Markttag 1906

Wochenmarkt

 

Ein Jahr nach der Gründung von Friedenau wurde am 22. Oktober 1875 durch den Gemeindevorstand bekannt gemacht, dass die bisherige „Grenzstraße“ in „Lauterstraße“ umbenannt wird. Bis dahin markierte sie die Grenze zwischen dem Friedenauer Terrain des „Landerwerb und Bauverein auf Aktien“ und den Schöneberger Terrainbesitzern jenseits der Straße. Erst 1903 ist die Fregestraße als Grenze zwischen den Gemarkungen Friedenau und Schöneberg eingetragen.

 

Das Dreieck zwischen Hauptstraße (damals Friedenauer Straße), Lauterstraße und Niedstraße blieb zunächst namenlos. Mitunter wurde er Schulplatz genannt, was darauf zurückzuführen ist, dass 1875 in unmittelbarer Nähe in der Albestraße Nr. 31/32 die I. Gemeindeschule eröffnet worden war.

 

 

 

 

Im Herbst 1881 fand dort der erste Wochenmarkt statt. Sieben Jahre nach der Gründung von Friedenau und den unzureichenden Straßenverbindungen nach Berlin war die Gemeindeverwaltung erst einmal froh, dass den Zugezogenen überhaupt „etwas“ angeboten wurde. Von da ab taucht die Bezeichnung Marktplatz auf.

 

Am 13. Oktober 1913 erfolgte die Grundsteinlegung für das Friedenauer Rathaus und 1917 die Eröffnung – unter der Adresse Niedstraße Nr. 1 und 2. In den amtlichen Adressbüchern von Friedenau ist weder 1913 noch 1917 ein „Lauterplatz“ aufgeführt. Zu den unmittelbar am Platz liegenden Eckhäusern der Lauterstraße ist vermerkt: „Nr. 14/15 siehe auch Niedstraße Nr. 40/ 41; Nr. 18 gehört zur Schmargendorfer Straße Nr. 1.“ Im Jahr 1927 erwähnt „Griebens Reiseführer“ erstmals die Bezeichnung „Lauterplatz“ und das „1913/15 von Altmann in Sandstein erbaute Rathaus mit gut gegliederter Fassade.“

 

Die Lauterstraße, dies zeigen alle verfügbaren historischen Photographien, war vom Ringbahndamm an der Bennigsenstraße bis zur Ecke Schmargendorfer Straße beidseitig von Linden flankiert – darunter sechs unmittelbar auf dem Lauterplatz. Das strukturierte die Straße auch über den Platz hinweg und gab dem Markt etwas „idyllisches“. Da das Chaos an den Markttagen wohl überhandnahm, sah sich die Verwaltung im Jahr 1909 zur „Polizei-Verordnung und Orts-Statute für den Amts- und Gemeindebezirk Friedenau bei Berlin“ gezwungen.

 

Im § 1 hieß es: „Die Wochenmärkte in Friedenau werden Mittwoch und Sonnabend abgehalten.“ Nach § 2 durften feilgehalten werden: Erzeugnisse des Bodens, der Land- und Forstwirtschaft, der Jagd und Fischerei.“ Irgendwann kam der Donnerstag hinzu, so dass heute mittwochs 8-13 Uhr, donnerstags 12-17 Uhr und samstags 8-13 Uhr Markt abgehalten wird. Aus der Historie heraus sind diese Markttage nachvollziehbar, aber eigentlich kann der Markt nur samstags Markt genannt werden.

 

Der Name Lauterplatz taucht erstmals 1939 auf. Das blieb so bis zum 1. Oktober 1964, als während des Kalten Krieges die Erinnerung an die verlorengegangenen deutschen Ostgebiete wachgehalten werden sollte und der Lauterplatz per Beschluss zum Breslauer Platz wurde. Ignoriert wurde, dass die Hauptstadt des aus historischer Sicht zweifellos von Deutschen geprägten Schlesiens seit 1945 zu Polen gehört und Wroclaw heißt.

 

Geblieben ist nur noch Literatur, zum Beispiel Günter Grass und sein „Tagebuch einer Schnecke“: „Wenn wir am Sonnabend auf unseren Friedenauer Wochenmarkt gehen, dann kaufen wir Dill und Gurken, Havelaal und Heilbutt, Birnen und Pfifferlinge, Hasenläufe und Vierländer Mastenten.“ Das war 1972.

 

Polizei-Verordnung von 1909

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