Grabstätte Helmut Newton. Foto H&S, 2006

Helmut Newton (1920-2004)

 

„Wenn wir abgekratzt sind, geht alles nach Berlin". Da hatte er im Herbst 2003 bereits die „Helmut Newton Stiftung“ gegründet und dieser eine große Anzahl seiner Fotopositive übertragen. Zuvor hatte Helmut Newton mit der „Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ einen Vertrag geschlossen, nachdem seiner Stiftung Erdgeschoss und erster Stock des ehemaligen Landwehrkasinos in der Jebensstraße dauerhaft für Ausstellungen zur Verfügung stehen werden. Ohne Zutun des Arm-aber-Sexy-Visionärs wäre die Liegenschaft zuvor kaum für einen symbolischen Euro den Staatlichen Museen überlassen worden. Für Klaus Wowereit war das auch eine Geste gegenüber einem Vertriebenen, der aus Liebe zu Berlin zum Heimkehrer wurde.

 

Newton wurde am 31. Oktober 1920 als Helmut Neustädter geboren. Sein Vater war Knopffabrik und Jude. 1938 flohen die Eltern nach Südamerika, er nach Australien. Er lernte Fotografieren, arbeitete für die „Vogue“ und wurde der begehrteste Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotograf der Welt. Die einen verehrten ihn, andere ergötzten sich an seinen offenherzigen Frauenporträts. Für Alice Schwarzer waren Newtons Arbeiten nur sexistisch.

 

 

Die Eröffnung seines Berliner Museums hat Newton nicht mehr erlebt. Wenige Monate davor starb er in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2004 nach einem Verkehrsunfall Cedars-Sinai Medical Center Los Angeles. Am 2. Juni 2004 wurde sein letzter Wunsch erfüllt. Seine Urne wurde in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße beigesetzt.

 

Helmut Newton wollte in Berlin kein „totes Museum“ sein, sondern eine „lebendige Institution“, offen für Fotografie und Fotografen. Er wusste um die Bedeutung von Kunstgewerbemuseum und Kunstbibliothek, die seit 1868 Fotografien als „lehrhafte Vorbilder“ erworben hatten und heute über eine Sammlung von rund 160.000 Aufnahmen verfügen. Er ahnte, dass mit der „Helmut Newton Stiftung“, der „Kunstbibliothek“ und „C/O Berlin“ am Zoo ein Kulturzentrum von Weltrang entstehen könnte. Davon „profitiert“ letztendlich auch der Friedhof Stubenrauchstraße, weil, wie tagtäglich bei den herumsuchenden Gästen aus aller Welt zu beobachten, der Besuch des Newton-Grabes zu ihrer Berlin-Visite gehört. Die Schöneberger Politiker scheint das alles nicht zu interessieren.

 

Anstatt kund zu tun, dass sich auf dem Friedhof Stubenrauchstraße auch das Grab des Fotopioniers Ottomar Anschütz (1846-1907) befindet, streichen sie Anschütz von der Ehrengräberliste, geben die Grabpflege auf und lassen die Grabstätte (Grablage 31/23-24) verfallen. In Erinnerung sei gerufen, dass Anschütz 1886 „Momentaufnahmen eines Fuchses“ gelangen, die ein Jahr später vom Kunstgewerbemuseum für die Ausbildung von Studierenden erworben wurden, seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galten, 2016 wiederentdeckt wurden und nun wieder zur Berliner Sammlung gehören.

 

In Erinnerung sei auch gerufen, dass Anschütz 1895 „die ersten Flugversuche von Otto Lilienthal auf dem Fliegeberg in Lichterfelde photographierte“, dass die Deutsche Post 2016 zum 125. Jahrestag des ersten Gleitflugs eine Sonderbriefmarke herausgab, auf der eben jene Fotos (zeitgemäß als Comics) abgebildet sind. Last but not least: In Erinnerung sei gerufen, dass Ottomar Anschütz in Friedenau lebte, in seiner Wohnung Wielandstraße Nr. 33 gestorben ist und von der Gemeinde Friedenau mit einem Ehrengrab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße bedacht wurde.

 

Bedauerlich, dass Friedenau und Schöneberg mit ihren Pfunden nicht wuchern!

 

 

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