die Anlage insgesamt verwildert. Irgendwann zwischen damals und dem Jahr 2016 wurde die Grabstelle restauriert. Unbekannt, wer dies veranlasst hat. Das Grab gehört mit den von Valentino Casal geschaffenen Wandgräbern für die Friedenauer Familien Hirt (1905) und Prowe (1915) zu den ältesten Gräbern auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße.
Es ist davon auszugehen, daß diese Grabstelle einst als Erbbegräbnis gedacht war. Von den drei aus schwarzem Granit eingelassenen Inschriftentafeln ist nur der Mittelteil beschriftet:
Hier ruht in Gott meine innigst geliebte Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwieger- und Großmutter Luise Herms geb. Heitzmann, geb. 18. Juni 1841, gest. 25. Januar 1910 sowie darunter unser innigst geliebter treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater der Direktor und Ziegeleibesitzer Wilhelm Herms, geb. 27. Juni 1840, gest. 27. December 1911. Die Liebe höret nimmer auf.
Erhalten sind im Standesamt Schöneberg die Sterbeurkunden.
Nr. 142. Schöneberg am 25 Januar 1910: Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute der Ziegeleibesitzer Erich Herms, wohnhaft in Charlottenburg Sybelstraße 10, und zeigte an, daß die Ehefrau Luise Karoline Friederike Herms geborene Heitzmann, 68 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Schöneberg, Wilhelm-Hauff-Straße 10 bei ihrem Ehemann, geboren zu Groß-Wusterwitz Kreis Jerichow II, verheiratet in 2. Ehe mit dem Ziegeleibesitzer Friedrich Wilhelm Herms, Tochter des verstorbenen Landmeisters Wilhelm Heitzmann, zuletzt wohnhaft in Halbe und seiner verstorbenen Ehefrau Luise geborene Baecker, zuletzt wohnhaft in Zerben, zu Schöneberg in der Wohnung ihres Ehemannes am 25. Januar 1910 verstorben sei.
Nr. 1265. Schöneberg, am 27. Dezember 1911. Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute der Ziegeleibesitzer Wilhelm Heitzmann, wohnhaft in Schöneberg, Wilhelm-Hauff-Straße 10, und zeigte an, daß der Direktor außer Dienst Friedrich Wilhelm Herms, 71 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Schöneberg, Wilhelm-Hauff-Straße 10, geboren zu Böhme Kreis Westhavelland, Witwer, Sohn des verstorbenen Ziegeleibesitzers Peter Herms, zuletzt wohnhaft in Steglitz Kreis Teltow , und seiner verstorbenen Ehefrau Elisabeth geborene Müller, zuletzt wohnhaft in Böhne,zu Schöneberg in letztgenannter Wohnung am 27. Dezember 1911 verstorben sei.
Dabei ist es offensichtlich geblieben. Nicht bekannt ist, ob in diesem Grab weitere Familienmitglieder ihre letzte Ruhe gefunden haben oder nach Ablauf der Nutzungsfrist weitere Tote beigesetzt wurden.
Das Grabmal Herms wurde von der Steinmetzfirma Kessel & Röhl geschaffen. Das Unternehmen erscheint im Adreßbuch von 1863 erstmals unter G. A. Kessel, Marmorwaren – und Grab-Denkmal-Fabrikant, Louisenstraße 15 (Oranienplatz) und Cottbuser Ufer an der Badbrücke. Später wird daraus Kessel & Röhl. Im Adreßbuch heißt es: Steinmetzgeschäft, Marmorwarenfabrik, Dampf-Granitschleiferei, Besitzer von Granitbrüchen Steinhauereien, Schleif- und Sägewerken mit Wasserkraft in Schweden, Hauptkomtor und Lager von Marmor-Kaminen und Grabdenkmälern. Als die Herms’schen Nachfahren das Wandgrab in Auftrag gaben, residierte die Firma mit Inhaberin Witwe Mathilde Röhl in Berlin W9, Linkstraße 15, unmittelbar am Durchgang zum Wannseebahnhof am ehemaligen Potsdamer Bahnhof.