Auf dem Situationsplan von dem Wilmersdorfer Oberfeld ist von 1872 bis 1875 eine Ahornstraße eingetragen. Nachdem die Grenzen zwischen den Gemarkungen Schöneberg und Friedenau neu bestimmt wurden, gab die Gemeindevertretung der Straße am 22. Oktober 1875 den Namen Moselstraße – als Erinnerung an den Friede von Frankfurt von 1871, an dem Elsass und Lothringen dem Deutschen Reich angegliedert wurden.

 

Moselstraße Nr.1-2. H&S 2017

Moselstraße Nr. 1 & 2

Ecke Saarstraße Nr. 21

Baudenkmal Mietswohnhaus

Ausführung Baugeschäft Otto Hausherr

Bauherr Friedrich Nitze

1903-1904

 

Der Baumeister Otto Hausherr hat in Friedenau, Steglitz und Zehlendorf eine ganze Reihe von ansehnlichen Wohnhäusern geschaffen, darunter Saarstraße Nr. 21 (1904), Muthesiusstraße Nr. 12 (1904), Schöneberger Straße Nr. 14 (1906), Humboldtstraße Nr. 34 (1908). Außergewöhnlich aber ist das viergeschossige Haus an der Ecke Mosel- und Saarstraße.

 

 

 

 

In der Topographie Friedenau (2000) heißt es dazu: Der ausgezeichnet gestaltete Jugendstilbau erhebt sich - wie die anderen älteren Bauten am halbrunden Platz - auf einem keilförmigen Grundstück. Der Kopfbau zeigt in jedem Geschoss zwei große, tiefe Loggien nebeneinander, so dass die nebeneinander liegenden Wohnungen im Kopfbau des Hauses sich jeweils mit einer Loggia zum Platz öffnen. Die beiden Seitenfassaden an der Mosel- und der Saarstraße sind symmetrisch und identisch aufgebaut. Die Mittelachse der beiden Seitenfassaden wird jeweils durch einen Wellengiebel mit Atelierfenster betont, beiderseits der Mittelachse springen Standerker vor. Das Haus zeigt reichen floralen Jugendstildekor an den Fenstern, Erkern und Balkons (Rankenwerk, Frauenköpfe, Drachen und anderes). In der Mittelachse der Fassade an der Moselstraße befindet sich der Hauseingang mit einer schmiedeeisernen Haustür, dahinter öffnet sich ein Entree mit Jugendstil-Fliesen an den Wänden und auf dem Boden, durch das man den Innenhof betritt und schließlich das Treppenhaus an der Saarstraße erreicht. Beide Flügel des Hauses werden also nur durch den Hauseingang an der Moselstraße erschlossen. Das Haus ist im Schweifgiebel des Kopfbaus inschriftlich datiert: Anno 1904. Auf dem Dachpavillon des Giebels erhebt sich ein Dachreiter.

 

Das Grundstück war 1874 im Besitz des Berliner Kaufmanns Arndt. In den Jahren danach folgten häufige Eigentümerwechsel – meist aber Im Zusammenhang mit Maurermeistern aufgeführt. Los ging es mit dem Haus Moselstraße Nr.1-2 im Jahr 1905. In die Läden im Erdgeschoss zogen ein die Gemüsehandlung Heinze und die Bäckerei Emil Laurisch, die sich ab 1908 Konditorei und Café Laurisch nannte und zur Weihnachtszeit mit „feinstem Dresdener Christstollen, Hongkuchen, Blechkuchen und Altdeutschen Napfkuchen in bestbekannter Güte empfiehlt“. Am 22. April 1905 eröffnete Weinhändler Waldemar Reuter unter dem vielsagenden Titel „Vereinigte Firmen J. P. Trarbach Nachf. und Bordeaux-Import-Gesellschaft Berlin-Trier-Kreuznach-Oestrich-Bordeaux Weinbau und Großhandel“ die Weinstuben an der Kaisereiche. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Namen der Pächter geändert, Café Laurisch (1920), Café Mattheß (1927), Café Dietrich (1939), im Prinzip aber hat die gastronomische Nutzung an der Ecke Mosel- und Saarstraße bis heute Bestand.

 

Moselstraße Nr. 3

Mietswohnhaus

Architekt unbekannt

Bauherr H. Schmuckler

1905-1908

 

Das Photographisches Atelier H. Schmuckler wurde 1868 gegründet, hatte seinen Sitz zuerst in der Linienstraße, später in der Prenzlauer Straße und schließlich in der Königsstraße 52 vis á vis d. Rathhause. 1884 erwarb Schmuckler das Grundstück Moselstraße Nr. 2 und baute eine Villa, in der neben dem Atelier zwei Mieter verzeichnet sind. Nach 1905 entstand auf dem Grundstück Nr. 3 ein mehrstöckiges Mietswohnhaus mit Erkern, Loggien und einem Ladengeschäft im Erdgeschoss. 1910 sind neben dem Photographischen Atelier zehn Mieter eingetragen. Das Haus bleibt über Ersten Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise und Zweiten Weltkrieg mindestens bis 1943 im Eigentum der Familie Schmuckler.

 

Kollegium 1908, oben 7. von li Henriette, unten 4. von li Melida Roenneberg

Moselstraße Nr. 5

Baudenkmal Mietshaus & Schule

Entwurf Architekt Ernst Kreuschmer

Bauherr Familie Roenneberg

1898

 

Über dem Tor zur Durchfahrt erhebt sich noch heute wohlerhalten das leere eiserne Gerüst, das ehemals das Schild Roennebergschule trug. Das behaupten jedenfalls die Berliner Denkmalschützer in der Dokumentation Topographie Friedenau, 2000. Zweifel zu diesem kunstgewerblich anmutenden Werk sind angebracht, weil sich auf allen verfügbaren historischen Aufnahmen ein zweizeiliges Schild Roennebergsche Höhere Mädchenschule an der Hausfassade unterhalb des Mansardenfensters auszumachen ist. Schwamm drüber.

 

 

 

 

Das heute unter Denkmalschutz stehende viergeschossige Mietswohnhaus in der Moselstraße Nr. 5 hat mit der ehemaligen Mädchenschule eigentlich wenig zu tun. Dieses Haus gehört bereits zur zweiten Bebauung von Friedenau und ist 1898 nach Plänen des Architekten Kreuschmer entstanden – mit einem weit in die Tiefe des Grundstücks errichteten Seitenflügel. 1910 waren als Eigentümer Frl. Franziska Roenneberg, Frl. Henriette Roenneberg und Frl. Melida Roenneberg eingetragen. Die Wohnungen waren vermietet an zwei Kaufleute, zwei Vertreter, Postsekretär, Geheimer Kanzleisekretär, Arzt und Lehrerin.

 

Das Mietswohnhaus entstand auf einem Grundstück, das sich bereits vor Gründung von Friedenau im Besitz von Georg (1834-1895) und Edmund Roenneberg (1837-1888) befand – damals noch unter dem Namen Ahornstraße. Auf dem Situationsplan von dem Wilmersdorfer Oberfeld, vervollständigt am 25. Juli 1874, ist bereits ein Bebauungsplan mit 13 Grundstücken eingezeichnet, darunter Nr. 5, bebaut mit einem zweistöckigen geputzten Landhaus.

 

Dort eröffneten die Schwestern Melida (1848-1926) als Schulvorsteherin und Musiklehrerin Henriette Roenneberg (1849-1915) am 13. Oktober 1873 eine Volksschule, die ab 1897 als Roennebergsche Höhere Töchterschule firmierte und 1912 nach dem Ausscheiden von Fräulein Melida Roenneberg wegen vorgerückten Alters in ein Lyzeum unter der neuen Schuldirektorin E. Rudel umgewandelt wurde – mit Unterricht nach dem Lehrplan des Lyzeums und akademischen Lehrkräften. Es kann kaum davon ausgegangen werden, dass das Landhaus zwischen 1873 und 1896 auch nur einigermaßen Anforderungen an einen Schulbetrieb mit 130 Schülern erfüllte – mit drei Klassenräumen im zweiten Stockwerk und Turnunterricht im Keller. Dazu kam, dass Georg Roenneberg 1875 zum ersten Gemeindevorsteher der Landhauskolonie Friedenau gewählt wurde und die Amtsstube der Gemeindeverwaltung kurzerhand noch bis 1893 in der Moselstraße Nr. 5 unterbrachte.

 

Nach Fertigstellung des viergeschossigen Mietswohnhauses wurde der Schulbetrieb im Seitenflügel weitergeführt. Der Zugang erfolgte offensichtlich über den neben dem Hauseingang angeordneten Durchgang. Mit dem Werden von Friedenau haben sich die Schulverhältnisse wesentlich verändert: 1875 Gemeindeschule Albestraße, 1882 Schule von Dr. Lorenz Schmargendorfer Straße, 1897 Gymnasium Maybachplatz, 1906 Rheingauschule, 1907 Königin-Luise-Schule, 1914 Doppelschule Offenbacher Straße. Das Ende der Roennebergschen Höheren Mädchenschule war abzusehen. Geblieben ist das Kreuschmer-Haus von 1898 mit der asymmetrisch aufgebauten Fassade, eine Mischung aus Putzquaderung und Sichtziegelmauerwerk mit Erkern und Balkonen und einem inzwischen ausgebauten Dachgeschoss.

 

Keine Frage – mit einer Wohnung in solider, für viele Generationen erbauter Architektur, mit majestätisch hohen, stuckverzierten Decken, Parkett- oder Dielenböden sowie stattlichen Doppelflügeltüren werden Sie immer begeisterte Mieter finden. Also – großzügige Etagenwohnung mit guter Rendite, 103 m², 4.750 €/m², für 490.295 € zuzüglich einer vom Käufer zu zahlenden Provision i.H.v. 5,95 % inkl. Mwst.

 

Moselstraße Nr. 7-8

 

 

 

In Vorbereitung

Moselstraße Nr. 11. H&S 2019

Moselstraße Nr. 11

 

 

 

In Vorbereitung

Moselstraße Nr. 12. H&S 2017

Moselstraße Nr. 12

 

Dieses Mietwohnhaus ist ein herausragendes Zeugnis der ersten Bebauungsphase von Friedenau unmittelbar nach seiner Gründung 1871. So steht es in der Denkmaltopographie Friedenau aus dem Jahr 2000. Auf den Punkt gebracht: Das Haus entstand 1876/77 und ist damit das älteste noch erhaltene Haus in Friedenau.

 

Es erhebt sich auf einem hohen Souterrain und zeigt eine fünf- beziehungsweise sechsachsige Straßenfassade mit klassizistischer Gliederung und Dekoration: einen Mittelrisalit mit Veranda und Quergiebel, dazu Fenstergewände mit gerader Verdachung und einen Rosettenfries unter dem Traufgesims mit Konsolen. Der Grundriss mit einer Fläche von 11,5 x 15,5 Metern wird durch eine Mittelmauer geteilt und zeigt zwei Wohnungen pro Geschoss. Der Grundriss wie auch die Fassadengliederung sind dem Villenbau entnommen, aber dem Mietwohnungsbau ausgezeichnet angepasst worden.

 

Da uns in den vergangenen Monaten einige Klagen über den erbärmlichen Zustand erreichten, machten wir Landesdenkmalamt und Bezirksamt darauf aufmerksam.

 

 

 

 

Am 2. März 2022 erhielten wir eine E-Mail von der Unteren Denkmalschutzbehörde Tempelhof-Schöneberg, in der uns Bekanntes mitgeteilt wurde: Das Gebäude in der Moselstr. 12 in Berlin-Friedenau unterliegt als Baudenkmal dem Schutz des Gesetzes von Denkmalen in Berlin vom 24.04.1995 (DSchG Bln) und ist nachrichtlich wie folgt in die Berliner Denkmalliste eingetragen: 09066751 Moselstraße 12, Mietshaus, 1876-1877 (TEM-SCH/FRIED-D). Wesentlich aber war: Ihren Hinweis zu dem Zustand des o.g. Baudenkmals gehen wir gerne nach und werden uns kurzfristig ein Bild von dem Zustand des Gebäudes und ggf. der erforderlichen Sicherungsmaßnahmen machen. Einer Besichtigung und visuelle Begutachtung des Gebäudes sehen wir kurzfristig entgegen.

 

Erstaunlich ist, dass nun ausgerechnet jener Unteren Denkmalschutzbehörde die Prüfung überlassen wird, die 2019 die Denkmalwürdigkeit des Anwesens Görresstraße 21/23 nicht erkannt und der Bauwert AG schon fast den Abriss genehmigt und einem Neubau zugestimmt hatte – bis das Landesdenkmalamt Einhalt gebot.

 

Gegen diese Spekulanten versuchte schon, die Gemeinde Friedenau vorzugehen, als es um die Pflasterung der Straßen ging. Nach einem Bericht des Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 11. November 1899 wurde festgestellt, dass die meisten Besitzer von Grundstücken in Berlin oder sonst wo wohnen, und die Baustellen zu Spekulationszwecken gekauft haben. Würde die Straße von der Gemeinde gepflastert werden, so verkaufen sie ihre Terrains mit einem erheblichen Gewinn. Einstimmig wurde dann der Beschluß gefasst, erst die Straßen im alten Teil von Friedenau zu pflastern.

 

Das Grundstück Ahornstraße Nr. 12, ab 1875 Moselstraße Nr. 12, hatte der Kaufmann Carl August Dittmann 1873 vom Land- .und Bauerwerb auf Actien erworben. Spekulation ist ihm nicht vorzuwerfen, da er das Haus über drei Jahrzehnte lang selbst nutzte. Im Adressbuch ist 1874 ein Rohbau eingetragen. Nach zwei Jahren ist das Haus von einem bisher unbekannten Baumeister errichtet. Eingezogen ist als Eigentümer der Materialwarenhändler und Porzellan-Kitter Dittmann. Zu den Mietern der ersten Jahre gehörten der Pensionär Fr. Ignatius (I.), der Hutmacher C. Rödel (I.), der Maurer  E. Fuhrmann (II.), der Tischler W. Wille (II.), der Zimmermann August Sauermann (II.).

 

Der aus Schlesien stammende Hufnagelschmied Carl August Dittmann hatte das Porzellanbrennen gelernt und 1838 in Berlin eine Porzellan-Brennerei eröffnet. Laut Adressbuch von 1860 befand sich die Kitt- und Brennanstalt in der Behrenstraße Nr.1a. Berichtet wurde, dass das preußische Königshaus bester Kunde war, da laufend waschkörbeweise zerbrochenes Porzellan zum Kitten geleifert wurde.

 

1892 steigt Dittmanns Sohn Paul, ein gelernter Drechsler, in die Kitt- und Brennanstalt ein. Als Firmensitze werden genannt Berlin, Breite Straße Nr. 30, und Friedenau, Moselstraße Nr. 12. Laut Friedenauer Lokal-Anzeiger vom 3. März 1902 feierte Herr August Dittmann, Besitzer einer Kitt-, Brenn- und Schleifanstalt in Berlin, Wilhelmstraße 122a, sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Derselbe hat die hohe Ehre, seit dem Jahre 1883 für Kaiser Wilhelm I. und unseren jetzigen Kaiser sowie mehrere fürstliche Hoheiten zu arbeiten. 1903 verkaufen die Dittmanns das Anwesen Moselstraße Nr. 5 an der Malermeister H. Schölzel. Damit endet die Friedenauer Geschichte der Porzellankitter. Bis 1945 folgen drei Eigentümer.