Als Stadtentwickler Johann Anton Wilhelm Carstenn 1874 den Bebauungsplan für Friedenau veröffentlichte, hieß der Weg nach Wilmersdorf Schmargendorferstraße, weil er nach Schmargendorf führte. Nachdem Preußen 1868 Kurhessen und Nassau annektiert hatte und Kaiser Wilhelm II. Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel zu seiner Sommerresidenz machte, sorgten die Friedenauer Gemeindevertreter 1890 für die Umbenennung in Kasselerstraße. Als der kaiserliche Hofstaat die Thermalquellen von Wiesbaden für Badekuren entdeckte und Wilhelm II. das Nizza des Nordens mit Kurhaus, Spielbank und Staatstheater geschaffen hatte, machte Friedenau 1902 aus der Kasselerstraße die Wiesbadener Straße. Nachdem sich die Gemeinde Wilmersdorf 1909 dazu entschlossen hatte, das Teilstück zwischen Laubacher Straße und Mecklenburger Straße auch Wiesbadener Straße zu nennen, gab es eine neue Nummerierung. Seither gehören Nr. 1-15 und Nr. 78-89 zu Friedenau und Nr. 16-77 zu Wilmersdorf. 1959 setzte das Bezirksamt Schöneberg eine Verbreiterung der Wiesbadener Straße zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Laubacher Straße durch. Die Vorgärten wurden gestutzt: Das Rondell des Schillerplatzes verschwand. Die Probleme an der Kreuzung Wiesbadener Straße, Laubacher Straße und Südwestkorso wurden bis heute nicht gelöst.

 

Britische Soldaten bei der Plünderung des niedergebrannten Oba-Palasts in Benin City im Februar 1897

Wiesbadener Straße Nr. 2

Friedrich Rathgen (1862-1942)

 

Vier Tage vor Heiligabend 2022 übergaben Annalena Baerbock und Claudia Roth in Nigerias Hauptstadt Abuja 20 Benin-Bronzen – 9724 Flugkilometer, 6 Stunden hin, 6 Stunden zurück, eine Reise, mit der vergessen gemacht werden sollte, dass 2019 noch verkündet wurde, 200 Objekte dieser Beutekunst im Humboldt Forum auszustellen. Es brauchte lange, bis Berlin über Provenienz und Erwerb Auskunft gab. Zu lesen ist nun: Geplündert 1897 im Zusammenhang mit der britischen Eroberung von Benin bzw. aus unbekanntem Besitz oder Erwerb, Tausch und Geschenk von Stevens' Auction Rooms Ltd. London, Hanseatische Nahrungsmittelfabrik Bey & Co., Konsul Eduard Schmidt (Afrikanische Dampfschiffs-Actiengesellschaft Woermann-Linie) sowie der Sammler William Downing Webster und Hans Meyer.

 

 

 

 

 

Die Aufnahme vom Februar 1897, wo britische Soldaten im niedergebrannten Oba-Palast in Benin damit beschäftigt sind, die Bronzen zu sortieren, lässt erahnen, in welchem Zustand die Objekte vom Museum für Völkerkunde Berlin damals erworben wurden. Deutlich wird das in einem Bericht von Helmut Otto über Das chemische Laboratorium der Königlichen Museen in Berlin, publiziert in Berliner Beiträge zur Archäometrie 4/1979. Dort heißt es, dass auch der Ethnograph Felix von Luschan (1854-1924) die wichtigsten Denkmäler der Kunst von Benin von seinen Reisen nach Berlin brachte, und dem Leiter des Chemischen Labors der Königlichen Museen Prof. Dr. Friedrich Rathgen zur Untersuchung übergab. Rathgen klagte im September 1900 darüber, dass die für die chemische Untersuchung zur Verfügung gestellten 5 Proben zu klein für eine genaue Untersuchung seien. Diese könnte erst durch die Einführung der Spektralanalyse oder sogenannter zerstörungsfreier Untersuchngsmethoden behoben werden. Rathgen erkannte, dass die salz- und chlorhaltigen Eisen-, Bronze-, Stein- und Keramikobjekte auf die Feuchtigkeit der Luft reagieren und ohne konservierende Behandlung einem fortschreitenden Verfall ausgesetzt sind. In seinem Handbuch für die Konservierung von Altertumsfunden forderte er bereits 1898 vorbeugend die Aufbewahrung in luftdichten Vitrinen. Seine Analysen und die nachfolgende Restaurierung haben zweifellos den Erhalt der in Berlin aufbewahrten Benin-Bronzen gesichert.

 

Friedrich Rathgen um 1888. Archiv Frank Neumann

Friedrich Rathgen um 1888Friedrich Rathgen (1862-1942) hatte Mineralogie, Chemie, Physik und Philosophie studiert. 1885 wurde er Assistent am Chemischen Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Seine Arbeiten über Konservierung, Analyse und Untersuchung von Museumsobjekten führten dazu, dass er 1888 zum Direktor des ersten Chemischen Laboratoriums der Königlichen Museen berufen wurde. Zur rechten Zeit, da das Museum für Völkerkunde umfangreichen Zuwachs erhalten hatte.

Friedrich und Maria Rathgen geb. Holtz. Archiv Inge Rabe & Frank Neumann

Kaum im Amt, gab es am 25. Juli 1888 die Hochzeit mit Marie Holtz (1866-1943). Er hatte sie in Flensburg kennengelernt, und war sich bald klar darüber, sie und keine andere die meine werden müsse. Am 2. Mai 1889 wird in Berlin, Lothringerstraße Nr. 67 III. Stock, Tochter Gertrud (1889-1971) geboren. 1891 zieht die Familie nach Wilmersdorf in die Berlinerstraße Nr. 157, II. Stock. 1894 dann der Umzug in die Parterre-Wohnung im Haus von Schlossbibliothekar Walter Robert-Tornow in der Goßlerstraße Nr. 9 in Friedenau. Als Tornow ein Jahr später verstarb und die Erben das Anwesen übernahmen, stellte sich für die Familie Rathgen erneut die Wohnungsfrage.

 

Da sich um die Ecke in der bisher nicht regulierten Kaßlerstraße bereits drei Häuser befanden, darunter zwei bewohnte, und sich die Baulust in der dortigen Gegend in Zukunft mehr regen wird, erwarb Rathgen 1897/98 ein Grundstück – und ließ bauen, mit Genehmigung von Friedenaus Amtsvorsteher Major a. D, Roenneberg, der keine Bedenken getragen habe, die Genehmigung zur Ausschachtung und Fundamentirung bis zur Plinthe, wie auch sonst stets, zu gestatten. Sobald der Bau jedoch über die erlaubte Höhe hinausgewachsen gewesen, habe er eine Strafe von 30 M. verfügt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 29. Oktober 1898 musste Rathgen daher bei der Gemeinde einen dringlichen Antrag auf Erteilung einer Bauerlaubnis stellen. Dies veranlasste die Gemeindeverordneten Wille, Krohn, Rösler, Panse und Homuth im November 1898 zu einem Antrag an Roenneberg, der daraufhin für den 15. Dezember 1898 eine Sitzung der Gemeindevertretung ansetzte. Der Friedenauer Lokal-Anzeiger vermutete, dass es sich um den Neubau an der Kaßlerstraße handelt, der bekanntlich im Rohbau vollendet ist, ohne daß von der Gemeindevertretung die Genehmigung zur Ertheilung der Bauerlaubniß ausgesprochen worden ist. Die Angelegenheit führte zu heftigen Debatten. Die „Ertheilung der Erlaubniß zum Bau eines Wohnhauses an der Kaßlerstraße" nahm ein so großes Interesse für sich in Anspruch, daß sogar die beiden im Zuhörerraum befindlichen Stühle von Bürgern besetzt waren, ein Ereigniß, das nicht gerade oft zu passieren pflegt.

 

 

Die Gemeindevertreter standen vor dem Faktum, daß das Haus fertig ist, und sollen jetzt erst unsere Genehmigung zum Bau ertheilen. Das ist nicht im Sinne des Gesetzes von 1875. Während der Sitzung traten einige Ungereimtheiten zu Tage, so die Tatsache, dass das Rathgensche Bauland den Roenneberg'schen Erben gehört habe, und damit der Name Roenneberg mit der Sache in Zusammenhang gebracht wurde. Amtsvorsteher Roenneberg erklärte dennoch, ganz selbstlos gehandelt und kein persönliches Interesse an der Sache gehabt zu haben. Bei der Ertheilung der Bauerlaubniß war nur der Grund bestimmend gewesen, die Gegend zu erschließen. Die Bedingungen wahrten alle Rechte der Gemeinde. Der Besitzer wolle die Kosten der Entwässerung mit 30 M. per laufenden Meter zahlen, verzichte auf die Pflasterung so lange, bis die Gemeinde sie ausführt, und wolle die antheiligen Pflasterkosten hvphothekarisch eintragen lassen.

 

Schließlich führte Roenneberg auch noch das Ortsstatut an, wonach das Grundstück mindestens von einer regulirten Straße aus zugänglich sein muß. Das ist doch hier der Fall, indem die Kaßlerstraße von der Kaiserallee aus zugänglich ist. Gemeindevertreter und Architekt Paul Kunow widersprach: Das Wort ‚zugänglich' sei nach dem Gesetz so zu verstehen, daß ein Grundstück, das hinter einem anderen liegt, durch einen besonderen Weg von der Straße aus zugänglich sein muß. Man könne das aber nicht anwenden auf Grundstücke, die an unregulirten Straßen liegen, welch letztere dann in regulirte Straßen einmünden. Fasse man den Paragraphen so auf, dann wäre ja das ganze Gesetz hinfällig.

 

In Anbetracht der abgegebenen verbindlichen Erklärung des Dr. Rathgen und der Tatsache, daß das Haus fertig ist, und mit Rücksicht darauf, daß das Haus erst im September bezogen werden soll, erteilte die Gemeindevertretung am 15. Dezember 1898 nachträglich ihre Genehmigung zu dem Bau des Hauses des Herrn Dr. Rathgen an der Kaßlerstraße. Bis auf Weiteres vertagt wurde allerdings die Genehmigung zum Anschluß des Hauses an die Kanalisation.

 

Nachdem Herr Dr. Rathgen am 6. Juli 1899 um Erteilung der Erlaubnis zum Anschluß seines Grundstücks an die öffentliche Entwässerungs-Anlage ersucht hatte, beschloss die Gemeinde-vertretung am 15. Juli die Anlage eines Entwässerungskanals bis zum Rathgen'schen Grundstücke in der Kaßlerstraße. Die Kosten bis zu 630 M. sind über den Etat zu verausgaben.

 

Haus Wiesbadener Straße 2. Archiv Rabe-Kleberg

1902 wurde die Kaßlerstraße in Wiesbadener Straße umbenannt und erhielt eine neue Nummerierung. Hatte das Rathgensche Haus bisher Nr. 4 (1899) bzw. Nr. 3 (1902), war es nun Wiesbadener Straße Nr. 2.

 

Dort hatte sich der Bauherr von einem bisher nicht bekannten Architekten das Wohnhaus errichten lassen. Da nach der Baupolizeiordnung für die Berliner Vororte von 1892 sowohl Mietshäuser bis zu 18 m Höhe als auch eine landhausmäßige Bebauung möglich war, entschieden sich die Rathgens für ein Landhaus. So kam es, dass in der Wiesbadener Straße zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Schillerplatz neben den viergeschossigen Mietshäusern (nebst Seitenflügeln und Gartenhäusern) nur Nr. 2 mit einem Landhaus nebst drei Meter breitem Bauwich zwischen Nr. 1 und Nr. 3 bebaut wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rathgen und sein Architekt modifizierten die Friedenauer Landhausbebauung. Über dem verputzten Souterrain entstand eine Fassade aus Sichtziegeln, Gurtgesimsen und Putzstreifen, darüber die Beletage und das ausgebaute Dachgeschoss. Auf Stuck wurde weitgehend verzichtet. Lediglich das Giebelfeld wurde – wohl auf Wunsch des Chemikers – mit einem Relief aus Retorte und Rundkolben geschmückt. Kurios blieben in den nächsten vier Jahrzehnten für die Wiesbadener Straße die Einträge im Adreßbbuch. Während bei den viergeschossigen Nachbarhäusern stets über ein Dutzend Mieter aufgeführt werden, ist bei Nr. 2 neben Eigentümer Rathgen immer nur ein Mieter eingetragen: Streckenwärter Burchardt (1903), Buchdruckereiarbeiter Köppen (1904), Hausdiener Mrosek (1908), Bahnarbeiter Gneist (1910), Maurer Hinze (1913), Eisenbahner Zander (1916), Tischler Engel (1920), Vergolder Utz (1930), Herrenschneider Tausendfreund (1940), Gartenarbeiter Luck (1941), Einrichter Kurz (1943).

 

Friedrich und Maria Rathgen am Schreibtisch. Archiv Frank Neumann

Es ist kaum vorstellbar, dass sich der Hausherr mit dem Friedenauer Alltag beschäftigte. Dafür war Maria, genannt Marie, auch Mite, mitunter auch Frau Professor Rathgen zuständig. Ausgerüstet mit einem kämpferischen Geist, dem ein gut Teil kaufmännischen Spürsinns als väterliches Erbgut innewont, stark im Willen und in der Selbstbehauptung, meisterte Friedrich Rathgen die Schwierigkeiten. Gilt das nicht auch für Maria Rathgen? Hat sie nicht auch sein Lebenswerk mitbestimmt? Das Foto, sie konzentriert hinter dem Schreibtisch, er (mit Hund) davor, deutet daraufhin. Ohne ihr Zuarbeiten für seine Vorträge, Lichtbildersammlung und Karteikarten wäre das sicher nicht möglich gewesen. Von Jugend an habe ich Liebe zu den Blumen gehabt. Auch mein Garten in Friedenau hat mir immer am Herze gelegen. Galt das nicht auch für Marie, die sich mit den häufig wechselnden Mietern im Souterrain um Haus und Hof kümmerte, wofür ich bei den früher in Friedenau üblichen Prämierungen der Vorgärten mehrfach bedacht worden bin. Nur er?

 

 

 

Gertrud und Max Neumann. Arciv Inge Rabe & Frank Neumann

Am 7. Januar 1912 heiratete Rathgens Tochter Gertrud in Friedenau den Regierungsbaumeister des Hochbaufaches Max Neumann (1881-1942). Ihm oblag seit 1911 die Bauleitung für die evangelische Kirche in Exin (Kreis Schubin). Aus der Ehe stammen Sohn Bernhard Neumann (1913-1963) und Tochter Inge Neumann (1915-1973). Nach Stationen in Bromberg und Posen wurde Max Neumann 1920 Stadtbaurat von Neuruppin. Für dessen Kinder wiederum entstand 1928 die Schrift Den Enkelkindern zur Erinnerung an ihren Großvater Friedrich Rathgen. Dazu gehören auch selbst gefertigte Bilderbücher und Spiele, ein ABC-Buch, das die lateinischen Buchstabden mit Illustrationen und die deutsche Schrift bietet, zu jedem Buchstaben jedes Mal eine andere Zeichnung, und das großflächige Gesellschaftsspiel „Der Markensammler auf Reisen“ mit exakt ausgeführten Spielregeln und Spielfeld.

 

 

 

 

Friedrich Rathgen im Labor

Im Rahmen der Friedenauer Vortragsabende für Kunst und Wissenschaft hielt Rathgen am 12. Januar 1912 im Festsaal des Reformrealgymnasiums einen Vortrag über Die Chemie im Dienste der Altertumskunde. Herr Professor Dr. Rathgen eröffnete mit seinem Lichtbildervortrag ein interessantes Gebiet. In den ersten Bildern wurde uns die zerstörende Eigenschaft der verschiedenen Salze und der Gipse vor Augen geführt, hiernach erfolgten die Erläuterungen, wie der Chemiker bei Sand-, Kalkstein sowie Tontafeln und Tongefäßen diese Salze entfernt, um dadurch wertvolle antike Funde zu erhalten. Nach den Vorführungen der Wiedergewinnung wichtiger Ton- und Steintafeln usw. folgten Darstellungen der Entfernung des Rostes vom Eisen und des Überzuges von Bronzen. Silber. Blei usw. Während zur Entfernung der Salze Wasser- oder Salzsäurelösungs-Bäder angewendet werden, geschieht die Entfernung der Metallüberzüge zumeist auf elektrisch-galvanischem Wege. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden für seine sehr belehrenden Ausführungen.

 

 

Gleich nach Beginn des Krieges hatte sich Rathgen dem Direktor des Friedenauer Realgymnasiums zur Verfügung gestellt für den Fall, daß durch die Einberufung von Lehrern vielleicht eine Lücke im Chemieunterricht der Anstalt entstehen würde. Mein Angebot war ihm nicht unwillkommen. Ich übernahm den Unterricht zuerst in beschränktem Maße in der Chemie, aber nach einiger Zeit gab ich nicht nur den gesamten Chemieunterricht in der Doppelanstalt, Reformrealgymnasium und Realschule, sondern unterrichtete auch noch in der Naturgeschichte und Erdkunde.

 

Mit der Weimarer Republik wurde Rathgen 1919 Vorsitzender des Friedenauer Bürgerbundes, und richtete zur Frage ‚Groß-Berlin‘ in berechtigtem Stolze auf die Erfolge der bisherigen Selbstverwaltung Friedenaus an den Bürgerrat von Groß-Berlin das Ersuchen, bei der preußischen Landesversammlung mit allen. Mitteln dahin zu wirken, daß in dem vorliegenden Gesetzentwurfe betr. Bildung der Stadt Groß-Berlin die Selbstverwaltung der. einzelnen historisch entstandenen Gemeinden in möglichst weitem Umfange erhalten bleibe. Nachdem Friedenau verwaltungsmäßig zu Schöneberg kam, übernahm Friedrich Rathgen als ehrenamtlicher Stadtrat die Park- und Friedhofsverwaltung.

 

Bronzerelief Friedrich Rathgen von Heinrich Mißfeldt, 1932. Archiv Frank Neumann

1927 wird Friedrich Rathgen pensioniert. Zum seinem 70. Geburtstag wird ihm am 2. Juni 1932 ein Bronzerelief überreicht, das der seit 1898 in Friedenau lebende Medailleur Heinrich Mißfeldt (1872-1945) entworfen hatte. Für die Wahl Mißfeldts dürfte wohl entscheidend gewesen sein, dass beide ziemlich mit ihrem Heimatland Schleswig-Holstein verbunden waren. Während Mißfeldt immer wieder Büsten, Statuetten, Reliefs und Denkmale für norddeutsche Schriftsteller und Maler schuf, wandte Rathgen, wo immer es ihm geeignet schien, sein Plattdeutsch an, besonders dann, wenn er seinem Herzen freien Lauf geben wollte.

 

Friedrich Rathgen starb am 19. November 1942 in Friedenau. Als die Bombenangriffe auf Berlin immer zahlreicher wurden, zog Witwe Maria Rathgen Anfang 1943 nach Neuruppin in das Haus ihres am 5. Oktober 1942 verstorbenen Schwiegersohns Max Neumann. Fünf Monate später verstarb sie am 21. Mai 1943 in Neuruppin.

 

Eigentlich gingen wir beim Anblick des in den 1970er Jahren errichteten Mietshauses Wiesbadener Straße Nr. 2 immer davon aus, dass die Weltkriegsbomben eine Ruine hinterlassen hatten. In dem von Prof. Helmut Otto (1937-2012) veröffentlichten Artikel Das chemische Laboaratorium der Königlichen Museen in Berlin (1979) fanden wir dann aber die Notiz, dass sich das Bronzerelief von Heinrich Mißfeldt im Besitz von Herrn Frank Neumann befindet, und Frau Inge Rabe, Hamburg, den Kontakt zu ihm vermittelt hatte.

 

Von Frank Neumann erfuhren, dass diese Inge Rabe (* 1915) aus der Ehe von Rathgens Tochter Gertrud (1889-1971) mit Max Neumann (1881-1942) hervorging. Inge heiratete 1945 den Dipl. Ing. Karl Heinz Rabe. Aus dieser Verbindung stammt Sohn Christian Rabe, der 1973 die wissenschaftliche Assistentin an der Wilhelmsuniversität Münster Ursula Kleberg (* 1948) heiratete. Frank Neumann berichtete weiter über das Haus Wiesbadener Straße 2, dass mein inzwischen verstorbener Cousin Christian Rabe (1947-2022) und seine spätere Frau Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg (jetzt Halle) Ende der Sechziger Jahre im Souterrain gewohnt haben.

 

 

 

Wiesbadener Straße 2. Foto Hahn & Stich, 2023

Das Haus hatte also zu unserem Erstaunen den Zweiten Weltkrieg doch überlebt. Eine fast unglaubliche Geschichte tut sich auf, über die in sämtlichen Friedenau-Büchern nichts zu lesen ist. Nun erfahren wir, dass Christian und Ursula Rabe seit 1967 im Souterrain lebten und von 1968 bis 1973 mit studierenden Freunden in den großen Zimmern der Beletage eine ‚Wohnungemeinschaft‘ ausprobierten. Da sich die Erbengemeinschaft nicht auf den Erhalt des Landhauses einigen konnte, wurde es Mitte der 1970er Jahre verkauft und mit Zustimmung des Landesdenkmalamtes Berlin abgerissen. Das Bezirksamt Schöneberg genehmigte schließlich den Bau des siebengeschossigen bemerkenswert hässlichen Mietshauses.

 

Ausgestattet mit diesen Hinweisen fanden wir inzwischen eine Luftaufnahme von 1928 und den vom Bezirksamt Schöneberg 1959 erstellten Bebauungsplan XI-74 für die Verbreiterung der Wiesbadener Straße. Auf beiden Ansichten ist das Landhaus Wiesbadener Straße 2 deutlich zu erkennen. Weiteren Aufschluss über das Schicksal des Hauses versprechen wir uns durch den Austausch mit Ursula Rabe-Kleberg, die uns freundlicherweise Fotos vom Zustand des Hauses vor dem Abriss in den 1970er Jahren zur Verfügung stellen wird. Darauf sind wir sehr gespannt und bedanken uns im Voraus für die Hilfe.


 

 

An dieser Stelle also demnächst erstmals veröffentlichte Fotos vom ehemaligen „Landhaus Rathgen“ in der Wiesbadener Straße Nr. 2.

 

Nachtrag

 

Das Chemische Laboratorium in den Kolonnaden auf der Museumsinsel wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und im Magazinbau in Dahlem untergebracht. 1975 ermöglichte die Stiftung Volkswagenwerk die Wiedereröffnung des Rathgen-Forschungslabors in der Charlottenburger Schloßstraße. 1992 erfolgte die Zusammenlegung des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz (West) mit den Zentralen Werkstätten der Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) zum neuen Rathgen-Forschungslabor. Mit dem Chemischen Laboratorium der Königlichen Museen hat Friedrich Rathgen wesentlich zu einer nachhaltigen Konservierung und Restaurierung beigetragen – auch der Benin-Bronzen.

 

Empfehlungen:

Helmut Otto: Berliner Beiträge zur Archäometrie 4/1979 – Das chemische Laboratorium der Königlichen Museen in Berlin

https://www.smb.museum/fileadmin/website/Institute/Rathgen-Forschungslabor/02_Forschung/03_Publikationen/BBA/Bd.04/03_BBA_Bd04_1979_FriedrichWilhelmRathgen_42-112.pdf

 

Online-Präsentation der Sammlungsbestände der Benin-Bronzen im Ethnologischen Museum Berlin, mit Informationen zu Provenienz und Erwerb.

 

 

Wiesbadener Straße 7. Sammlung Staudt, Museum Schöneberg

Wiesbadener Straße Nr. 7

 

Fotografie von Arbeitern bei der Beseitigung von Trümmern auf dem Gelände des zerstörten Hinterhauses der Wiesbadener Straße 7, aufgenommen von Herwarth Staudt am 11. Juni 1952 im Auftrag des Baulenkungsamtes Schöneberg.

 

 

Weiteres in Vorbereitung

Wiesbadener Straße Nr. 83. Hahn & Stich, 2019

Wiesbadener Straße Nr. 83

Rotdornstraße Nr. 1

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Paul Schröder

Bauherr Johannes Eichholz

1905

 

Das Eckhaus ist ein eleganter Jugendstilbau mit zwei ausgebauten Ateliers im Dachgeschoss, die jeweils hinter Querhäusern mit Schweifgiebeln nach Norden und nach Osten angeordnet sind. Das Haus hat - wie sein Pendant - zwei Eingänge, von denen je ein Zweispänner erschlossen wird. Die beiden Fassaden sind ähnlich wie bei seinem Pendant, doch ein wenig kontrastierend angelegt. Der Eckerker ist nicht turmartig erhöht, sondern schließt mit einer flachen Kuppel ab. Die Fassade an der Wiesbadener Straße zeigt auch einen Mittelerker und seitliche Loggien, aber im Erdgeschoss an der Ecke eine Reihe von Ladenportalen mit Rundbogenfenstern und mehreren Eingängen. Bei der Fassade in der Rotdornstraße ist in der Mittelachse anstelle kleiner Rundbalkons von gegenüber kontrastierend ein breiter Erker getreten, der seitlich wiederum von schmalen Erkern flankiert wird. Auch hier schließen im Süden Loggien die Fassade ab. Die jeweiligen Fassaden sind bei beiden Häusern in sich symmetrisch konzipiert, aber auch - trotz unterschiedlicher Breite - korrespondierend um die Hausecke herum komponiert. Landesdenkmalamt

Wiesbadener Straße Nr. 84. Hahn & Stich, 2019

Wiesbadener Straße Nr. 84

Rotdornstraße Nr. 9

Baudenkmal Mietshaus

Entwurf Paul Schröder

1904-1905

 

Der elegante Jugendstilbau mit zwei Ateliers im Dachgeschoß, die jeweils hinter Querhäusern mit schwungvollen Schweifgiebeln nach Norden und Westen angeordnet sind, hat zwei Eingänge, von denen aus jeweils ein Zweispänner erschlossen wird. Die Fassaden sind jeweils symmetrisch angelegt. Die Ecke des Hauses wird durch einen auskragenden 5/8-Erker mit turmartigem Aufsatz markiert. Die Mittelachse der Fassade wird durch einen vorspringenden Erker über dem Hauseingang und einen Quergiebel mit dem Atelier betont, östlich davon befinden sich Loggien und westlich Fenster und der Erker. Die breitere Fassade in der Rotdornstraße zeigt beiderseits der Mittelachse, die durch kleine Rundbalkons und den großen Quergiebel betont wird, symmetrisch angeordnete Erker mit Balkons. Im Süden schließen Loggien die Fassade ab. Das Erdgeschoss ist als Rustikageschoss ausgeführt, die darüber aufgehenden Geschosse sind durch Kolossallisenen bis zum Traufgesims gegliedert. Die Einfriedung des Vorgartens an der Rotdornstraße ist original. Landesdenkmalamt

 

 

***

 

Ursula Sax, 2015. Foto Dietmar Bührer

Wiesbadener Straße Nr. 84

Ursula Sax

(* 1935)

 

Die gelbe Spirale stiehlt dem Berliner Funkturm etwas die Show. 19 Meter ragt die Skulptur aus dem Erdboden heraus und überspannt eine Distanz von 50 Metern. Das Kunstwerk namens Looping besteht aus Stahlrohr mit einem Durchmesser von 40 Zoll, ist 130 Meter lang und hat ein Gewicht von 35 Tonnen. Die Gesamtkosten betrugen rund 1,3 Millionen DM. Am 3. August 1992 war das Kunstwerk endlich vollendet – rechtzeitig zur Umbenennung der bisherigen Ausstellungs-, Messe-, Kongress-GmbH (AMK) zur Messe Berlin GmbH.

 

Viele Jahre schien es, als würde es zu einer Realisierung gar nicht mehr kommen. Den Entwurf hatte Ursula Sax 1987 für den von der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen ausgeschriebenen Wettbewerb Kunst am Bau eingereicht und gewonnen.

 

 

Damals wurde an der Spree in Ost und West 750 Jahre Berlin gefeiert. Im Osten entstand auf mittelalterlichen Grundrissen das Nikolaiviertel mit Pseudo-Bürgerhäusern im Plattenbaustil, im Westen zwischen Breitscheid- und Rathenauplatz ein Skulpturenboulevard, von dem bis heute drei Skulpturen an ihrem Standort blieben, Berlin von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, Pyramide von Josef Erben und die Beton-Cadillacs von Wolf Vostell. Als Fortsetzung könnte damals auch Looping als signifikantes Markenzeichen für den neuen Eingangsbereich des Messegeländes am Funkturm angedacht worden sein.

 

Die Realisierung verzögerte sich (auch) auf Grund technischer Schwierigkeiten. Die Suche nach einer Firma, die in der Lage war, das komplizierte Modell in eine Statik zu übertragen und das Stahlrohr präzise zu formen, erwies sich als schwierig. Schließlich übernahm die Mannesmann-Seiffert GmbH den Auftrag, was uns wiederum Gelegenheit gibt, vergangene Industriegeschichte zu beleuchten.

 

Die Firma wurde 1893 in Wedding unter dem Namen Franz Seiffert & Co als Werkstatt für den industriellen Rohrleitungsbau gegründet und um ein Werk in Finow erweitert. 1938 erfolgt die Übernahme durch die Mannesmann-Röhren-Werke. 1948 kommt es im Osten zum VEB Rohrsysteme Finow und in den Westsektoren von Berlin zur Mannesmann Seiffert GmbH, die später unter Salzgitter Mannesmann firmiert. Inzwischen können im Rohrbiegewerk der Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH in Mülheim an der Ruhr nahtlose und geschweißte induktivgebogene Stahlrohre in jedem gewünschten Biege-Radius von 200 mm bis 10.000 mm gefertigt werden. Obwohl es nach dem Fall der Mauer in Berlin erst einmal Wichtigeres zu tun gab, geriet der Auftrag nicht in Vergessenheit. In Mülheim entstanden 27 einzelne Rohrsegmente mit den präzise berechneten Krümmungen (Bögen), die ans Messegelände geliefert und zu drei Hauptteilen zusammengefügt wurden. Am geplanten Aufstellungsort wurde ein Gerüst aufgestellt, von dem aus Looping zusammengeschweißt wurde. Es folgten nach Angaben von Susanne Kähler, Professorin für Museumskunde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), „die Glättung der Gesamtfigur per Hand mit Kitt und Spachtel, das Auftragen von Rostschutz und Grundierung und anschließend der Überzug mit gelbem Lack“. So kam es, dass Ursula Sax und Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) erst am 30. Juli 1992 die ersten gelben Pinselstriche ausführen konnten. Am 3. August 1992 wurde das „neue Ausrufezeichen für das Messegelände als weiterer Merkposten für die Baukultur in Berlin“ eingeweiht.

 

Als wir herausfanden, dass Ursula Sax von 1960 bis 1965 in der Brünnhildestraße Nr. 8 gewohnt hatte, wollten wir über die Künstlerin auch auf dieser Webseite berichten. Unsere Bitte beantwortete sie am 24. August 2017 postwendend: Ich habe nichts dagegen. Teilen Sie mir mit, wie Sie sich das vorstellen.

 

Das war schwieriger als gedacht, da Ursula Sax ihre eigene Webseite www.werksax.de so umfassend und vollkommen gefüllt hatte, dass wir erst einmal keinen Ansatz fanden – und ihr das auch freimütig mitteilten. Wieder ging umgehend ihre Antwort per Mail ein: Ich reiche Sie weiter an meinen Galeristen, Galerie Semjon Contemporary, der mein Archiv beherrscht / besitzt. Es gibt ein hübsches Jugendfoto von mir in der Brünnhildestraße. Ich möchte von meinen Arbeiten den „Raummesser“ abgebildet haben und den Rest vereinbaren Sie bitte mit Semjon. Am 27. August half sie uns weiter: Vorneweg: die Brünnhildestraße war keine sehr glückliche Station von mir, dorthin möchte ich nicht gern „zurückkehren“, dann war die Wiesbadener Straße schon viel besser. Können Sie diesen ART-Artikel gebrauchen, da sind gleich mehrere Punkte abgedeckt: Die Vielseitigkeit, das Porträt, Biografie, fachkundige Besprechung? Es gibt noch einen Artikel in der Weltkunst: beide sind vor einem Jahr erschienen. Soviel mal für heute. Herzlichen Gruß Ursula Sax.

 

Es kam der 27. Juli 2020 – der 85. Geburtstag von Ursula Sax. Berlin hüllte sich in Schweigen. Der betuliche Tagesspiegel ohnehin, vom schläfrigen rbb war sowieso nichts zu erwarten und die SPD-Bürgermeister von Schöneberg (Angelika Schöttler) und Wilmersdorf (Reinhard Naumann), in deren Bezirken die äußerst vielseitige und doch weithin „Unbekannte“ lebte und lebt, waren wohl mehr mit Kühnert & Müller beschäftigt.

 

Auf das hübsche Jugendfoto von mir in der Brünnhildestraße haben wir verzichtet. Wie schon so oft, wenn wir mit Künstlerfotos in Nöten waren, baten wir den Fotografen und Verleger Dietmar Bührer aus der Odenwaldstraße um Hilfe. Ihm ist 2015 ein Foto von Ursula Sax gelungen, das neben ihrer Kunst auch eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit zeigt. Bedacht mit Dietmar Bührers selbstverständlich und sonnigen Grüßen bedanken wir uns für die Erlaubnis.

 

Ursula Sax wurde 1935 in Backnang geboren, studierte Bildhauerei an der Stuttgarter Akademie und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Nach Professuren in Berlin und Braunschweig nahm die „Künstlerin aus dem Westen“ 1993 den Ruf an die Hochschule für Bildende Künste Dresden an, die „bis zu ihrem Eintreten ein Hort der organisch ponderierten Figuration in Plastik und Skulptur gewesen ist“. Eine schwierige Aufgabe, für die der 1953 im vorpommerschen Demmin geborene heutige Hochschulrektor Matthias Flügge klare Worte findet: Die Dresdner Kunstakademie dankt Ursula Sax einen prägenden Beitrag zu ihrer Neuausrichtung in den 1990er Jahren.

 

Mit der Emeritierung im Jahr 2000 begann Ursula Sax in ihrem Radebeuler Domizil Altkötzschenbroda  wieder freischaffend zu arbeiten. Nach über einem Jahrzehnt in Radebeul kehrte sie 2013 im Alter von 78 Jahren nach Berlin zurück. Dem Ort hinterließ sie sechs Plastiken und ein großformatiges Kunstobjekt im Bürgerpark neben den Landebühnen. Der Berlinischen Galerie hat sie eine umfangreiche Schenkung mit Stein- und Holzskulpturen, Metall- und Tonplastiken, Performancekleidern und –masken gemacht, die einen Einblick in ein beeindruckend vielgestaltiges Œuvre vermitteln. Nach Brünnhildestraße, Wiesbadener Straße, Potsdamer Straße, Königstraße und Hindenburgdamm lebt sie nun in der Bundesallee.

 

Ausführliche Bild- und Textdokumente finden Sie unter www.werksax.de

 

Entwurfsmodell Looping, 1987. Foto Reinhard Friedrich, Ursula Sax. Semjon Contemporary Galerie Berlin
Simulation Looping-Skulptur am Messegelände Berlin. Foto Reinhard Friedrich, Ursula Sax
Ursula Sax, Skulptur Looping. Quelle Wikipedia
Ursula Sax, Wettbewerbsentwurf für Looping, 1987. Galerie-Edition 2014, Semjon Contemporary Galerie Berlin
Looping-Teile im Rohrbiegewerk Mülheim. Mannesmann-Illustrierte 10-1992

 

Auf der Webseite des Rohrbiegewerks der Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH Mülheim existiert ein Video, das den Produktionsprozess von „gebogenen“ Stahlrohren analog der Skulptur LOOPING von Ursula Sax verdeutlicht. Wir danken Frau Dipl. Ing. Elke Muthmann, Betriebschefin des Rohrbiegewerks, für ihre Unterstützung. Mit Klick auf den roten Button startet die Filmsequenz.

Wiesbadener Straße 86. Sammlung Staudt, Museum Schönebeg

Wiesbadener Straße Nr. 86

 

Fotografie des Hinterhofs der Wiesbadener Straße 86, aufgenommen von Herwarth Staudt am 23. Mai 1953 im Auftrag des Baulenkungsamtes Schöneberg.

 

 

Weiteres in Vorbereitung

Wiesbadener Straße Nr. 89. Hahn & Stich, 2019

Wiesbadener Straße Nr. 89

Baudenkmal Landhaus

Entwurf Architekt Otto Hoffmann

Bauherr Otto Hoffmann

1888-1890

 

Das zweigeschossige Landhaus Wiesbadener Straße Nr. 89 wurde vom Architekten Otto Hoffmann für den Kaufmann Emil Karig gebaut, der sich schon 1886 an der Hedwigstraße Nr. 18/19 Ecke Rheinstraße Nr. 66 ein Wohn- und Geschäftshaus von Max Nagel hatte bauen lassen. Das Landhaus Karig ist spiegelbildlich zum benachbarten Haus Hoffmann angelegt, seine offene Veranda jedoch seit langem verglast. Der Zugang liegt an der Westseite des Hauses. Beide Häuser haben kleine Gärten mit originaler Einfriedung. Landesdenkmalamt

1907 Eröffnung der größten Eisbahn des Westens

Wiesbadener Straße Nr. 80-81

Sportplatz

 

Mit der Umbenennung der Schmargendorfer Straße zuerst in Kasseler Straße (1890) und dann in Wiesbadener Straße (1902) kam auch eine neue Bauordnung. Eigentümer des 0,55 ha großen Grundstücks an der Wiesbadener Straße zwischen Rheingau- und Homuthstraße war der Berlin-Charlottenburger Bauverein, der das als Neuer Sport- und Spielplatz bezeichnete Grundstück an den Fabrikdirektor F. Peters aus Johannisthal verkauft. Auf dem neuen Sportplatz Friedenau am Schillerplatz Wiesbadener Straße, 1 Min. v. d. Kirche, eröffnet der Gastwirt Wilhelm Grube 1907 die größte Eisbahn des Westens.

 

 

 

 

Zeitgleich bevollmächtigt die Gemeinde-Vertretung den Gemeinde-Vorsteher Bürgermeister Schnackenburg zur Entgegennahme der Auflassung des im Grundbuche von Friedenau Band XXIII Bl. Nr. 1148 verzeichneten, an der Wiesbadener-, Rheingau-, Schwalbacher- und Homuthstraße belegenen Grundststücks, dem Rentier Friedrich Peters gehörig. Ab 1910 ist die Gemeinde Friedenau Eigentümer des Neuen Sport- und Spielplatzes. Der Friedenauer Lokal-Anzeiger meldet: Der bekannte Sportplatzbesitzer Herr Wilhelm Grube hat das Grundstück auf mehrere Jahre gepachtet. Die Ebnung des Grundstückes und die Befestigung ist soweit vollendet, das schon im Frühjahr das sportlustige Publikum auf dem neuen Tennisplatz sich tummeln kann. Durch schöne Anlagen und Restaurationshallen wird der neue Platz einen angenehmen Aufenthalt für das Publikum bieten.

 

Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 verlor Friedenau seine Selbstständigkeit und bildete von da gemeinsam mit Schöneberg den 11. Berliner Verwaltungsbezirk. Eigentümer des Grundstücks Wiesbadener Straße Nr. 80-81 wurde die Stadt Berlin. Der Platz wird heute seither von den umliegenden Schulen für den Schulsport und vor allem vom Friedenauer TSC genutzt, auf dessen Betreiben hin der Platz vom Bauherrn Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg zwischen 2018 und 2022 eine grundhafte Erneuerung durch Landschaftsarchitektin Brigitte Gehrke erfuhr, zu der selbstverständlich eine Flutlichtanlage für Sportaktivitäten in den Abendstunden gehören musste.