Gymnasium und Schuldirektorenwohnhaus, 1910

Perelsplatz Nr. 5

Schuldirektorenwohnhaus

 

Zum Perelsplatz gehören die Grundstücke Nr. 1 bis Nr. 18. Davon befinden sich auf der Nordseite die Grundstücke Nr. 1 bis Nr. 9 und auf der Südseite Nr.10 bis Nr. 18. Offiziell wird die ehemalige Bedürfnisanstalt (heute Witty Stories Café) unter Nr. 1 geführt. Nr. 2 bis Nr. 4 sind unbebaut. Nr. 5 ist das fühere Schuldirektorenwohnhaus (heute Kita Pestalozzi-Fröbel-Haus) und Nr. 6 bis Nr. 9 ist die Adresse des Gymnasiums am Maybachplatz (heute Friedrich-Bergius-Schule).

 

Bereits 1903 ist im Lageplan von Paul Engelmann und Erich Blunck das Wohnhaus für den Schuldirektor in der Südostecke des Platzes eingezeichnet – gegen die Bauflucht zur Schaffung eines geräumigen Vorgartens. Der Bau nach einem Entwurf von Architekt Johannes Duntz wurde vorläufig noch hinausgeschoben.

 

Am 22. März 1905 wurden für den Neubau des Direktor-Wohnhauses am Maybachplatz nachstehende Arbeiten in öffentlicher Ausschreibung vergeben: Erd-, Maurer-, Zimmer-, Staaker- Dachdecker- und Klempnerarbeiten sowie Mauermaterialien. Am  12. Juli 1905 erfolgte eine weitere öffentliche Ausschreibung für Tischler-, Schlosser-, Glaser-, Töpfer- Maler- und Anstreicher-Arbeiten sowie Gas-, Wasser und Elektrische Anlagen. Die Unterlagen können im Baubureau des Gymnasiums von 9-1 und von 3-5 Uhr nachmittags eingesehen werden oder sind gegen Erstattung der Schreibgebühren dort erhältlich.

 

Der Berliner Architekt Johannes Duntz war 1901 auf Vorschlag von Paul Engelmann die Bauleitung für das Gymnasialgebäude übertragen worden. Nach dem Tod des Gemeindearchitekten Max Nagel hatte Duntz 1904 auch die kommissarische Leitung des Friedenauer Bauamtes übernommen. Am 1. April 1906 wurde der Architekt und Regierunsbaumeister Hans Altmann Friedenauer Gemeindebaurat. Ihm oblagen die Aufstellung von Bebauungsplänen, Bauaufsicht und Entwurfsabteilung. Duntz blieb. Nach seinen Entwürfen entstanden die Gemeindeschule in der Rheingaustraße (heute Stechlinsee-Grundschule), das Elektrizitätswerk in der Kreuznacher Straße und das Schuldirektorenwohnhaus am Maybachplatz.

 

Das zweigeschossige Schuldirektorenwohnhaus mit einer Grundfläche von 13 x 14 Metern ist auf niedrigem Souterrain errichtet und mit einem steilen Walmdach, das nach Osten einen Schildgiebel zeigt, gedeckt. An der Südwestecke ist ein zweigeschossiger Standerker angeordnet. Der Eingang befindet sich an der Westseite. Die Wohnräume im Erd- und die Schlafräume im Obergeschoss fügen sich ein in einen Vielfelder-Grundriss, in den eine Halle mit Treppe eingeschoben ist. Die Fassaden des Hauses sind asymmetrisch angelegt, die Befensterung folgt funktionalen Erfordernissen. Das Haus ist ein Landhaus im Sinne der Landhausbewegung. Die Erklärung, warum Duntz 1904/1905 nur ein halbes Haus gesetzt hat, liefern Landesdenkmalamt Berlin und Bezirksamt Schöneberg als Herausgeber der Topographie Friedenau nicht. Die Ansichtskarten von 1910 und 1921 machen deutlich, daß auf den anschließenden Grundstücken weitere Bauten geplant waren.

 

Offensichtlich sind Duntz und Gemeinde davon ausgegangen, daß auf den Grundstücken Maybachplatz Nr. 2 bis Nr. 4 weitere Bauten entstehen würden. Im November 1907 ersuchte die Gemeindevertretung den Gemeindevortstand, das Projekt des Baues der Oberrealschule am Maybachplatz so rechtzeitig vorzulegen, daß zum 1. Oktober 1908 mit dem Bau begonnen werden kann. Da Schnackenburg und Altmann aber die Entwicklung des südwestlichen Teiles von Friedenau für notwendig hielten, hatten sie den Ankauf von Grundstücken an der Wiesbadener- und Schwalbacher Straße für kommunale Schulbauten durchgesetzt und eine neue Sachlage geschaffen..