Grabstätte Helmut Newton. Foto H&S, 2006

Helmut Newton (1920-2004)

 

Dieses Foto vom Grab Helmut Newtons hat Seltenheitswert, da nun ein gemeinsamer Grabstein für Herrn und Frau Newton geplant ist. Nach dem Tod der Fotografin June Newton geb. Browne alias Alice Springs am 9. April 2021 in Monte Carlo wurden ihre sterblichen Überreste am 6. Mai 2021 im Grab von Helmut Newton beigesetzt.

 

In Erinnerung sei gerufen, dass der Fotograf Helmut Newton in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2004 in Los Angeles verstorben war. Berlin, wo er 1920 als Helmut Neustaedter in der Innsbrucker Straße Nr. 24 geboren wurde, entschloss sich am 25. Mai 2004, ihm eine Ehrengrabstätte des Landes Berlin zu gewähren. Am 2. Juni 2004 wurde die Urne auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße (Grablage Abt. 34 Nr. 367) im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Witwe June Newton beigesetzt.

 

 

 

 

 

Kurz vor seinem Tod war Ende 2003 die Helmut Newton Stiftung gegründet worden – eine international arbeitenden Stiftung nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Zürich zur Wahrung, Schutz und Präsentation des fotografischen Werkes von Helmut und June Newton. Zuvor wurden der Stadt Berlin im Oktober 2003 über 1000 Fotopositive als kostenlose Dauerleihgabe übergeben. Auf die berechtigte Frage zum Verbleib der urheberrechtlich relevanten Fotonegative erwiderte Newton: Solange wir beide leben, bleiben die Negative bei uns, wir brauchen sie zum arbeiten. Wenn wir abgekratzt sind, geht alles nach Berlin. Eindeutig ist die Antwort nicht.

 

Berlin stellte das Gebäude des ehemaligen Landwehrkasinos in der Jebensstraße Nr. 2 dafür gern zur Verfügung. Nachdem vorab geklärt war, dass die Helmut Newton Stiftung sowohl die Kosten für den Um- und Ausbau als auch jene für den von Newton persönlich engagierten Kurator seiner Stiftung übernehmen wird, kam es zu einem Vertrag mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Stadt warf das ursprüngliche Konzept für ein eigenständiges Museum für Fotografie über den Haufen und stellte der Helmut Newton Stiftung dauerhaft Erdgeschoß und erstes Obergeschoß in Charlottenburg zur Verfügung.

 

Der neoklassizistische Bau wurde als Kasino des Offizierscorps der Landwehr-Inspektion Berlin von den Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke entworfen und 1909 eingeweiht – im Zentrum der 665 Quadratmeter große Kaisersaal im 2. Obergeschoß mit einer Deckenhöhe von 11,40 Meter. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde daraus im August 1921 das Neue Theater am Zoo mit 750 Plätzen. Das im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte Gebäude erhielt 1946 einen provisorischen Dachstuhl, dem das Tonnengewölbe des Kaisersaals geopfert wurde. 1950 erwarb Berlin das Haus und stellte es der Kunstbibliothek zur Verfügung. Das war sinnvoll, hatte doch das Kunstgewerbemuseum als Vorgängerin bereits ab 1868 Fotografien als lehrhafte Vorbilder erworben und inzwischen eine fotografische Sammlung von Weltrang versammelt.

 

Nach dem Tod ihres Ehemannes wollte June Newton nicht länger die Frau im Schatten sein. Sie wurde Präsidentin der Stiftung und sorgte am 3. Juni 2004 für die Eröffnung der Dauerpräsentation Helmut Newton. Kulturstaatsministerin Christina Weiss sprach von einem großen Tag für die Fotografie in Deutschland, mit dem ein Grundstein für ein national bedeutendes Zentrum für Fotografie gelegt wurde. Die Realität sah anders aus. Während die Helmut-Newton-Stiftung Erdgeschoß und erstes Obergeschoß bespielt, stand der eigenen Berliner Sammlung vier Jahre lang im 2. Obergeschoß nur die halbe Ruine des Kaisersaals mit ihren Backsteinmauern und offenem Dachstuhl zur Verfügung. Unter dem Deckmantel Museum für Fotografie wurde mit wechselnden Ausstellungen versucht, der Newton-Show etwas entgegenzusetzen. Erst 2008 wurde mit dem Ausbau im 2., 3. und im Dachgeschoss begonnen, so dass der Kaisersaal für die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek mit einer Nutzfläche von rund 900 Quadratmetern im Mai 2010 eröffnet werden konnte.

 

Die Versalien am Giebel gaukeln vor, was das Haus nicht ist, ein MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE. Helmut Newton wollte eine lebendige Institution, offen für Fotografie und Fotografen, kein totes Museum. In der Jebensstraße etablierten die Newtons allerdings ein Unternehmen, dessen Aufgabe es ist, Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten. Neben der Daueraustellung Helmut Newton's Private Property gibt es seit 2005 mit June’s Room Platz für die Fotos von Alice Springs. Demnächst kommen Retrospektiven zu den 100. Geburtstagen von Helmut Newton (2021/2022) und Alice Springs (2023). Auf dem internationalen Parkett scheinen die Fotobilder nicht mehr so gefragt zu sein, wenn der Stiftungsdirektor schon darauf hinweisen muss, dass wir eine große Helmut-Newton-Ausstellung ins polnische Torun verleihen, für die ich jüngst die Bildauswahl und das Vitrinen-Material zusammengestellt und den Leihvertrag auf den Weg gebracht habe. Nun entwickle ich einen Hängeplan und schreibe den Text für die begleitende Publikation. Dann begleite ich den Aufbau. Ganz vage wird eine internationale Ausstellungstour mit einer umfangreichen neuen Monografie angekündigt.

 

Die Fotos von Helmut Newton sind seit jeher umstritten: Zynisch, pornografisch, pervers, kommerziell, voyeurhaft, sexistisch wurden sie genannt. Neuerdings taucht dafür der diplomatische Begriff problematisch auf. Seine massenhaft geschossenen Nackerten langweilen auf Dauer. Das können auch die abgelichteten Berühmtheiten nicht verhindern. Viele Fotos bleiben auf dem Niveau bunter Blätter, die man durchblättert und schließlich wegwirft.

 

Nachdem auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters erkannte, dass die Nachlässe bedeutender Fotografen als bildhaftes Gedächtnis unserer Gesellschaft zu bewahren sind, werden die so vielfältigen Fotosammlungen von Kunstbibliothek, Berlinischer Galerie und Stiftung Stadtmuseum wieder in Erinnerung gerufen. Als Konsequenz müsste das Konzept für das Museum für Fotografie in der Jebensstraße überdacht werden.

 

Es ist an der Zeit, die Werke der Newtons zeitgeschichtlich und künstlerisch einzuordnen. Es gab vorher auch bedeutende Fotografen, deren Aufnahmen die Entwicklung der Fotografie dokumentieren, angefangen bei den Fuchs-Bildern (1887) und Fliegeberg-Fotos (1887) von Ottomar Anschütz. Berlin war Zentrum der fotografischen Avantgarde. Heinrich Zille, Lotte Jacobi, Paul Citroen, Erich Salomon, F. Albert Schwartz, Max Missmann, László Moholy-Nagy, Bernhard Larsson, um nur einige zu nennen, gehören dazu. Wo werden diese Porträt,- Architektur und Stadtaufnahmen präsentiert? Herausragende Werbe- und Modefotografie gab es auch, voran Yva (Else Ernestine Neuländer-Simon), Minya Diez-Dührkoop, Karl Ludwig Haenchen, Rolf-Werner Nehrdich, Lilli Niebuhr, Imre von Santho, Hedda Walther, Brigitte von Klitzing, Marta Astfalck-Vietz – bis hin zu Arno Fischer und Sibylle Bergemann.

 

Mit der Helmut Newton Stiftung bekam die Fotografie ein Forum. Nun muss sich Berlin aus der Umklammerung von Helmut und June Newton befreien.

 

Das Offizier-Versammlungshaus in Berlin

Centralblatt der Bauverwaltung, 29. Januar 1910

 

Das Offizier-Versammlungshaus in Berlin

Centralblatt der Bauverwaltung, 29. Januar 1910

 

Für gesellige und dienstliche Zwecke der kameradschaftlichen Vereinigung der Offiziere der Landwehrinspektion Berlin, die zur Zeit gegen 4000 Mitglieder umfasst, standen bisher Räume des Dienstgebäudes in der General-Pape-Straße in Schöneberg zur Verfügung. Die bisherigen Säle waren indes schon seit langer Zeit unzureichend. Der vollendete Neubau des Offizier-Versammlungshauses hat diesem stark gefühlten Mangel abgeholfen.

 

Das Baugrundstück (Abb. 1) liegt an einer von der Hardenbergstraße abzweigenden, am Bahnkörper der Stadtbahn entlang führenden Privatstraße, deren Verbindung mit dem östlich vom Bahnkörper liegenden Straßengelände durch einen Stadtbahnbogen gebildet wird. Es ist 2871 qm groß. Hiervon waren nach der baupolizeilichen Vorschrift bebaubar und sind tatsächlich bebaut 1835 qm. Mit dem an der Nordseite liegenden Nachbar, der Intendantur des dritten Armeekorps, wurde Hofgemeinschaft und ein beiderseitig 6 m breiter Bauwich vereinbart. An der Südseite ist eine derartige Vereinbarung nicht getroffen, vielmehr stößt hier der Neubau mit seinen Brandgiebeln an die Grenze des Nachbars, des Evangelischen Oberkirchenrats, der in nicht allzu ferner Zeit hier ein Dienstgebäude errichten wird.

 

Der Entwurf für den Neubau ist aus einem unter den dem Architektenstande angehörigen Mitgliedern des Offizierkorps veranstalteten Wettbewerbe hervorgegangen. Mit dem Bau konnte nach Über­windung vieler verwaltungstechnischer Schwierigkeiten am 14. Mai 1908 begonnen werden. Am 2. September 1909 wurde das fertige Gebäude in feierlicher Weise in Gegenwart des Kaisers seinem Zweck übergeben.

 

Den wichtigsten Teil des Hauses bildet der im zweiten Geschoß (Abb. 5) liegende große Kaisersaal mit seinen beiden Nebensälen. Diese drei. Säle stehen durch große Öffnungen miteinander in Verbindung und bilden ein gemeinsames, zu gleicher Zeit benutzbares Ganzes. Der große Saal hat 16,40 in Breite, 40,57 m Länge und im Scheitel der stichbogenförmig gestalteten Decke 11,40 m Höhe. An seinen beiden Längsseiten erweitert er sich zu galerieartigen Ausbauten (Abb. 11). Da er mit seiner Stirnseite an der Straßenfront liegt, mit der Rückseite an einem rückwärtigen Hofe, und da die beiden Galerien ebenfalls an zwei großen Höfen liegen, so ließ sich eine vorzügliche Tagesbeleuchtung erzielen. Die einfache Grundrißgestaltung der Saalanlage ist auch in den übrigen Geschossen ohne weiteres .erkennbar. Sie führte aber in statischer, architektonischer und auch in sonstiger bautechnischer Hinsicht mancherlei schwierige Lösungen mit sich. Die Treppenanlagen und Ausgänge entsprechen den für derartige Saalbauten erlassenen polizeilichen Bestimmungen und nehmen deshalb naturgemäß einen großen Raum im Grundrißbilde (Abb. 6) ein: Außer einer vom Erdgeschoß bis in das zweite Obergeschoß (Saalgeschoß) führenden Haupttreppenanlage sind noch vier notwendige Treppen angelegt worden. Die Haupttreppe, von einem breiten Mittellauf dreiarmig ausgehend, gabelt sich in zwei gesonderte Treppenhäuser, die zu den beiden Längsseiten des Kaisersaales und zu dessen an der Straßenfront angeordneten Nebensälen emporführen, Die vier Nebentreppen sind über den Grundriß zweckmäßig, annähernd symmetrisch, verteilt.

 

Das Haus besitzt außer dem Kellergeschoß (Abb. 8) und dem Dachgeschoß vier Stockwerke. Im Erdgeschoß (Abb. 6) befindet sich die Haupteintrittshalle, eine große öffentliche Wirtschaft mit Nebenräumen, die als Vereins- und Versammlungszimmer dienen, die Bureauräume und die Pförtnerwohnung. Im ersten Obergeschoß (Abb. 4) ist in Verbindung mit der Haupttreppenanlage eine sehr stattliche, langgestreckte Hauptkleiderablage untergebracht, ferner die zweite Hauptraumgruppe des Hauses, ein kleiner, auch für Privatgesellschaften bestimmter Festsaal mit daranschließendem Empfangssaal und Klubzimmer. Das zweite Obergeschoß (Abb. 5) enthält die bereits erwähnte große Saalanlage; im dritten Obergeschoß (Abb. 3) sind die Wohnung für den Hausinspektor, ein Fechtsaal und weitere Wohnräumlichkeiten angeordnet. Der große Saal reicht in dieses Geschoß hinein. Das Dachgeschoß ist für Wohnungen von Bediensteten, Ankleideräume für den Fechtsaal und Geräteräume ausgenutzt. Im Kellergeschoß (Abb. 8) befinden sich außer den Räumen für die Zentralheizung vier Kegelbahnen, ein Schießstand, Weinkellereien und Räume für. elektrische Maschinen nebst Sammlerbatterie.

 

Für die bei derartigen Versammlungshäusern besonders wichtigen Küchen- und sonstigen Wirtschaftsräume ist ein an der Rückseite des Grundstücks liegender Flügel vollständig vom Keller bis zum Dachboden ausgenutzt. Er enthält in den drei Hauptgeschossen übereinanderliegend drei große Küchen mit Nebenräumen, im Kellergeschoß die Kühlräume, im dritten Obergeschoß und dem Dachgeschoß Aufbewahrungsräume und Wohnungen für Bedienstete. Ein großer Lastenaufzug und vier Speisenaufzüge vermitteln außer einer Nebentreppe die Verbindung zwischen den Geschossen und ermöglichen die gleichzeitig Benutzung sämtlicher drei Küchen für eine Gesellschaft. Die Küchen können aber auch jede allein für die Sonderzwecke jedes Geschosses in Betrieb genommen werden. – Sie sind mit allen neueren maschinellen Vorkehrungen versehen, die zur Vorbereitung und Zubereitung der Speisen und zur Reinigung der Geschirre erforderlich sind. Der Betrieb der Küchen wird wesentlich entlastet durch mehrere in den Geschossen verteilte Wärmeküchen, von denen aus bei großen Festveranstaltungen frühzeitig vorbereitete Speisen aufgetragen werden können. Außer der nötigen Anzahl von Aborten und Waschräumen in allen Geschossen und den sonstigen Nebenanlagen ist auch ein Personenaufzug im Vordergebäude vorhanden, Die Einrichtungen im Hause mußten so getroffen werden, daß bei großen Veranstaltungen sämtliche Räume des Hauses für einen einheitlichen Zweck benutzt werden können, daß aber auch die einzelnen Stockwerke und in diesen wieder die einzelnen Räume für sich und für verschiedene Zwecke verfügbar sind. Hierin lag eine besondere Schwierigkeit der zu lösenden Bauaufgabe. Großer Wert wurde mit Rücksicht auf die im Hause stattfindenden großen Versammlungen und Feste auf eine nicht nur auskömmliche, sondern auch architektonisch wirkungsvolle Anlage der Eintrittshalle, Haupttreppe und Kleiderablage gelegt.

 

Bei dem Aufbau und der architektonischen Ausgestaltung des Gebäudes mußte mit der äußerst knappen Bausumme von einer Million Mark gerechnet werden, so daß sich für die Einheit des um­bauten Raumes noch nicht 19 Mark ergaben. Sparsames Wirtschaften war deshalb geboten und in architektonischer Ausbildung und Verwendung wertvoller Baustoffe mußten sich die Architekten eine große Zurückhaltung auferlegen. Der Bau hat dementsprechend ein von jedem Prunk freies, soldatisch einfaches Gepräge erhalten, das sich im Äußeren an die antike Formensprache anlehnt (Abb. 9), die zur Zeit der Gründung der Landwehrformationen auf altpreußischem Boden gepflegt wurde. Auch im Inneren herrscht das Strenge und Schlichte vor. Nur bei den Räumen, die die Hauptaufmerksamkeit in Anspruch nehmen, dem Kaisersaal und dem kleinen Festsaal, ist eine bis zu prächtiger Wirkung gesteigerte Wand- und Deckenmalerei zur Ausführung gelangt, die in verschiedenen Techniken hergestellt wurde (Abb. 11 u. 12). Der Kaisersaal hat eine Ausbildung in Anlehnung an das Antik-Dorische erhalten. Die flachgewölbte Decke ist in doppelte, quadratische, schablonierte Kassetten geteilt. Die Gliederung der Saalwände ist, ebenso wie diejenige der Decke, einfach und mit Rücksicht auf die Schablonentechnik der Malerei flach. Die körperliche Architektur an den Galerien wird durch Reliefs in den Brüstungen noch besonders betont. Die Wände sind hell gehal­ten, die Deckenbemalung wirkt goldig durch fein abgestimmte Verwendung von Weiß, Gelb, Rot und Schwarz, Das Holzpaneel und die Türen sind deckend in Gelb gestrichen mit ornamentaler schwarzer Malerei.

 

Der im Garderobengeschoß gelegene Festsaal hat bei einer Fläche von über 300 qm nur 4,50 m lichte Höhe. Er wird deshalb durch die aus konstruktiven Gründen notwendigen Stützenstellungen günstig beeinflußt Seine Deckenfläche ist der geringen Saalhöhe wegen in viele kleine Teile rhythmisch zerlegt und maßstäblich klein freihändig bemalt worden. Ein leuchtend rotes Stukkolustropaneel steht hier gegen ganz helle Wand- und Deckentöne, auf denen die groteske Malerei mit dunklen Bildeinlagen sich in reichem Wechsel abhebt.

 

Neben und mit der Malerei ist aber auch bildnerischer Schmuck im Hause zur Geltung gekommen. Die schon erwähnten Reliefs an den Brüstungen der Galerien des Kaisersaales sind Teile vom Parthenon-fries, von dem ein großer Teil im Abguß durch Stiftung in den Besitz der Vereinigung gelangt ist. Die Hauptteile dieses Frieses sind in der großen, gleichzeitig als Wandelhalle dienenden Kleiderablage als Wandschmuck eingelassen worden, Die dekorative Ausgestaltung der Haupteintrittshalle und des Haupttreppenhauses ist wieder durch Malerei zu eigenartig frischer Wirkung herausgebildet worden. Besonders in der Eintrittshalle ist die Verbindung der Malerei mit Stukkolustrobekleidung der Wände hervorzuheben. Die Wandflächen sind von einem dorischen Fries gekrönt und durch liniierte Pilaster geteilt, deren Farben vom Maler aufgetragen und dann eingebügelt worden sind. Die gleiche, schon in der Antike geübte Technik ist auch bei dem vorerwähnten Paneel des Hochzeitsaales (Festsaal im ersten Obergeschoß) durchgeführt worden. Auch in den Treppenhäusern ist Stukkolustro zur Anwendung gelangt Das große Treppenhaus {Abb. 7 u. 10) erhielt seinen Hauptschmuck durch fünf überlebensgroße gemalte Kriegerfiguren, die die geschichtliche Entwicklung der Landwehr mit den ihr verliehenen bzw. von ihr erbeuteten Fahnen versinnbildlichen. Die dekorative Ausmalung fast aller bedeutenden-Räume stammt vom Maler Kutschmann.

 

In technischer Beziehung bietet der Neubau mancherlei Beachtenswertes. Zunächst mußte zur Ausführung der Grundmauern der Grundwasserspiegel gesenkt werden, da der Fußboden des Keller­geschosses unterhalb des Grundwasserstandes liegt, und zwar zum Teil sehr erheblich, namentlich in dem mittleren Teil, wo sich die Kegelbahnen und der Schießstand befinden, und ganz besonders an der Stelle des tiefliegenden Kesselraums. Das Grundwasser ist wie beim Bau der Untergrundbahn gesenkt worden, und zwar durch Auspumpen mittels Kreiselpumpe. Das Abdichten der Kellersohle und der unterhalb des höchsten Grundwasserspiegels liegenden Umfassungsmauern gegen das Grundwasser ist durch eine aus drei Lagen bestehende, gut verklebte Ruberoidpappenschicht bewirkt worden, Dem starken Auftriebe des Grundwassers mußte durch die Anordnung von umgekehrten Gewölben und starken Betonplatten entgegen gearbeitet werden. Durch diese Maßregeln ist eine vollständige Dichtigkeit erreicht worden.

 

Die Unterbringung der großen Räume bedingte zur Erzielung möglichst großer lichter Höhen tunlichst geringe Deckenstärken. Es sind daher breitflanschige (Differdinger) Träger verwendet worden. Die 13 m betragende Spannweite des Restaurationsraumes und des kleinen Festsaals wurde durch Anordnung von Stützen mit darüber gelegten Unterzügen eingeschränkt, und zwar zum Vorteil der Raumwirkung: Die Decke des großen Saales ist flachbogig in Drahtputz hergestellt und hängt an den eisernen Dachbindern. Zum Schutze gegen Wärmeverluste erhielt sie eine 5 cm starke Korkschrotüberdeckung mit Zementmörtelabgleichung. Das Haus wird durch eine Niederdruckdampfheizung von Rietschel u. Henneberg erwärmt. Der Dampf wird in drei schmiedeeisernen Kesseln zu je 87 qm Heizfläche erzeugt und gelangt durch ein unter der Kellerdecke angeordnetes Rohrnetz in die senkfechten Leitungen, die sich in jedem Geschoß verzweigen und zu glatten Radiatoren führen, die in allen besseren Räumen mit Metall oder Holz verkleidet sind. Auf eine ausreichende wirksame Lüftungsanlage mußte naturgemäß ein großer Wert gelegt werden. Vier im Kellergeschoß angeordnete Heizkammern dienen zur Vorwärmung der dem nördlichen Hof entnommenen frischen Luft, welche in die einzelnen Räume gedrückt wird. Der große Festsaal kann stündlich mit 20 000 cbm frischer, vorgewärmter Luft versorgt werden. Die verbrauchte Luft aus den Kleiderablagen, Küchen und Aborten wird durch unmittelbar gekuppelte Schraubenlüfter abgesaugt und über Dach befördert. Hierdurch wird bewirkt, daß in den betreffenden Räumen stets ein Luftunterdruck vorhanden ist, um ein Überströmen der Luft aus diesen Räumen in die um­gebenden Räume zu verhüten. Für die ganze Heizungs- und Lüftungsanlage sind genau wirkende Fernmeßanlagen vorhanden. Für die Beleuchtung des Hauses ist durchweg elektrischer Strom vorgesehen, der teils unmittelbar als Drehstrom aus dem Niederspannungsnetz vom Charlottenburger Elektrizitätswerk entnommen, teils aus dem Hochspannungsnetz bezogen, in Gleichstrom umgeformt und auf eine Sammlerbatterie geladen wird.

 

Auf Anregung des Kaisers ist der große Saal in gleicher Weise, wie es bei dem Weißen Saal im Königlichen Schloß in Berlin geschehen ist, mit einer über dem Hauptgesims liegenden Röhrenlampenanlage versehen. Diese mittelbare Beleuchtung wird wirksam unterstützt durch die Wandbeleuchtungen an den Pfeilern des Saales. Die mittelbare Beleuchtung hat eine künstlerisch nicht unwichtige Wirkung darin, daß sie die Decke dämmernd bestrahlt und sie in eine unbestimmbare Höhe zu heben scheint Dadurch wird der freiräumige Eindruck wesentlich gesteigert. Gas dient nur den Zwecken einer Notbeleuchtung.

 

Die Schallübertragung in den Kegelbahnen und dem Schießstand ist in erster Linie durch eine unter der tragenden Decke aufgehängte zweite Decke verhütet worden. Der 60 cm hohe Zwischenraum ist vorteilhaft zur Unterbringung der Lüftungsrohre sowie der Rohrleitungen für Heizung usw. verwendet Um das Poltern der Kegelkugeln und der Kegel zu mildern, wurden die Kegelbohlen auf schalldämpfender Isolierung verlegt. Vor allen Dingen aber wurde das Lager der Bahnen aus porigem Schlackenbeton hergestellt und außerdem in einzelne, nicht in Verbindung stehende Teile zerlegt Die auf dem porigen Schlackenbeton liegende obere Estrichschicht reicht nicht bis an die Wände heran. Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Teilen des Unterbetons wurden mit Koksasche ausgefüllt Der Schießstand erhielt eine Isolierung der Wände und der Decke mittels Korkplatten, die auf Latten befestigt sind und zwischen dem Mauerwerk eine Luftschicht frei lassen. Der Fußboden des Schießstandes selbst wurde mit einer Sandlage bedeckt.

 

Die Bauausführung beanspruchte 15 Monate vom ersten Spatenstich bis zur Gebrauchsabnahme. Die Baukosten haben 1.000.000 Mark betragen oder für 1 cbm umbauten Raumes rd. 18,5 Mark.