Hier finden Sie uns

Friedenau-Aktuell
Stierstraße 8
12159 Berlin

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

 

+49 030 8516162 +49 030 8516162

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Friedhof an der Stubenrauchstraße

Friedhof Stubenrauchstraße, Kapelle

Vom Hamburger Platz zum Friedhof an der Stubenrauchstraße

Es ist einfach Unsinn, den Friedenauer Friedhof an der Stubenrauchstraße immer wieder auf einen „Künstlerfriedhof“ reduzieren zu wollen. Der Begräbnisplatz ist ein Quartiersfriedhof – für die Friedenauer. Daran werden die Gräber von Ferruccio Busoni, Marlene Dietrich oder Helmut Newton nichts ändern. Anders als Schöneberg, Steglitz oder Wilmersdorf geht Friedenau nicht auf einen historisch gewachsenen Dorfkern mit Kirche und Kirchhof zurück. Friedenau entstand auf dem Reißbrett. Für die Initiatoren Johann Anton Wilhelm Carstenn, David Born und Städteplaner Johannes Otzen war es ein Geschäft. Für den Tod war in ihren Plänen kein Platz. Doch bereits drei Jahre nach der Gründung musste der Gemeinderat über einen eigenen Friedhof nachdenken, da Wilmersdorf die Bestattung von Friedenauer Toten auf seinem Friedhof aus Platzgründen nicht mehr gestatten wollte.

 

Von den vier im Bebauungsplan vorgesehenen „Schmuckplätzen“, Schmargendorfer-, Wilmersdorfer-, Berliner- und Hamburger Platz, war zu diesem Zeitpunkt nur noch die Gegend um den Hamburger Platz unbebaut. Der Gemeinderat setzte sich über die Einsprüche der Anrainer hinweg. Der Platz wurde „geopfert“. Was für „vorübergehend“ und nur „provisorisch“ gedacht war, blieb. Am 20. Mai 1881 wurde der Friedhof eingeweiht. Die ersten Begräbnisse: Gemeindevertreter Robert Hertel (1886), Eduard Roenneberg (1888), Karl Bamberg (1892). Die Backsteinkapelle entstand 1888/89. In den Jahren zwischen 1894 und 1912 wurde die Anlage mehrfach bis zu ihrer heutigen Größe von 21.062 Quadratmetern erweitert und schließlich auch mit einer Mauer eingefasst. Da die Kapazität bald erreicht schien, erwarb die Gemeinde ein 12 ha großes Gelände unmittelbar neben dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof für die Anlage einer weiteren Begräbnisstätte. Die Planung und Ausführung oblag dem Architekten und Gemeindebaurat Hans Altmann. 1914 wurde der „Waldfriedhof Friedenau“ eingeweiht, der heute „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“ genannt wird.

 

Da mit der Einführung der Feuerbestattung eine weitere Beisetzungsart möglich wurde, entschloss sich die Gemeinde Friedenau 1914/16 zum Bau des Columbariums mit Erd- und Untergeschoss. In diesem aus mehreren Kammern bestehenden „Taubenschlag“ ist in den übereinander angeordneten Nischen die Aufnahme vieler Aschenurnen möglich. Zwei Weltkriege, die Teilung Deutschlands und eine veränderte Bestattungskultur haben zu neuen Prognosen über den Friedhofsflächenbedarf geführt. Der ehemalige Waldfriedhof Friedenau wird längst nur noch als „Grünfläche“ ausgewiesen, und auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße stehen hinreichend Grabflächen zur Verfügung.

Ausgewählte Gräber

Beiträge zu den hier eingezeichneten Grabstellen sind in Vorbereitung.

Ehrengräber

Die Ehrengräber des Landes Berlin werden mit diesem Stein gekennzeichnet.

Ehrengrabstätten sind Ausdruck der Ehrung Verstorbener, die zu Lebzeiten hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin erbracht oder sich durch ihr überragendes Lebenswerk um die Stadt verdient gemacht haben. Die Grundlage bildet das Friedhofsgesetz. Danach stellt das Land Berlin unentgeltlich Ehrengräber zur Verfügung. Das zuständige Bezirksamt übernimmt die Kosten für die Grabpflege und die Instandhaltung des Grabmals.“

Derzeit existieren in Berlin 667 Ehrengrabstätten, darunter auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße 9 Ehrengräber. Es gab Zeiten, in  denen das, was als Ehrengrab gilt, von politischen Rahmenbedingungen abhängig war. Dazu gehörte die „Gedenkstätte der Sozialisten“ auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde, für den die SED bestimmte, wer sich für die „sozialistische Idee“ verdient gemacht hatte.

Nichts gegen die Ehrung auf diesem Friedhof, aber nachdenklich macht die Liste schon: Architekturhistoriker Christian Borngräber, Komponist Ferruccio Busoni, Ehrenbürgerin Marlene Dietrich, Kommunalpolitiker Johannes Homuth, Architekt Paul Kunow, Fotograf Helmut Newton, Schriftsteller Oskar Pastior, Schriftsteller Paul Zech und Verleger Rudolf Zech.

 

 

 

Dieses Sammelsurium wirft die Frage auf, ob für den Friedenauer Quartiersfriedhof noch historische Gesichtspunkte relevant sind. Als der Optiker Carl Bamberg 1892 starb, gewährte ihm die Gemeinde Friedenau ein Ehrengrab. Im Jahr 2005 wurde dem Gründer der weltberühmten „Werkstätten für Präzisions-Mechanik und Optik“ dieser Status vom Senat aberkannt. Zehn Jahre später, im Dezember 2015, strich der Senat das seit 1907 bestehende Ehrengrab des Fotopioniers Ottomar Anschütz aus der Ehrengräberliste. Für die Gemeinde Friedenau war die Würdigung eine Selbstverständlichkeit. Er und die Firma C.P. Goerz hatten mit der „Goerz-Anschütz-Klapp-Camera“ den Namen Friedenau in die Welt getragen.

 

„Nach und nach beginnt der Berliner Senat, die Ehrengräber wegzustreichen." Der Satz von Olaf Ihlefeldt, dem Verwalter des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf, macht nachdenklich. Aktuell betroffen hat es nun „die Gräber des Funkpioniers Georg Graf von Arco (1869–1940) und des Botanikers Hugo Conwentz (1855-1922). Ich bin neugierig, ob sie auch das Grab von Heinrich Zille kündigen.“ Schon wird gemunkelt, dass es auch den sozialdemokratischen Politiker Rudolf Breitscheid (1874-1944) und den impressionistischen Maler Lovis Corinth (1858-1925) „treffen“ soll.

 

Dem Senat von Berlin und auch dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ist der Sinn für Geschichte abhandengekommen. Der Friedhof an der Stubenrauchstraße ist ein traditioneller Quartiersfriedhof. Zu Grabe getragen wurden dort Friedenauer, darunter der Mechaniker Carl Bamberg, die Baumeister Richard Draeger, Wilhelm Haeger und Paul Kunow, der Apotheker Albert Hirt, der Gutsbesitzer Wilhelm Prowe, die Kommunalpolitiker Johannes Homuth, Hugo Moeller, Heinrich Sachs, Georg und Albert Roenneberg sowie der Photograph Ottmar Anschütz. Ihre Gräber, teilweise unter Denkmalschutz stehend, sind (noch) vorhanden, aber weitgehend sich selbst überlassen. Nachzuvollziehen ist, dass die Politiker mit Friedhof und Gräbern "keinen Blumentopf gewinnen können". Aber: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." (Wilhelm von Humbold)

 

Die im Juli 2016 aktualisierte amtliche „Liste der Berliner Ehrengrabstätten auf dem Friedhof Schöneberg III Tempelhof-Schöneberg, 12161 Berlin, Stubenrauchstraße 43-45“ kann nur als gedankenlos - und fernab von Friedenaus Geschichte - bezeichnet werden:

 

Borngräber, Christian 04.04.1945-15.10.1992 (Grablage: 22-35)

Architekturhistoriker, Designtheoretiker

 

Busoni, Ferruccio 01.04.1866-27.07.1924 (Grablage: 6-56)

Komponist

 

Dietrich, Marlene 27.12.1901-06.05.1992 (Grablage: 34-363)

Ehrenbürgerin, Schauspielerin

 

Homuth, Johannes 30.03.1839-02.03.1922 (Grablage: 25-1)

Politiker, Stadtältester in Friedenau, Geheimer Kanzleirat

 

Kunow, Paul 12.07.1848-12.01.1936 (Grablage: 27-287/289)

Architekt, Politiker, Gemeindeältester

 

Newton, Helmut 31.10.1920-23.01.2004 (Grablage: Abt. 34 Nr. 367)

Fotograf.

 

Pastior, Oskar 20.10.1927-04.10.2006 (Grablage: 034 0001-0001)

Schriftsteller und IM des rumänischen Geheimdienstes

Weitere Informationen unter "Friedhof Stubenrauchstraße": Der Fall Oskar Pastior

 

Zech, Paul 19.02.1881-07.09.1946 (Grablage: 23-49/51)

Schriftsteller, Redakteur, Dramaturg, Übersetzer, Bibliothekar

 

Zech, Rudolf 02.10.1904-21.11.1972 (Grablage: 23-49/51)

Verleger, Maler

 

Seit Dezember 2006 wurden folgende Ehrengräber aus der Liste gelöscht:

 

Carl Bamberg 12.07.1847-04.06.1892 (Grablage: 7-33-35)

Mechaniker

 

Heinrich Richter-Berlin  23.04.1884-26.01.1981 (Grablage: 36/110)

Maler

 

Werner Schröder 19.12.1907-02.07.1985 (Grablage: 16/42)

Zoologe, Direktor des Berliner Aquariums

 

Gerhard Taschner 25.05.1922-21.07.1976 (Grablage: 22/311)

Geigenvirtuose

 

Ottomar Anschütz 16.05.1846-30.05.1907 (Grablage: 31/23-24)

Photograph, Pionier der Phototechnik

Ehrengrab bis Dezember 2015

Bemerkenswerte Grabstätten auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Peter Hahn