Friedenau
Mit dem Allerhöchsten Erlaß vom 9. November 1874 genehmigte Kaiser Wilhelm I. die Abtrennung der Landhauskolonie Friedens-Aue mit einem Flächeninhalt von 141,3516 Hektaren von dem Kommunalverbande des Gutsbezirks Deutsch-Wilmersdorf, Kreis Teltow, und ihre Erhebung zu einer Landgemeinde unter dem Namen Friedenau.
Die Grenzen wurden wie folgt festgelegt: Gegen Norden der Bahndamm der Ringbahn von der Grenze zwischen Deutsch-Wilmersdorf bis zum Eintritt an die Schöneberger Feldmark, gegen Osten durch die Grenze der Schöneberger Feldmark bis zur Grenze der Gemarkung von Steglitz, gegen Süden durch die Grenze der Gemarkung von Steglitz vom Schnittpunkte mit der Schöneberger Grenze ab bis zur Berlin-Potsdamer Landstraße, dann in südwestlicher Richtung durch die Ostseite dieser Landstraße bis zur Gabelung mit der Kaiser-Allee und von dort ab bis zur Grenze der Gemeinde Deutsch-Wilmersdorf, gegen Westen: durch die Grenze der Feldmark der Gemeinde Deutsch-Wilmersdorf vom Schnittpunkte der Steglitzer und Wilmersdorfer Gemeindegrenze ab in östlicher Richtung bis zum Wege von Steglitz nach Wilmersdorf und von dort ab in nördlicher Richtung an der Ostseite dieses Weges entlang bis zur Ringbahn.
Das war im Herbst 2015 die Basis für unser Buch Friedenau – Geschichte & Geschichten. Danach fragten uns viele Friedenauer, warum ihre Straße nicht vorkommt, da sie sich auch als Friedenauer betrachten. Zu Recht. Die nachfolgende Bebauung bis letztlich zur Rubensstraße setzte sich über Gemarkungsgrenzen hinweg. Dementsprechend haben wir uns im Frühjahr 2016 mit der Webseite www.friedenau-aktuell.de entschlossen, diese Entwicklung zu berücksichtigen – dafür sprachen auch Begriffe wie Neu Friedenau, Gefühltes Friedenau, Hinter der Wannseebahn und Friedenauer Ortsteil von Schöneberg – oft genug im Adreßbuch mit dem Zusatz Gehört politisch zu Schöneberg, postalisch zu Friedenau.
Kürzlich fragte uns ein Leser, wieso die KI unter Berufung auf ‚Friedenau Aktuell‘ die Wielandstraße zu Friedenau zählt??? Mein Meßtischblatt zeigt die Grenze einen Block weiter westlich, in der Fregestraße. Auch der Bahnhof liegt nicht in Friedenau, sondern in Schöneberg. Das haben wir nie in Frage gestellt. Unstrittig ist allerdings, daß sowohl der Wannseebahnhof Friedenau von 1874 als auch die Friedenauer Brücke von 1899 für die Entwicklung von Friedenau und dem Friedenauer Ortsteil von Schöneberg entscheidend waren. Wer es allen recht machen will, macht es keinem recht.
Friedenau existierte vom 9. November 1874 bis zum 1. Oktober 1920. In diesen 46 Jahren entstand das, was Friedenau heute noch ausmacht. Mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 und dem XI. Verwaltungsbezirk Schöneberg verlor die Gemeinde ihre Selbstständigkeit und damit zu einem guten Teil auch den Geist von Friedenau. Es folgten Jahrzehnte des Stillstands und der Zweite Weltkrieg. Was die Bomben nicht vermochten, versuchten Zeitgeistige mit Entdekorisierung der Fassaden, dem Ausbau von Bundesallee, Westtangente und schließlich der Friedenauer Höhe. Die Substanz von Friedenau hält es (noch) aus.