Grab Homuth. Foto Hahn & Stich, 2016

Johannes Homuth (1839-1922)

Ehrengrabstätte bleibt bestehen

 

Am 9. Dezember 1958 beschloss der Berliner Senat, das Grab des ehrenamtlichen  Gemeindeverordneten von Friedenau Johannes Homuth auf dem Friedhof Stubenrauchstraße zur Ehrengrabstätte des Landes Berlin zu erheben. 36 Jahre nach Homuths Tod ein recht eigentümlicher Vorgang, zumal 1906 die Straße 8 in Homuthstraße umbenannt und der Verstorbene bereits 1910 zum Ehrenbürger der Gemeinde Friedenau ernannt wurde.

 

1978 und 1998 wurde der Status Ehrengrabstätte jeweils um 20 Jahre verlängert. Nach den gängigen Richtlinien müsste dies 2018 ausgelaufen sein. Auf Nachfrage teilte uns die Senatskanzlei am 11. Mai 2026 mit, die Grabstelle von Johnnes Homuth ist weiterhin eine Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

 

 

 

 

Johannes Homuth wurde am 30. März 1839 in Arnswalde (Neumark) geboren. 1863 ließ er sich mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Paul zur Auswanderung auf dem Dampfschiff Bavaria von Hamburg nach New York anheuern. Der Ältere kehrte zurück und zog 1866 mit der Mecklenburg-Schwerin’schen Truppe in den Deutsch-Deutschen Bruderkrieg. Nach dem Eintritt in den preußischen Staatsdienst heiratete er in Berlin 1869 Maria Homuth geb. Köhler (1843-1927). Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war er Feldmagazinkontrolleur beim 13. Armeekorps. Dekoriert mit dem Eisernen Kreuz wurde er 1872 Geheimer Registrator im preußischen Finanzministerium. 1873 wurde Sohn Fritz geboren. 1884 erwarb Johannes Homuth ein Grundstück in der Saarstraße und beauftragte den Zimmermeister und Architekten Wilhelm Spieß mit dem Bau des Landhauses Saarstraße Nr. 14. 1892 wurde er zum Gemeindevertreter von Friedenau gewählt. 1895 meldete der Friedenauer Lokal-Anzeiger: Seine Majestät der Kaiser hat dem Kanzlei-Rath Homuth zu Friedenau bei dessen Uebertritt in den Ruhestand den Charakter als Geheimer Kanzlei-Rath verliehen.

 

Am 3. Dezember 1906 wurde Johannes Homuth von einer Deputation bestehend aus Mitgliedern des Gemeinde-Vorstandes und der Gemeinde-Vertretung ein Diplom überreicht, welches ausdrückt, daß durch Beschluß der Gemeinde-Vertretung die Straße 8 den Namen Homuthstraße erhalten habe. 1910 wurde Homuth in Anerkennung seiner Verdienste um Friedenau zum Gemeindeältesten ernannt.

 

25 Jahre Bürger Friedenaus. Herr Geheimrat Homuth ist einer der Ältesten unseres Ortes, er gehört zu den ältesten Villenbesitzern in unserer Gemeinde und hat sein vor 25 Jahren bezogenes Heim in der Saarstraße 14 bis auf den heutigen Tag behalten. Vom ersten Tag seines Hierseins hat er lebhaftes Interesse für die Angelegenheiten der Gemeinde bekundet. Wenn wir von Friedenau sprechen, dürfen wir den Namen Homuth nicht vergessen, er hat mit vollem Interesse für unsern Ort gewirkt, war stets bestrebt, nur das Beste für Friedenau zu wollen. Wenn man in der Gemeindevertretung auf die gute Finanzlage der Gemeinde verwies und damit die Genehmigung hoher Ausgaben durchzubringen versuchte, so erinnerte Homuth stets an die Zukunft und gemahnte an Sparsamkeit, Aber bei diesem „Bremsen“ widersetzte er sich durchaus nicht fortschrittlichen Bestrebungen; er lenkte, nachdem er seine Bedenken geäußert, immer wieder durch ein „aber, wenn Sie meinen“ ein.

 

Einiges aus dieser Biographie hätte auch das Landesdenkmalamt Berlin (LDA) wissen können. Stattdessen veröffentlichten die Historiker im Jahr 2000 in der Topograhie Friedenau einen schlimmen Beitrag über das Landhaus Saarstraße Nr. 14, in dem es heißt, daß hier von 1900-02 der bedeutende sozialdemokratische Theoretiker Karl Kautsky (1854-1938) lebte, wie eine Gedenktafel am Haus mitteilt. Der Historiker Alfred Bürkner machte bereits 1996 darauf aufmerksam, daß die Gedenktafel am falschen Haus angebracht wurde und die Kautskys von 1901 bis 1907 in der Saarstraße Nr. 19 wohnten. Kein Ruhmesblatt für das LDA. Nichts davon, daß in diesem Landhaus noch bis zu ihrem Tod 1927 Witwe Marie Homuth wohnte. Kein Wort darüber, daß das Ensemble aus der Frühzeit von Friedenau 1929 mit dem seitlichen Anbau einer Garage und den Bau eines Schuppens im Hinterhof gravierende Änderungen erfuhr. Bisher auch nichts darüber, daß Homuths Haus vor Eröffnung des sogenannten Luise & Karl Kautsky-Hauses 2011 im Innern noch mal umgebaut wurde.

 

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Am 2. März 1922 erschien im Standesamt Friedenau der Fabrikant (für Zahnärztliche Instrumente) Fritz Homuth, wohnhaft in Berlin, Alt Moabit 105, und zeigte an, daß der Geheime Kanzleirat Johannes Homuth, Gemeindeältester, 82 Jahre alt, wohnhaft in Berlin-Friedenau, Saarstraße 14, geboren zu Arnswalde, Kreis Arnswalde, verheiratet mit Maria Homuth geborene Köhler, zu Berlin-Friedenau, in seiner Wohnung, am 2. März 1922 vormittags um sechseinhalb Uhr verstorben sei. Seine Frau Maria starb am 16. September 1927. Beide wurden auf den Friedhof Stubenrauchstraße bestattet. Das Grab Nr. 25-1 ist bis heute erhalten.

 

Fundstücke. Dokumente zur Familie Homuth