Auf dem Bahndamm. Foto Hahn & Stich, 13.05.2020

 

 

Die Bau- und Immobilienbranche schreckt auch vor Lügen nicht zurück. Die geplanten 1500 Wohnungen sollen unter dem Slogan Friedenauer Höhe an die Leute gebracht werden. Dabei handelt es sich nicht um eine Höhe, sondern um einen Bahndamm, der Ende des 19. Jahrhunderts für den Bau der Ringbahn aufgeschüttet wurde und etwa 7 Meter über dem eigentlichen Niveau von Friedenau liegt. Auf dem Damm befinden sich die Trassen für den Güterinnenring der Deutschen Bahn und die S-Bahn - und gleich nebenan die A 100 (Stadtring) mit den Aus- und Auffahrten Innsbrucker Platz. Suggeriert wird, dass im Herzen Berlins ein Zukunftsquartier entsteht, das die Vorzüge eines schönen, historisch gewachsenen Stadtteils harmonisch mit den Ansprüchen an wegweisend urbanes Leben verbindet. MAN MIETET EINE WOHNUNG UND GEWINNT EINEN GANZEN LEBENSRAUM. Laut Werbung wächst ein historischer Stadtteil in die Zukunft. Angeblich nur, denn vorrangig gilt das Motto: Bauen, was Berlin am meisten braucht, attraktive Mietwohnungen, ergänzt um Einzelhandel, Cafés, Restaurants und Büros. Das nahezu autofreie Areal und die vielen Grünflächen, Spielplätze, Fuß- und Radwege sowie die exzellente Verkehrsanbindung machen das Quartier zu einem entspannt urbanen Lebensraum, das in jeder Hinsicht und Ansicht überzeugt. Kurzum: Das neue Quartier: ist ein Vorbild im Stadtbild - mit ca. 1.150 attraktive Mietwohnungen (ohne geförderten Wohnungsbau), ca. 20.000 m² Gewerbeflächen, über 2.000 Fahrradeinstellplätze in Tiefgaragen, ca. 550 PKW-Tiefgaragenplätze. Verkündet wird: Ende 2022 geplante Fertigstellung Wohnungsbau und öffentliche Grün-/Weganlagen, Ende 2023 geplante Fertigstellung gesamtes Quartier. Mitte Juni 2020 sieht es nicht danach aus. Gebaut wird auf einem Bruchteil des Areals. Der große Rest ist Sandwüste.

 

Da wir auf dieser Webseite nicht darum herumkommen werden, über dieses Bauprojekt zu berichten, haben wir uns nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, unsere Beiträge dazu unter dem Titel Auf dem Bahndamm zu veröffentlichen.

 

 

Kein Lärmschutz am Innenring

 

Bekannt wurde Anfang April 2018, dass die Deutschen Bahn AG den Antrag auf Planfeststellung für die Elektrifizierung des westlichen Güter-Innenrings zurückgezogen. Das ist bedauerlich für die gesamte Bahntrasse zwischen Westend und Tempelhof, das ist letztendlich auch eine schlechte Nachricht für die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf. Es wird also keine Verbesserungen beim Lärmschutz an der von S-Bahn, Bahn und Stadtautobahn stark belasteten Strecke geben. Auch Friedenau wird weiterhin mit den von Dieselloks gezogenen Güterzügen leben müssen.

 

Mit der Elektrifizierung des Innenrings hätten die bisherigen Anlagen ihren „Bestandsschutz“ verloren. Damit wäre die gesamte Trasse als „Neubau“ eingestuft worden, für die Lärmschutz nach aktuellen Maßstäben verpflichtend ist. Mit der Befürwortung des DB-Antrags wollten auch SPD und GRÜNE von Tempelhof-Schöneberg zwei Fliegen mit einer Klappe wollten schlagen, weil die DB damit für einen umfassenden Lärmschutz mit bis zu 6 Meter hohen Lärmschutzwänden hätte sorgen müssen.

 

Fakt wäre allerdings gewesen, dass die Deutsche Bahn AG nach der Elektrifizierung in der Lage gewesen wäre, ICE- und Güterzüge aus allen Himmelsrichtungen mitten durch die Stadt fahren zu lassen. Das hätte zweifellos zu einer Zunahme des Zugverkehrs geführt. Nach dieser Pleite orientiert das rot-grüne Tempelhof-Schöneberg auf das kleinere Übel: Mit dem Diesellokbetrieb werden die Belastungen wohl auch in Zukunft überschaubar bleiben.