Grabstätte Gustav und Auguste Haustein. Foto Hahn & Stich, 2010

Gustav Haustein (1826-1918)

 

Gustav Theodor Carl Haustein wurde am 21. Oktober 1829 zu Sagan in Schlesien geboren, erlernte das Schneidern, zog nach Berlin und hatte ab 1860 eine Werkstatt als Schneider für Herren in der Krausenstraße. Nach einer Zwischenstation in der Kommandantenstraße war 1870 in der Friedrichstraße angekommen: G. Haustein, Schneider für Herren & Inhaber eines Herren-Garderobe-Geschäft, das um ein Lager für in- und ausländische Stoffe erweitert wurde. Drei Jahre vor der eigentlichen Gründung von Friedenau erwarb er 1871 vom Landerwerb- und Bauverein Bauland. 1872 war sein Landhaus in der Ahornstraße (der heutigen Moselstraße) errichtet, das die Familie nur zeitweilig nutzte. 1891 gab er die Wohnung in der Oranienstraße auf, übergab Gustav jun. Das Geschäft und zog mit Familie in seine 1877 errichtete Villa Ringstraße. Nr. 41 (heute Dickhardtstraße).

 

Gustav Haustein müsste um 1850 die am 5. Februar 1824 geborene Auguste Wilhelmine Pauline Lehmann geheiratet haben. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Gustav Junior, Tochter Adelheid Auguste Marie (1857-1922), genannt Ada, die nach der Heirat mit dem Violinisten der Königlichen Hofkapelle Berlin Felix Meyer (1847-1914) mit in die Villa Ringstraße zog, und schließlich Oscar Haustein (1866-1920), der Architekt des vornehmen Friedenauer Mietwohnungsbaus der Jahre 1895 bis 1910.

 

 

 

 

 

 

Zum 20. Oktober 1909 erschien im Friedenauer Lokal-Anzeiger ein Artikel zum 83. Geburtstag von Gustav Haustein: Die Last der Jahre ist anscheinend an ihm spurlos vorübergegangen, denn wer ihn sieht, hält ihn für einen rüstigen Fünfziger. So wohl und munter und so flott auf den Beinen ist selten einer in diesem Alter. Im Jahr November 1898 wurde ihm die liebe Gattin durch den Tod entrissen. Als im Jahre 1902 die Villa Ringstraße, die bis dahin seine Wohnung war, abgerissen wurde, um einem Mietshause Platz zu machen, zog Herr Haustein nach seinem Hause in der Fregestraße Nr. 15, wurde also Schöneberger Bürger. Sein Sinn stand aber und steht auch heute noch nach Friedenau. Er ist Mitglied zahlreicher hiesiger Vereine. Überall weiß man seinen Rat zu schätzen. Bewunderungswert ist vor allem seine geistige Frische und körperliche Rüstigkeit. So ist er noch heute ein flotter Tänzer, bis 1896 war er auch aktiver Turner. Im vorigen Jahr wagte er noch eine Reise nach Ägypten. In diesem Jahr war er zuerst in Italien und im Sommer in Norwegen und Schweden. Eine derartige Lebenslust und Rüstigkeit setzt in Erstaunen.

 

Beides brauchte er. Sein Sohn Oscar hatte es inzwischen zum Zimmermeister gebracht, war Eigentümer des Acht-Parteien-Hauses Hauffstraße Nr. 18. Für das viergeschossige Mietwohnhaus Ringstraße Nr. 7-8 Ecke Moselstraße Nr. 7-8 zeichnete er 1895 für Entwurf und Bauherr verantwortlich. Das alles ging sicher nicht ohne den Vater. Schon im Februar 1895 verkündeten Oscar Haustein und Marie geb. Marx ihre Vermählung. Im September 1896 wurde Tochter Anna geboren. Eine gesunde kräftige Amme kann sich melden bei Haustein, Hauffstraße Nr. 18.

 

Am 29. April 1896 stand beim Königl. Amtsgericht II Berlin das Grundstück zu Friedenau, Friedrich-Wilhelm-Platz 2, Ecke Wilhelmstraße, belegen, dem Kaufmann Fritz Pax gehörig, zur Zwangsversteigerung.. Flächenraum 10,18 Ar. Nutzungswerth 11800 M. Meistbietende blieben der Rentier Gustav Haustein und der Architekt Oskar Haustein, beide zu Friedenau, mit dem Gebot von 141430 M. Erst am 16. Dezember 1896 fiel der Friedenauer Verwaltung auf, dass sie an Pax seiner Zeit vor den Grundstücken Friedrich-Wilhelm-Platz 2 und 3 eine Parzelle von 11 Ruthen Straßenland für den Preis von 1641 M. verkauft habe. Infolge Beschlagnahme der Mieten für Steuern schulde nun Pax der Gemeinde für das Straßenland noch 777,89 M. Die Verwaltung hat dem gegenwärtigen Besitzer, Herrn Haustein, angeboten, diese Parzelle für den Restbetrag aufzulassen, was Herr Haustein ablehnte. Die Gemeindevertreter erklärten nun, die Sache eventuell auf gerichtlichem Wege mit Pax, wenn derselbe auch nicht aufzufinden sei, zu erledigen und dann das Straßenland wieder in Besitz zu nehmen, da die Parzelle als zugehörig zu den Grundstücken Friedrich-Wilhelm-Platz 2 und 3 zu den Grundbuchakten nicht zugeschrieben und daher außer der Subhastation geblieben sei. Es wurde empfohlen, die Parzelle für die Gemeinde später einzuzäunen. Nicht zu recherchieren war, wie die Sache ausgegangen ist.

 

Vater Haustein, wie er genannt wurde, verstarb am 9. Juli 1918 im 92. Lebensjahr. Tage später ist er auf dem Friedhof Stubenrauchstraße zur letzten Ruhe gebettet worden – unter zahlreichem Trauergeleit. Neben seinen Kindern und Enkeln hatten sich Gemeindevertreter Haus- und Grundbesitzer-Verein, Männer-Turnverein, Vorstand der Friedenauer Spar-und Darlehnskasse und die Loge Friedrich Leopold zum Friedensbund versammelt. Gustav Haustein war Freimaurer und gehörte zu jenem Bund, nach deren Überzeugung nur die ständige Arbeit an sich selbst zu Selbsterkenntnis und einem menschlicheren Verhalten führt. Markantes Symbol der Freimaurer sind Winkelmaß und Zirkel. Sie sind auf dem erhaltenen Wandgrab in der Abteilung 12 Nr. 16+17 noch gut zu erkennen.

 

Gustav Haustein hatte alles geregelt. Sein ältester Sohn Gustav Junior hatte den Besitz in Berlin erhalten, Oskar übernahm nach dem Tod des Vaters das Haus am Friedrich-Wilhelm-Platz und die Villa in der Fregestraße ging an die Hausteinschen Erben.