Der namenlose dreieckige Platz zwischen Südwestkorso, Rheingau- und Wilhelmshöher Straße erhielt am 18. Januar 2000 den Namen der Widerstandskämpferin Liane Berkowitz (1923-1943). Auf dem Platz hatte der Architekt und Friedenauer Gemeindebaurat Hans Altmann 1920 einen eingeschossigen Kiosk mit Bedürfnisanstalt erbaut. Der unter Denkmalschutz stehende Bau aus Sichtziegelmauerwerk mit einem Pyramidendach wurde aufwändig saniert. Aus Kiosk und Bedürfnisanstalt wurde 2013 Restaurant mit Biergarten „Kaiserdiele“.

 

Liane Berkowitz. Gestapo-Foto, 1942

Liane Berkowitz (1923-1943)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend des 17. Mai 1942 klebten die als Liebespaar getarnten Liane Berkowitz und Otto Gollnow etwa einhundert Zettelchen in Charlottenburger Hauseingänge: „Ständige Ausstellung - Das NAZI-PARADIES - Krieg Hunger Lüge Gestapo - Wie lange noch?“

 

Eine weitere Gruppe um den deutsch-jüdischen Kommunisten und Zwangsarbeiter bei Siemens & Schuckert Herbert Baum planten einen Brandanschlag. In der Wohnung von Joachim Franke wurde der Zündmechanismus hergestellt. Franke trug am 18. Mai 1942 den Brandsatz in einer Aktentasche bei sich und legte gemeinsam mit Herbert Baum und Werner Steinbrink den Brand – sie richteten aber nur geringen Schaden an. Kurz danach wurden Herbert Baum, seine Ehefrau Marianne, Joachim Franke und weitere ihrer Freunde festgenommen. Baum beging in der Haft in Berlin-Moabit am 11. Juni 1942 Selbstmord, mehr als 15 seiner Mitstreiter wurden in den folgenden Monaten zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee ermordet.

 

Ihre Aktionen richteten sich gegen die antisowjetische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“, die von der NSDAP vom 8. Mai 1942 bis 21. Juni 1942 im Berliner Lustgarten gezeigt wurde. Mit dieser Schau sollten Armut, Elend, Verkommenheit und Not in der Sowjetunion gezeigt und der Krieg gerechtfertigt werden. Beide Unternehmungen waren umstritten, die Älteren waren dagegen, die Jüngeren wollten handeln.

 

Liane Berkowitz (1923-1943), Tochter des jüdischen Konzertmeisters Victor Wasiljew und dessen Ehefrau Katharina Jewsienko, war mit der Familie 1923 aus der Sowjetunion nach Deutschland emigriert. Nach dem Tod ihres Ehemanns heiratete ihre Mutter Henry Berkowitz, der Liane adoptierte. Auf der Heilschen Abendschule lernte die Achtzehnjährige den Schlosser und Widerstandskämpfer Friedrich Rehmer (1921-1943) kennen. Sie verlobten sich. Rehmer, seit Juni 1941 an der Ostfront, wurde schwer verwundet und kam in ein Lazarett nach Britz. An der Klebeaktion seiner Freunde konnte er nicht teilnehmen.

 

Am 26. September 1942 wurde Liane Berkowitz und am 29. November 1942 Friedrich Rehmer verhaftet. Im Frauenstrafgefängnis Barnimstraße brachte sie am 12. April 1943 die Tochter Irina zur Welt, die in den ersten Wochen noch bei ihrer Mutter bleiben durfte. Im August musste die Großmutter das Kind in das Krankenhaus Kurmark des Deutschen Roten Kreuzes in Eberswalde bringen. Zwei Monate später war Irina tot. Die Todesursache ist bis heute ungeklärt.

 

Liane Berkowitz und Friedrich Rehmer wurden vom Reichskriegsgericht wegen Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats und zur Feindbegünstigung zum Tode verurteilt. Er wurde am 13. Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet. Ihr Gnadengesuch wurde abgelehnt. Am 5. August 1943 wurde Liane Berkowitz in Plötzensee hingerichtet.

 

Ablehnung Gnadenerweis

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Letzter Brief von Liane Berkowitz, 5.8.1943. Original.

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Letzter Brief von Liane Berkowitz, 5.8.1943. Umschrift

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