Denkmalkarte Friedenau, 2000. Senat von Berlin

Exkurs Baumeister

 

Seien wir großzügig: Friedenau ist rund 150 Jahre alt. Genaueres gibt es erst Anfang der 1870er Jahre, da Berlin in sein Adressbuch die Vororte Charlottenburg und Friedenau erst zu diesem Zeitpunkt erwähnt. Da aber hatten sich Berliner Banquiers, Geh. exped. Secretäre, Rechnungsräthe und Magistratssecretäre schon ihre Landhäuser im Grünen errichten lassen. Darunter auch der Kaufmann Carl August Dittmann, Inhaber einer Kitt- und Brenn-Anstalt für Porzellan, Glas, Marmor u, Antiken, Spittelmarkt 14, Geschäftslocal Breitestr. 9. Sein spätklassizistischer Putzbau in der Moselstraße Nr. 12 (vorher Ahornstraße) wurde 1876/77 von einem unbekannten Baumeister errichtet. Es ist das einzige erhaltene Haus aus den Anfangsjahren von Friedenau.

 

Was Friedenau ausmacht, liebenswert und derzeit für Immobilienspekulanten auch besonders begehrt macht, entstand zwischen 1882 und 1920. Damals besorgten Maurer und Zimmerer Entwurf und Ausführung. Mit ihrer handwerklichen Kompetenz schafften sie über das eigentliche Bauen hinaus bleibende Architektur. Mehr als sechs Dutzend ihrer Friedenauer Bauten wurden zwischen 1977 und 1987 unter Denkmalschutz gestellt – wesentlich befördert durch die 750-Jahr-Feier von Berlin.

 

 

 

Dokumentiert wurde das alles auf 178 Seiten von Peter Lemburg, Gabriele Schulz und Dietrich Worbs in Denkmale in Berlin. Bezirk Schöneberg. Ortsteil Friedenau. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin und vom Bezirksamt Schöneberg von Berlin. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin, 2000 – ein Standardwerk zu Friedenau, in dem (leider) der Friedenauer Teil von Schöneberg, also Bahnhof-, Wilhelm-Hauff-, Frege-, Wieland-, Sponholzstraße und Ceciliengärten sowie die Gegend Hinter der Wannseebahn nicht einbezogen wurde.

 

Das holte das Landesdenkmalamt Berlin als Herausgeber 2018 nach: Im Michael Imhof Verlag Petersberg erschien Denkmale in Berlin. Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Ortsteil Schöneberg, darin unter dem Titel Gebiet 6. Der Friedenauer Teil von Schöneberg und das Schöneberger Südgelände. Dafür standen 29 Seiten zur Verfügung. Die Beiträge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie bereits zwischen 1995 und 2000 geschrieben wurden. Ähnliches gilt für die eingesetzten Fotos, alles Aufnahmen von 2005, was geflissentlich verschwiegen wird.

 

Die Zahl der unter Denkmalschutz zu stellenden Gebäude müsste indes weit höher liegen, wenn das Landesdenkmalamt Berlin seinen Verpflichtungen nachkommen würde. Doch die systematische und kontinuierliche Erfassung des Baubestandes stockt. Das kann fatale Folgen haben, wie das Beispiel Görresstraße Nr. 21-23 gezeigt hat.

 

In dem Exkurs Baumeister verfolgen wir einen anderen Ansatz. Nicht die einzelnen Gebäude stehen im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern die Architekten und Baumeister, deren Gesamtwerk unter die Lupe genommen wird. Dadurch werden Strukturen und architektonische Handschriften sichtbar, die Friedenau bis heute prägen. Andererseits wird deutlich, dass die Mischung der unterschiedlichen Architektursprachen ein Grundprinzip Friedenaus bis heute geblieben ist.

 

Dieses Ensemble ist von vielen Seiten bedroht. Mit seinem verengten und veralteten Blick kann das Landesdenkmalamt Berlin dieser Bedrohung nicht wehren. Es geht nicht um das einzelne Haus, es geht um den Gesamtcharakter des Kiezes, den wir fähigen und weitsichtigen Baumeistern zu verdanken haben. Einige von ihnen wollen wir an dieser Stelle etwas genauer betrachten. Die Quellenlage ist leider dürftig. Hinweise nehmen wir daher dankbar entgegen.