Mainauer Straße Nr. 2
Kaiserallee Nr. 64 & 65
In der im Jahre 2000 erschienenen Topographie Friedenau heißt es: Auf dem Grundstück Mainauer Straße Nr. 2 wurde 1909-13 von Architekt Carl Dittmar ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit Sanatorium für Dr. Carl Günther errichtet, das sich mit einem großen Klinik-Seitenflügel tief in das Grundstück hinein erstreckt. In der Tiefe des Grundstücks stand ursprünglich eine wohl vor 1890 erbaute Villa, die beim Bau des Wohnhauses in den Seitenflügel als Klinik einbezogen wurde.
Mit dieser vagen Beschreibung versuchte der Autor, die Geschichte der Grundstücke Mainauer Straße und Kaiserallee zu umschiffen. Zugegeben, die Aktenlage ist kompliziert, zumal im Landesarchiv Berlin und im Baucharchiv Schöneberg wesentliche Dokumente nicht aufzufinden sind.
Die Recherchen ergaben, daß es 1894 zwischen Ringbahntrasse und Friedrich-Wilhelm-Platz nur Baustellen gab und einzig das Grundstück Kaiserallee Nr. 10 mit einer zweigeschossigen Villa bebaut war: Eigentümer Baurat Wilhelm Haeger. Das Haus war weitab vom Zugang an der Kaiserallee im hinteren Teil des weitläufigen Grundstücks errichtet worden. Eingezogen waren Wilhelm Haeger und seine Ehefrau Sophie mit den Kindern Anna, Walter, Ilse, Gustava, Erika, Julie und Dorothea. Im Souterrain wohnten Portier W. Engelmann und die Rentiere Fräulein H. Müller.
Wilhelm Haeger verstarb am 2. März 1901 im 67. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße zur letzten Ruhe gebettet. Mit dem Bau des Wagner-Viertels auf dem Sportplatzgelände und der Verbreiterung der Kaiserallee erfolgte 1904 eine neue Nummerierung. Aus Kaiserallee Nr. 10 wurde Nr. 65. Witwe Sophie Haeger verkaufte im März 1905 eine Fläche von 1921 qm ihres Grundstücks Kaiserallee Nr. 65 an Dr. med. Carl Günther für den Neubau eines viergeschossigen Wohnhauses (und zog nach Steglitz). Am 14. März 1905 erschien ein Lageplan von dem in der Kaiserallee Nr. 65 in Friedenau belegenen, im Grundbuche von Friedenau Band 1 Blatt 241 Trennstück verzeichneten Grundstücke des Herrn Dr. med. Carl Günther, Fläche 1921 qm, welches in der rot schraffierten Weise bebaut werden soll. Am 17. Mai 1906 gab die Gemeinde bekannt: Das Villengrundstück auf dem Hinterlande des Grundstücks Kaiserallee Nr. 65, der Frau Baurat Haeger gehörig, hat die Nummer 65a erhalten.
Eigentümer Günther erklärte am 29. April 1909: Die auf der Zeichnung entworfenen Gebäude sind auf den ursprünglichen Grundstücken Mainauer Straße 2, Band 29 Blatt 1355, und Kaiserallee 66, Band 1 Blatt 241, projektiert. Diese beiden Grundstücke sollen als ein Ganzes mit der Bezeichnung Mainauer Straße 2 geführt werden. Eine Überschreibung auf ein Grundbuchblatt soll erst dann erfolgen, wenn seitens der Baubehörde keine Einwendungen gegen das ganze Grundstück erhoben werden.
Laut Topographie Friedenau 2000 wurde 1903-13 ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit Sanatorium für Dr. Carl Günther errichtet, das sich mit einem großen Klinik-Seitenflügel tief in das Grundstück hinein erstreckt. Das Vorderhaus ist als Mietwohnhaus mit zwei ungleich tiefen Seitenflügeln ausgebildet; im Vorderhaus sind je eine 4- und eine 5-Zimmer-Wohnung pro Geschoss, im längeren Seitenflügel außerdem eine 2-Zimmer-Wohnung untergebracht. Im verlängerten Seitenflügel - eigentlich ein selbständiges, freistehendes Mietwohnhaus mit Querlüftung und -belichtung - sind zwei 3-Zimmer-Wohnungen pro Geschoss angelegt. Im Anschluss an diesen Seitenflügel befindet sich der Bau der ehemaligen Rheingau-Klinik mit eigenem Treppenhaus, das jeweils sechs Zimmer pro Geschoss erschließt. In diesen Klinikbau ist die alte zweigeschossige Villa mit vorgelagerter Terrasse einbezogen worden.
Am 18. November 1913 machte der Friedenauer Lokal-Anzeiger ein Zwangsversteigerungsergebnis bekannt: Kaiserallee 64/65, dem Dr. Carl Günther gehörig. Fläche 17,63 Ar.Nutzungswert 20000 M. Mit dem Gebot von 30000 M. bar und Übernahme von 320000 M. Hypotheken blieb die verwitwete Frau Baurat Sophie Haeger geb. Bamberg in Berlin-Steglitz, Belfortstr. 34a, Meistbietende. 1914 ist unter Kaiserallee 64/65 und Mainauer Straße 2 als Eigentümer Administration eingetragen. 1915 heißt es Kaiserallee 64/65 Eigentümer Sophie Haeger und Mainauer Straße 2 Eigentümer Dipl. Ing. und Architekt Georg Krahl.
Im Landesarchiv Berlin existiert 1916 ein kursioser
Werbeprospekt: Kaiser-Allee 64/65. Potsdamer Platz vom Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau und Bahnhof Zoologischer Garten durch Straßenbahn in 10 Minuten zu erreichen. Station bzw. Haltestelle 1
Minute entfernt. Sonstige Straßenbahnverbindungen mit den Linien: F, O, W, 66, 69 etc. Hochherrschaftliche Wozhnungen von 7, 6 und 5 Zimmern. Im Gartenhaus 3 und 2 Zimmer mit Warmwasserheizug und
Versorgung, Bad, Gas, elektr. Licht, Mädchenzimmer etc. Auskunft (durchgestrichen) im Verwaltungs-Büro Dr. Günther, Kaiser-Allee 64-65 und handschriftlich geändert in
Eigentümerin Frau Baurat Haeger.
Auf Grund der Auflassung vom 15. Oktober 1923 ist das auf dem Grundbuchblatte der verwitweten Frau Baurat Haeger gehörende, in Berlin-Friedenau Kaiseralle 64/65 belegene, im Grundbuche Band 23 Blatt Nr. 1147 eingetragene Grundstück auf die Grundstücksgesellschaft mbH Kaiserallee 64/65 mbH als Eigentümerin eingetragen. 1926 wohnen in diesem Haus Witwe Sophie Haeger und Sohn Landgerichtsrat Walter Haeger, der dem Standesamt Friedenau drei Jahre später mitteilte, daß Sophie Julia Maria Haeger, wohnhaft in Berlin-Friedenau, Kaiserallee 64/65, 82 Jahre alt, am 10. Oktober 1929 in dieser Wohnung verstorben sei. Sie fand im Familiengrab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße ihre letzte Ruhe.
In den 1930er Jahren erfährt die Grundstücksgesellschaft mbH Kaiserallee 64/65 einige Veränderungen. Hinzu kommen die Töchter und Lehrerinnen Anna, Erika und Julie Haeger (1931) sowie 1938 Tochter und Ärztin Dr. med. Dorothea Haeger, wohnhaft in Leipzig. Im letzten Berliner Adreßbuch von 1943 sind unter Kaiserallee Nr. 64/65 als Eigentümer aufgeführt: Erika und Julie Haeger sowie Walter Haeger. Danach fallen die Bomben. Aus der amtlichen Schadenskarte von 1947 geht hervor, daß das Haegersche Mietshaus total beschädigt und ein Abbruch empfehlenswert ist. Ilse und Erika Haeger sollen nach dem Weltkrieg im Rotherstift Lichterfelde gewohnt haben. Walter Haeger verstarb 1947, Erika 1955, Anna 1956 und Gustava 1962 in Basel. Über die Töchter Ilse, Julie und Dorothea Haeger ist nichts bekannt. Über das weitere Schicksal des Ruinengrundstücks Kaiserallee 64/65 bzw. den Neubau Bundesallee 64/65 kann nicht berichtet werden.
Nachfolgend finden Sie Dokumente, die wir im Landesarchiv Berlin und im Bauarchiv Schöneberg gefunden haben.
Mainauer Straße Nr. 7
Südwestkorso 70/Görresstraße 30
Baudenkmal Mietshaus
Entwurf Alfred B. Lowitzki
Bauherr Frank Beck
Um 1909
Das zweifach abgewinkelte, viergeschossige Mietwohnhaus an der Ecke Mainauer Straße Nr. 7/Südwestkorso Nr. 70/Görresstraße Nr. 30 hat drei Treppenaufgänge, die jeweils Zweispänner erschließen. Überragt wird es von einem hohen, achteckigen Turmbau mit Aussichtsplattform und Balustrade, dem der historische Turmaufsatz und -helm verlorengegangen ist. Der reich gegliederte Eckbau zeigt an jeder Straßenfront eine ausbalancierte, frei komponierte Fassade. Die Ansicht an der Mainauer Straße wird von einem Standerker mit seitlichen Loggienbalkons und einem Quergiebel beherrscht, die Front zum Südwestkorso von einem breiten Standerker und von Loggien und Quergiebeln im Südwesten und Nordosten, ein Erkerturm verbindet die beiden Fassaden.
Die Fassade an der Görresstraße akzentuieren zwei flache Runderker, Loggien in der Mitte und ein Quergiebel. Die Fassaden sind sparsam mit kleinen Medaillons und Festons dekoriert, die Vestibüle mit Tonnengewölbe und Wandverkleidung ausgestattet. Das Erdgeschoss am Korso war von vornherein für Ladenlokale vorgesehen. Die niedrige Vorgarteneinfassung ist teilweise erhalten. Topographie Friedenau, 2000.
Im Friedenauer Adressbuch wird das Haus erstmals 1909 aufgeführt. Eigentümer war der Maurermeister Frank Beck aus Steglitz. Im Erdgeschoss befanden sich der Kolonialwarenladen von F. Pflug und das Geschäft der Milchhändlerin E. Treder.
Mainauer Straße Nr. 8
Baudenkmal Mietshaus
Entwurf & Ausführung Architekt Leberecht Thon
Ausführung Maurermeister Friedrich Reimer
Bauherr Fritz Vogeler
1908-1909
Das Haus Mainauer Straße Nr. 8, ein viergeschossiges, dreizehnachsiges Mietwohnhaus, wurde 1908-09 von Leberecht Thon errichtet. Die beinahe symmetrische Fassade wird von zwei Standerkern und seitlichen Balkons gegliedert. In der dreiachsigen Mitte befindet sich der Hauseingang. Der östliche Standerker wird von einer großen ziegelgedeckten Welschen Haube bekrönt, wohingegen der andere Erker nur mit einem Walm gedeckt ist. Fußwalme im ersten und zweiten Obergeschoss gliedern die Fassade, die ansonsten nur durch sparsames Dekor (kleine Zierfelder mit Vasen und Frauenfiguren, Festons und dergleichen) belebt wird. Das Vorgartengitter ist erhalten.
Topographie Friedenau, 2000
Mainauer Straße Nr. 9
Baudenkmal Mietshaus
Entwurf 6 Ausführung Maurermeister Heinrich Manglus
Bauherr Maurermeister Heinrich Manglus
1909
Das Wohnhaus weist eine fast symmetrische Fassade auf: zwei Standerker mit seitlichen Balkons gliedern die Front, in der Mitte springen Einzelbalkons vor. Das Souterrain ist durch Putznutung als Sockelzone hervorgehoben, die oberen Geschosse sind glatt verputzt.
Topographie Friedenau, 2000